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Ullrichs shots
Ullrich Kohl

Ullrich Kohl

Bericht Ullrich

So, nun kommen wir zum 12.07.2018. Dem Tag, der mit einem ernsten Gespräch zwischen Claudia und unserem Guide begann. Claudia und Sabine mussten einfach die gehässigen Kommentare in der Gruppe über die Basisgruppe thematisieren. Der Stachel saß tief und so geht es nicht. Meines Erachtens hat jedoch unser Guide die Probleme erkannt, war offensichtlich sehr geschockt und so ging es für alle befreiend und bei aufgeklartem Klima (nicht nur wettertechnisch) in den vorletzten Tag der Transalp zum GArdasee.

Der Tag sollte wieder ein langer werden. Wir sollten knapp 2000 Höhenmeter fahren und die Basisgruppe hatte mit Julian auch nur 600 Höhenmeter weniger. So fuhren wir gemeinsam los, bis nach 15 Minuten ein kurzes Tschüss in Richtung Claudia und Sabine die Trennung der Gruppen einleitete. Ich fuhr mit Lutz, hatte mit ihm noch einmal über die Begebenheiten der letzten Tage, die Claudia und Sabine belasteten, besprochen und dann weiter über berufliche Dinge erzählt. Ununterbrochen. So fuhren wir die ersten 500 Höhenmeter mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 12 km/h in einer Stunde hoch. Dann ging es in den Kalterer Höhenweg.

Kalterer Höhenweg? Ich bin mir vorgekommen, wie im Harz. Es war kein Unterschied auf den Forstwegen hier und denen in Richtung Käste, Hahnenklee oder zur Schalke. Somit war ich in meinem Element. Es lief. Auch die Geschwindigkeit der ersten Stunde und die gefahrenen 100 km des Vortags merkte ich noch nicht. Was ich jedoch sehr schnell merkte, ich hatte zu wenig gegessen. Ich schob einen Hunger und hatte nach den ersten zwei Stunden des Tages schon zwei Riegel gegessen. Ich hatte kaum noch Reserve. Eigentlich nur ein Riegel und ein Engergypack. Das Trailfahren war nicht schlimm, jedoch merkte ich bei jedem Aufstieg, wie die Kräfte nachließen und auch der Hunger stärker wurde.Meine Beine verloren Kraft. Ich war kaputt. So kaputt wie lange nicht. Ich konnte mich jedoch über den wunderbaren Ausblick auf den Kalterer See und die in den Wolken verschwimmenden Dolomiten freuen. Irgendwann kreuzten wir eine tiefe Schlucht. Bergab, bergauf und hierzu benötigten wir 30 Minuten. Ich hatte keine Kraft mehr, wurde immer langsamer.

Da war die Buschenschänke, die wir um 12 Uhr erreichten willkommener als alles andere. Ich bestellt einen Kaiserschmarrn und hoffte auf entsprechende Kohlehydrate für den Nachmittag. 1,25 Liter Apfelschorle fanden ebenso den Weg in mein Innneres. Die Stimmung in der Gruppe gefiel mir heute viel besser. Ich erfuhr viel von Markus, mit dem ich an einem Tisch saß. So auch, dass ein deutscher Sportstar, der aus seiner Heimat kommt, dem männlichen Geschlecht in jungen Jahren sehr zugewand war und sehr viele Kontakte diesbezüglich gemacht haben sollte. Aber was geht mich das eigentlich an? Lustig war es trotzdem zu hören.

Der Blick aufs Tal fiel gleichzeitig auf die Brennerautobahn. Ich war erschrocken, wie wenig Verkehr dort herrschte. Weniger offensichtlich, als beim oben genannten Sportstar. Und weniger auf jeden Fall, als auf der A2 im täglichen Wahnsinn. Im Vergleich verschwindend geringer Lkw Verkehr. Und so genossen wir die Sonne, bzw. ich den Schatten, da ich kein Hautkrebs vom Hersteller bekommen möchte. Ich cremte mich noch einmal ein und es ging weiter. Doch halt, was war das?

Klänge von Alphörnern. So  wurde zu unserem Gehen ein Lied gespielt. Dieses fiel ja nur zufällig mit unserer Abfahrt (die wir nun verzögerten) zusammen. Irgenwie war es etwas kitschig, wenn auch sehr schön.

Es ging steil bergab, meine Bremsen waren ja noch nicht so richtig eingefahren und verglasten bald wieder. Dei Steilheit hier sucht schon seines Gleichen. In den Dolomiten hatte ich letztes Jahr schon ähnliches erlebt.

Nach der Abfahrt ging es wieder auf Transfer. Über Straßen gegen den Nachmittagswind kämpften wir uns zwischen 15 und 25 km/h gen Süden. Noch ein Eis? Nein, die Eisdiele hatte zu. Warum? Weil Lutz noch nie so früh an dieser Stelle mit einer Gruppe gewesen ist. Somit 0,6 l Spezi und ab ging es auf den nächsten Anstieg. 15 Kilometer und noch einmal 800 Höhenmeter waren zu bezwingen. Dieses jedoch auf der Straße. Nach 45 Minuten hieß es noch einmal Wasser auffüllen und bei mir Arme kühlen. Ich war überhitzt. Beide Arme wurden bis zu den Achseln in das erfrischend kalte Brunnenwasser gelegt. Das brachte den Kreislauf wieder zurück. Das Wasser lief über meinen Kopf und mein Trikot war komplett nass.

Das sollte sich kurz nach der Abfahrt wieder ändern. Uns erwarteten die letzten 45 Minuten Aufstieg für den Tag. Das Trikot war durch Sonneneinstrahlung und Wind recht bald wieder trocken und der Schweiss wurde schnell vom Körper weg transportiert.

Ich holte den ersten Radler ein, da ich etwas später vom Brunnen losgefahren bin, und später auch noch Lutz, mit dem ich einige Meter zusammen fuhr. Dann ließen meine Kräfte nach. Meine Füße wurden Taub und ich ließ Lutz ziehen. Mein Puls war nicht über 130, aber ich hatte einfach keine Kraft mehr. Noch zwei Kurven - ja ja: lutz, habe ich meinen Kindern auch immer erzählt.

Aber ehrlich, nach zwei weiteren Kehren war der höchste Punkt erreicht. Es ging leicht bergab. Und was passiert? Ich muss treten!!! So stark war der Gegenwind. Letztlich war die große Anstrengung vorbei, wir tranken noch kurz etwas und fuhren über Andelo zu unserem Quartier am Molvenosee.

Ein kurzer Waldweg, der sehr flowig zu fahren war, grüßende, rücksichtsvolle und freundliche italienische Wanderer machten uns den Weg frei. Bon giorno und Grazie waren unsere Antworten bei jedem Einzelnen.

Gegen 18 Uhr waren wir am See, ich benötigte eine kalte lange Dusche. In den See bin ich dann nicht mehr gegangen. Das wird morgen am Gardasee nachgeholt.

Nun, um 22 Uhr sage ich Gute Nacht, Ciao oder Buoena Notte.

 

Claudias Tag

Wie Ullrich eingangs schreibt, hat der andere Guide das Problem verstanden, schöner wäre es für mich und uns aber gewesen, wenn er es vorab selbst gemerkt und erkannt hätte, anstatt mitzumachen. Aber das Thema ist gegessen und wir schon gesagt: Wieder was dazugelernt. Aber mir fehlte tatsächlich den Vormittag über noch meine Konzentration und Energie auf und für mich. Wir fuhren von Bozen an den Molveno-See. Heute in einer größeren Gruppe, da der Vortag doch sehr anstrengend für viele gewesen ist. Julian hatte schöne Wege und Trails für uns herausgesucht und es machte sehr viel Spaß. 

Dieser Tag wurde von Julian auch 'Königsetappe' genannt. Es lagen so einige Höhenmeter vor uns, aber die 'Hammersteigung' sollten wir uns für das Etappenende aufsparen. Wir haben auf einem sehr netten Dorfplatz ein wenig Pizza gegessen, bevor es richtig losging und ich war mal wieder beeindruckt von Julians Essvermögen, mehr aber noch von seiner Fähigkeit, parallel zur Bestallung von Pizza nebst Sonderwunsch und Getränkebestellung noch mit dem Büro von ULP zu telefonieren und den nächsten Auftrag zu regeln. Er bekam die richtige Pizza, die Dame war in keinster Weise beleidigt, dass sie nur die zweite Geige spielte und das mit dem Auftrag hat wohl auch geklappt.

Wir verabredeten, dass jeder sein Tempo fahren sollten, Julian regelte den Treffpunkt und Sabine und ich wollten in unserem Tempo hochfahren. Gesagt - getan. Steigung ist das eine, moderate Steigung ist das andere, aber für diese Steigung fehlten Sabine und mir die Worte. Neben den schon erwähnten unflätigen Bemerkungen unterwegs fuhren wir diesen mörderische, betonplattendurchzogenen Weg durch den Wald nach oben. Schier endlos schien der Weg. Ab und an leuchteten Julians blonde Haare vor uns auf, weil er sich nach vorne vergewisserte, dass alles bei den anderen Gruppenteilnehmern in Ordnung ist und nach hinten, wie es uns beiden denn wohl geht. Plötzlich hörte ich Stimmen, was ich als Zeichen von echter Zivilisation wertete, verbunden mit der Hoffnung, dass wir am Ziel angekommen sind - also natürlich nur am Treffpunkt zur Weiterfahrt. Das mit den Stimmen stimmte auch, Julian stand da ebenfalls, aber nur, um uns charmant den weiteren Weg mit den nächsten, kleinen, aber feinen Hügelchen auf dem Weg nach oben zu zeigen. Ich erinnere mich noch, dass er es auch hier wieder schaffte, dass wir ein Witzchen wagten, damit er uns sagen konnte, dass da anscheinend noch immer 'Luft nach oben' bei uns sei.

Nach einer gemeinsamen Erholungspause in einer Art Park ging es endlich auch mal wieder ein wenig bergab. Wir durchquerten einen sehr beliebten Ferien- und Ausflugsort - Andalo. Während Julian augenscheinlich keinerlei Ängste hatte, einen der vielen Fußgänger jeglichen Alters auf den übervollen Wegen und Wiesen zu 'treffen', fuhren wir im Slalom, jederzeit bremsbereit hinter ihm her und waren erstaunt, dass es in dieser Ecke der Welt auch eine Art Disneyland gibt. Der Ort besteht nur aus Hotels, es war laut und hektisch und wir waren froh, als wir wieder im Wald waren und dann auch noch einen richtig langen, nicht schweren, aber schnellen 'Trail', Verzeihung Ullrich, es war eher ein steiler Weg, runterdüsen konnten. Als ich irgendwann mal nach hinten schauen wollte, um zu gucken, wo Sabine bleibt, war diese auch fast schon da. Sie wollte bergab immer hinten fahren, weil sie sagt, dass sie Angst hat zu stürzen. Aber von Tag zu Tag wurde sie mutiger und sicherer und somit auch schneller. Also sagte sie dann:" Och, ich habe einfach nicht mehr gebremst!"

So ging auch diese Etappe zu Ende und wir haben uns, wie jeden Tag, dazu gratuliert. Egal, was sonst so war und ist und worüber ich mich geärgert habe, ich habe mich jeden Tag darüber gefreut, dass ich es geschafft habe, mit meinen kleinen Stummelbeinchen diese Wege und Kilometer zu bestreiten. Das Hotel lag fein direkt am See. Sabine und Oskar hatten ein Seeblick-Zimmer, aber es war auch so sehr schön und ich war ohnehin ziemlich kaputt. Der nächste Tag sollte uns zum Gardasee bringen und die gesamte Gruppe sollte, mehr oder weniger, zusammen dorthin fahren. Das setze mich zwar irgendwie unter Druck, weil ich ja niemanden bremsen und behindern wollte, aber ich hatte es ja nicht entschieden und irgendwie wird es sich ohnehin wieder aufteilen.

Und nun die Tagesbilder

Während der Fahrt auf dem Kalterer Höhenweg. Ein Weg, wie wir ihn wahrscheinlich auch im Harz finden. Zum Biken zumindest. Die Aussicht hier und das Wetter sind jedoch unvergleichlich. Im Hintergrund in den Wolken liegen die südlichen Dolomiten.

 

 Kurz vor der MIttagspause. Ich war kaputt wie lange nicht. Zu wenig in Bozen gegessen und eine große Anstrengung. Lutz der Teufeslbiker gibt aber auch ein Hammertempo vor.

 Das verdiente Mittagessen. Ein Kaiserschmarrn den ich bei grandioser Aussicht und tollem Sonnenschein nebst 1,25l Apfelsaftschorle (aus wunderbaren Äpfeln) genießen konnte.

Der Aufstieg von Mezzolombardo zum Molvenosee war beschwerlich. Drückende Sonne und schon etwas kaputte Beine vom Vormittag. Aber die Aussicht lässt vieles in Vergessenehit geraten.

 Am Molvenosee verschlechterte sich das Wetter. Ein Gewitter kündigte sich an und brachte in der Ncht Abkühlung.

Ullrichs Tag

So, nun ist der vorletzte Tag der diesjährigen Transalp vorbei und der gestrige Tag ist noch nicht geschrieben. Dieses will ich jetzt nachholen. Doch warum ist noch kein Bericht von gestern online? Ganz einfach: Gestern, am 5. Tag der Transalp, und somit dem 4. Tag auf dem Bike, war ein immens langer Tag. Wir sind nach meinen Aufzeichnungen knapp 1800 Höhenmeter gefahren und haben dabei 100 km zurück gelegt. Durch viele Trails, die wir vom Vigiljoch herunter gerfahren sind, haben wir ganz die Zeit vergessen. Und wir mussten doch noch von Lana nach Bozen. Denn unser Hotel war in Bozen. So kamen wir erst gegen 19:00 Uhr im Hotel an. Nach dem Abendessen war ich dann schlicht und einfach zu müde, noch zu schreiben. Das wird also im Folgenden nun nachgeholt. Und das der Reihe nach.

Wie jeden morgen diese Woche, hieß es gegen 06:30 aufstehen, dann anziehen, Frühstücken und um 08:30 hieß es einklicken auf dem Marktplatz von Glurns. Glurns ist eine wunderschöne mittelalterliche Stadt im Vinschgau und das Hotel Grüner Baum ist ein Gedicht. Whirlpool auf der Terasse mit Überblick über die mittelalterlichen Dächer, wo gibt es das sonst noch?

Der Morgen begann auch gleich mit einem Schnapper. Nach 50 Meter ging es in der Fallinie in die Weinberge hoch, die hier die Stadt umsäumen. Das hatte mir nach der Nacht gerade noch gefehlt. Die Nacht war heiß. Nicht so, wie das der geneigte Leser interpretieren mag. Nein, das Zimmer, das wunderschön war, hatte eine Temperatur, wie  in einer Sauna. Doch Fesnter öffnen war nicht drin. Flugameisen!. Das hatte ich schnell raus, denn irgendwie hatten sich die Viecher meinen Körper als Landebahn ausgesucht. Die Nacht war also nicht sehr erholsam, der Tag zuvor ja anstrengend und danach gleich noch kalt die Fallinie hoch, das war schon ein Ding.

Aber gleich nach 15 Minuten ging es dann in den ersten Trail. Der Blick auf das Vinschgau bei strahlender Sonne. Einfach ein Traum!. Und flowig war der Trail auch. Natürlich ging es nicht immer bergab auf dem Trail, sondern sogleich wieder bergauf. Warum? Weil der nächste Trail wartete.

Die Sonne stach vom Himmel. Es war schon sehr heiß und so kam die Bewässerungsanlage der Apfelplantagen gerade recht. Denn beim Aufstieg zum zweiten Trail fuhren wir erstmal einige Meter an Apfelplantagen vorbei. Nun gut, heiße Sonne, Anstrengung bei Bergauffahrt, was liegt dort näher, als die Erfrischung durch Wasser. Und die haben wir kostenlos durch die Apfelbauer bekommen. Nicht nur beim Aufsteig zum zweiten Trail, sondern auch danach. Denn dort ging es wieder durch Plantagen. Ebenso nach unserem unfreiwilligen Eisstop, den wir angesichts eines platten Reifens einlegen mussten. Ein zweiter Platten folgte 10 Minuten später, so dass das zweite Mal an diesem Tag ein Reifen gewechselt werden musste.

Nun gab es keinen anständigen Trail mehr und wir wechselten auf den Etsch Radweg. Nicht gerade das, was ein Mountainbiker gerne fährt, aber das Vinschgau ist lang und wir müssen ja noch nach Bozen. So fuhren wir bei einer Steifen Briese von vorne flußabwärts. Das Tempo war trotzdem nicht moderat, sondern eher sehr schnell. Wir überholten andere Radfahrer und auf dem Radweg zogen wir uns angesichts unseres Tempos sicher den Zorn einiger anderer Radfahrer, die wir überholten zu. Es ging hier auch zu, wie auf der A2 im Berufsverkehr.

Mittags hatten wir in einem Biergarten hoch über dem Vinschgau gegessen. Das war super toll, der Wald spendete Schatten und das Essen brachte notwendige Kohlehydrate. Diese brauchten wir auch. Denn nachdem wir um 15:00 Uhr aus Rabland mit der Seilbahn Aschbach einige Höhenmeter überwunden hatten, ging es weitere 500 Höhenmeter zum Vigiljoch. Das war einfacher Forstweg, wie ich ihn im Training zigmal in Richtung Käste gefahren bin.

Oben angekommen warteten aber wieder Trails auf uns, bis wir noch kurz etwas trinken konnten. Das geschah am Vigilius Restaurant.  Es war mittlerweile 17:00 Uhr und so fuhren wir ab. Natürlich wieder über Trails.  Klasse! Diese waren jetzt aber eine andere Liga. Die Trails letztes Jahr bei "Best of trails" waren dagegen recht einfach zu fahren. Die Steilheit hatte es in sich. Ich schätze mal 35-40% Steigung und dazu noch verblockte Wege. Die Bremsen glühten, die Konzentration war auf dem Siedepunkt und es hat Spaß gemacht.

Lutz schaute auf die Uhr und es war 17:30. Ach du, wir mussten ja noch nach Bozen. Das waren noch locker eine Stunde Fahrt aus Lana. Somit fuhren wir aus Richtung Ultental nach Lana. Dieses Mal jedoch Straße. Eine Umleitung in Lana führte zu weiteren Höhenmetern und Zusatzweg. Letztlich kamen wir irgendwann auf den Radweg und hatten wiederum Gegenwind.

Mit einer Geschwindigkeit von 17 km/h fuhren wir gen Bozen. Das hatte zur Folge, dass eine Mitradelnde doch sehr gelitten hatte. Sie war einfach kaputt und wurde immer langsamer. Markus hat den Windschattenspender gegeben und so kamen wir um 19:00 Uhr endlich im Hotel in Bozen an.

Ich war recht sauer, weil wir doch einige Zeit hätten sparen können, wenn wir auf den Trails nicht immer hätten warten müssen. Trailfahren ist nicht jedermanns Sache. Aber das ist in einer Gruppe eben so. Man sollte auch auch die Schwächeren Rücksicht nehmen. Habe ich auch getan und habe natürlich nichts gesagt. Andere Gruppenmitglieder legten jedoch eine Kommunikation an den Tag, die der Einsteiger Gruppe nicht gerecht wurde und eher belustigend über die Gruppe wirkte. Ich fand das so zum Kotzen, dass ich beim Mittagessen schon einmal etwas dazu sagte. Dass diese gleichen Gruppenmitglieder über die Einsteigergrupe, wo Claudia und Sabine mitfuhren, vermeintlich lustige Späßchen machten, ist nicht nur unverschämt, sondern auch absolut unsensibel und nicht gruppenfördernd.

So war ich um 19:00 Uhr bedient angekommen und habe nach Dehnen, Duschen und Ankleiden nur noch den Wunsch, schnell zu essen und ab ins Bett. Denn die 100 km haben mich nicht umgebracht, aber etwas müde war ich schon und eben angesichts des oben GEschilderten nicht besonders gut gelaunt. Ich hatte mich einfach geärgert.

Und nicht nur ich, sondern auch Claudia und Sabine, die die vermeintlichen Späßchen im Herz trafen. Daher will ich hier auch noch einmal schreiben, dass ich finde, dass die Einsteigergruppe ihre Sache gut machen. Ich ziehe meinen Hut, bzw. Fahrradhelm vor der Leistung der Beiden. Ist ja ihre erste Tour und ich erinnere mich, wie schwer meine erste Tour war. Dafür machen sie das wirklich hervorragend. Und Lästereien oder Späßchen sind absolut unangebracht. So etwas hatte ich auf einer meiner bisher 3 Touren auch noch nicht erlebt. Und ich war enttäuscht. Primär wegen der in meinen Augen Unverschämtheit einzelner Gruppenmitglieder, die die Wirkung auf Claudia und Sabine entweder nicht merkten (dann waren sie unsensibel), oder denen das egal war und sie wollten sich über die Beiden erheben (dann war das peinlich).

Ich war ggf. auch nicht so gut gelaunt, weil die Tour sicher nicht so schön war, wie die bisher gewählten Touren. Wir haben unheimlich viele Transferpassagen drin. Lutz gibt sich viel Mühe, für uns das Beste heraus zu holen. Aber mit der Natur der Garmisch-Comer See Tour oder auch der Best of Trails, bei der wir Natur pur hatten und ganz viel hochalpine Eindrücke sammeln konnten, ist diese Tour nicht zu vergleichen.

Dann musste nach dem Abendessen auch noch um 22:00 Uhr das Bremssystem optimiert werden. Denn die Bremsklötze waren abgefahren und bedurften noch eines Tauschs. Vorne war das gar kein Problem. Hinten gab es viele Probleme, Das Schleifen war nicht weg zu kriegen, mein Shirt durchgeschwitzt im schwülen Keller. Und nach knapp 30 Minuten hatte ich das Problme zumindest rudimentär gelöst. Aber zurück zu Hause, muss ich noch einmal schauen, was der Fahrradladen in Prutz mit meinem Hinterrad und mit der Bremse gemacht hat. Gutes wahrscheinlich nicht.

Nun gibt es aber über den Tag nicht mehr viel zu berichten, ausser die unterschiedlichen Gerüche, die ich heute wahrnehmen konnte. Von der feuchten, frischen Luft in den Obstplantagen bis hin zu den durfitgen Waldeindrücken, die so schön natürlich rochen war mal wieder alles dabei. Leider auch Autoabgase, die wir entlang der Straßen dann doch einatemen mussten Denn die Lkw, die uns überholt haben, nahmen keine Rücksciht und so haben wir Ruß und Stickoxyde eingeatmet. Natürlich nicht Volkswagen Stickoxyde. Denn die sind mittlerweile ja sauber ;-).

 

Ergänzung durch Claudia

Für den heutigen Tag stand eine entspannte Tour auf dem Programm - so sagte es Julian. Wir starteten um 8:57 h in Glurns und radelten recht fix auf der Via Claudia Augusta in Richtung Meran, Lana und Bozen, wo wir unterhalb der Burg Sigmundskron übernachten sollten. Wir radelten fix, obwohl wir sehr heftigen Gegenwind hatten, aber konnten uns dabei auch noch unterhalten. In manchem Teilen wären wir rückwärts geradelt, wenn wir nicht gegengetreten hätten. Irgendwann  sah Julian, dass Lutz ihn angerufen hatte und so erfuhren wir, dass eine Teilnehmerin in unsere Gruppe wechseln wollte. Wir warteten eine gute Stunde und nutzen diese Zeit für Balancetraining und Dehnübungen und Julian übte das rückwärts radeln. Es war schon erstaunlich, wie viele kleine und große Radgruppen, Einzelradler und Rennradfahrer in dieser Zeit an uns vorbeifuhren. Gemeinsam ging es weiter.

Diese Etappe waren wir dann schon ein wenig früher, nämlich gegen halb fünf im Hotel. Je später es wurde, desto mehr wunderten und sorgten wir uns, weil die anderen nicht kamen.  Das Hotel hatte eine tolle Lage. Die Dame an der Rezeption war etwas 'angetrocknet' distanziert, aber wenn man freundlich zu ihr war, konnte man doch ein Lächeln erreichen. Die Chefin des Hauses sprudelte nicht gerade vor Freundlichkeit, arbeitete aber trotz ihres Rollators noch mit. Irgendwie hatte das alles auch seinen Charme - eben anders, als bisher. Beim Quatschen vor dem Abendbrot in lockerer Runde und während des Essens merkte ich zunehmend, dass meine und Sabines Leistungen doch zur Belustigung einiger in der Gruppe beitrugen und dass hier auch der eine oder die andere nicht merkte, dass das unprofessionell war. Ich habe den einen oder andern Spruch die Tage schon immer mal wahrgenommen, aber irgendwie war es dann genug und ich merkte, dass mir das emotional doch sehr zusetzte. Nach einem kurzen Gespräch mit Sabine war uns klar, dass wir das ansprechend wollten. Trotzdem beschäftigte mich das in der Nacht weiterhin.

Wir haben die Situation morgens passend adressiert und das war auch sehr gut so. Die fehlende Wertschätzung und teilweise auch damit verbundene Abwertung meiner und unserer Leistungen haben wir schon sehr zu schaffen gemacht. Ich hatte im Vorfeld mehr trainiert, als empfohlen war, hatte sogar den kleinen Test gemacht, welches Level für mich passend ist, habe alle bisherigen Etappen ohne Hilfe und Unterstützung geschafft und auch in der vorgesehenen Zeit, ich habe niemanden in der Gruppe ausgebremst oder belastet mit fehlenden Fähigkeiten, habe immer richtig einschätzen können, was ich mir zutrauen kann, wo meine Grenzen sind und habe trotzdem immer ein bisschen mehr gewagt und dazugelernt und habe mit so einer Situation durch Einzelne in einer Gruppe mit doch eigentlich dem gleichen Ziel einfach nicht erwartet. Ich dachte immer, unter fairen Sportlern gibt es das nicht. Wir sind doch nicht im Wettkampf oder in Konkurrenz. Aber auch hier bin ich wieder bei Erlebnissen und Erfahrungen und auch dies hat dann eben dazugehört und ich bin froh, dass ich es nicht stillschweigend ertragen habe und hoffe, dass andere Einsteiger-Radler oder 'Erst-Touren-Radler' davon profitieren werden.

So, nun geht es gleich an den heutigen Bericht, doch hier noch einige

 

Bilder des Tages

EIn Blick ins westliche Vinschgau. Die Sonne strahlt, einige Quellwolken sind zu sehen. So macht das Biken Spaß

 Das Vinschgau in östliche RIchtung gesehen. Von den Trails können wir schon die Zielrichtung sehen, die noch vor uns liegt.

Ullrichs Bericht

Die dritte richtige Etappe liegt hinter uns. Einklicken war Morgens punkt 8 Uhr. Die Tour sollte erst entlang des Inn-Radwegs in die Schweiz gehen, wo der Aufstieg in die Uina Schlucht auf uns wartete. Ich wusste ziemlich genau, was uns erwartete. War ich doch die Uina Schlucht im letzten Jahr mit Holger Schaarschmidt auf der "Best of Trails" Tour herunter gefahren. Ein Zuckerschlecken wird das nicht werden.

So war ich auch verwundert, mit welchem Tempo wir die ersten 2,5 Stunden angegangen sind. Im Schnitt sind wir mit dem Mountainbike 20 km/h gefahren. Natürlich war auch Asphalt dabei. Aber eben auch Waldwege. Und vor allen Dingen waren Steigungen dabei. Wenn ich mich richtig erinnere, waren das knapp 300 Höhenmeter. Wie die Geschwindigkeit zeigt, kamen wir ganz gut voran. Wir fuhren sozusagen im Pulk. Das änderte sich schlagartig, als wir dann den Waldweg in Richtung Uina Schlucht nahmen.

Das Wetter war wieder bombig. Richtig schöne Sonne, die mir die Auffahrt nicht gerade einfacher machte, weil das altbekannte Problem des Schweisses in meinen Augen hervorgerufen wurde. Denn die Auffahrt zur Uina Schlucht war schon anstrengend. Einige richtige Rampen oder Schnapper mit großen Steigungen waren zu bewältigen. Das auf rutschigem Schotter oder zum Schluss auch über Wurzelpassagen. Nun, ich schob auch einige Male, weil ja noch die Wanderung durch die Uina Schlucht vor mir lag.

Gegen 11:40 war ich an der Uina Dadaint Alm angekommen. Hier gab es zu trinken. 1 Liter Apfelschorle, weil ich trotz des mitgeführten Wassers einfach zu wenig getrunken hatte. Wir waren auch nicht alleine. Zwei weitere Radgruppen waren hier schon angekommen, die beide den Weg durch die Schlucht angehen wollten. Wie schön war es doch vor einem Jahr, als wir früh Morgens um ca 08:30 / 09:00 Uhr die Uina Schlucht durchquerten. Wir waren alleine. Das heute hatte mehr den Eindruck eines Mountainbike Festivals. Nicht so mein Ding, will ich doch eher die Ruhe und Schönheit der Natur genießen. Die 3 Damen, die unsere Gruppe komplettieren, kamen nach ca. 15-20 Minuten mit Lutz, der den letzten Mann machte, auch an der Alm an. DIe Pause dauerte knapp 40 Minuten und die brauchten wir wohl auch alle, bevor wir wieder in die Sättel stiegen.

Nun ging es weiter bergauf, bis an ein  Fahren nicht mehr zu denken war. Es war nicht nur nicht mehr daran zu denken, sondern es ist in der Schlucht auch verboten. Der in den Fels geschlagene Weg hat teilweise eine Breite von maximal 1,5 Meter. Rechtsseitig beim bergauf gehen fällt der Fels dann senkrecht ab. Bis zu 100 Metern. Ein Fahren wäre viel zu gefährlich. Und so schoben wir bis zum Uina-Eingangsfoto unsere Fahrräder und nachfolgend ging jeder für sich.

Für mich war das eine große Überwindung. Die Höhenangst von mir hatte ich letztes Jahr zwar schon einmal bezwungen. Doch bergauf gehen ist noch eine andere Dimension, als bergab. Und so kostete mich der Aufstieg der nächsten 30-40 Minuten sehr viel Kraft. Physisch und auch psychisch. Mittlerweile war seit heute früh 08:00 Uhr mein Puls warscheinlich nur in der Größenordnung von Minuten geringer als 120 gewesen. In der Uina Schlucht ging er beim bergauf Schieben über Steine auch mal bis über 150 hoch. An Stellen, an denen keine Sicherung am Wegesrand vorhanden war, ging ich stark konzenteirt auf den Weg achtend. Dort, wo eine Sicherung in Form von einem Drahtseil vorhanden war, habe ich auch mal ein Foto oder auch Videoaufnahmen gemacht. Eigentlich habe ich die Höhenangst ein weiteres Mal bezwungen. Jedoch war das ganz schön schweißtreibend und auch kräftezehrend.

Gegen 14:00 Uhr waren wir am oberen Ausgang der Uina Schlucht und Thomas ließ es sich nicht nehmen, bei mitlerweile erkaltetem Wetter und bedecktem Himmel (am Nachmittag sollte lt. Vorhersage auch noch Regen kommen), nackt im kalten Gebirgsbach zu baden. Ein verrückter Hund. Bei 30 Grad im Schatten könnte ich mir das vorstellen, aber so? Niemals. Thomas argumentierte, wann er denn überhaupt noch einmal hier her kommen würde. Und so sei das Bad jetzt notwendig. Meinen Respekt hat er hierfür erhalten.

Nun ging es über die Sesvenna Hochebene noch ca 300 Höhenmeter weiter nach oben, um die Grenze Schweiz / Italien zu überschreiten. Hier ließen meine Kräfte nach. Ich hatte zwar gut gefrühstückt und an der Unia Dadaint Alm noch ein halbes Brötchen und ein Riegel zu mir genommen. Doch das war eindeutig zu wenig. So ging der Weg über die Hochebene Anfangs noch recht flott von der Hand. Später wurde es verblockter und ich wurde angesichts meines Ernährungsmangels und Kräftedefizits immer unkonzentrierter. Da hieß es dann öfters kurze Stücke schieben, weil ich teils an den einfachsten Steinen hängen blieb und Gefahr lief, zu stürzen. Aber letztlich habe ich das auch hinter mich gebracht und die Kräfte kamen wieder, als ich in der Sesvenna Hütte ein Speckbrett gegessen hatte und mittlerweile auch meinen Flüssigkeitshaushalt mit weiteren 0.75 Litern Flüssigkeit zusätzlich zum Inhalt meines Trinkrucksacks erhöhen konnte.

Es fing an zu regnen und wurde kalt. Wir verließen unseren Außenplatz mit Blick auf den mit Wolken verhangenen Ortler (den sahen wir nämlich nicht - wie schön, dass ich diesen schon einmal von hier bewundern konnte) und gingen in die Hütte, um unser Essen zu beenden. Nachfolgend wollte Lutz noch einen Höhenweg fahren. Und da ging es noch einmal bergauf. Natürlich schiebend, denn an Fahren war nicht zu denken. Angesichts der Kälte entschied ich mich, meine Kleidungsreserven aus dem Rucksack fast komplett anzuziehen. Armlinge, dann natürlich ein frisches trockenes T-Schirt, ein Unterhemd und eine Radjacke. So ging es auf den Höhenweg. Nur die Regenjacke und Regenhose blieb ungenutzt im Rucksack verstaut.

Das änderte sich schlagartig, als die ersten Regentropfen kamen. Keine kleinen, eher große. Nicht wenig, sondern eher viel. So musste auch diese Kleidungsreserve den Weg aus dem Rucksack an den Körper finden. Der Rucksack wurde abgedeckt und innerlich verfluchte ich die Truppe und den Guide, dass wir diesen Weg noch fahren wollten. Bisher bin ich 18 Tage Transalp gefahren. Nie war ich in den Regen gekommen. Heute bei kaltem Wetter schon (übrigens hat es seit mehreren Wochen hier nicht geregnet, heute schon). Und das Ganze war umso ärgerlicher, als dass wir den Weg gefahren sind, um einen wunderbaren Blick ins Vinschgau zu haben. Hatten wir auch. Mit wolkigem Hintergrund. Und mit temporärem Donner. Das fehlte mir auch noch. Und ich hatte sehr viel Respekt. Denn eines wollte ich nie erleben: EIn Gewitter, bei dem ich auf einer freien Fläche hoch oben in den Bergen geradezu die Antenne zum Einfangen der Blitze bin. Soweit ist es auch nicht gekommen, aber ein mulmiges Gefühl war es schon.

Ich fuhr den Höhenweg mit den Jungs vorne. Lutz wieder mit den Damen hinten. Schade eigentlich, weil ich so gar kein Foto von mir bekommen habe. Fotos von der Landschaft kann ich alleine machen.  Nur Fotos von mir, dafür ist doch der Bilderservice da. Heute waren eben keine von mir vorhanden. Ärgerlich, aber nicht zu ändern. Ggf. wird sich das morgen wieder ändern, dass die Damen nicht so die Unterstützung von Lutz benötigen, so dass auch ich Fotos bekomme.

Doch zurück zum Trail. Anfangs fuhr ich sehr unsicher. Ich hatte noch nicht wieder richtig Kraft, meine Nahrungszunahme auf der Hütte musste ja auch erstmal wirken. Und ich hatte bannig Respekt, denn rechtsseitig ging es sehr steil für meine Verhältnisse bergab. So fuhr ich unsicher und fühlte mich auch nicht so wohl. Das auch, weil die Steine, die teilweise den Weg verblockten recht rutschig durch den Regen waren.

Nach einigen Kilometern hörte es auf zu regnen und der Weg wurde breiter sowie auch rechtsseitig nicht mehr so steil abfallend. Und das war der Punkt, an dem meine innerliche Unzufriedenheit ob der Entscheidung für diesen Weg in Vergessenheit geriet. Denn der Trail, den ich nun mit Thomas im Duo zusammen gefahren bin, war allererste Sahne. Zwischen Pinien ging es wie durch Enge gassen hindurch. Immer schön kurvig und alternierend bergauf und bergab. Wobei die Tendenz klar in Richtung bergab ging. Und so fuhren wir noch längere Zeit den schönsten Trail seit Monaten bis zum Ristorante Pantaplatsch (was es für Namen gibt) oberhalb von Schling. Hier fuhren wir dann auch nach einer tollen Abfahrt über Wiesen, Skipisten und Forstwege vorbei. Schling, der Ort, den ich letztes Jahr mit Frank nach mühevollem Anstieg auf dem Weg zur Sesvenna Hütte erreichte und wo wir kein Mittagessen bekamen.

An Mittagessen dachte ich nicht mehr, war es doch später Nachmittag und ich war froh, wieder im Tal zu sein. Die restlichen Kilometer fuhren wir den Radweg von Burgrain nach Glurns, wo wir direkt am Marktplatz übernachten. Und siehe da, Claudia und Sabine waren mit Guide Julian auch erst 10 Minuten vor uns angekommen.

Nach einem wunderbaren Bad im Whirlpool auf der Terasse mit malerischem Blick über die mittelalterliche Stadt Glurns von Stadtmauern und Wehrtürmen umzäunt und mit Blick auf das Vinschgau wurde der Tag beschlossen. Ein Eis schloss sich noch an, bevor wir dann zu Abend essen sollten. Alles in allem hatten wir einen tollen Tag (nicht nur, weil Sabine heute Geburtstag hatte), sondern weil er durch unterschiedlichste Eindrücke geprägt war.

Und hier ist die nächste Ergänzung von Claudia

Heute hatte Sabine Geburtstag und wir hatten am Vorabend schon beschlossen, dass wir erst um 9 h starten, damit wir mit Julian frühstücken konnten und weil wir ja nicht so eine Tour vor uns hatten. Unser erstes Ziel war ein etwas versteckt liegende historisches Gemäuer, in das seit einiger Zeit ein Cafe - also passend für einen Geburtstagskuchen- eingezogen war. Davor lagen aber noch einige Kilometer vor uns. Von der Hochfinstermünz ging es dann sehr steil bergauf, zunächst auf die Straße nach Martina - Schweizer Grenze. Von dort kämpfte ich mich über unzählige Kehren nach oben auf die Norbertshöhe - es sollten 11 sein, aber das mit dem Beschriften hat nicht ganz so geklappt bzw. scheint nicht jede Kehre eine Nummer verdient zu haben. Sabine hatte einen 'Lauf' und schnurrte vor mir her. Julian hielt ab und an, um sich zu vergewissern, dass es mich noch gibt und dass es mir gut geht. Ja, er hatte uns auch den Bus angeboten - aber das wollten wir selbstverständlich nicht, aber Julian wollte wohl hinterher nicht von uns hören, dass man ja eigentlich auch den Bus hätte nehmen können. Dieser fuhr nun auch an mir vorbei und während ich so Kehre um Kehre verfluchte, tauchte wieder einmal diese Frage nach dem Grund für diese Quälerei auf.

Ja, es war meine ureigene Idee. Ullrich schwärmte nach seinen Touren immer so und ich hatte mir recht spontan, aber auch ziemlich sicher im letzten Herbst überlegt, dass ich auch mal so etwas machen wollte. Als ich im Oktober 2004 aus dem Stand als Nichtsportlerin angefangen hatte, für einen Marathon zu trainieren, war es ja auch eher spontan dazu gekommen. Warum sollte ich mir also nicht auch die Fitness für eine MTB Tour erarbeiten können und Biss und Willen habe ich ja. Aber auf diesen endlos scheinenden Metern nach oben zweifelte ich arg an meinem Geisteszustand und schimpfte auch mit mir. Dann fing auch noch mein blöder Körper an, mir zu zeigen, dass er das alles nicht witzig findet und mir schliefen der linke Arm und das Bein immer wieder ein. Also ließ ich bergauf mal das eine, mal das andere Körperteilchen locken baumeln und achtete darauf, dass mich das nicht zusätzlich beim Anstieg behinderte. Aber ich wollte auch nicht schieben, weil das genauso anstrengend ist.  Oben wartete Sabine und Julian rief mir noch zu, dass ich auf keinen Fall schneller als 60 km/h in die Einfahrt düsen wollte, weil das mit der Geschwindigkeit immer sehr genau kontrolliert wird.

Das ist das, was mich und uns immer wieder ermuntert hat und was unseren Guide auszeichnet. Er hat zur rechten Zeit den richtigen Spruch, die passende Ermunterung oder Geschichte parat gehabt und ich habe es ihm abgenommen, dass er es überhaupt nicht schlimm fand, mit uns für ihn gemütlich, für uns anstrengend durch die Gegend zu radeln. Durch unsere Tempovorgabe haben wir es ihm ja auch 'erspart', dass er bis an seine Grenzen fahren muss. Ein feiner Zug - insgesamt ein toller Begleiter, um das Wort Guide mal zu ersetzen. Dass er für uns auch an diesem Tag eine echt knubbelige Spontanstrecke mit auf und ab, fahren und schieben, balancieren und schleppen eingebaut hatte, hätte ich jetzt fast vergessen. Eigentlich hatte er uns versprochen, dass wir nach dem gestrigen Schiebe- und Tragestück keinen solchen Part mehr haben, aber Julian hat das so charmant begründet, dass wir unsere Räder auch gerne wieder durch die Gegend geschleppt und geschoben haben. Die Aussicht, die Gegend und das Erlebnis, auch das wieder alleine geschafft zu haben, war die Mühe wert. Es ging den Tag bis Glurns und Julian wählte hier für uns eine herrliche Strecke durch die Apfelplantagen im Vinschgau aus und hatte sogar organisiert, dass wir durch die Beregnungsanlagen, denen man wirklich nicht ausweichen konnte, richtig fein geduscht wurden. Das kleine Hotel in Glurns war sehr schön, aber das hat Ullrich schon beschrieben und nach den 69 km war es ein Genuss, in den warmen Whirlpool zu steigen. Der Tag schloss mit einem sehr schönen Abendessen ab und Sabine war rundum zufrieden mit ihrem Radtour-Geburtstag fern der Heimat. 

Mal sehen, wie es morgen weiter geht.

 

Hier wieder einige obligatorische Fotos vom Tag

Die Uina Schlucht beim Aufstieg zum Eingang zu sehen

 

Am Eingang der Uina-Schlucht ein Blick auf einen Teil des bisher gefahrenen und geschobenen Aufstiegswegs

 

Die Uina Schlucht darf nur schiebend (Schweizerisch stossend) mit dem Mountainbike durchquert werden. Ein Fahren wäre auch viel zu gefährlich und kann unweigerlich mit dem Tod enden (was vor Jahren einem holländischen Biker auch passiert ist, der sich nicht an die Regeln hielt). Sehr schön sieht man die fehlende Sicherung rehtsseitig. Und dieser Bereich war ein Breiter Teil vom gesamten Weg.

Die Sesvenna Hochebene. Das war noch einmal eine Anstrengung, eine Stunde über Singeltrails 300 Höhenmeter zu überwinden.

 

Der Höhenweg zurückblickend in Richtung Schling und Sesvenna Hütte.

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