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Ullrich Kohl

Ullrich Kohl

Ullrich:

Nach zwei Tagen ohne Intenet hat mich die Welt wieder. Und so kann ich über die letzten drei Tage berichten. Ich kann gleich vorweg sagen: Man kann auch ohne Internet sehr gut leben. Zumindest habe ich das die letzten drei Tage ausprobiert. Und ich habe nichts verpasst. Das funktioniert zu Hause wahrscheinlich nicht. Aber ich habe auf diesen Tagen auch so so viele Eindrücke und Gedanken erhalten, die ich nicht missen möchte. Das Internet könnte ich durchaus missen!

Tag 4 und der dritte Tag auf dem Rad stand im Zeichen der Fahrt von Livigno zum Stilfser Joch. Die Abfahrt war auf 08:30 teminiert, da wir einen defekten Mantel in der Gruppe zu beklagen hatten. Und da musste noch ein Sportgeschäft aufgesucht werden. Letzlich sind wir um kurz vor 09:00 Uhr im Hotel los gefahren. Wir haben dann auch noch ein Sportgeschäft gefunden. Was wir nicht wussten, der 15.8. ist ein hoher Feiertag in Italien. Aber in Livigno verdient man sehr viel Geld mit den Mountainbikern, und so hatten doch einige Geschäfte trotz Feiertag offen. Richtig los ging es dann um 09:20 Uhr.

Die Luft klar und sonnig. 11 Grad zeigte das Thermometer. Kurze Hose, kurzes Trikot und es fröstelte gar nicht. Denn die Sonne schien schon schön. Und so wärmte sie auch gleich die Haut durch die warmen Strahlen. In der Luft lag der Geruch von Rauch aus einem Holzofen. So nahm ich eine Spätsommer- bzw. Frühherbststimmung in den Alpen war, die ich so sehr liebe.

Als wir am See in Livigno vorbei fuhren  (Spaziergänger machen auch hier nicht notwendigerweise Platz doch das Miteinander zwischen Fahrradfahrern und Wanderrn ist hier viel entspannter als in Harz), ging es in den Schatten. Und es wurde sogleich sehr kühl. Das änderte sich schlagartig, als wir den Anstieg zum Passo di Alpisella auf 2268 Metern Höhe begannen. Da Livigno auf 1816 Metern Höhe liegt, mussten wir knapp 450 Höhenmeter überwinden. Ich habe hierfür 50 Minuten benötigt. Und dieses war sehr schwer, weil sehr steile Höhenmeter zu fahren waren.

Und das Fahren war manchmal nicht nur schwer, sondern einfach auch frustrierend. So wurde ich von einigen Mountainbikern überholt, die sehr gut trainiert waren. Jünger als ich waren sie sowieso. Warum kann ich nicht so schnell diese krasse Steigung zwischen 20 und 30%  fahren? Vielleicht, weil ich älter bin? Oder, weil ich kein E-Bike hatte? Denn auch diese Fahrradfahrer überholten uns auf der Strecke. Das ist für mich schon belastend gewesen. Ich total kaputt, ein E-Bike rauscht vorbei und der nicht schwitzende Fahrer grüßt nicht einmal. Letztlich haben ich die erste Steigung des Tages auch gemeistert. In der Gruppe gelang dieses allen. Der eine schneller, der andere langsamer.  Frank dachte ans aufgeben, weil er doch arg geschunden und kaputt war. Aber auch hier hat die Gruppe und holgers unbeschwerte Art die Weiterfahrt motiviert. Und es hat sich gelohnt!

Oben angekommen, kam dann noch eine geschätzt 62-65 Jahre alte Dame auf einem herkömmlichen Mountainbike daher gefahren. Ich zog bildlich meinen Hut. Sie fuhr nahezu entspannt. Absoluten Respekt in diesem Alter, diese Strecke gefahren zu sein. Nach kurzer Pause auf der Passhöhe ging es dann in einem tollen Trail wieder in Richtung Lago die Fraele. Holger gab mir noch einen Tipp und ich konnte meine Fahrtechnik auf dem Trail verbessern. Und so ging die lockere Abfahrt viel zu schnell vorbei.

Unten angekommen, umrundeten wir noch die Stauseen Lago di San Giacomo und Lago di Cancano um uns im Ristoro Solena noch kurz mit Nudeln zu stärken. Denn vor uns lagen wieder mehrere Hundert Höhenmeter, die steil im Berg angelegt waren. Und hier gab es wieder Grenzen, wie am ersten Tag schon beschrieben. Konnte ich unten den Trail noch sehr gut fahren, so änderte sich dieses mit zunehmender Höhe. Der Weg wurde nicht rutschiger oder enger, sondern einfach nur höher. Der steile Abgrund rechts- bzw. linksseitig hat mich doch sehr beeinflusst. Und so wurde mein Fahren zunehmend unsicherer. An ein ruhiges gerades Fahren war nicht mehr zu denken. Ich entschloss mich, zu gehen. Weiter  oben, wo ich die steilen Abhänge nicht mehr so wahrnehmen konnte, ging es mit dem Fahren auch wieder wunderbar. Letztes Wasserfassen auf einer Alpe und so ging es in schönster Sonne über den Bochetta di Pendanolo auf 2704 Metern in Richtung Bochetta di Forcola auf 2769 Metern. Wir kamen dem Ziel hoch zum Bochetta di forcola langsam näher. Auf flacheren alten Militärwegen schraubten wir uns hoch hinauf, bevor ein riesiges Geröllfeld, welches das Fahren für mich weitgehend verbot anschloss. Wir erreichten eine alte Armeestellung aus dem ersten Weltkrieg. Es ist schon schwer zu verstehen, dass sich Österreich/Ungarn, die Schweiz und Italien in solch trostlosem Land bekriegten. Aber ähnliches gibt es heut ja noch zwischen Pakistan und Indien. Verstehe da jemand die Welt.

Doch zurück zu unserer Fahrt: Über einen schönen Trail ging es zum Stilfser Joch. Nicht, ohne zuvor am Umbrailpass iim  außergewöhnlichen Café "Quarta Cantoniera Rita Dei Cas" noch Apfelkuchen zu essen. Der Laden schien in den 50er Jahren stehen geblieben zu sein.  Fast so wie der Harz, meine Heimat. Opi bereitete hinter der Theke die Getränke zu, während Omi bei sehr tragender, klassischer Musik sitzend den Apfelkuchen für uns schnitt (den Opi natürlich nach draussen zu uns brachte). Nichts könnte sie aus der Ruhe bringen, Außer eventuell ihr Mann, dem sie immer wieder Anwisungen gab.  Wer hier die Hosen bildlich an hatte, war schnell klar.

Wir nahmen hier die letzte Stärkung zu uns, um noch einmal 350 Höhenmeter zum Joch zu fahren. Dieses Mal auf der Straße. Von rücksichtslosen Autofahrern und auch Motorradfahrern mit überdimensioniertem Schallpegel teils an den Rand der Straße gedrückt, war ich froh, nach kapp einer halben Stunde den Pass erreicht zu haben, um den egoistischen Fahrzeuglenkern zu entkommen.  Unser Ziel hieß jedoch Garibaldi Hütte. Auch noch einmal knapp 100 Höhenmeter über dem Stilfser Joch auf der Grenze zwischen Italien iund der Schweiz lag sie. Hier sollten wir auf dieser einmaligen Hütte übernachten. Den direkten Blick auf den Ortler und die Serpentinen des Stilfser Joch konnten wir nach der letztlichen Schiebepassage innerhalb von 10 Minuten erblicken. Nun hieß es Abendessen, bevor ich mit 5 weiteren Radlern unserer Gruppe und dem Guide ein Zimmer bezog. Das letzte Mal hatte ich in meiner Jugendzeit in der Jugendherberge mit so vielen Personen das Zimmer geteilt. Eine neue, jedoch alte Erfahrung!

An diesem Abend beschloss ich auch, mit Frank am kommenden Tag über den Umbrailpass ins Val Müstair zu fahren. Der Goldseetrail, auf den ich mich so gefreut hatte, ließ sich für mich einfach nicht realisieren. Er ist ähnlich dem Trail, den wir an diesem Tag hoch gefahren waren. Da htte ich doch etwas zu viel Angst vor der Höhe und dem steilen Abhang seitlich des Trails. Und nur das Fahrrad schieben, macht auch kein Spaß. 

Ggf. gibt es später nochmal eine Möglichkeit. In diesem Jahr erschien mir der Goldseetrail für mich nicht machbar.

Aber dazu morgen mehr...

Wir lesen uns wieder, liebe Grüße

Ullrich

 

Frank:

Kurz vor dem Aufgeben
Der Wäscheservice des Hotels hatte gute Arbeit für unsere Bikekleidung vom ersten und zweiten Tag geleistet. Das Bett glücklicherweise auch, so dass ich gut geschlafen hatte, obwohl ich viel gegrübelt habe. Die Rucksäcke mussten wir heute richtig voll packen mit Übernachtungsgepäck für zwei Hüttenübernachtungen und Tauschwäsche für Stürze.

Aufgeben?
Nach dem frühen Frühstück ging es mit ca. 10kg Rückenlast um 8:15 Uhr zunächst in Richtung Livigno zu einem Bikeladen, weil Patrick einen neuen Reifen brauchte, nachdem der alte Reifen einen großen Riss hatte. Im zweiten Laden war die Suche von Erfolg gekrönt und die eigentliche Strapaze konnte von vorne beginnen. Der Passo Alpisella sollte der erste Anstieg sein – laut Holger fahrbar – für mich leider in Teilen nur schiebbar. 400hm steil nach oben – teilweise überholt von E-Bike-Fahrern (manchmal könnte ich schon k…) und Bikern ohne Mehrtagesgepäck. Frustierend ist das schon, wenn man dann da so hochschleicht. Aber selbst mir gelangen auch noch Überholungen. Vollkommen erledigt und frustriert erreichte ich die Passhöhe – fest entschlossen dem Spuk ein Ende zu setzen. Nur durch die Motivation eines wirklich überragenden Teams (ihr könntet Feuerwehrleute sein) entschloss ich mich der Tour noch eine Chance zu geben und mich weiter von der Sinnhaftigkeit des Kampfes zu überzeugen.
Tolle Ausblicke, klasse Trails und ein super Nudelgericht
Nach dem Passo di Alpisella folgte glücklicherweise ein überzeugendes Argument für das Weitermachen. Ein schöner Flowtrail durch eine Kiefernschonung führte bis zum Lage di Fraele hinunter. Der Lago di Fraele und der Lago di Cancano, zwei Stauseen in den Bergen von Bormio waren schnell auf einem staubigen Kiesweg umfahren. Das blaue Wasser vor der Kulisse der schroffen Berge und der Kiefernwälder war ein schöner Kontrast. Am Ende der Umrundung erreichten wir eine kleine Wirtschaft „Ristoro Solena“. Auch wenn diese Gaststätte sich eigentlich auf Feiertagsbetrieb eingestellt hatte (Maria Himmelfahrt) bekamen wir dort leckere Nudeln ala Napoli und das notwendige Spezi für die Weiterfahrt. Deutlich gestärkt konnte ich die eigentlich schwierige Passage des Tages beginnen.


Nichts für Menschen mit Höhenangst
Das Val Forcola lag vor uns – ein Tal, dass hoch hinauf bis in 2500m Höhe führt.
Jetzt bei 1900m – am Abend bei 2950m und „leider“ auch noch eine Zwischenabfahrt - das deutete schon auf einen erneuten Angriff auf die Reserven hin. Stetig ansteigend, aber auch für mich gut fahrbar ging es zunächst bis zu einer Brücke, an der wir die Talseite wechselten. Allerdings der Blick, zu dem was nun folgte war schlicht furchteinflößend – insbesondere wenn man ein ohnehin gespaltenes Verhältnis zu Felsabgründen hat. Ja ich gebe es zu – ich hatte Angst – zumindest von unten. Der Weg folgte einem alten Militärweg aus dem ersten Weltkrieg, der teilweise in den Fels gehauen war. 300m Felswand oder fast senkrechte Schutthänge – mitten drin der stark ausgesetzte Trail nach oben. Ich war froh, dass wir den Trail aufwärts fuhren bzw. gingen und nicht von oben befuhren – ich hätte nur geschoben. Deutlich zügiger als erwartet war nach ca. einer Stunde dieser Akt durch und wir hatten eine Hochebene erreicht. Aber es waren ja noch viele Höhenmeter übrig , die man jetzt sehen konnte. Vorbei an einer Almhütte und zunächst über eine Grasebene „Piani di Pedenolo“ führte der Trail weiter bergauf bis zum nächsten Bergmassiv auch mit Serpentinen – allerdings glücklicherweise nicht mehr so furchteinflößend. Nach einer weiteren Stunde waren am Bocchetta di Pedenolo 2500m erreicht und es musste ein steiles Geröllfeld schiebender Weise passiert werden. Die Felsbrocken waren teilweise so groß, dass man mit dem Fahrrad über das Geröll klettern musste.
Am Bocchetta di Forcola, der nächsten Passhöhe konnte man dann endlich das Tagesziel „Stilfser Joch“ in der Ferne erkennen. Über einen Anfangs schwindelerregenden Trail ging es dann flowig weiter bis zum Umbrailpass.

300m Passstraße – gefährlicher als der Rest der Tour.
Die Zeit schien in den 70er Jahren stehen geblieben zu sein in einem kleinen Gasthaus am Umbrailpass. Opernmusik als Hintergrundsmusik, eine alte Diva am Tisch, Möblierung und Deko aus den 50ern und ein sehr alter aber bemühter Gastwirt. Irgendwie war es unbeschreiblich, aber auch schön als wir eine Apfelstrudelpause vor dem Schlussanstieg auf der Passstraße zum Passo Stelvio (Stilfser Joch) machten. Was nun auf der Straße folgte war ein Schauspiel aus der Sicht eines Radfahrers. Autofahrer fuhren mehr oder weniger protzend ihre vermeintlichen Schmuckstücke mit teilweise quietschenden Reifen in den Kehren aus. Motorradfahrer (fast 50% mit GoPros) fuhren mit ihren Ducatis, Aprillas, Harleys, BMWs oder Japanern posend durch die Serpentinen. Mehr als einmal waren Fast-Crashs zu beobachten. Überholen in der Außenkurve bei Gegenverkehr… Eigentlich spannend, wenn man nicht selbst das schwächste Glied in der Kette gewesen wäre. Aber auch das ging gut. Aber auch die Passhöhe war nicht unser Ziel – nochmal fast 100m höher liegt das Rifugio Garibaldi, dass man noch auf einem steilen Pfad erklettern muss. Der Wirt gibt Freibier für alle, die das mit dem Bike schaffen. Ich glaube unser Guide schafft das, aber sonst ist das kein fahrlässiges Versprechen gewesen. Ich habe lieber die 4€ für mein Gipfelradler bezahlt.

Übernachtung an einem der spektakulärsten Orte der Welt
Die Bikes wurden im Keller der kleinen Hütte verstaut und wir machten ein paar Gipfelfotos. Erschöpft, aber glücklich und zufrieden über das geschaffte und vor allem über die Erwartung auf einen schönen Tagesabschluss an diesem Ort nahmen wir zunächst unsere Getränke auf der Terrasse. Die Hütte liegt genau auf der Grenze Schweiz/Italien und egal in welche Richtung man blickt es geht immer steil hinunter. Gegenüber die die Gletscher des Ortler, unten ca. 50 bis 100m tiefer die hässlichen Gebäude am Pass und auf den beiden Seiten die spektakulären Passstraßen.
Nach einem leckeren Abendessen und einigen gemütlichen Radlern ging es in ein modern eingerichtetes 6 Bett Zimmer.
Die Entscheidung war für mich gefallen – es gab kein zurück mehr. Ich ziehe die Tour bis zum Ende durch.

Fotos des Tages:

Der erste Pass, in der warmen Sonne dem Passo di Alpisella entgegen

Ein Blick zurück zur Alpe Trela. Man sieht das schemenhafte "Z", das wir tags zuvor hinaufgefahren sind.

Der zweite anstieg des Tages. rechtsseitig sieht man den Trail im Fels. Das (Zwischen-) Ziel lag dort, wo der Bergrücken den linken Bildrand schneidet.

Ein Blick zurück, doch das war erst der Anfang für den anstrengenden Aufstieg.

Weiter oben wurde es flowig - schön zu fahren und tolle Aussicht auf eine wenig bekannte Hochebene.

Der Ortler und klein das Stilfser Joch davor.l Unser Tagesziel Nur noch ein Trail, der uns vom Bocchetta di Forcola hinab zum Umbrail Pass führte. Dann noch 350 Höhenmeter und wir waren fast am Tagesziel.

Ullrich:

Heute ging es nach Livigno in Italien. Eine Hamerstrecke für mich! 80 Kilometer und mehr als 2100 Höhenmeter waren zu überwinden. Holger würde sagen: Alles fahrbar. Na ja, ob das mit 51 Jahren noch so gesagt werden kann, mag man bezweifeln. Ob ich sie mit 51 Jahren komplett durchfahren kann, muss ganz klar verneint werden. Aber fangen auch hier wir wieder von vorne an:

 

Es hieß wieder früh aufstehen, Frühstück um 7:00 Uhr und Abfahrt um 08:15 Uhr. Der Tag sollte ein langer werden. Wo wir gerade bei den Zeiten sind. Wir kommen Abends immer spät an und fahren morgens früh los. Die Zeit dazwischen ist begrenze und wird durch Essen und Schlafen noch weiter eingeschränkt. D.h. für den Blog hier, bleibt nicht immer die Zeit, die ich gerne hätte. Zusätzlich macht mir mein Tablet immer wieder einen Strich durch die Rechnung. Es nimmt meine Tastaturanschläge nicht an, schlägt Wörter vor, die ich nicht will und macht aus dem Text manchmal, was es will. Ich bin einfach zu müde, alles zu korrigieren. Rechtschreibfehler und unsinnige Wörter sind also nicht gewollt sondern dem Zufall, Apple und auch meiner Müdigkeit geschuldet....

Also 08:115 Uhr los und noch kurz zum MPreis in Nauders. Hier haben wir das Picknick für den Mittag gekauft und schon rollten wir ganz leicht in Richtung Reschenpass. 150 Höhenmeter auf einem Radweg bergauf.  Dafür benötigt man ja kein Mountainbike. Aber ein anderes hatten wir ja nicht parat und brauchten später schon noch die großen Übersetzungen und groben Stollenreifen. Jetzt noch nicht und so genoss ich einfach die Zeit. Die Sonne schien und es war noch recht frisch. Nur meine Muskeln waren nichts dergleichen. Sie waren müde von gestern und noch recht kalt. So wurden auch der Motoren meines Mountainbikes aus dem Schlaf gerissen und versahen seinen Job vorzüglich. Nicht der Motor eines E-bikes, sondern ganz natürliche Muskelkraft, umgewandelt aus Kohlehydraten und dem starken Willen, den zweiten -voraussichtlich lockereren Fahrtag der Tour- erfolgreich zu meistern. Nach 2 Stunden waren wir schon im Vinschgau, hatten den Reschensee umrundet und es ging in das Val Müstair.

Hier sollten ca. 1600 Höhenmeter am Stück gefahren werden. Das hört sich nich so schlimm an, ist es aber! Denn der Weg war schotterig und hatte teilweise eine Steigung von schätzungsweise 25%. Nun gut, wir gönnen uns ja sonst nichts. Ich ernähre mich von Riegeln, Enegie-Gels und Wasser. Das wird so schnell ausgeschwitzt, wie ich es nicht nachfüllen kann. Heute waren es schätzungsweise 5 Liter, und ich kann schon fast kein Wasse mehr sehen. Wir fuhren, pausten, fuhren, pausten und irgendwann ging bei mir das Treten mechanisch. Wenn die Zeit gekommen war, schoben wir auch mal 100 Meter, bevor es wieder los ging mit dem Kurbeln. Der Ausblick war abwechselnd und nach einer Stunde haben wir das dritte Land an dieseTag erreicht: Die Schweiz! Kein Unterschied zu den anderen Läöndern war festzustellen. Zumindest abstrakt nicht. Denn es war dort nicht schöner oder hässlicher als in Österreich oder in Italien. Es war rundum schön. Ohne Einschränkungen!

Mittag machten wir um 14:30 Uhr, als wir den zweiten Pass des Tages, den Döss Radond auf 2235 Meter erreicht hatten. Bergkämme, Vinschgauer, Kaminwurzn und etwas Obst sowie Erdnüsse waren der Lohn der Anstrengung. Wir saßen in der Sonne, genossen einfach die umwerfende Bergkulisse und ich war stolz, hier oben mit dem Rad angekommen zu sein. Es wurde kühl, die Kühe gesellten sich zu uns und mussten von Frank vom Fahrrad vertrieben werden.

Das Ganze, bevor es erst auf Schotter und danach auf einem tollen Singletrail bergab ging. Nun meint man, dass bergab locker und nicht anstrengend ist. Weit gefehlt! Es gab immer wieder Gegenanstiege und trotz körperlicher Erschöpfung erforderte der Trail volle Konzentration von mir. Das war meine größte Sorge. Denneinmal nicht aufgepasst, ist der Sturz vorprogrammiert. Der immer positive Holger kannte keine Gnade und gab ein Tempo vor, dem ich nicht folgen konnte. So fuhr ich vermeintlich sicher, dafür aber langsamer hinterher. Kein Problem für die Gruppe, auch mal ab und zu auf den langsamen Ullrich zu warten.

An dieser Stelle möchte ich noch etwas über die Gruppe einfügen. Meine Erfahrungen der letzten beiden Transalp Touren war die, dass an den ersten beiden Tagen jeder Teilnehmer testosterongeschwängert Tempo macht und zeigt was er kann, bevor sich dann am dritten Tag dann eine gewisse Nivellierung der Leistung einstellt. Ich war mit meinen 51 Jahren der Senior der Truppe. Die jüngsten Teilnehmer waren Patrick mit Mitte 20, der zweite Patrick mit knapp 30 Jahren. Dass da ein natürliches Leistungsgefälle ist, lässt sich nicht vermeiden. Aber ich habe keinesfalls festgestellt, dass ich berab als langsamerer und auch bergauf als nicht immer sehr schneller Teilnehmer der Gruppe eine Belastung war. Die Gruppe harmonierte recht schnell und das lag auch an der Art, wie Holger unsere Gruppe führte. Wir wurden innerhalb der ersten Tage ein richtig tolles Team und auch mein Freund Frank wurde immer wieder von den Anderen aufgemuntert. Das musste einmal gesagt werden. Und der Dank an die Gruppe und Holger stecken da natürlich implizit mit drin.

Nun aber weiter im Text: Die Abfahrt ginb richtig gut und wir erreichten gegen 15:30 den Lago die Fraele. Hier hieß es noch einmal 400 Höhenmeter zur Alp Trela und zum Trela Pass zu fahren. Ich wusste, was mich erwartete. Daber war ich nicht gerade miotiviert, diesen letzten Anstieg des Tages in Angriff zu nehmen. Der Anstieg hat es in sich. Und ich schwöre, dass ich diesen Weg so schnell nicht mehr fahren werde. Und das, obwohl der Trail vom Trela Pass in Richtung Livigno das Schönste ist, was man als flowigem Trail fahren kann. Fahrspaß pur und nebenan plätschert der Bach. Dieses Erlebnis ist viele Strapazen wert. Ob es die Strapazen des Tages wert waren, da bin ich mir noch nicht so ganz sicher. Aber ich glaube schon.

Was aber auf jeden Fall unsre Ankunft in Livigno wert war, war das einmalige Eis in der Lateria di Livigno. Ein Traum! Mit diesem Eis hat mich Holger auch mehrfach motiviert. Und es hat geklappt. Ein super tolles Eis, und es hat geschmeckt! Aber vielleicht lag der Genuss ja nur daran, dass er den Abschluss eines schönen, jedoch recht anstrengenden Tages war.

Morgen geht es zum Stilfser Joch, wo wir auf der Garibaldi Hütte schlafen werden, bevor es Mittwoch zur Sesvenna Hütte geht. D.h. mir stehen zwei Tage kein Internet zur Verfügung. Somit wird erst wieder am Donnerstag aus Serfaus berichtet.

Bis dahin Gute Nacht, so long und liebe Grüße

Ullrich

 

Frank:

Skepsis!
So richtig Hunger hatte ich nicht zum Frühstück – die Aufregung vor dem was kommt war doch sehr groß. Wieder eine Etappe wie gestern, in der die Mischung „wie soll ich das bloß schaffen“ , „hoffentlich reicht meine Fahrtechnik um den Trail zu fahren“ und „es kann immer noch eine Anstrengung dazukommen“ meine Motivation schon ganz schön herunterrissen oder trotz der Eckdaten eine neue machbare Herausforderung.

Harmloser Anfang
Um 8.15 Uhr ging es los – zunächst noch zum Supermarkt, um etwas Verpflegung für ein Picknick am Döss Radond zu kaufen. Der Start war dann auch harmlos (wie angekündigt von Holger unserem Guide) – über Radwege ging es von Nauders (A) zunächst leicht ansteigend bis zum Reschenpass (I) und dann um den Reschensee mit seiner versunkenen Kirche. Fotostops und weiter ging es über die „Fahrradautobahn“ Via Claudia ins Vinschgau bis wir kurz vor Glurns nach insgesamt ca. 30km Fahrt ins Val Mustair abbogen. Nun begann der lange, aber zunächst noch sehr sanfte Anstieg bis zur Passhöhe von Döss Radond. Das Val Mustair (Münstertal) ist ein weitläufiges grünes Tal und beginnt in Südtirol und geht im oberen Tal in die Schweiz über. In Santa Maria am Ende des Tales war dann der gemütliche Teil der Route definitiv zuende.

Das dicken Ende des Val Mustair
Nach einer kurzen Rast an einem Campingplatz, wo wir unsere Trinkwasservorräte in den Flaschen und Trinkblasen auffüllten und etwas Fraß (Riegel) in uns einwarfen ging es extrem steil bergan auf einer engen Forststraße neben einem tosenden Wildbach. Zuvor mussten wir noch ein Murenfeld überqueren. Anstrengend ging es 750 hm steil bergan – das einzige was von den Qualen ablenkte war die traumhafte Landschaft mit Wasserfällen und Kiefernwäldern inmitten von schroffer Hochgebirgslandschaft. Die Gruppe erreichte nach fast 2 Stunden weit auseinandergezogen die Passhöhe. Ein erfrischender Wind und die plötzlich fehlende Anstrengung zwang uns schnell zum Anziehen der Wind- und Regenjacken. Beim Picknick mit Vinschgauer Brot, Bergkäse, Rauchenden und Obst kamen auch einige neugierige Almkühe zu Besuch.


Die kurze Belohnung
Nach 45 Minuten Pause folgte ein herrlicher Flowtrail über die Almlandschaft des Val Mora. Entlang eines reißenden Gebirgsbaches durch Kiefern- und Lärchenwälder erreichten wir den dritten Pass des Tages den Passo di Fraele – interessanterweise ohne es wirklich richtig zu merken und gleichzeitig wieder Italien. Am Fraele Stausee fuhren wir entlang bis wir erneut gefordert wurden: weitere 400 hm bis zur Alpe Trela –bedrohlich als Serpentine in einer hohen Felswand lag der steile Anstieg vor uns. Ralf und ich entschlossen uns zum Schieben – die Knochen sollten ja auch den Rest der Woche noch halten. Schneller als erwartet erreichten wir die Alpe, aber dann kam die Erkenntnis, dass wir es zwar zur Alpe geschafft hatten, aber es zum Pass noch etwas Arbeit war. Auch wenn wir schon 70km und 2000hm hinter uns hatten kämpften wir in Erwartung bald das leckere Eis eines Eismachers in Livigno in den Händen zu halten. Nach dem Passo Trela folgte dann noch einer der schönsten Trails unserer Reise überhaupt bevor wir um ca. 18:00Uhr Livigno und den Eismacher erreichten. Das Eis war in der Tat legendär und durchaus die Anreise wert. Das konnte man auch an den Besucherschlangen erkennen. Leider war es aber des Kampfes noch nicht genug - das Hotel lag noch 150m höher als der Ort. Ziemlich kaputt und durchaus weiter zweifelnd erreichte ich aber auch dieses Ziel.
Resumee Tag 2: Der Durchhaltewillen und die Eindrücke der Landschaft prägten diesen Tag für mich. 2200hm und 82km sind wahrlich nicht einfach mal so gefahren mit einem Mountainbike in den Bergen. Jeder Rennradfahrer wird nach dem Problem fragen, jeder Mountainbiker weiß, dass das schon eine Hausnummer ist, wenn man nicht auf geteerten und gepuderten Straßen unterwegs ist.

 

Fotos des Tages:

Am Reschensee. Im Hintergrund rechts ist der schneebedeckte Ortler, der höchste Berg der Ostalpen zu sehen.

Die Auffahrt zum Döss Radond. Die Grupe hatte sich auseinander gezogen..

Einsamkeit die letzten Meter vor dem Döss Radond

Der zweite Pass des Tages: Die letzten Meter zum Passo Trela

Ullrich:

Tag 2, unser erster Tag auf dem Rad, lässt sich mit einem Wort überschreiben: Grenzen. Wir haben mehrere Grenzen übersfahren. Von Österreich in die Schweiz, von der Schweiz nach Österreich und  ich habe auch persönliche Grenzen kennengelernt. Doch nun eins nach dem anderen:

7:00 Uhr Frühstück, 08:13 Uhr Abfahrt und schon ging es mit der Seilbahn hoch hinauf zum Grenzkamm. Seilbahn und Mountainbiking? Das passt doch nicht, oder? Wir haben uns für die Aufstiegshilfe entschieden, da die Tagesetappe sonst nicht zu leisten gewesen wäre. Und wir wollten ja unbedingt den Grenzkamm zwischen Österreich under Schweiz befahren.

Das Wetter war kalt, die Sicht jedoch toll. Im Hintergrund blauer Himmel, schneebedeckte Gipfel und bedrohliche Berge. Doch die Kälte hielt nicht lange an. Gleich zu Beginn hatten wir 150 Höhenmeter zu überwinden. Und das auf kürzester Distanz. Mein Herzfrequenzzähler war bei 75 - nun gut, die Messung funktionierte nicht. Denn die Frequenz muss am Anschlag, also wieder an einer Grenze gewesen sein. Kein Wunder, denn wir waren mittlerweile auf 2900 Meter Höhe. Die Luft erschien mir recht dünn und so aus dem Stand ist das sicher nicht gesundheitsfördernd. Ggf. hätten wir uns vorher einen Tag aklimatisieren müssen. Aber trotz der Anstrengung und der so erreichten Leistungsgrenze hat die Fahrt auf dem Grenzkamm Spass gemacht. Und das Gefühl den Grenzkamm komplett zu sehen und zu befahren war schon toll.

Die erste Abfahrt ging dann auch in die Hose. Es gab ein / zwei Stürze eines Gruppenmitglieds - aber zum Glück nichts ernstes. Und so fuhren wir auf ziemlich matschigen Singletrails einige Höhenmeter wieder nach unten, um einen Gegenanstieg von 400 Metern zu überwinden. Per Pedes. An Fahren war nicht zu denken. 8 kg Rucksack auf dem Rücken, 15 kg Fahrrad oben drauf.  So ging es aus Richtung Zeblasjoch in Richtung Fuorcla da Val Gronda auf 2752 Metern Höhe. Es ging einigermaßen, war aber auch wieder eine grenzwertige Erfahrung. Einige Stücke konnten wir unter größten Anstrengungen fahren. Und dabei passierte es:  Ich blieb mit der linken Pedale unter einem Felsbrocken stecken. Tretend! Das bedeutete, dass ich meine Zehen eingeklemmt hatte. Nun gut, das tat weh, war aber so weit nicht schlimm. Schlimmer war die Tatsache, dass sich der Felsbrocken löste, ich das Gleichgewicht verlor und durch das Ausrutschen den scharfen Felsbrocken am linken Unterschenkel spürte. Der Lohn? Für diese Amateurleistung sind jetzt 20 cm Schrammen an meinem Unterschenkel verewigt. Aber die Aussicht auf die Heidelberger Hütte und das Fimbatal von oben war es allemal wert. Den Trail, der uns in Richtung Heidelberger Hütte führte verlassend, hieß es nochmal knapp 300 Höhenmeter zu schieben. Der Aufstieg zum Fimbapass, den wir gegen Mittag erreichten lässt sich ebenfalls nicht fahren. Glücklich wie die Kinder nahmen wir nun die Abfahrt ins Unterengadin in Angriff. Der Weg war gerade im oberen Bereich nach meiner Wahrnehmung sehr rutschig, verblockt und für mich am ersten Tag sicher nicht ungefährlich. So hieß es einige Male absteigen und einen Schritt zu Fuß schieben. Es ist sehr seltsam gewesen. Ich bin diesen Trail sowohl 2015 als auch 2016 schon einmal gefahren. Und er fiel mir beide Male viel leichter als heute. Ggf. liegt es am neuen Fahrrad, mit dem ich noch nicht so richtig eins bin. Oder der Trail ist wirklich ausgewaschener gewesen.  Auch hat der Schnee, der hier noch vor zwei Wochen lag, die Wege recht nass und rutschig gemacht, so dass nicht nur die körperliche Anstrengung, sordern auch die mentale Anstrengung für Kalorienverbrauch bei mir sorgte. Aber es machte Spaß und das ist die Hauptsache!

Die Kalorien, die ich so heftig bisher verbraucht hatte konnten aufgefüllt werden. Wir erwarteten Mittagessen um 14:00 Uhr in der Tanna da muntanella in Griosch. Ein uriges Bauernhaus in Unterengadin, wo de leibhaftige Alm Öhi lebt und Doris einen hervorragenden Rüblikuchen macht. Den hatte ich hier schon einmal vor zwei Jahren und somit sollte es heute Spaghetti mit selbstgemachte Pesto und Alpenrosensirjp als Getränk sein. Doch bevor es die Erfrischung und Ernährung gab, mussten wir noch richtig matschige Strecken schreibend überwinden. Verglichen mit letztem und vorletztem Jahr, war die Fahrt auch im unteren Bereich heute anspruchsvoller, da die Wege mittlerweile ausgewaschener und ausgefahrener sind. Zu viele Mountainbiker halt, die diesen Weg von Österreich in die Schweiz wählen. Oder aber zu viele Kühe, die heir weiden. Wir haben auch Kuh- und Rinderherde durchfahren müssen. Das Gefühl war schon komisch, weil ganz viele kleine Wiener Schnitzel -sprich Kälber- vor unseren Rädern liefen. In meinen Augen nicht ungefährlich (zumindest unbehaglich) und ich war froh, als wir durch waren. Denn es passiert ja in den Alpen immer weider, dass Kühe Menschen angreifen, um ihre Kälber zu schützen.

Nach der Mittagspause fuhren wir über zwei Hängebrücken im Val Sinestra, bevor es über wurzelige Trails bergab und bergauf ging. Das brachte mich wiederum an meinen Grenzen. Die Gruppe ist recht stark, und Holger als Guide unheimlich schnell. Ich musste mehrfach absteigen und schieben. An Fahren war für mich und auch Frank teils nicht zu denken. Doch damit war ich nicht der Einzige. Innerlich habe ich geflucht und ich wusste zu diesem Zeitpunkt nicht, ob ich die richtige Tour gewählt habe. Auch weiss ich es jetzt, wo ich die Zeilen schreibe, immer noch nicht. Denn die Grenze meiner Leistungsfähigkeit war mittlerweile überschritten. Doch was soll ich machen? Aufhören? Keinesfalls, dafür habe ich zu lange und mehr als letztes Jahr trainiert. Also durchbeißen - so wie ich das immer mache, wenn ich etwas unbedingt erreichen möchte !

Es ging in das Inntal hinunter und die Anstrengung für die Beine wurde etwas geringer. Wobei bergab ja im stehen gefahren wird, was ebenfalls sehr kraftraubend ist. Noch anstrengender aber war es für meine quietschenden Bremsen und meine Unterarme. Denn die Steigungen, die wir fuhren, hatten es in sich. Ich schätze mal auf ca. 30 %.  Der Lohn: Eine entspannte Fahrt entlang des Inns bis - ja bis wir wieder an die Unwetter der letzten Tage erinnert wurden. Der Inn war über die Ufer getreten, hat sich ein neuen Flussverlauf gesucht und wir sind mitten durch den kalkigen Matsch, den das Hochwasser (davon hatte ich dieses Jahr ja nun wirklich genug!) produziert hat.

Ich bin bis zur Felge eingesackt und kam auch nicht mehr weiter. Allen ging es so. Also schieben und raus aus der Matsche. Ich schätze mal, dass ich 2 kg Matsch am Rad hatte, und es brauchte einige Kilometer auf der Straße, die wir angesichts zerstörter Brücken fahren mussten, um das Fahrrad einigermaßen vom Matsch zu befreien.

Letztlich ging es dann noch einmal 600 Höhenmeter am Stück über eine rutschige Schotterstraße, bis wir unseren Zielort Nauders über die 3 Ländertrails erreicht haben. Es war mittlerweile 19:30 Uhr. Das Fahrrad heile, ich kaputt und Krämpfe in beiden Oberschenkeln 100 Meter vor dem Hotel.

So ging der erste Tag zu Ende und ich bin gespannt, was uns Morgen auf dem Weg nach Livigno über den Reschenpass, Val Mora und den Passo Trela erwartet. Der Voraussage durch Holger scheint es auf den 80 Kilometern und 2500 Höhenmeter nicht zu anstrengend zu sein, wie heute. Trotzdem muss ich jetzt Ruhen und wünsche eine gute Nacht bis morgen..

Euer Ullrich


 
Frank:


Ziemlich aufgeregt und voller Erwartung auf das was kommt begab ich mich morgens zum Frühstück um 7 Uhr. Um 8 Uhr wollten wir uns dann treffen um dann pünktlich um 8:30 Uhr an der Bergbahnstation zu sein.
Klingt jetzt etwas faul gleich den Tag mit einer Seilbahnfahrt zu beginnen, wer den Rest der Tour dann live erlebt hat würde diese Frage jedoch nicht stellen.
Es fing gleich hammerhart an. Erstmal 150hm steiler Anstieg zum Einstieg in den Trail. Der Trail auf dem Grenzkamm ist zwar nicht sonderlich schwer, aber links und rechts fällt das Gelände steil ab. Ich gebe zu dass mein Kopf da vielleicht etwas zuviel mitspielt. Über extrem matschige und ausgewaschene Trails geht es weiter in Richtung Fimbapass. Zwei Passagen mit ca 400 Höhenmeter, bei denen wir unsere Fahrräder teilweise tragen mussten, gingen schon ganz schön an unsere Kräfte und das ganze dann in einer Höhe von fast 3000 Metern.
Aber irgendwann hatten wir dann die zweite Passhöhe auch erreicht. Leider hatte das Unwetter der letzten Tage auch hier die Trails teilweise ganz schön verunstaltet. Passagen in denen ich schieben wollte, weil es dann doch recht steil neben dem Weg in die Tiefe ging und eine Kuhherde die nun ganz genau in der Mitte des Trails stand schaffte dann noch zusätzlich Anstrengung, weil sie großzügig im unwegsamen Gelände umgangen werden musste. Aber dann wurde das Gelände wieder beschaulicher und wir kamen an eine kleine Hütte in der offensichtlich der Almöhi aus der Milka Werbung lebte. Selbst die Brille stimmte und cool war er ja auch irgendwie. Eine Minzbrause und Nudeln mit Pesto war mein Essen. Leider war es recht teuer, da wir uns gerade in der Schweiz befanden. An diesem Tag haben wir übrigens ungefähr viermal zwischen der Schweiz und Österreich gewechselt.
Nach dem Essen ging es ins Tal über abenteuerliche Trails und 2 Hängebrücke, die hoch über einer Schlucht hängen. Als wir das Inntal  erreicht hatten ging es am Flussufer des Enz entlang bis wir in einem Schlammloch vom Inn stecken blieben. Dementsprechend sahen die Fahrräder aus und natürlich die Fahrer auch. Nun könnte man denken der Tag hat doch genug geboten und die Tour könnte zu Ende sein. Mein Wunsch war dies, aber leider ging das nicht. Wir mussten noch mal 600 Höhenmeter auf einen Berg hochfahren, um nach Nauders auf der anderen Seite des Berges zu kommen. Oben angekommen, mussten wir dann auch eine umgestürzte Bäume über klettern und das war nicht einfach, weil ich  irgendwie schon ziemlich platt war. Aber man staunt was in einem steckt und man kämpft sich weiter.
Nach noch einigen wirklich schönen Trails ging es runter nach Nauders und in unser dortiges Hotel. Es war schon fast 20 Uhr und wir waren insgesamt 12 Stunden unterwegs und morgen sollte die Tour nicht wirklich kürzer werden. Das Abendessen folgte sofort nachdem wir uns gründlich gewaschen haben. Ich war so platt, dass ich kaum noch Hunger hatte und um 10 Uhr ins Bett gefallen bin.
Aber was gut war: diese Nacht wurde wesentlich besser als die davor und ich schlief zumindest zeitweise wie ein Murmeltier.

 

Fotos des Tages:

Schneebedeckte Berge und Sonne am Horizont, so sah es Morgens am Grenzkamm in Ischgl aus.

Am Fuorcla da Val Gronda. Trotz Schnee konnte man nicht davon sprechen, dass es kalt war. 400 Höhenmter schieben und Tragen war kein Vergnügen.

Abfahrt vom Fimbapass. Wo es durch Kühe und ergiebigen Regen matschig war, wurde einfach geschoben

Spaghetti mit Rucola Pesto und Alpenrosensirup in der Tanna di Muntanella in Griosch - alles selbstgemacht (von Doris, nicht von mir ;-))

Dreck, woin man sieht. Der Trail vom Fimbapass sorgte für eine Menge Matsch. Den Rest besorgte der Matsch durch den übergelaufenen Inn

Blick vom Fimbapass in das Unternegadin

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