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Ullrichs shots

Ullrichs Bericht

Die dritte richtige Etappe liegt hinter uns. Einklicken war Morgens punkt 8 Uhr. Die Tour sollte erst entlang des Inn-Radwegs in die Schweiz gehen, wo der Aufstieg in die Uina Schlucht auf uns wartete. Ich wusste ziemlich genau, was uns erwartete. War ich doch die Uina Schlucht im letzten Jahr mit Holger Schaarschmidt auf der "Best of Trails" Tour herunter gefahren. Ein Zuckerschlecken wird das nicht werden.

So war ich auch verwundert, mit welchem Tempo wir die ersten 2,5 Stunden angegangen sind. Im Schnitt sind wir mit dem Mountainbike 20 km/h gefahren. Natürlich war auch Asphalt dabei. Aber eben auch Waldwege. Und vor allen Dingen waren Steigungen dabei. Wenn ich mich richtig erinnere, waren das knapp 300 Höhenmeter. Wie die Geschwindigkeit zeigt, kamen wir ganz gut voran. Wir fuhren sozusagen im Pulk. Das änderte sich schlagartig, als wir dann den Waldweg in Richtung Uina Schlucht nahmen.

Das Wetter war wieder bombig. Richtig schöne Sonne, die mir die Auffahrt nicht gerade einfacher machte, weil das altbekannte Problem des Schweisses in meinen Augen hervorgerufen wurde. Denn die Auffahrt zur Uina Schlucht war schon anstrengend. Einige richtige Rampen oder Schnapper mit großen Steigungen waren zu bewältigen. Das auf rutschigem Schotter oder zum Schluss auch über Wurzelpassagen. Nun, ich schob auch einige Male, weil ja noch die Wanderung durch die Uina Schlucht vor mir lag.

Gegen 11:40 war ich an der Uina Dadaint Alm angekommen. Hier gab es zu trinken. 1 Liter Apfelschorle, weil ich trotz des mitgeführten Wassers einfach zu wenig getrunken hatte. Wir waren auch nicht alleine. Zwei weitere Radgruppen waren hier schon angekommen, die beide den Weg durch die Schlucht angehen wollten. Wie schön war es doch vor einem Jahr, als wir früh Morgens um ca 08:30 / 09:00 Uhr die Uina Schlucht durchquerten. Wir waren alleine. Das heute hatte mehr den Eindruck eines Mountainbike Festivals. Nicht so mein Ding, will ich doch eher die Ruhe und Schönheit der Natur genießen. Die 3 Damen, die unsere Gruppe komplettieren, kamen nach ca. 15-20 Minuten mit Lutz, der den letzten Mann machte, auch an der Alm an. DIe Pause dauerte knapp 40 Minuten und die brauchten wir wohl auch alle, bevor wir wieder in die Sättel stiegen.

Nun ging es weiter bergauf, bis an ein  Fahren nicht mehr zu denken war. Es war nicht nur nicht mehr daran zu denken, sondern es ist in der Schlucht auch verboten. Der in den Fels geschlagene Weg hat teilweise eine Breite von maximal 1,5 Meter. Rechtsseitig beim bergauf gehen fällt der Fels dann senkrecht ab. Bis zu 100 Metern. Ein Fahren wäre viel zu gefährlich. Und so schoben wir bis zum Uina-Eingangsfoto unsere Fahrräder und nachfolgend ging jeder für sich.

Für mich war das eine große Überwindung. Die Höhenangst von mir hatte ich letztes Jahr zwar schon einmal bezwungen. Doch bergauf gehen ist noch eine andere Dimension, als bergab. Und so kostete mich der Aufstieg der nächsten 30-40 Minuten sehr viel Kraft. Physisch und auch psychisch. Mittlerweile war seit heute früh 08:00 Uhr mein Puls warscheinlich nur in der Größenordnung von Minuten geringer als 120 gewesen. In der Uina Schlucht ging er beim bergauf Schieben über Steine auch mal bis über 150 hoch. An Stellen, an denen keine Sicherung am Wegesrand vorhanden war, ging ich stark konzenteirt auf den Weg achtend. Dort, wo eine Sicherung in Form von einem Drahtseil vorhanden war, habe ich auch mal ein Foto oder auch Videoaufnahmen gemacht. Eigentlich habe ich die Höhenangst ein weiteres Mal bezwungen. Jedoch war das ganz schön schweißtreibend und auch kräftezehrend.

Gegen 14:00 Uhr waren wir am oberen Ausgang der Uina Schlucht und Thomas ließ es sich nicht nehmen, bei mitlerweile erkaltetem Wetter und bedecktem Himmel (am Nachmittag sollte lt. Vorhersage auch noch Regen kommen), nackt im kalten Gebirgsbach zu baden. Ein verrückter Hund. Bei 30 Grad im Schatten könnte ich mir das vorstellen, aber so? Niemals. Thomas argumentierte, wann er denn überhaupt noch einmal hier her kommen würde. Und so sei das Bad jetzt notwendig. Meinen Respekt hat er hierfür erhalten.

Nun ging es über die Sesvenna Hochebene noch ca 300 Höhenmeter weiter nach oben, um die Grenze Schweiz / Italien zu überschreiten. Hier ließen meine Kräfte nach. Ich hatte zwar gut gefrühstückt und an der Unia Dadaint Alm noch ein halbes Brötchen und ein Riegel zu mir genommen. Doch das war eindeutig zu wenig. So ging der Weg über die Hochebene Anfangs noch recht flott von der Hand. Später wurde es verblockter und ich wurde angesichts meines Ernährungsmangels und Kräftedefizits immer unkonzentrierter. Da hieß es dann öfters kurze Stücke schieben, weil ich teils an den einfachsten Steinen hängen blieb und Gefahr lief, zu stürzen. Aber letztlich habe ich das auch hinter mich gebracht und die Kräfte kamen wieder, als ich in der Sesvenna Hütte ein Speckbrett gegessen hatte und mittlerweile auch meinen Flüssigkeitshaushalt mit weiteren 0.75 Litern Flüssigkeit zusätzlich zum Inhalt meines Trinkrucksacks erhöhen konnte.

Es fing an zu regnen und wurde kalt. Wir verließen unseren Außenplatz mit Blick auf den mit Wolken verhangenen Ortler (den sahen wir nämlich nicht - wie schön, dass ich diesen schon einmal von hier bewundern konnte) und gingen in die Hütte, um unser Essen zu beenden. Nachfolgend wollte Lutz noch einen Höhenweg fahren. Und da ging es noch einmal bergauf. Natürlich schiebend, denn an Fahren war nicht zu denken. Angesichts der Kälte entschied ich mich, meine Kleidungsreserven aus dem Rucksack fast komplett anzuziehen. Armlinge, dann natürlich ein frisches trockenes T-Schirt, ein Unterhemd und eine Radjacke. So ging es auf den Höhenweg. Nur die Regenjacke und Regenhose blieb ungenutzt im Rucksack verstaut.

Das änderte sich schlagartig, als die ersten Regentropfen kamen. Keine kleinen, eher große. Nicht wenig, sondern eher viel. So musste auch diese Kleidungsreserve den Weg aus dem Rucksack an den Körper finden. Der Rucksack wurde abgedeckt und innerlich verfluchte ich die Truppe und den Guide, dass wir diesen Weg noch fahren wollten. Bisher bin ich 18 Tage Transalp gefahren. Nie war ich in den Regen gekommen. Heute bei kaltem Wetter schon (übrigens hat es seit mehreren Wochen hier nicht geregnet, heute schon). Und das Ganze war umso ärgerlicher, als dass wir den Weg gefahren sind, um einen wunderbaren Blick ins Vinschgau zu haben. Hatten wir auch. Mit wolkigem Hintergrund. Und mit temporärem Donner. Das fehlte mir auch noch. Und ich hatte sehr viel Respekt. Denn eines wollte ich nie erleben: EIn Gewitter, bei dem ich auf einer freien Fläche hoch oben in den Bergen geradezu die Antenne zum Einfangen der Blitze bin. Soweit ist es auch nicht gekommen, aber ein mulmiges Gefühl war es schon.

Ich fuhr den Höhenweg mit den Jungs vorne. Lutz wieder mit den Damen hinten. Schade eigentlich, weil ich so gar kein Foto von mir bekommen habe. Fotos von der Landschaft kann ich alleine machen.  Nur Fotos von mir, dafür ist doch der Bilderservice da. Heute waren eben keine von mir vorhanden. Ärgerlich, aber nicht zu ändern. Ggf. wird sich das morgen wieder ändern, dass die Damen nicht so die Unterstützung von Lutz benötigen, so dass auch ich Fotos bekomme.

Doch zurück zum Trail. Anfangs fuhr ich sehr unsicher. Ich hatte noch nicht wieder richtig Kraft, meine Nahrungszunahme auf der Hütte musste ja auch erstmal wirken. Und ich hatte bannig Respekt, denn rechtsseitig ging es sehr steil für meine Verhältnisse bergab. So fuhr ich unsicher und fühlte mich auch nicht so wohl. Das auch, weil die Steine, die teilweise den Weg verblockten recht rutschig durch den Regen waren.

Nach einigen Kilometern hörte es auf zu regnen und der Weg wurde breiter sowie auch rechtsseitig nicht mehr so steil abfallend. Und das war der Punkt, an dem meine innerliche Unzufriedenheit ob der Entscheidung für diesen Weg in Vergessenheit geriet. Denn der Trail, den ich nun mit Thomas im Duo zusammen gefahren bin, war allererste Sahne. Zwischen Pinien ging es wie durch Enge gassen hindurch. Immer schön kurvig und alternierend bergauf und bergab. Wobei die Tendenz klar in Richtung bergab ging. Und so fuhren wir noch längere Zeit den schönsten Trail seit Monaten bis zum Ristorante Pantaplatsch (was es für Namen gibt) oberhalb von Schling. Hier fuhren wir dann auch nach einer tollen Abfahrt über Wiesen, Skipisten und Forstwege vorbei. Schling, der Ort, den ich letztes Jahr mit Frank nach mühevollem Anstieg auf dem Weg zur Sesvenna Hütte erreichte und wo wir kein Mittagessen bekamen.

An Mittagessen dachte ich nicht mehr, war es doch später Nachmittag und ich war froh, wieder im Tal zu sein. Die restlichen Kilometer fuhren wir den Radweg von Burgrain nach Glurns, wo wir direkt am Marktplatz übernachten. Und siehe da, Claudia und Sabine waren mit Guide Julian auch erst 10 Minuten vor uns angekommen.

Nach einem wunderbaren Bad im Whirlpool auf der Terasse mit malerischem Blick über die mittelalterliche Stadt Glurns von Stadtmauern und Wehrtürmen umzäunt und mit Blick auf das Vinschgau wurde der Tag beschlossen. Ein Eis schloss sich noch an, bevor wir dann zu Abend essen sollten. Alles in allem hatten wir einen tollen Tag (nicht nur, weil Sabine heute Geburtstag hatte), sondern weil er durch unterschiedlichste Eindrücke geprägt war.

Und hier ist die nächste Ergänzung von Claudia

Heute hatte Sabine Geburtstag und wir hatten am Vorabend schon beschlossen, dass wir erst um 9 h starten, damit wir mit Julian frühstücken konnten und weil wir ja nicht so eine Tour vor uns hatten. Unser erstes Ziel war ein etwas versteckt liegende historisches Gemäuer, in das seit einiger Zeit ein Cafe - also passend für einen Geburtstagskuchen- eingezogen war. Davor lagen aber noch einige Kilometer vor uns. Von der Hochfinstermünz ging es dann sehr steil bergauf, zunächst auf die Straße nach Martina - Schweizer Grenze. Von dort kämpfte ich mich über unzählige Kehren nach oben auf die Norbertshöhe - es sollten 11 sein, aber das mit dem Beschriften hat nicht ganz so geklappt bzw. scheint nicht jede Kehre eine Nummer verdient zu haben. Sabine hatte einen 'Lauf' und schnurrte vor mir her. Julian hielt ab und an, um sich zu vergewissern, dass es mich noch gibt und dass es mir gut geht. Ja, er hatte uns auch den Bus angeboten - aber das wollten wir selbstverständlich nicht, aber Julian wollte wohl hinterher nicht von uns hören, dass man ja eigentlich auch den Bus hätte nehmen können. Dieser fuhr nun auch an mir vorbei und während ich so Kehre um Kehre verfluchte, tauchte wieder einmal diese Frage nach dem Grund für diese Quälerei auf.

Ja, es war meine ureigene Idee. Ullrich schwärmte nach seinen Touren immer so und ich hatte mir recht spontan, aber auch ziemlich sicher im letzten Herbst überlegt, dass ich auch mal so etwas machen wollte. Als ich im Oktober 2004 aus dem Stand als Nichtsportlerin angefangen hatte, für einen Marathon zu trainieren, war es ja auch eher spontan dazu gekommen. Warum sollte ich mir also nicht auch die Fitness für eine MTB Tour erarbeiten können und Biss und Willen habe ich ja. Aber auf diesen endlos scheinenden Metern nach oben zweifelte ich arg an meinem Geisteszustand und schimpfte auch mit mir. Dann fing auch noch mein blöder Körper an, mir zu zeigen, dass er das alles nicht witzig findet und mir schliefen der linke Arm und das Bein immer wieder ein. Also ließ ich bergauf mal das eine, mal das andere Körperteilchen locken baumeln und achtete darauf, dass mich das nicht zusätzlich beim Anstieg behinderte. Aber ich wollte auch nicht schieben, weil das genauso anstrengend ist.  Oben wartete Sabine und Julian rief mir noch zu, dass ich auf keinen Fall schneller als 60 km/h in die Einfahrt düsen wollte, weil das mit der Geschwindigkeit immer sehr genau kontrolliert wird.

Das ist das, was mich und uns immer wieder ermuntert hat und was unseren Guide auszeichnet. Er hat zur rechten Zeit den richtigen Spruch, die passende Ermunterung oder Geschichte parat gehabt und ich habe es ihm abgenommen, dass er es überhaupt nicht schlimm fand, mit uns für ihn gemütlich, für uns anstrengend durch die Gegend zu radeln. Durch unsere Tempovorgabe haben wir es ihm ja auch 'erspart', dass er bis an seine Grenzen fahren muss. Ein feiner Zug - insgesamt ein toller Begleiter, um das Wort Guide mal zu ersetzen. Dass er für uns auch an diesem Tag eine echt knubbelige Spontanstrecke mit auf und ab, fahren und schieben, balancieren und schleppen eingebaut hatte, hätte ich jetzt fast vergessen. Eigentlich hatte er uns versprochen, dass wir nach dem gestrigen Schiebe- und Tragestück keinen solchen Part mehr haben, aber Julian hat das so charmant begründet, dass wir unsere Räder auch gerne wieder durch die Gegend geschleppt und geschoben haben. Die Aussicht, die Gegend und das Erlebnis, auch das wieder alleine geschafft zu haben, war die Mühe wert. Es ging den Tag bis Glurns und Julian wählte hier für uns eine herrliche Strecke durch die Apfelplantagen im Vinschgau aus und hatte sogar organisiert, dass wir durch die Beregnungsanlagen, denen man wirklich nicht ausweichen konnte, richtig fein geduscht wurden. Das kleine Hotel in Glurns war sehr schön, aber das hat Ullrich schon beschrieben und nach den 69 km war es ein Genuss, in den warmen Whirlpool zu steigen. Der Tag schloss mit einem sehr schönen Abendessen ab und Sabine war rundum zufrieden mit ihrem Radtour-Geburtstag fern der Heimat. 

Mal sehen, wie es morgen weiter geht.

 

Hier wieder einige obligatorische Fotos vom Tag

Die Uina Schlucht beim Aufstieg zum Eingang zu sehen

 

Am Eingang der Uina-Schlucht ein Blick auf einen Teil des bisher gefahrenen und geschobenen Aufstiegswegs

 

Die Uina Schlucht darf nur schiebend (Schweizerisch stossend) mit dem Mountainbike durchquert werden. Ein Fahren wäre auch viel zu gefährlich und kann unweigerlich mit dem Tod enden (was vor Jahren einem holländischen Biker auch passiert ist, der sich nicht an die Regeln hielt). Sehr schön sieht man die fehlende Sicherung rehtsseitig. Und dieser Bereich war ein Breiter Teil vom gesamten Weg.

Die Sesvenna Hochebene. Das war noch einmal eine Anstrengung, eine Stunde über Singeltrails 300 Höhenmeter zu überwinden.

 

Der Höhenweg zurückblickend in Richtung Schling und Sesvenna Hütte.

5

Bericht Ullrich

Prutz 18:44 Uhr. Ich sitze mitlerweile auf der Terasse vor unserem Hotelzimmer und komme jetzt nach einer tollen, wenn auch nicht unanstrengenden Etappe, zur Zusammenfassung des Tages. Warum so spät? Nun, die Speiche musste gewechselt werden. Der Händler hat dazu mehr als eine Stunde benötigt und am Ende war auch noch die Bremsscheibe falsch eingebaut, so dass ich erst seit 20 Minuten wieder im Hotel war. Doch der Reihe nach.. Fangen wir morgens an:

Die Nacht war sehr ruhig, keine Schmerzen in den Beinen (was angesichts der halben Etappe gestern auch nicht zu erwarten war). Und so sind wir um 06:30 Uhr aufgestanden, haben schön gerühstückt und um 08:30 hieß es Einklicken, um den Weg in Richtung Imst und nachfolgend Prutz zu beginnen. Die Etappe sollte leider wieder ohne Oskar stattfinden. Die Hand ist immer noch nicht weiter geheilt und es ist auch nicht zu erwarten, dass er noch eine Etappe mitfahren kann. Schade für Oskar, schade für uns. Aber es soll einfach nicht sein. Gesundheit geht vor. Und wenn er stürzt, weil er nicht richtig zufassen kann, wäre das viel schlimmer, als die Tour jetzt nicht mehr zu fahren.

Nachdem die Bikes aus dem Keller geholt waren, ging es bei strahlendem Sonnenschein in Richtung Marienbergjoch. Die Mädels sind in Richtung Fernpass hoch gefahren, wir eben zum Marienbergjoch. Das sind nach meiner Erinnerung knapp 800 Höhenmeter am Stück auf rutschigem Schotter. Zum Schluss sind es auch noch 30% Steigung. Dieses Marienbergjoch ist ja nun meine Achillesverse. Bei meiner ersten Transalp wollte ich hier die Tour abbrechen, weil auf der Hälfte beide Beine verkrampften. Somit bin ich  im letzten Jahr, als wir hier zufällig Urlaub machten, noch einmal zum Joch hochgefahren. Und da habe ich es am Stück in 1:15 Stunden geschafft. Heute waren es nicht 1:15 Std, sondern nur knapp 1:00 Stunde. Na ja, nicht ganz zum Joch, sondern zur Sunnalm. Und somit kann ich sagen, dass ich wirklich nicht unfit bin. Ich war auch weit vorne in der Gruppe. Doch auch das wäre mir egal. Mir geht es doch einzig und alleine darum, die Natur zu genießen und beim Mountainbiken auch gut abzuschalten. Vom täglichen Leben in der Tretmühle des Jobs. Der mir sicher Spaß macht. Aber ehrlich habe ich auch gewisses Verständnis für die Work-Life-Balance Fokussiertheit der heutigen Bewerber bei uns im Unternehmen. Und auch vor den Wünschen von Julian. Hut ab. Ich bin mal gespannt, ob viele Unternehmen diesen Wunsch unterstützen. Bei uns ist es möglich und ich hoffe für viele Arbeitnehmer, dass sie auch in den Genuss kommen, ihr Privatleben mit dem beruflichen besser zu harmonisieren.

Zurück zur Tour: Hätte mein in Strömen fließender Schweiss nicht die Sicht kurz vor Ende gegen 0 gehen lassen (meine Augen brannten und ich musste sie schließen, damit sie nicht so weh taten), so dass ich noch einmal anhalten musste, wäre ich als Zweiter oder Dritter der Gruppe oben angekommen. Auch das ist mir egal. Es geht nicht um Wettkampf, sondern um Genuß. Die Zeit ist gut, doch auch das zählt nicht. Ich fühlte mich gut. Und das ist alles, was zählt. Na ja, und die Sicht ist grandios gewesen. Am Rande sei noch erwähnt, dass ich froh war. Denn an den Kurven, wo vor drei Jahren meine Beine versagten, waren sie wieder, die Erinnerungen. Warum erinnert man sich nur so gut an negative Dinge? Und das, wo ich sonst so positiv denke. Egal. Das ist nicht des Nachdenkens wert. Ich freue mich über meine Leistung bis zur Sunnalm und den herrlichen Ausblick ins Ehrwalder Becken und auf die Zugspitze. Denn obwohl der Himmel heute bei der Abfahrt schon blau war, war die Zugspitze in einem Wolkenschleier. Doch nun war der Himmel aufgerissen und die Wärme wurde langsm stärker und die Sicht einfach großartig. Wie klein sind wir doch als Menschen gegenüber der Großartigkeit der Natur?

Von der Sunnalm bis zum Joch oben, mussten wir dann doch alle schieben. Alle? Nein, Lutz, unser Guide ist natürlich gefahren. Aber er verdient auch sein Geld damit. Und ich kann ggf. Feuer löschen, Klavier spielen, Menschen führen und habe ggf. noch etwas Ahnung von IT Sicherheit oder Datenschutz ;-). Na ja, Lutz kann sicher auch andere Dinge, deshalb einfach Hut ab. Das ist schon eine tolle Leistung, die keinen Neid hervorruft, jedoch hohen Respekt.

Die Abfahrt auf die andere Seite war recht locker. Manchmal am Beginn zu langsam für meine Gefühle. Aber wir wollen ja sicher ankommen! Eine Johannisbeerschorle auf der Marienbergalm durfte es auch noch sein. Dabei konnten wir den Blick in Richtung Süden genießen. Wäre der Rasentrimmer nicht an gewesen, wäre es auch sehr ruhig gewesen. Doch das war nach 10 Minuten auch erledigt, so dass die einmalige Aussicht und die schöne Atmosphäre von uns allen genossen werden konnte.

Die Abfahrt nach Nassereith war schön, zum Abschluss noch ein kurzer Trail und es ging mit hoher Geschwindigkeit in Richtung Imst, um nachfolgend auf dem Inntal Radweg die Kronburg anzufahren. Auf der Kronburg, vor die der liebe Gott noch ca 200 Höhenmeter gelegt hat, sollte es Mittag geben. Sollte ist der richtige Ausdruck, dann am Fuße des ersten Anstiegs musste Julian, der Guide der anderen Gruppe, feststellen, dass auf der Kronburg heute Ruhetag war. Also einige Höhenmeter gespart und es ging in Zams essen. Der Service hier war nicht besonders professionell, aber die Kohlehydrate, die wir einnahmen, zwingend notwendig. Eventuell bin ich komisch, aber den Laden würde ich nicht noch einmal weiter empfehlen.Tue ich auch nicht, deshalb schreibe ich hier auch nicht den Namen.

Denn nun ging es hinauf auf die Fließer Platte. Hierzu mussten wir  ca 50 Höhenmeter auf einem Trail schiebend voran. Die Sonne brannte mittlerweile unerbittlich. Und wer denkt, schieben ist nicht anstrengend, der sollte das mal mit einem 15kg Mountainbike und 8 kg Rucksack probieren. Das ist schon eine Herausforderung. Sicher nichts für die Basis-Tour von Claudia und Sabine. Doch sie fuhren, bzw. schoben mit. Es ging kurz bergab und nachfolgend wieder bergauf die Kalorien zu verbrennen. Teils war es so verblockt und steil, dass ich an zwei Stellen dann doch schieben musste. Und nicht nur ich. Auf der Via Claudia Augusta fuhren wir weiter und sahen das Inntal unter uns. Der Ausblick hier oben von der Fließer Platte war jede Anstrengung wert. Ich kann dieses nur jedem empfehlen, der einmal in dieser Gegend ist. Und es ging nachvolgend auch bergauf, bergab schöne Trails entlang, die jede Anstrengung vergessen ließ.

Nach der letzten Abfahrt mussten wir dann noch ca 10 Minuten auf einem Radweg entlang des Inns in Richtung Prutz. Und hier waren wir auch ca. 16 Uhr angekommen. Also schnell in den Fahrradladen, der auch mein Hinterrad reparieren sollte. Das dauerte bis nach 18 Uhr, weil erstens nicht bekannt war, ob sie meine Speichenlänge vorrätig hatten und zweitens Probleme beim Einbau meines Hinterrades bestanden. Nachdem ich darum gebeten hatte, den Bremssattel auszubauen, war der Fehler auch schnell gefunden. Die Bremsscheibe war nicht richtig fixiert, so dass das Rad gar nicht passen konnte. Ich freute mich schon sehr über den flexiblen Service. Mühe hat man sich dort schon gegeben ;-)

Nun habe ich wieder ein Rad mit allen Speichen, wenn es auch eine kleine 8 hat, die nicht mehr heraus geht. Das heisst, dass ich hoffen kann, dass mein Rad noch bis zum Gardasee hält. Denn einige Speichen sind schon stark unter Spannung, wohingegen andere eher lockerer sind. Warten wir es ab. Es sind ja nur noch 4 Etappen.

Und die nächste hat es schon in sich. Wir werden morgen über die Uina Schlucht nach Italien fahren. Wenn alles gut geht, werden wir sicher erst nach Mittag unser Mittagessen auf der Sesvenna Hütte einnehmen Lutz hat wieder etwas tolles gezaubert. Ein Höhenweg mit einzigartigem Blick auf das Vinschgau sollte es sein. Ich freue mich schon jetzt. Auch wenn ich mich noch gut daran erinnern kann, wie die Radler im letzten Jahr aussahen, die zur Uina Schlucht hoch fuhren. Wir waren ja von der Sesvenna Hütte herunter gefahren. Und das dauerte eine ganze Weile. Das fahren wir morgen hoch? Na prost Mahlzeit. Trotzdem freue ich mich schon sehr. Denn auch hier ist der Mensch so klein. Das ist etwas, was immer wieder erden kann und die Dinge im Leben in die richtigen Relationen setzen kann.

So ist also die Aussicht für morgen. Wie das Wetter wird? Keine Ahnung. Da gibt es nun unterschiedliche Vorhersagen. Wir können es eh nicht ändern, lassen wir uns also überraschen. Wenn wir morgen im Vinschgau in Glurns ankommen, dann erwartet uns hoffentlich die italienische Sonne. Ich werde morgen Abend berichten, wenn ich noch die Kraft und Zeit habe. Denn die Ankunft ist erst mit 18 Uhr angesetzt. Und das, obwohl wir schon um 08:00 Uhr losfahren werden. Es wird also ein langer Tag. Also bis morgen oder eben übermorgen....

Nachtrag von Claudia..

..aus schon besagten Gründen (und in Ergänzung zu Ullrichs Einleitung: meine Beine taten auch nicht weh und das war gut!)

Für diese Etappe hatte sich noch eine Teilnehmerin unserer Gruppe angeschlossen. Wir sind mit Julian über den Fernpass gefahren und wurden bergauf von einigen E-Bike-Radlern überholt. Einerseits frustriert das etwas, andererseits war ich aber stolz, dass ich diese Strecke und Höhen mit meiner Muskelkraft bewältigen wollte und es ja auch schaffte. Wir sind zwischendrin auch auf schönen Waldwegen gefahren, damit es nicht nur Schotter ist. Sowie Julian eine schönere Alternative parat hatte, baute er diese für uns ein. Nach einem Fotostopp ging es weiter in Richtung Kronenburg. Dort wollten wir uns mit der anderen Gruppe treffen und gemeinsam Mittagspause machen. Vor diesem Essen mit der angekündigten grandiosen Aussicht lag aber noch eine steile Auffahrt, die aber eben alle Mühe wert sein sollte. Durch Zufall schaute Julian noch auf den Speisekarten-Kasten am Anfang der Straße: Montag Ruhetag. Wie wunderbar, dass er das vorher gelesen hatte. In diesem Moment radelten auch die anderen an, die natürlich einen deutlich anstrengenderen Weg gewählt und bärenmäßig Hunger hatten. Julian wurde derweil von einem Mofafahrer angequatscht, was ihm, wie er später erzählt, überhaupt nicht passte, aber man ist ja höflich.

Nach kurzer Überlegung ging es weiter mit dem Rad nach Zams und dort fanden wir tatsächlich einen großen Tisch für eine gemeinsame Kohlehydrate-Mittagspause. Das viele Essen für die Energiereserven fiel mir echt schwer, weil ich ja nun eigentlich immer darauf achte, dass mein Hüftgold nicht wächst, aber ich habe dann doch Spinatnockerl gegessen, die sich allerdings dann den weiteren Tag immer wieder bei mir meldeten. Das war noch nicht die Lösung für mich, aber auch hier muss ich ja erst herausfinden wie das so auf einer mehrtägigen Tour ist. Schwer beeindruckt war und bin ich von den immensen Bergen, die Julian so verputzen kann ohne natürlich Hüftgold anzulegen und dann noch weiter entspannt mit uns durch die Gegend zu radeln. Weiter ging es dann in Richtung Pütz. Aber davor lag noch eine enorme Schiebepassage, die meinem Knie und mir nicht wirklich gut tat. Nach der Mittagspause ging es fix, erst noch mit allen, bergauf und dann hieß es: Da gibt es auch die Möglichkeit einer Abkürzung auf die Fließer Platte, auf die wir hoch mussten. Jemand sagte noch, dass sie an uns vorbei wollte, weil sie lieber fahren wollte, aber es handelte sich hier nicht um die Straße, wie auch Sabine und ich dachten, sondern um einen sehr steinigen, verwurzelten, sehr unebenen und schmalem Bergaufstieg. Ich konnte kaum richtig gehen und treten und hatte ja, so ganz unüblich bei einer Wanderung, ja mein Rad und den Rucksack auch noch da hochzubringen. Ich fragte mich sehr intensiv, was an so einem Aufstieg noch 'light' sei und wie ich so dämlich gewesen sein konnte, diese Tour zu buchen. Aber Sabine und ich schoben wacker und stetig und mit der einen oder anderen Schimpftirade nach oben. Das half uns, die Bäume und Grillen waren geduldig und verständnisvoll mit unserem Unmut. Ich meine, den einen oder anderen Spruch gaben wir uns gegenseitig sogar zum Besten, der uns noch zum Lachen brachte. Also war da ja noch Luft nach oben oder so. Julian wartete natürlich weiter oben auf uns (Wir hatten ihn vorgeschickt, damit er unsere unflätigen Kommentare nicht hören konnte) und wollte uns auf den letzten Metern, ganz Gentleman-like, die Räder abnehmen. Aber wir haben auch unseren Stolz und so kamen wir beide etwas angeschlagen, aber ohne andere Hilfe oder Unterstützung lebend oben an und haben auch niemanden auf dem Weg behindert - wie auch, die waren ja auch alle längst schon weitergefahren. Die Teilnehmerin, die sich zwischenzeitlich uns anschloss,  hatte sich auch wieder der anderen Gruppe angeschlossen, weil es ihr mit uns wohl zu langsam oder langweilig war. Vielleicht fehlte ihr die Herausforderung. Am Montag machte ich mir dazu aber noch keine weiteren Gedanken.

Wir fuhren dann auf sehr schönen, für uns beide auch etwas herausfordernden Wegen talabwärts, düsten durch ein Bergdorf, in dem ich mich fragte, wie so ein Dorf es schafft, auch junge Menschen zu bewegen, dort wohnen zu bleiben. Nun denn, auch wir drei kamen in Prutz an - stolz wie Bolle auf unsere Leistung. Julian machte noch einen kurzen Halt am Brunnen mit dem sauren Wasser. An dieser Quelle gibt es einen normalen Brunnen und einen, aus dem wirklich saurer Wasser mit verschiedenen Mineralien sprudelt und viele Menschen füllten sich dort zahlreiche Flaschen zum Mitnehmen auf. Es soll sehr gesund sein.

Die anderen saßen schon bei gemütlichem Bier und Schorle auf der Terrasse, als wir drei dann auch ankamen.  Es wurde für uns beide etwas hektsich, weil dann recht fix die Zimmer bezogen werden sollten, wir aber noch etwas kaputt waren, aber auch das haben wir hinbekommen - wir hatten dann nur eine kleine Pause, aber: Die nächste Etappe war geschafft! Sabine und ich waren stolz auf das, was wir beide geleistet hatten und freuten uns doch tatsächlichem bei allem Respekt auf die nächste Etappe.  

 

Jetzt noch einige Fotos vom Tag

Morgenstimmung an der Zugspitze

 Morgenstimmung Zugspitze

Notdürftig geflickte Speiche am Hinterrad

 Die defekte Speiche

DAs MArienbergjoch links oben zu sehen. Hier sollte es gleich nach dem Start hoch gehen...

 Das Marienbergjoch ganz links oben

Der Aufstieg ist fast geschafft an der Sunnalm

Kurz vor der Sunnalm

30% Steigung auf Schotter ist eine HErausforderung. Gerade, wenn es am Ende des Aufstiegs auf Dich wartet. Im Hintergrund das Ehrwalder Becken..

 30%

Kurz vor Abschluss der zweiten Etappe: Fließ mit einer imposanten Kirche

 Fließ im Inntal

 

 

 

Bericht Ullrich

Der erste Tag liegt nun hinter uns. Und es war ein schöner Tag! Es begann für mich Morgens kurz vor 6 Uhr. Ein Blick in das Ehrwalder Moos zeigte eine wunderschöne, friedvolle Morgenstimmung. Die Berge leicht im Schleier und der mystische Nebel umgab das Moos. Hier waren Erinnerungen da. Im letzten Jahr bin ich von hier früh morgens aufgebrochen, um das Wettersteingebirge zu umrunden. Und auch da war das Moos im Nebel, die Zugspitze brach die ersten Sonnenstrahlen. Und da ist es doch schön, an alte Gedanken, alte Zeiten erinnert zu werden.

Doch heute geht es von Grainau nach Ehrwald zurück. Da die Etappe heute jedoch nur einen halben Tag dauern sollte, war das Treffen erst Mittags in Grainau angesagt. So frühstückten wir erst gegen 9 Uhr und nach dem netten Foto konnte ich meinem Körper noch etwas Ruhe gönnen. Frühstücken ging schnell, die einzige Übernachtungsmöglichkeit in der Gegend hatte ein nicht ganz so oppulentes Frühstück zu bieten und schnell ging es auch in Richtung Grainau.

Wir hatten angesichts Oskars Verletzung an der Hand entschieden, dass Oskar die heutige erste Etappe noch nicht fährt, da er den Lenker mit seiner aufgerissenen Handfläche noch gar nicht richtig halten kann. So fuhren wir gemeinsam nach Grainau, trafen dort unsere Gruppe und nachfolgend verabschiedeten wir uns von Oskar, den wir heute Abend dann in Biberwier, unserem ersten Etappenort, wieder sehen sollten.

Meine Gruppe bestand aus 3 Männern, einer weiblichen Teilnehmerin und mir. Zwei weibliche Teilnehmerinnen waren Basic Level angemeldet, wollen aber lieber mit der Medium Level Gruppe fahren. Ob das gut geht? Auch da bin ich gespannt.

Ach ja, was noch wichtig zu erwähnen wäre: Der Guide von Claudia, Oskar und Sabine heisst Julian und ist ein recht netter. Eigentlich studierter Physiker, der aber noch das Arbeitsleben mit dem Freizeitleben besser harmonisieren möchte. Work-Life Balance nennt man das ja heute. Und das scheint ja nun wirklich wichtiger zu sein, als immens hohe Verdienste. Und die Work-Life Balance scheint auch für meinen Guide wichtig zu sein, denn neben seiner Arbeit in der Softwarebranche führt er ab und zu Touren mit dem Mountainbike. Das wusste ich natürlich schon, denn meinen Guide kannte ich schon. Es war der Guide, mit dem ich meine erste Transalp von Garmisch zum Comer See gefahren war. So konnte ich heute also wieder auf Lutz zählen. Und das soll dann auch für den Rest der Woche so sein. Ich freue mich drauf. Denn die Erfahrungen im ersten Jahr waren durchweg gut.

Ich hatte Lutz zwar als sehr schnellen Fahrer in Erinnerung, doch heute war das weit gefehlt. So wie ich es mir vorstellte, sollte unsere Tour nicht durch testosteron geschwängerte Männer (Originalton Lutz) vom Tempo bestimmt sein, sondern vom Spaß und von der Fähigkeit eines Jeden. Und so ging es dann auch los. Immerhin sollen wir doch alle Spaß haben! Genau mein Denken.

Ein gemütliches Tempo brachte uns aus Grainau auf einem Teerweg heraus in Richtung Eibsee. Nachdem wir die Bayerische Zugspitzbahn zwei Mal überquert hatten, ging es dann auf Schotter weiter, um die ersten 200 Höhenmeter zum Eibsee zu überwinden. Ich erinnerte mich an die erste meiner Alpentouren. Hier hatte ich schon fast hyperventiliert. Denn dort hatte ich testosteron gesteuerte Mitfahrer. Aber heute nicht. Ich kam gut voran und wir waren ratz fatz am Eibsee. Claudia und Sabine fuhren so gut mit Julian mit, wie es ihre Erfahrung und die Fitness erlaubten. Wie erwähnt, war das Tempo, welches Lutz anschlug auch für mich ein sehr angenehmes Tempo.

Am Eibsee angekommen waren dort doch sehr viele Menschen, so dass wir nach kurzer Wartezeit auf Julian und seinen Teil der Gruppe diesen Ort nach Fotos schnell verlassen konnten, um uns dem einsamen Weg in Richtung Hochthörleütte in Österreich unter die Räder zu bringen.

Ich fuhr nett mit Lutz und die Unterhaltung war kurzweilig. Von der Fragestellung, wieso es die Fahrradindustrie schafft, so exporbitant teure Fahrräder auf den Markt zu bringen (ich glaube, das Angebot wird auch künstlich verknappt) und diese auch zu verkaufen, bis hin zu Donald Trump und natürlich Volkswagen war alles dabei. Nun war ich an meine Arbeit erinnert, wenn ich auch nichts mit der Diesel Thematik zu tun hatte. Aber Volkswagen, das betrifft mich doch. Und ich wollte ja eigentlich auch auf der Tour abschalten. Kein Problem, die lockere Fahrt hinauf ließ meine Gedanken schnell wieder kreisen und so war meine Arbeit dann auch recht schnell wieder weg. Das ist auch Mountainbiking: Einfach die Gedanken schweifen lassen (zumindest bergauf). Bergab geht das natürlich nicht immer, da dort für mich immer Konzentration angesagt ist.

Die Luft war kühl, das Atmen fiel leicht und so haben wir auch recht schnell einen schönen Übersichtspunkt über dem Eibsee erreicht. Kurze Pause, Fotostopp, netter kurzer Smalltalk und es ging weiter.

Noch einige steilere Höhemneter, dann eine moderate Steigung und schon ging es zu einem kurzen heftigen Schnapper. Als ich diesen im Mai gefahren war (ich war ja schon mal hier und hatte Claudia im Krankenhaus besucht), habe ich noch geschoben. Na ja, ich scheine doch besser drauf zu sein, als ich dachte. Ggf. half auch Lutz, der nochmal darauf hinwies, dass es nur eine Frge des Tempos sei. Und ich hatte beim Alleine Fahren in diesem Jahr stets Probleme, das richtige Tempo zu finden. Ich habe meine Komfortzone selten erreicht. In der Gruppe fiel mir das heute viel einfacher. Zurück zur Fitness: Ich bin gespannt, wie gut sie wirklich ist. Noch ist nicht aller Tage Abend und die Tour hat noch 5 anstrengende Tage zu bieten.

Nach dem Schnapper ging es kurz noch bergauf. Ich muss darauf hinweisen, dass dieses immer noch ein Waldweg mit Schotter war. Und was kam uns entgegen? Nun 3 Autos mit asiatisch anmutenden Insassen. Sie hatten sich wohl zu sehr auf das Navi verlassen. Kein Wunder, waren es doch keine Volkswagen, sondern allesamt Citroen. Oder lag es an den Fahrern und Passagieren? Auf jeden Fall sind sie nicht rückwärts gefahren, nachdem ich jedem Fahrer in Englisch erläutert habe, dass das eine Sackgasse sei und sie besser wohl rückwärts den Schotterweg zurückfahren sollten. Was sie gemacht haben, wie sie dort heraus gekommen sind, weiss ich nicht. Aber so ist es, wenn man sich auf das Navi verlässt und zu naiv ist, wenn man eine Teerstraße verlässt und in einen engen Schotterweg einbiegt.

Wir fuhren weiter zur Hochthörlehütte, wo ein Kuchen auf mich wartete und eine Johannisbeerschorle. Es war mittlerweile kurz nach 16 Uhr. Knapp 800 Höhenmeter lagen hinter uns, das Wetter wurde kälter und wir haben auch einige Regentropfen abbekommen. Nun gut, das Aufwärmen tat gut, ich stellte fest, dass ich meine Jacke im Koffer gelassen hatte und an Stelle dieser zwei T-Schirts eingepackt hatte. Aber das sollte mich auch nicht stören, dann für die Abfahrt nach Ehrwald musste dann meine Regenjacke herhalten.

Über einen Trail, ging es bergab und es war eine Wucht. Auch Claudia und Sabine sind den Trail gefahren. Ich zog innerlich meinen Hut, weil sie das wirklich einwandfrei gemacht haben. Zu mir meinte Lutz, dass es ein Unterschied zum letzten Mal gewesen sei. Ich würde mein Fahrrad viel besser beherrschen. Also Balsam für die Seele und fürs Gemüt. Danke Lutz ;-)! Was so wenige Worte doch ausmachen können.

Und so ging es in Richtung Ehrwald. Dort stellte ich ein wenig Flattern im Hinterrad fest. Aber das wird schon nichts wichtiges gewesen sein. Aber irgendwie war ich trotzdem beunruhigt. Nun ging es durch einen tollen Lerchenwald, über das Moos dann nach Biberwier.

In Biberwier angekommen war mir auch das Flattern ein wenig klar. Am Hinterrad ist eine Speiche gebrochen. Wo und warum, weiss der Teufel. Das ist ja nun die zweite Speiche in diesem Jahr. Entweder liegt es am Gewicht von mir oder ich muss auch etwas langsamer fahren. Nun muss ich morgen noch mit einer kaputten Speiche fahren und hoffe in Prutz dann einen Fahrradladen zu finden, der dann noch mein Hinterrad reparieren kann. Eine kaputte Speiche, da funktioniert das Fahren. Mit zwei kaputten Speichen wird es schon schwieriger.

So, jetzt geht es ins Bett. Es ist knapp vor 22 Uhr. Nicht ohne mich auf morgen zu freuen, wo es zum Marienbergjoch und zur Kronburg hoch geht. Das erste ist eine Herausforderung, an der ich einmal schon fast gescheitert bin, aber letztes Jahr im Urlaub innerhalb von einer Stunde und 15 Minuten oben war. Mal sehen, wie es morgen wird. Nun gute Nacht und bis morgen, wo ich mich hoffentlich aus Prutz wieder melden kann.

Ergänzung von Claudia

An den Abenden meiner/ unserer Tour waren weder Sabine noch ich in der Lage, zu dem Blog etwas beizutragen. Ich war einerseits kaputt vom Tag, aber andererseits auch von den vielen Eindrücken und Erlebnissen des Tages. Die teilten sich natürlich auf. Da sind die persönlichen Erfahrungen mit der Anstrengung und der Aktivität, die ich meinem nicht gerade gesunden Körper zugemutet habe. Er wird sich an den letzten Tagen sicherlich oft gefragt haben, ob ich noch alle Tassen senkrecht stehen habe oder in irgendeiner Art lebensmüde war, dass ich ihn so herausgefordert habe - aber auch diese Erfahrung war wichtig für mich. Und da sind dann natürlich die Erfahrungen in und mit unserer Gruppe, die mich in den ersten Tagen auch leider emotional einige Kraft gekostet haben, aber auch das gehörte bei dieser Tour nun dazu und zu guter Letzt die Natur mit all ihren Gerüchen und vielen schönen Angeboten, die wir beide immer wieder auch gewürdigt haben. 

Wir hatten das Glück, dass Julian unser Guide war. Er hat es vom ersten Moment an verstanden, sich auf uns und unsere 'light'-Fähigkeiten einzustellen und uns trotzdem immer wieder zu fordern und mit unserem Wissen und Können voranzubringen. Da wir beiden die 'echten' Light-Fahrerinnen (laut Ausschreibung von ULP hatten wir uns und unsere Fitness/ Vorbereitungsintensität absolut korrekt eingestuft, unser Können und unsere Mountainbike-Fähigkeiten dem richtigen Level zugeschrieben) waren, fuhren wir zunächst mit Julian alleine und haben uns, bei aller Anstrengung, interessant und umfassend unterhalten. Der Start in Grainau war schon recht fix und ich habe zunächst auch noch den Fehler gemacht zu denken, dass ich bei der gesamten Gruppe an diesem Tag mithalten muss. Irgendwann fand ich dann auch in mein Tempo hinein. Julian, Sabine und Ich folgten in zunehmendem Abstand dem Aufstieg zur Hochtörlehütte. Am Eibsee warteten die Medium-Fahrer auf uns und dann erneut weiter oben. Ich kannte diesen Aufstieg schon, weil Ullrich mich hier, im Anschluss an eine gemeinsame Radtour mit eine Länge von ca. 50 km noch genau diesen steilen Weg wieder zu unserem Ausgangsort im Urlaub vor einem Jahr hochgeschickt hatte. Er hatte seinerzeit vergessen, wie steil und anstrengend er war und ich hatte vor einem Jahr das Gefühl, dass mein Herz mit dem Schlagen nicht mehr hinterherkommt. Moderat ist ein Wort mit sehr unterschiedlichen Auslegungsgraden :-) Nun hatte ich seitdem aber einige Kilometer und Höhenmeter trainiert und kam zwar langsam, aber deutlich souveräner oben bei den anderen an und konnte auch noch atmen und weiterfahren. Eine Erlebnis und eine tolle Erfahrung für mich, denn daran merkte ich, dass mein Training doch Früchte zeigte.

Auf der Hochtörlehütte waren die anderen schon eingetroffen und hatten sich lecker Kuchen bestellt, als Sabine und ich ankamen, aber wir bekamen trotzdem eine angemessene Pause und danach stellte sich die Frage, ob wir beide auch einen etwas schwierigeren Trail mit nach Ehrwald hinabfahren wollten. Wir wollten und ich finde, wir haben uns für den ersten Tag und nach der anstrengenden Auffahrt recht gut angestellt. Lutz gab den einzelnen noch Tipps zur Optimierung und dann ging es über einen schönen Lärchen(Zauber)wald nach Biberwier ins Hotel. Ich war kaputt, aber froh, dass ich eben gerade diese, mir bekannte Etappe, überstanden hatte. Ich habe auch nur an einer, nee zwei sehr steilen Stellen geschoben, und das fühlte sich für mich sehr gut an. 

Die Hand von Oskar war noch recht entzündet und so überlegten wir einen Plan B: Er würde am nächsten Tag mit dem Shuttlefahrer den Beetle aus Ehrwald holen und würde uns mit dem Auto folgen bzw vorfahren, weil es nicht so aussah, als ob er mit den Hand radeln könnte. Im Nachhinein stellte sich diese Entscheidung als richtig heraus und er war auch nicht unglücklich damit.

 

 Nun noch einige Bilder des Tages

 Morgenstimmung im Ehrwalder MoosMorgenstimmung Ehrwald

 

 Eibsee von Oben bei bedecktem HImmel

Eibsee

 Kurzer Blick zurück nach Garmisch-Partenkirchen

 

Lerchenwald in Ehrwald

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