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Ullrichs shots

Heute muss ich Berichte über zwei Tage schreiben. Gestern Abend war ich einfach zu kaputt und auch zu spät wieder in meinem Hotel. Warum? Na das will ich im Folgenden beschreiben:

Ich bin heute früh aufgestanden, weil ich schon um kurz nach 08:00 Uhr in Richtung Feldthurns aufbrechen wollte. Denn heute standen rund 1700 Höhenmeter bei 36 km an. Prinzipiell ist das schon eine Menge Steigung für so wenig Kilometer. Aber wenn man ein Ziel hat, das die Anstrengung wert ist, dann macht man das auch. Und ich hatte ein Ziel: Das Lazfonser Kreuz. Genauer gesagt, das Schutzhaus Latzfonser Kreuz. Von hier, wo die höchste Wallfahrtskapelle Europas steht, hat man den besten Überblick über die Dolomiten. So hieß es zumindest in einem Fernsehbericht, den ich mal über das Schutzhaus sah. Und gleich vorweg genommen: Dem ist wirklich so! Also was lernen wir daraus? Fernsehen: Den Schlauen macht es schlauer, den Dummen macht es dümmer.

Also früh aufstehen, weil die Fahrt nach Feldthurns dann doch 40 Minuten dauert. Ich kam gut los, das Frühstück um 07:00 Uhr mundete und so fuhr ich guter Dinge in Richtung Westen. Pünktlich um fünf vor Neun bin ich in Feldthurns angekommen. Das Auto hatte ich vor dem Ort geparkt, und ich konnte dem Knecht zusehen, wie er das wohl riechende Heut zusammen harkte. Ich glaube, der ältere Mann war mal ein Schüler von Claudia. Er machte seine Arbeit mit so einer Inbrunst. Ich könnte das nicht, weil es mir viel zu langweilig erscheinen würde. Aber für ihn schien es die Lebensbeschäftigung zu sein! Er erschien mir glücklich.

Nun zurück zur Tour: Schuhe an, Handschuhe an und los ging es. Die ersten Meter ging es auf der Straße steil bergauf. Ich fuhr im zweitkleinsten Gang, bog rechts ab und die Steigung sollte noch etwas steiler werden. So ging das gut 15 Minuten, bis ich -und das ist ungewöhnlich für mich- mal ein menschliches Bedürfnis hatte. Es war niemand in der Nähe und so war das auch schnell erledigt. Ich setzte den Rucksack wieder auf und dann meinen - halt, wo ist mein Helm? Und meine Sonnenbrille? Oh Scheiße, die habe ich heute noch gar nicht auf gehabt. So ist das halt, wenn ich meine Betreuerin Claudia nicht bei mir habe. Und der Helm war auch nicht im Auto, sondern bei näherem Nachdenken fiel mir ein, dass er noch auf dem Balkon im Hotel lag.

Das bedeutete erst einmal ärgern. Und auch zurück zum Auto fahren. Doch was bedeutete das noch? Einen neuen Helm kaufen? Einen Helm leihen? Wenn ja, wo? Oder zurück ins Grödner Tal fahren, Helm holen und wieder hier her kommen? Ich entschied mich für die letzte Variante. Das bedeutete aber auch knapp zwei Stunden Zeitverlust. Und das, wo mir vor der Tour von der Anstrengung her sowieso ein wenig graute.

Gesagt getan, so war ich dann dank einiger unfähiger Ausflugs-Touristen-Autofahrer um viertel nach Elf wieder in Feldthurns startklar. Nun hieß es aber Gas geben. Ich fuhr schneller, als ich eigentlich wollte, aber die Tour war mit 4:30 Stunden angegeben und so durfte ich keine Zeitung verlieren, wenn ich auch noch gemütlich auf der Schutzhütte die Natur und ein kleines Essen genießen wollte. Nach Beginn der Tour dachte ich kurzzeitig sogar, dass ich die Tour in die falsche Richtung fuhr. Denn die Wege, die mein Navi anzeigte waren Trails zum bergab fahren aber keinesfalls bergauf zu bezwingen. Über einen Bauernhof fuhr ich, störte einen Hahn, der mich das Hören lies und ab ging es dann in den Wald.

Hier war ich ganz alleine. Ich fuhr an Fruchtsträuchern vorbei und da kam mir ein Gedanke. Mögen Bären eigentlicih auch Früchte? Oh ja! Denn dieser Gedanke kam mir, da vor zwei Wochen in Südtirol ein Bär einen Menschen angegriffen hat und ich am Sonnabend während der Autofahrt hörte, dass man sich hier Gedanken macht, wie mit Unterstützung der EU  eine Flexibilität erreicht werden kann, auffällige Bären oder auch Wölfe abzuschießen. Da gilt es doch mal drüber nachzudenken. Auch bei uns in Deutschland werden ja Wölfe akzeptiert, da diese ursprünglich bei uns lebten. Nur in der Betrachtung wird immer eines vergessen: Das Land ist heute ganz anders besiedelt als vor mehreren Hundert Jahren. Und so muss einfach auch über die Gefährdung durch die Wildtiere nachgedacht werden. Aber das ist hier nicht das Thema. Es geht ja um das Fahrrad fahren.

Aber gut, ich habe keine Bären gesehen, außer die Heidelbeeren an den Sträuchern. Und so ging es über einen netten Waldweg nach Garn. Hinter Garn ging es dann weiter in den Wald hinein und es wurde steiler und steiler. Der Wegweiser zeigte noch 4 Stunden bis zum LatzfonserKreuz. Mit dem Fahrrad ggf. drei Stunden, vorausgesetzt es wird auch nochmal flacher. So richtig flacher wurde es nicht mehr.

Und so fuhr ich, quälte mich, schimpfe innerlich, fluchte genauso aber genoss immer wieder die Aussicht auf die Dolomiten, die ich links von mir sehen konnte. Allein dieser Ausblick war die Qualen wert. Und so fuhr ich bis auf ca. 2000 Meter nur bergauf. Minute um Minute und Stunde um Stunde. Bis ich um 13:30 Uhr an der Klausner Hütte ankam. Ein Spezi war die Belohnung und der Wechsel meines durchnässten Trikots. Ich  genoss für ca. eine halbe Stunde die Sonne und ein nettes Gespräch mit einem älteren Ehepaar aus München. Orginal Münchner, die zu bestaunen sind, wie die Affen im Zoo. Weil es davon nicht mehr so viele gibt. So Ihre Aussage. Und ich lernte, dass der Isar Radweg auch ein toller Weg zum Fahrrad fahren sei. Na gut, probiere ich das irgendwann auch mal aus.

Aber jetzt wollte ich nicht nach Freising, sondern zum Latzfonser Kreuz. Und der weitere Weg wurde immer steiler. Das was ich sah schätzte ich auf zwanzig Prozent. Die nette Bedienung gab mir zu verstehen, dass es noch steiler werden wird. Ich glaubte dieses nicht so richtig. Sie fragte noch "e-Bike"? Ich antwortet, nein klassisches Moutainbike. Sie hielt mich wohl für verrückt. Warum? Das sah ich gut 20-30 Minuten später. Aus der anfänglich schon beächtlichen Steigung wurde eine noch größere. Ca. 30-35 Prozent. Das Schieben war schon schwer genug. Ich glaube, der Weg ist unfahrbar. Na ja, unser Guide vom Alpencross, Holger Scharschmidt schafft das vielleicht. Ich auf keinen Fall. Und so schob ich nicht zehn Minuten, wie in der Tourbeschreibung zu lesen war, sondern eher 25 Minuten.

Und da kam mir ein Gedanke: In der schon oben beschriebenen Fernsehsendung wurde davon berichtet, dass einmal im Jahr eine Prozession aus einem Ort hierauf stattfindet. Es wird der Schwarze Jesus (wenn ich mich recht erinnere) mit dem Kreuz hier hoch getragen. Wenn das mit meinem 17 Kilo Fahrrad schon so schwer ist, wie anstrengend muss es schon sein, das Holzkreuz den langen Weg zu tragen? Und ob man nun die Gläubigen verstehen mag oder nicht, ich ziehe meinn Hut vor der Leistung und kam so in Gedanken, wie wichtig den Pilgerern wohl der Glaube ist, um diese Strapazen auf sich zu nehmen. Das verdient größte Hochachtung und Respekt. Unabhängig vom Glauben.

Nun, ich kam irgendwann auch an und sah das Panorama. Im Fernsehen oder auf Bildern, die ich natürlich auch machte, ist das jedoch gar nicht darstellbar. Die Sicht ist einfach Grandios. Vom Heilig Kreuz Kofel über die Plose, die Geisslerspitzen, den Langkofel, den Plattkofel, die Sellagruppe, die Seiser Alm, den Schlern, bis hin zum Rosengarten könnte ich alles sehen, was in den Dolomiten Rang und Namen hat. Na ja, nicht alles. Reinhold Messner war nicht zu sehen ;-)

Hier oben sitzen, den Ausblick bei Sonnenschein und blauem Himmel zu genießen - viel schöneres kann ich mir fast kaum vorstellen. Ich krönte diesen Ausblick noch mit der Bestellung eines Kaiserschmarrn und eines Kaltgetränkes. Das habe ich mir wohl redlich verdient. Die Gäste wurden weniger, es war nach 20 Minuten Wartezeit jetzt kurz nach halb vier Uhr. Und so genoss ich noch eine knappe halbe Stunde den Ausblick und die immer wieder erscheinende Sonne, zusammen mit wenig Mitstreitern auf der Aussichtsterasse, bevor ich meine Rechnung beglich.

Und da möchte ich noch etwas los werden. DieTochter des Hauses hatte ein so zufriedenes und glückliches Lächeln. Die ganze Zeit, in der sie Gäste bediente, zeigte sie ein einnehmendes Lächeln. Und auch die Mutter, bei der ich mein Geld loswerden durfte, tat Gleiches. Ggf. ist das auch kein Wunder, wenn man dort arbeiten darf, wo die Welt einfach richtig schön ist.

Doch alles Schöne hat auch mal eine Ende und ich musste de Weg hinunter ins Tal angehen. Angesichts der fortgeschrittenen Zeit entschied ich mich gegen den angebotenen Rückwegs und somit gegen einige Trails. Ich fuhr den Weg zurück, den ich hoch gefahren war und geschoben hatte. Ja, auch das steile rutschige Wegstück unterhalb der Latfonser Hütte fuhr ich bis auch ca. zehn Meter. Wenn mein Navi das richtig anzeigte, fuhr ich die massenhaften Höhenmeter wieder bergab. Sehr zum Frust meiner Bremsen, die irgendwann wider laut waren. So laut, dass ich keine Angst mehr haben musste, das mich ein Bär fressen würde. Denn der wird mich schon zehn Minuten, bevor ich ihnerreicht hätte, gehört haben.

Mit müden Armen aber sehr glücklich kam ich mit heißen Bremsen und einem Lächeln im Gesicht gegen 17:00 Uhr in Feldthurns wieder an. Nun noch eine kleine Steigung von 5 Minuten und ich konnte meine Schuhe wechseln, mich abtrocknen und den Weg ins 40 Minuten entfernte Wolkenstein antreten.

Trotz meines dümmlichen Missgeschicks am Morgen war es ein rundum gelungener Tag und ich war fröhlich, die Entscheidung, wieder zurück zu fahren, getroffen zu haben.

Am nächstenTag soll es um das Sella Massiv gehen. Das wird sicher nicht so anstrengend, weil nur 500 Höhenmeter zu bezwingen sind. Den Rest erledigen mechanischen Aufstiegshilfen. d.h. der morgige Tag steht und stand im Zeichen des bergab Fahrens...

Heute ging es auf eineTour, die "Unter den Geisslern" heißt. Die Geisslerspitzen sind mir ein Begriff. Und zwar aus diversen Ezählungen von Reinhold Messner, der im benachbarten Vilnöss Tal aufgewachsen ist. Und so wollte ich auch mal in die Nähe, der Berge, die als so schön beschrieben worden sind.

Also ging es heute um kurz nach 09:00 nach ausgiebigem Frühstück wieder los. Lange Jacke, Knielinge und dicke Handschuhe waren notwendig. Denn die Autos hatten heute früh sehr stark beschlagene Scheiben, Ich will nicht wetten, aber sie konnten auch leicht angefroren gewesen sein.

Zuerst ging es wieder talabwärts über St. Christina nach St. Ulrich (immer noch mit einem L). Ich denke, das zweite L muss mal im Ortsnamen hinzugefügt werden. So ist das ja nichts Halbes und nichts Ganzes. Aber zurück zur Tour: In St. Ulrich sollte die Tour eigentlich beginnen. Knapp 40 km, 1300 Höhenmeter und einmal Seilbahn fahren, das sollte mich heute erwarten. Und es sollte mich auch eine Steigung von 1000 Höhenmetern am Stück erwarten. Tja, wenn das nichts ist! Und es war etwas. Zumal ich mich Anfangs trotz moderner Satelitennavigation verfahren hatte. Wenn man schon ein so tolles Navigationssystem am Lenker hat, sollte man es auch nutzen. Nun gut, also 100 Höhenmeter am Anfang falsch gefahren. Und das, wo ich sowieso schon wenig Spaß hatte. Denn die Steigungen am Anfang waren schon sehr steil. Im kleinsten Gang kurbelte ich, was das Zeug hielt, Jacke, Knielinge und Unterhemd waren schon wieder im Rucksack verstaut und mein Trikot schon recht nass.

So ging es zuerst auf asphaltierten Straßen (hier müssen die Bewohner nur VW fahren, andere Marken kommen so steile Straßen sicher nicht hoch) und später über Schotterwege weiter in Richtung Heilg Kreuz Kapelle. Ich macht alle 60 Minuten Pause, um einen Riegel zu essen. Getrunken habe ich andauernd aus meiner Trinkblase. Zwischendurch konnte ich immer wieder einen Blick auf den Langkofel und Plattkofel sowie die Seiser Alm an der anderen Talseite werfen. Dort, wo ich gestern hochgefahren war. Mittlerweile war ich schon höher als gestern und ich kreuzte zwei Mal eine Standseilbahn, die Rachötzerbahn.

Bei einer Pause überholten mich Wanderer, und ich hatte Mühe, sie wieder einzuholen. Es war doch sehr rutschiger Schotter und die Steilheilt tat ihr übriges. Aber ich wollte unbedingt zur Kapelle, und so fuhr ich irgendwann mechanisch bergauf. An der Raschötzhütte ging es vorbei und hier waren immens viele Wanderer zu umfahren. Kein Wunder, die Bergstation der Standseilbahn war ja nicht weit weg. Meine Erfahrung ist, dass mit zunehmender Entfernung von mechanischen Aufstiegshilfen die Dichte der Menschen, die man zu Gesicht bekommt, sehr schnell sehr gering wird.

Hier aber waren viele Wanderer unterwegs und so musste ich mir auf dem letzten Trail zur Kapelle den Weg frei klingeln. Hierbei war ich mal wieder verwundert, wie konfus manche Menschen reagieren. Da muss man ja für Zwei mitdenken. Denn eines ist klar: Wenn jemand zuerst nach links geht, überlegt er es sich noch einmal dann, wenn ich zwei Meter hinter ihm bin und er geht nach rechts. Umgekehrt natürlich genauso. Und das hängt nicht vom Alter der Leute ab, sondern scheint ein Rudelphänomen zu sein. Bei alleingen Wanderern habe ich das nicht beobachten können.

An der Heilig Kreuz Kapelle angekommen, war dort mehr los als auf dem Altstadtfest in Goslar. Aber egal, der Ausblick entschädigte für die 1000 Höhenmeter alle Mal und auch für die anderen Touristen, die mit mir den Ort teilen wollten. Ich konnte vom Eisacktal fast bis Bozen, über den Schlern und die Seiser Alm hin zum Langkofel und Plattkofel schauen. Weiter links noch die Geisslergruppe. Es war einfach toll. Nach obligatorischen Fotos kam ich noch mit einem netten Herrn aus Kiel ins Gespräch, bis es wieder bergab ging. Nicht auf dem Waldweg, wie mein Navi mir das sagte, sondern ich versuchte einen Höhenweg zu fahren. Und ich habe es nicht bereut, weil sich dieser in einenTrail wandelte, den ich super gerne fuhr. Zum Schluss war er zwar mit einigen großen Steinplatten recht buckelig, aber bis zur Bergstation der Raschötzerbahn kam ich gut voran. Es war nass vom vorigen Tag, und so sehr matschig, dass  und so sah ich auch nach 5 Minuten aus, wie ein gesprenkeltes Ferkel. 

Pause war angesagt und so versuchte ich wieder Apfelstrudel mit Spezi. Gestern war schöner, denn ich musste auf der Seiser Alm nicht Helene Fischer aus Lautsprechern ertragen. Heute allerdings schon. Und es war auch recht lustig zu sehen, wie Passagiere der Standseilbahn direkt aus der Seilbahn kamen, um als nächstes die Hütte zwecks Nahrungsaufnahme anzusteuern. Irgendwie schon lustig. Da wundern mich einige zu viel angesetzte Gramm dann doch nicht, die ich heut sehen konnte. Und so habe ich keine Zeit an diesem ungemütlichen Ort (na ja, so schlimm war es auch nicht) verplempern wollen und bezahlte die hohe Rechnung. Es war teurer war als gestern -aber das war egal- und ich begab mich wieder in Richtung Osten.

Der Weg führte mich noch kurz bergauf, meine Schaltung machte Kapriolen und dann ging es über eine spektakuläre Skipiste bergab. Im Winter ist diese sicher schön zu fahren. Im Sommer nicht uneingeschränkt schön. Es gab in Stück, welches ich aus Sicherheitsgründen lieber schob. Das war mir zu uneben und dabei zu rutschig. Nach zwanzig Metern saß ich wieder auf dem Rad, um dann meine Fähigkeiten im Bergab fahren über Skiwiesen und buckelige Wege zu verbessern. Spaß gemacht hat es alle mal und ich erreichte auch die Mittelstation der Bergbahn Secada. Diese sollte mich für knapp 18 Euro auf 2450 Meter Höhe bringen.

Hat sie dann auch gemacht. Und was erlebte ich auf dieser Höhe? Na Schnee, hat es doch bei meiner Ankunft schon im Tal fast geschneit. Der handtuchbreit angekündigte Trail war waschlappenbreit. Denn der Schnee hat ihn weitestgehend zugedeckt. . Und am Rand auf dem Gras zu fahren war auch keine Alternative, da das Gras zu rutschig war. Also schob ich, fuhr ich, schob ich und fuhr ich wieder. Immer wieder durch Matsch und Pfützen, so dass sich heute Abend die Reinigung im Hotel freuen kann. Da gibt es viel sauber zu machen..

Aber der Weg hat sich alle Mal gelohnt. Am Fuße der Geisslerspitzen entlang zu radeln, immer wieder das Sella Massiv und die Seiser Alm sowie die beiden "Kofel" dort zu sehen ist beeindruckend! Da ist man als Fahrradfahrer ganz klein. Immer wieder kamen mir Wanderer entgegen und im Gegensatz zu mir sahen die meisten doch recht sauber aus. Aber wer will schon sauber sein? Es ist einfach zu schön, hier zu fahren!

Nach einer kurzen Steigung, die ich angesichts des Matsches schob, sah ich sie, DIE HÜTTE. Nicht DAS AUTO, sondern DIE HÜTTE. Sie nennt sich Pieralongia Alm und liegt auf 2290 Metern Höhe. Eine Pause musste her. Und im Vergleich zu der Gaststätte an der Seilbahn Bergstation vor 90 Minuten war das hier einfach richtig gemütlich. Keine Helene Fischer, keine überteuerten Preise. Stattdessen Holundersirup und ein Speckbrot. Wobei ich sagen muss, das was als Speck mit Brot angeschlagen. Und da hätte ich besser lesen müssen. Denn es waren zwei dicke Speckscheiben und frisches Brot mit und ohne Kümmel sowie Schüttelbrot. Lecker war es allemal, und die Sonne, die mir ins Gesicht schien tat ihr Übriges. So verweilte ich hier fast eine dreiviertel Stunde. Einfach um den Ausblick auf die schönen schon genannten Berge zu genießen und ebenso die Sonne. Und es war richtig ruhig. Trotz vieler Gäste. Aber ich hörte nicht mehr den oder die Hubschrauber, die mich heute früh beim bergauf fahren mehrfach überflogen hatten und mit den nervigen Geräuschen die Ruhe störten.

Gleiches tat iich jedoch auf der nun folgenden Abfahrt über die Regensburger Hütte bis nach Wolkenstein. Ich störte die Ruhe. Der Weg ließ sich toll fahren, mal schnell, mal langsamer, weil zu rutschig. Mal Single Trail, mal breiterer Wanderweg. Aber es ging bergab und so musste ich ja bremsen. Und die Bremsen machten heute einen Krach. Klingeln oder rufen war nicht nötig. Man hörte mich bremsen. Das nervte mich selber, aber sicher war es für die Wanderer und für mich, weil die Wanderer schon aus dem Weg gegangen waren, als ich kam.

Die Fahrt bergab verging wie im Flug. Nach knapp dreißig Minuten war ich im Tal und konnte gegen kurz nach 15:00 Uhr erst mein Fahrrad von so viel Matsch befreien und nachfolgend auch noch meinen Körper, wie ich es nicht für möglich gehalten habe.

Es war eine tolle Tour, die man auch mal wandern sollte. Die Eindrücke waren bombastisch und ich hoffe, dass ich das morgen bei der Fahrt zum Latzfonser Kreuz ggf. noch toppen kann.

Nun gute Nacht.. 

Dolomites - Seiser Alm

on: 04 September 2017

Claudia hatte mich überzeugt, dass ich die ursprünglich geplante Woche im September doch noch in den Süden fahren sollte, um noch einmal mit dem Mountainbike die Dolomiten zu erkunden.

Gesagt getan, so ging es am Sonnabend, den 2.9.  in Richting Süden. 5:00 Uhr Abfahrt, schöne Dämmerung, kaum Verkehr auf der A9 und später sogar Sonnenschein mit einigen Nebelfelden. Soweit so gut, bis ich nach Bayern kam. Genau an der Grenze verschwand die Sonne und das Wetter wurde schlechter. Der Verkehr ebenso. Und als ich in München ankam, um bei Lisa und Phillip Pause zu machen, goss es aus Kübeln.

Die Pause war notwendig, da 5 Stunden ununterbrochene Autofahrt alleine als Fahrer doch anstrengend ist. Als ich Mittags gegen 12 Uhr in Richtung Wolkenstein aufbrechen wollte, hörte ich von kilometerlangen Staus und durch Unwetter gesperrte Straßen in der Nähe von Garmisch. Trotzdem fuhr ich dort entlang, was ich bald auch bereuen sollte. Unfall vor Mittenwald, Stau am Zirler Berg und ebenso auf der Brennerautobahn und dann noch 1 Stunde vor Sterzing. Dank Volkswagen Navigationssystem mit online Verbindung Car-Net konnte ich einiges umfahren und kam dann um 17:10 Uhr im strömenden Regen in Wolkenstein an. Das änderte sich aber, da der Regen schnell in Schneegraupel überging.

Soweit zur Vorgeschichte, denn am Sonntag schien die Sonne, als ich aufwachte. Es bedeutete aber auch, dass die Wege in der Höhe noch nass und teils verschneit waren. Nicht so schlimm, denn heute wollte ich ja nur auf die Seiser Alm. 40 Kilometer und 1500 Höhenmeter. Los ging es gegen 09:00 Uhr und es war schon sehr kühl. 

Über St. Christina ging es nach St.Ulrich (die haben ein L im Namen vergessen) und dann kurz auf der Straße aus St. Ulrich heraus nach Kastelruth. Ha, hier war ich schon einmal mit der Familie und wir haben uns eine Holzsschnitzerei angeschaut. Doch 200 Meter später kam das Erwachen. Es ging geradeaus steil in den Wald hinein. Die Jacke, die Beinlinge, das Unterhemd, alles zog ich aus. Denn trotz Schatten kam ich angesichts der Steigung ganz schön ins Schwitzen. Und so zog sich er Weg zuerst auf feinstem -nein eher gröbstem, rutschigem- Schotter und dann irgendwann wieder auf Asphalt.

So fuhr ich weit über eine Stunde, bis ich endlich die schöne Hochebene der Seiser Alm erreichte. Hier wurde es wieder etwas frisch. Kein Wunder, die Steigung änderte sich in gerades Gelände und so wurde meine Geschwindigkeit höher. Und Wind kam auch noch hinzu. Fön sollte das sein. Ich denke, da hat Petrus vergaß, die Wärmespirale beim Fön anzuschalten. Bis ich am anderen Ende der Alm in der Nähe von Compatsch war, blieb ich kurzärmlich und auch mit kurzer Hose bekleidet.

Das ändere sich an der Jausenstatoin, wo ich lecker Apfelstrudel und Einen Spezi zu mir nahm. Hier wurde es dann doch kalt und trotz geschütztem Sitplatz zog ich es vor, die Jacke anzuziehen. Und das Unterhemd war auch wieder dran. Ich genoss die Sonne und fuhr nach knapp 40 Minuten weiter.

Halt, ich wollte doch nicht wieder herunter fahren. Aber mein Navigatoinsgerät befahl den Weg ins Tal. Der Trail war schön und so fuhr ich. Tja, das sollte sich rächen, denn ich musste die Höhenmeter wieder Bergauf strampeln. War ja klar und ich will mich nicht beschweren. Ich bin ja zum Mountainbike fahren hier und nicht zum Ausruhen. Und wer bergab fährt, muss auch bergauf fahren. Und das macht mir i.d.R. ja auch richtig Spaß.

Nun wurde es richtig kühl. Die Sonne verschwand und ich kurbelte an der Gaststätte Spitzbühel vorbei in Richtung Schnee. Ich kannte die Seiser Alm ja vom letzten Urlaub und so folgte ich nicht dem Navi sondern meiner Nase. Und die lief... Kein Wunder bei der Kälte... Über Holzstege fuhr ich gen Hotel Goldknopf. Da waren wir im Urlaub letztes Jahr und da wollten wir nicht wieder hin. Also bog ich kurz vorher in Richtung Mahlknecht Hütte ab.

Es folgte ein grader Weg und von nun an ging es bergab. Über Stock und Stein wie das beim Mountainbiken üblich ist und wieder über Holzstege. Und hätte es die Wanderer vor mir nicht gegeben, die dort wie auf rohen Eiern entlang gegangen sind, ich hätte mich auf die Nase gelegt. Denn der erste Steg war spiegelglatt. So ging ich mehr schlecht als recht hinüber, um nachfolgend einen schönen flowigen Trail zu fahren. Weiter ging es über einen Schotterweg mit recht grobem Schotter. Wie gut, dass es bergab ging. Bergauf fuhr ich den Weg letztes Jahr. Und das brauche ich nicht noch einmal.

Und so verließ ich die Höhe, nicht ohne dass mich ein "Mountainbike Pärchen" überholte, ich sie überholte, sie mich überholten, u.s.w.. Das Ganze bis wir an eine weitere Steigung kamen, ab der ich das junge Pärchen nicht mehr sah. Nachtrag: Ich sah sie wandernd am nächsten Tag und sie machten mir bei einer Abfahrt den Weg frei. Hierbei sprachen sie mich an und meinten, sie hätten mich doch "gestern" gesehen. Das war schon echt lustig, da ich sie nicht erkannt hatte, sie mich sehr wohl...

Einsam bog ich meine Kurven und folgte dem Waldweg, bis es wieder über einen sehr schönen engen Waldweg bergab ging. Das Ziel musst doch bald kommen. Mitlerweile war ich am Monta Pana Parkplatz an gekommen, nur mein Ziel Wolkenstein war eben noch nicht erreicht. Bis Wolkenstein ging es entlang eines sehr schönen Wiesenweges noch zwei Mal knackig bergauf. Wenn auch nur einige wenige Höhenmeter. Für den ersten Tag war es ganz schön viel, meine Beine waren müde, schmerzten ein wenig aber ich war glücklich, Wolkenstein gegen kurz nach 15:00 Uhr wieder erreicht zu haben.

Mein Fahrrad wurde gereinigt und ich hatte das auch nötig. Fazit des ersten Tages: Irgendwie war ich auf meiner Alpentour vor 4 Wochen fitter, oder aber die Steigungen hier sind steiler. Wie dem auch sei, es hat Spaß gemacht und ich freue mich auf morgen, wo ich zu den Geissler Spitzen fahren will.

 

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