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Ullrichs shots

Ullrichs letzte Etappe

Freitag, der 13.7. Der letzte Tag der Alpenüberquerung von Garmisch zum Gardasee liegt hinter uns. Wie jeden Morgen hieß es aufstehen. Doch anders als die letzten Tage mussten wir nicht zu früh aus dem herrlichen Bett im Hotel am Molvenosee. Nein, die Abfahrt war mit 09:00 Uhr angesetzt und so konnten wir unsere müden Knochen und Muskeln eine halbe Stunde länger relaxen lassen und zur Schonung dieser beitragen.

Das Frühstück war reichhaltig. Irgendwie jedoch italienisch, denn die Lautstärke im Raum war für meine Begriffe viel zu hoch. Das ist jedoch das, was man wohl mit Italien verbinden muss. Nicht nur die laute Musik, die aus dem Vorraum in den Speisesaal herüber schallte und zu einem hohen Lautstärkepegel beitrug, sondern auch das Reden der wenigen italienischen Gäste hatte genauso, wie beim gestrigen Abendessen dafür gesorgt, dass bei mir keine ruhige Abendstimmung und nun Morgenstimmung eingetreten ist.

Macht auch nichts. Denn gleich sollte es ja wieder los gehen. 09:00 Uhr einklicken. Doch Julian, der Guide von Sabine und Claudia hatte sein Fahrrad noch nicht zu Ende gepflegt. Aber Julian kann man das ja gar nicht übel nehmen. Er ist so ein positives Energiebündel mit dem rechten Humor und dem gewissen richtigen Grad an Sarkasmus, dass man ihn eigentlich gern haben muss. Doch zurück zur Tour. Es ging also um 09:05 Uhr los. Erst entlang des Molvenasees, dann ging es eine kleine Straße herunter und hier ist es passiert.

Mein erster Reifenschaden auf dieser Tour. Trotz schlauchloser Reifen hat sich ein Loch im Hinterrad durch ein schwimmendes Fahrgefühl bemerkbar gemacht. Also hieß es Reifenwechsel. Das ist dann mit Hilfe von Markus und Julian recht schnell gegangen. Das Loch war durch die austretende Dichtmilch (warum hat die nicht gedichtet?) schnell gefunden, der Ersatzschlauch eingezogen und schon hechteten wir dem Rest der Gruppe, die nicht gewartet hatten, nach. Dank unglaublich guter Leistung hatten wir die Anderen recht schnell wieder eingeholt. Hierbei galt es noch einen steinigen, schottrigen Trail hochzufahren, der mit ca. 25% Steigung dann für einen Sturz sorgte. Nicht bei mir. Jedoch bei Julian. Und er sagte ihn vorher sogar noch an, als er um Abstand bat. Nix passiert, also ging es weiter und wir holten Claudia und Sabine ein. Claudia und Sabine wurden durch einen Guide einer anderen Truppe wieder auf den Weg gebracht. Denn Lutz und der Rest der coolen Gang hatten gar nicht gemerkt, dass sie Claudia und Sabine abgehängt hatten. Nun gut, passiert einmal. Ist ja alles gut gegangen.

Wir fuhren auf und ab über ganz normaler Waldwege durch ein nettes kleines italienisches Örtchen (den Namen habe ich leider vergessen), welches mit irgendwie an Don Camillo und Peppone erinnerte, bis wir dann nach einigen Höhenmetern oder besser Tiefenmetern das Tal erreicht hatten. Hierbei hatte Lutz noch die fabelhafte Idee, einen Trail zu fahren. Das wäre für Level 3 und 2 wohl möglich gewesen. Für Level 1 sicher nicht. So zog er sich (verständlich?) den Zorn einzelner Mitreisender auf sich zu. Der Trail war steil, teils sehr verblockt und nachdem die Ersten von uns hinunter gefahren waren, war auch der Weg aufgewühlt und extrem rutschig. Nun gut, manchmal vergisst man, wie so ein Weg ist, den man schon einmal gefahren ist. Im oberen Teil war er ja auch für mich fahrbar. Im unteren Teil bin ich dann gestürzt. Gehend ;-).

Im Tal fuhren wir nun gen Gardasee. Es sollte heute eine recht kurze Etappe werden, kaum noch Steigungen (ca. 500 Höhenmeter) dafür wollten wir Mittags den See erreichen, um noch etwas vom Gardasee zu genießen. Auf dem Radweg, der uns dem Ziel Riva näher brachte, musste ich kurz anhalten. Und die Gruppe fuhr vorbei. Das ist kein Problem, weil ich schon recht schnell fahren kann und so auch die Gruppe wieder einholen konnte. Doch nach 500 Metern kam ich in eine Ortschaft, mit 3 alternativen Fahrwegen. Ich wählte den linken. Richtig! Da habe ich ja mit einer Wahrscheinlichkeit von 33% ins Schwarze getroffen. Danach ging es geradeaus oder rechts. Tja, was tun? Ich sah Claudias Helm am Horizont also rechts. Und nach weiteren 500-600 Metern ging es links und rechts entlang.  Keine Gruppe zu sehen. Niemand wartete an der Kreuzung. Ich  war bedient. Das geht so nicht. Wenn einer aus der Gruppe fehlt, und eine Kreuzung kommt, muss man warten. 2 Mal habe ich Glück gehabt. Hier nicht. Denn ich fuhr links und das war falsch. Leider habe ich das erst nach ca 1,5 Kilometern realisiert.

Das hieß dann für mich, einen netten Landwirt fragen. Mit Deutsch, italienischen Wortfetzen und Händen und Füßen. Aber ich wusste, dass ich nun 1,5 km zurück fahren musste um dann noch einmal Gas geben musste, um die Gruppe einzuholen.

Ehrlich gesagt war das das zweite Mal diesen Tag, dass ein Gruppenmitglied verloren war. So geht das nicht! Das hat mich schon sehr enttäuscht. Egal, ich habe die Gruppe gefunden und bin dann mit Lutz, Claudia, Sabine in Richtung Arco gefahren. Der Rest der Gruppe wollte noch einen Trail fahren. Da hatte ich gar keine Lust mehr. Nicht auf den Trail und nicht nach der Verfolgungsjagd, die der Suche nach Dr. Kimble in Nichts nachstand. Dafür haben wir dann auf die Anderen wartend ein nettes Eis in Arco gegesen, bevor wir gemeinsam nach Riva aufgebrochen sind.

Riva, ein toller Name, aber für mich kein Ort, den ich erleben muss. Da ist der Marktplatz von Venedig wahrscheinlich nicht so bevölkert, wie dieser kleine Ort. Fahrradfahrer, wohin man sehen kann. Aber wir wollten ja nicht lange bleiben. Lutz hatte noch die tolle Idee, auf einen Aussichtspunkt zu fahren. Die Sonne brannte und 250 Höhenmeter in heißer Sonne lagen vor uns. Zum Glück auf Asphalt, welcher auch noch von unten brannte. Claudia war kaputt. Wer kann es ihr angesichts ihrer tollen Leistung übel nehmen? Niemand! Sabine fuhr gut. Und dann war da auch noch Oskar.

Ja, Oskar wollte am letzten Tag zumindest von Arco mit nach Riva und auf den Aussichtspunkt fahren. Ich war hoch erfreut, Claudia auch. Seine Hand ist noch nicht wieder ganz gesund, aber irgendwie war es ihm ein Bedürfnis. Und so kurbelte er mit Claudia den Berg hoch. Mit seiner Mama ;-).

Bis zum ersten kleinen Aussichtspunkt. Foto machen, auf Claudia warten, nochmals Foto machen und "HALLO". Da waren doch Peter und seine Frau aus Goslar. Am Arsch der Welt trafen wir nun einen Kollegen von Claudia und eine ehemalige Mitarbeiterin der PT Lounge von Christian Brink in Goslar. Was es doch für Zufälle gibt. Nun sind wir aber schleunigst weiter gefahren, weil der Himmel grummelte. Wir wollten ja noch zum Aussichtspunkt, einem Bunker über dem Gardasee.

Und das haben wir auch geschafft. Nicht trocken. Denn auf den letzten 50 cm kamen so einzelne Regentropfen herunter. Das tat der Stimmung keinen Abbruch. Und so wurden Fotos gemacht, Umarmungen ausgetauscht und der Blick in die schöne Seestimmung genossen. Doch es hieß angesichts des startenden Regens Abschied von hier nehmen. Claudia und Sabine über die Straße, der Rest über einen Trail. Claudia und Sabine wurden klitschnass, Oskar und ich nicht so sehr.

Oskar fuhr im Trial vor mir und ich war begeistert. Was der Bengel aus seinem Trailkurs mitgenommen hat, wie er das Fahrrad beherrschte, es war eine Wonne, das zu sehen. Und Lutz war auch davon angetan, wie Oskar auf dem Fahrrad saß.

Riva ist erreicht, knapp 420 km liegen hinter uns, und 6 Etappen waren zu Ende. Doch nicht ganz. Wir haben das Abschlusseis noch nicht gegessen. Und dass wollten wir jetzt nachholen. Die Eisdiele war voll, viele Menschen wollten sich vor dem Regen zurück ziehen. Wir fanden jedoch einen Platz für uns alle. Und das Eis war Bombe. Ich weiss nicht, warum ich immer so gutes Eis esse, wenn ich bike. Livigno: Top, Oberammergau: Super und hier einfach nur grandios. Die Eisdiele hieß Bar Gelateria Flora und ist nur zu empfehlen. Also, wer mal am Gardasee ist, sollte dort unbedingt einen Eisbecher essen!

Nun hieß es noch die Reise richtig zu beenden. Also musste das obligatorische Bad im Gardasee her. Also hieß es für mich und einige andere umziehen und ab in die Fluten. Das war der Lohn von literweisen Schweisstropfen in den letzten 6 Tagen. Und es war herrlich. Der See ist ja schöner gelegen als der Comer See, den ich vor 2 Jahren genießen konnte. Und es gab noch einen anderen Unterschied: Es wimmelt hier nur so von Goslarern. Hier in Riva wurde nun auch noch Oskar durch eine Goslarer Familie am Strand begrüßt. Wie klein die Welt doch ist... (hatten wir das heute nicht schon einmal?).

Nach einigen Fotos, bzw. unzähligen Fotos einzelner Gruppenteilnehmer ging es dann langsam wieder in Richtung Arco, wo unser kleines, niedliches Hotel Pace auf uns wartete. Toll, wie in alten Gemäuern so ein schnuckeliges Hotel eingebaut wurde. Ich hatte keine Lust mehr zu radeln. Markus ging es genauso. Zumindest nicht schnell. Und so fuhren wir wirklich sehr gemütlich genussvoll die letzten Kilometer, bis wir am endgültigen Ziel des Tages waren.

Oskar hatte eine Pizzeria für 19:00 Uhr klar gemacht. Er ist ja Fachmann. Und das Essen war nicht von schlechten Eltern. Super Pizza (ja, ich habe freiwillig Pizza gegessen), ein Vitello Tonato, was ich mit Oskar geteilt hatte, Käse, Salate. Alles vom Feinsten und in einer irren Geschwindigkeit serviert. Dazu noch freundliche Bedienungen. Warum gibt es so ein Restaurant nicht in Goslar?

Nach einem Eis am Marktplatz saßen wir noch bis 23 Uhr zusammen, bevor sich Familie Kohl verabschiedete. Kurz vor dem Weggehen, warme männliche Stimmen. Melodische Sequenzen, dynamische Musik. Was war das? Nun, ein Männerchor bestehend aus 9 Personen sang vor der Kirche einige Lieder. So wie der berühmte Südtiroler Bergsteigerchor sein "La Montanara" ivergangenen Jahrhundert sang. Das war einfach toll und war die richtige Einstimmung um nach einer langen, anstrengenden, schönen Tour gemütlich und genussvoll ins Bett zu gehen.

Nur das ewige Gesabbele einer Gruppenteilnehmerin war geeignet, die schöne Stimmung zu verstören. Alle hörten zu, nur sie musste reden. Ich weiss nicht, ob sie das gar nicht gemerkt hat, dass sie die Stimmung, die durch die Sänger hervorgerufen wurde, dadurch verdorben hat. Doch dazu in der Zusammenfassung morgen mehr.

Und hier sind die Ergänzungen von Claudia noch einmal:

Der letzte Tag sollte vor uns liegen und die Etappe sollten diesmal alle gemeinsam zum Gardasee fahren. Dabei grummelte es ein wenig in mir, da ich ja mit einigen Reaktionen auf mein Fahrvermögen doch innerlich immer wieder zu tun hatte. Aber es ging dann eben los, fix voran und natürlich bemühte ich mich, an der Gruppe zu bleiben. Was für die anderen als gemütliches Ausradeln betitelt wurde, war für mich am letzten Tag auch noch einmal echte Arbeit. Der Trail, den wir alle fahren oder natürlich auch umfahren konnten, hatte es schon in sich. Aber da ich keine Probleme damit hatte, ihn auch hinunterzuschieben, war mir das lieber und es war auch landschaftlich viel schöner, als alleine einen anderen, sicher langweiligeren Weg zu fahren. Es war auch mit Schieben und Tragen des Rades eine kleine Herausforderung, aber das fand ich gar nicht schlimm und ich stellte mich auch nicht ungeschickt dabei an - also fiel und rutschte ich nicht und ein kleines Stück konnte ich sogar fahren. Der Verärgerung, dass die Gruppe an Weggabelungen nicht eben kurz wartet oder Zeichen legt, die Ullrich dann auch spürte, hatten Sabine und ich schon hinter uns. Da wir alleine fuhren, Ullrich mit Panne, Markus und Julian hinter uns, die anderen weit voraus, rief ich einfach also einfach hinter einem Radler her, der auf einem E-Bike vorher munter an uns vorbeigeradelt war. Ich fragte ihn, ob er auch zum Garda-See wollte und er lud uns ein, ihn zu begleiten. Also radelten wir neben einem E-Bike her und konnten gut mithalten. (Na gut, so schnell fuhr er nicht.) Er berichtete, dass er seit 20 Jahren für 'Go crazy' Touren fuhr, gerade eine E-Bike Tour ausprobierte, um notwendige Akkuladungen und Pausen sowie die Strecke an sich zu testen, weil es in der nächsten Woche mit den Teilnehmenden losgehen sollte. Aber er war sehr erstaunt, dass unser Guide nicht an der Weggabelung auf uns gewartet habe, denn das sei ja wohl selbstverständlich und überhaupt orientiere man sich nicht an den Stärkeren und Schnelleren. Irgendwann trafen wir auf die anderen, der 'Gast-Guide' übergab uns sehr  freundlich an Lutz, der dann doch einsehen musste, dass es tatsächlich auf dem Weg die Weggabelung mit zwei gleichwertigen Wegen gab.

Dann düsten wir, gemütlich radelnd war das ja für die anderen, wie schon gesagt, weiter. Auf den letzten Trail verzichtete ich (Sabine auch) und die Guides tauschten die Gruppen, damit Julian den ihm unbekannten Trail auch fahren konnte. Wir trafen mit Lutz und Ullrich in Arco ein, sauten uns und die Räder auf dem Weg dorthin noch etwas ein und waren auch nicht gerade langsam unterwegs. Geschafft! - In Arco holten wir Oskar zu uns, der auf den Aussichtspunkt mitfahren wollte und dafür die Radklamotten schon angezogen hatte. Nach einer Pause für alle ging es auf den NUR 400 oder 500 Höhenmeter hoch gelegenen Aussichtspunkt, wo das Abschlussfoto gemacht werden sollte.

Die Norbertshöhe war schon eine Nummer, aber heute kam auch noch die pralle Sonne dazu. Die erste starke Steigung kämpfte ich mich mit Sabine hoch. Wir ermunterten uns gegenseitig. Oskar radelte locker neben mir her (nein, er sang keine indischen Lieder, aber erzählte mir nette Geschichten). Sabine kam dann bis zum nächsten Treffpunkt mit allen etwas fixer voran. Ich musste mich erst einmal wieder sammeln, bevor ich Ullrichs Fotowunsch nachkommen konnte und dann trafen wir, wie von Ullrich schon erwähnt, auf Peter und Petra aus Goslar. Ich wusste, dass die beiden am Garda-See mit dem Roller unterwegs waren, aber hätte nicht mit einem Zufallstreffen gerechnet. Zum Erzählen hatte ich aber keine Puste und wir wollten ja auch noch weiter. Peter ermunterte mich noch mit: Oh, das ist aber noch eine ganze Ecke, aber ich wollte da auf jeden Fall auch hochfahren. Also trat ich weiter in die Pedale und jetzt war es so, dass Sabine und ich wieder gemeinsam fuhren, weil sie keine Kraft mehr hatte und eigentlich die Tour für sie auch schon in Arco beendet war - so mental. Aber Tritt für Tritt kurbelten wir uns hoch und hielten auch nicht mehr am zweiten Zwischenaussichtspunkt an. Jetzt wollten wir auch weiter und wir haben es geschafft! Das Angebot am ersten Halt von Lutz, dass ich auch umkehren könne, wenn es zu anstrengend sei, empfand ich fast als beleidigend, denn das hätte auch bedeutet, dass ich nicht auf dem Gruppenabschlussfoto sein würde. Ein etwas unbedachtes Angebot, wie ich finde. Außerdem habe auch ich meinen Stolz - ich wollte da aus eigener Kraft hoch und ich habe das auch geschafft. Kaputt war ich, aber glücklich und aus eigener Kraft oben.

Sabine und ich sind dann, weil es uns eben nicht peinlich war, nur die Straße runter gefahren und haben nicht den letzten Trail geschoben. Es goss recht heftig und wir mussten uns konzentrieren, weil das mit dem Bremsen und der Sicht dann auch so eine Sache ist, aber wir waren glücklich und düsten dann doch recht fix bergab und waren am Ende klatschnass. Julian sammelte uns ein und den Rest mit dem Eis und dem Zusammentreffen mit Familie Schönfelder aus Goslar am See hat Ullrich ja schon geschrieben. Ich habe nur drei Kugeln Eis gegessen, aber die waren mega lecker und massig viel. Aber das war eine wirklich gute Belohnung nach dem anstrengenden Aufstieg zum Fototermin..

Das Bad im See war nichts für mich, ich habe auch kein Foto mit dem Rad auf dem Arm, im Wasser über dem Kopf oder sonst wo gemacht - ich war einfach nur froh, dass ich es geschafft habe. Ich mochte auch nicht großartig quatschen und 'rumwundern', ich wollte einfach nur das Angekommensein für mich genießen. Das gemeinsame Abendessen war lecker, aber auch hier hatte ich eher ein Bedürfnis nach mehr Ruhe um mich herum gehabt. Aber ich saß eh mit Sabine am Tischende und so konnten wir uns beide gegenseitig noch ein bisschen an unserer Leistung freuen und den Abend ausklingen lassen. Rest ist bekannt.

 

Nun noch einige Bilder vom letzten Tag

 

 

 

 

 

 

Bericht Ullrich

So, nun kommen wir zum 12.07.2018. Dem Tag, der mit einem ernsten Gespräch zwischen Claudia und unserem Guide begann. Claudia und Sabine mussten einfach die gehässigen Kommentare in der Gruppe über die Basisgruppe thematisieren. Der Stachel saß tief und so geht es nicht. Meines Erachtens hat jedoch unser Guide die Probleme erkannt, war offensichtlich sehr geschockt und so ging es für alle befreiend und bei aufgeklartem Klima (nicht nur wettertechnisch) in den vorletzten Tag der Transalp zum GArdasee.

Der Tag sollte wieder ein langer werden. Wir sollten knapp 2000 Höhenmeter fahren und die Basisgruppe hatte mit Julian auch nur 600 Höhenmeter weniger. So fuhren wir gemeinsam los, bis nach 15 Minuten ein kurzes Tschüss in Richtung Claudia und Sabine die Trennung der Gruppen einleitete. Ich fuhr mit Lutz, hatte mit ihm noch einmal über die Begebenheiten der letzten Tage, die Claudia und Sabine belasteten, besprochen und dann weiter über berufliche Dinge erzählt. Ununterbrochen. So fuhren wir die ersten 500 Höhenmeter mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 12 km/h in einer Stunde hoch. Dann ging es in den Kalterer Höhenweg.

Kalterer Höhenweg? Ich bin mir vorgekommen, wie im Harz. Es war kein Unterschied auf den Forstwegen hier und denen in Richtung Käste, Hahnenklee oder zur Schalke. Somit war ich in meinem Element. Es lief. Auch die Geschwindigkeit der ersten Stunde und die gefahrenen 100 km des Vortags merkte ich noch nicht. Was ich jedoch sehr schnell merkte, ich hatte zu wenig gegessen. Ich schob einen Hunger und hatte nach den ersten zwei Stunden des Tages schon zwei Riegel gegessen. Ich hatte kaum noch Reserve. Eigentlich nur ein Riegel und ein Engergypack. Das Trailfahren war nicht schlimm, jedoch merkte ich bei jedem Aufstieg, wie die Kräfte nachließen und auch der Hunger stärker wurde.Meine Beine verloren Kraft. Ich war kaputt. So kaputt wie lange nicht. Ich konnte mich jedoch über den wunderbaren Ausblick auf den Kalterer See und die in den Wolken verschwimmenden Dolomiten freuen. Irgendwann kreuzten wir eine tiefe Schlucht. Bergab, bergauf und hierzu benötigten wir 30 Minuten. Ich hatte keine Kraft mehr, wurde immer langsamer.

Da war die Buschenschänke, die wir um 12 Uhr erreichten willkommener als alles andere. Ich bestellt einen Kaiserschmarrn und hoffte auf entsprechende Kohlehydrate für den Nachmittag. 1,25 Liter Apfelschorle fanden ebenso den Weg in mein Innneres. Die Stimmung in der Gruppe gefiel mir heute viel besser. Ich erfuhr viel von Markus, mit dem ich an einem Tisch saß. So auch, dass ein deutscher Sportstar, der aus seiner Heimat kommt, dem männlichen Geschlecht in jungen Jahren sehr zugewand war und sehr viele Kontakte diesbezüglich gemacht haben sollte. Aber was geht mich das eigentlich an? Lustig war es trotzdem zu hören.

Der Blick aufs Tal fiel gleichzeitig auf die Brennerautobahn. Ich war erschrocken, wie wenig Verkehr dort herrschte. Weniger offensichtlich, als beim oben genannten Sportstar. Und weniger auf jeden Fall, als auf der A2 im täglichen Wahnsinn. Im Vergleich verschwindend geringer Lkw Verkehr. Und so genossen wir die Sonne, bzw. ich den Schatten, da ich kein Hautkrebs vom Hersteller bekommen möchte. Ich cremte mich noch einmal ein und es ging weiter. Doch halt, was war das?

Klänge von Alphörnern. So  wurde zu unserem Gehen ein Lied gespielt. Dieses fiel ja nur zufällig mit unserer Abfahrt (die wir nun verzögerten) zusammen. Irgenwie war es etwas kitschig, wenn auch sehr schön.

Es ging steil bergab, meine Bremsen waren ja noch nicht so richtig eingefahren und verglasten bald wieder. Dei Steilheit hier sucht schon seines Gleichen. In den Dolomiten hatte ich letztes Jahr schon ähnliches erlebt.

Nach der Abfahrt ging es wieder auf Transfer. Über Straßen gegen den Nachmittagswind kämpften wir uns zwischen 15 und 25 km/h gen Süden. Noch ein Eis? Nein, die Eisdiele hatte zu. Warum? Weil Lutz noch nie so früh an dieser Stelle mit einer Gruppe gewesen ist. Somit 0,6 l Spezi und ab ging es auf den nächsten Anstieg. 15 Kilometer und noch einmal 800 Höhenmeter waren zu bezwingen. Dieses jedoch auf der Straße. Nach 45 Minuten hieß es noch einmal Wasser auffüllen und bei mir Arme kühlen. Ich war überhitzt. Beide Arme wurden bis zu den Achseln in das erfrischend kalte Brunnenwasser gelegt. Das brachte den Kreislauf wieder zurück. Das Wasser lief über meinen Kopf und mein Trikot war komplett nass.

Das sollte sich kurz nach der Abfahrt wieder ändern. Uns erwarteten die letzten 45 Minuten Aufstieg für den Tag. Das Trikot war durch Sonneneinstrahlung und Wind recht bald wieder trocken und der Schweiss wurde schnell vom Körper weg transportiert.

Ich holte den ersten Radler ein, da ich etwas später vom Brunnen losgefahren bin, und später auch noch Lutz, mit dem ich einige Meter zusammen fuhr. Dann ließen meine Kräfte nach. Meine Füße wurden Taub und ich ließ Lutz ziehen. Mein Puls war nicht über 130, aber ich hatte einfach keine Kraft mehr. Noch zwei Kurven - ja ja: lutz, habe ich meinen Kindern auch immer erzählt.

Aber ehrlich, nach zwei weiteren Kehren war der höchste Punkt erreicht. Es ging leicht bergab. Und was passiert? Ich muss treten!!! So stark war der Gegenwind. Letztlich war die große Anstrengung vorbei, wir tranken noch kurz etwas und fuhren über Andelo zu unserem Quartier am Molvenosee.

Ein kurzer Waldweg, der sehr flowig zu fahren war, grüßende, rücksichtsvolle und freundliche italienische Wanderer machten uns den Weg frei. Bon giorno und Grazie waren unsere Antworten bei jedem Einzelnen.

Gegen 18 Uhr waren wir am See, ich benötigte eine kalte lange Dusche. In den See bin ich dann nicht mehr gegangen. Das wird morgen am Gardasee nachgeholt.

Nun, um 22 Uhr sage ich Gute Nacht, Ciao oder Buoena Notte.

 

Claudias Tag

Wie Ullrich eingangs schreibt, hat der andere Guide das Problem verstanden, schöner wäre es für mich und uns aber gewesen, wenn er es vorab selbst gemerkt und erkannt hätte, anstatt mitzumachen. Aber das Thema ist gegessen und wir schon gesagt: Wieder was dazugelernt. Aber mir fehlte tatsächlich den Vormittag über noch meine Konzentration und Energie auf und für mich. Wir fuhren von Bozen an den Molveno-See. Heute in einer größeren Gruppe, da der Vortag doch sehr anstrengend für viele gewesen ist. Julian hatte schöne Wege und Trails für uns herausgesucht und es machte sehr viel Spaß. 

Dieser Tag wurde von Julian auch 'Königsetappe' genannt. Es lagen so einige Höhenmeter vor uns, aber die 'Hammersteigung' sollten wir uns für das Etappenende aufsparen. Wir haben auf einem sehr netten Dorfplatz ein wenig Pizza gegessen, bevor es richtig losging und ich war mal wieder beeindruckt von Julians Essvermögen, mehr aber noch von seiner Fähigkeit, parallel zur Bestallung von Pizza nebst Sonderwunsch und Getränkebestellung noch mit dem Büro von ULP zu telefonieren und den nächsten Auftrag zu regeln. Er bekam die richtige Pizza, die Dame war in keinster Weise beleidigt, dass sie nur die zweite Geige spielte und das mit dem Auftrag hat wohl auch geklappt.

Wir verabredeten, dass jeder sein Tempo fahren sollten, Julian regelte den Treffpunkt und Sabine und ich wollten in unserem Tempo hochfahren. Gesagt - getan. Steigung ist das eine, moderate Steigung ist das andere, aber für diese Steigung fehlten Sabine und mir die Worte. Neben den schon erwähnten unflätigen Bemerkungen unterwegs fuhren wir diesen mörderische, betonplattendurchzogenen Weg durch den Wald nach oben. Schier endlos schien der Weg. Ab und an leuchteten Julians blonde Haare vor uns auf, weil er sich nach vorne vergewisserte, dass alles bei den anderen Gruppenteilnehmern in Ordnung ist und nach hinten, wie es uns beiden denn wohl geht. Plötzlich hörte ich Stimmen, was ich als Zeichen von echter Zivilisation wertete, verbunden mit der Hoffnung, dass wir am Ziel angekommen sind - also natürlich nur am Treffpunkt zur Weiterfahrt. Das mit den Stimmen stimmte auch, Julian stand da ebenfalls, aber nur, um uns charmant den weiteren Weg mit den nächsten, kleinen, aber feinen Hügelchen auf dem Weg nach oben zu zeigen. Ich erinnere mich noch, dass er es auch hier wieder schaffte, dass wir ein Witzchen wagten, damit er uns sagen konnte, dass da anscheinend noch immer 'Luft nach oben' bei uns sei.

Nach einer gemeinsamen Erholungspause in einer Art Park ging es endlich auch mal wieder ein wenig bergab. Wir durchquerten einen sehr beliebten Ferien- und Ausflugsort - Andalo. Während Julian augenscheinlich keinerlei Ängste hatte, einen der vielen Fußgänger jeglichen Alters auf den übervollen Wegen und Wiesen zu 'treffen', fuhren wir im Slalom, jederzeit bremsbereit hinter ihm her und waren erstaunt, dass es in dieser Ecke der Welt auch eine Art Disneyland gibt. Der Ort besteht nur aus Hotels, es war laut und hektisch und wir waren froh, als wir wieder im Wald waren und dann auch noch einen richtig langen, nicht schweren, aber schnellen 'Trail', Verzeihung Ullrich, es war eher ein steiler Weg, runterdüsen konnten. Als ich irgendwann mal nach hinten schauen wollte, um zu gucken, wo Sabine bleibt, war diese auch fast schon da. Sie wollte bergab immer hinten fahren, weil sie sagt, dass sie Angst hat zu stürzen. Aber von Tag zu Tag wurde sie mutiger und sicherer und somit auch schneller. Also sagte sie dann:" Och, ich habe einfach nicht mehr gebremst!"

So ging auch diese Etappe zu Ende und wir haben uns, wie jeden Tag, dazu gratuliert. Egal, was sonst so war und ist und worüber ich mich geärgert habe, ich habe mich jeden Tag darüber gefreut, dass ich es geschafft habe, mit meinen kleinen Stummelbeinchen diese Wege und Kilometer zu bestreiten. Das Hotel lag fein direkt am See. Sabine und Oskar hatten ein Seeblick-Zimmer, aber es war auch so sehr schön und ich war ohnehin ziemlich kaputt. Der nächste Tag sollte uns zum Gardasee bringen und die gesamte Gruppe sollte, mehr oder weniger, zusammen dorthin fahren. Das setze mich zwar irgendwie unter Druck, weil ich ja niemanden bremsen und behindern wollte, aber ich hatte es ja nicht entschieden und irgendwie wird es sich ohnehin wieder aufteilen.

Und nun die Tagesbilder

Während der Fahrt auf dem Kalterer Höhenweg. Ein Weg, wie wir ihn wahrscheinlich auch im Harz finden. Zum Biken zumindest. Die Aussicht hier und das Wetter sind jedoch unvergleichlich. Im Hintergrund in den Wolken liegen die südlichen Dolomiten.

 

 Kurz vor der MIttagspause. Ich war kaputt wie lange nicht. Zu wenig in Bozen gegessen und eine große Anstrengung. Lutz der Teufeslbiker gibt aber auch ein Hammertempo vor.

 Das verdiente Mittagessen. Ein Kaiserschmarrn den ich bei grandioser Aussicht und tollem Sonnenschein nebst 1,25l Apfelsaftschorle (aus wunderbaren Äpfeln) genießen konnte.

Der Aufstieg von Mezzolombardo zum Molvenosee war beschwerlich. Drückende Sonne und schon etwas kaputte Beine vom Vormittag. Aber die Aussicht lässt vieles in Vergessenehit geraten.

 Am Molvenosee verschlechterte sich das Wetter. Ein Gewitter kündigte sich an und brachte in der Ncht Abkühlung.

Ullrichs Tag

So, nun ist der vorletzte Tag der diesjährigen Transalp vorbei und der gestrige Tag ist noch nicht geschrieben. Dieses will ich jetzt nachholen. Doch warum ist noch kein Bericht von gestern online? Ganz einfach: Gestern, am 5. Tag der Transalp, und somit dem 4. Tag auf dem Bike, war ein immens langer Tag. Wir sind nach meinen Aufzeichnungen knapp 1800 Höhenmeter gefahren und haben dabei 100 km zurück gelegt. Durch viele Trails, die wir vom Vigiljoch herunter gerfahren sind, haben wir ganz die Zeit vergessen. Und wir mussten doch noch von Lana nach Bozen. Denn unser Hotel war in Bozen. So kamen wir erst gegen 19:00 Uhr im Hotel an. Nach dem Abendessen war ich dann schlicht und einfach zu müde, noch zu schreiben. Das wird also im Folgenden nun nachgeholt. Und das der Reihe nach.

Wie jeden morgen diese Woche, hieß es gegen 06:30 aufstehen, dann anziehen, Frühstücken und um 08:30 hieß es einklicken auf dem Marktplatz von Glurns. Glurns ist eine wunderschöne mittelalterliche Stadt im Vinschgau und das Hotel Grüner Baum ist ein Gedicht. Whirlpool auf der Terasse mit Überblick über die mittelalterlichen Dächer, wo gibt es das sonst noch?

Der Morgen begann auch gleich mit einem Schnapper. Nach 50 Meter ging es in der Fallinie in die Weinberge hoch, die hier die Stadt umsäumen. Das hatte mir nach der Nacht gerade noch gefehlt. Die Nacht war heiß. Nicht so, wie das der geneigte Leser interpretieren mag. Nein, das Zimmer, das wunderschön war, hatte eine Temperatur, wie  in einer Sauna. Doch Fesnter öffnen war nicht drin. Flugameisen!. Das hatte ich schnell raus, denn irgendwie hatten sich die Viecher meinen Körper als Landebahn ausgesucht. Die Nacht war also nicht sehr erholsam, der Tag zuvor ja anstrengend und danach gleich noch kalt die Fallinie hoch, das war schon ein Ding.

Aber gleich nach 15 Minuten ging es dann in den ersten Trail. Der Blick auf das Vinschgau bei strahlender Sonne. Einfach ein Traum!. Und flowig war der Trail auch. Natürlich ging es nicht immer bergab auf dem Trail, sondern sogleich wieder bergauf. Warum? Weil der nächste Trail wartete.

Die Sonne stach vom Himmel. Es war schon sehr heiß und so kam die Bewässerungsanlage der Apfelplantagen gerade recht. Denn beim Aufstieg zum zweiten Trail fuhren wir erstmal einige Meter an Apfelplantagen vorbei. Nun gut, heiße Sonne, Anstrengung bei Bergauffahrt, was liegt dort näher, als die Erfrischung durch Wasser. Und die haben wir kostenlos durch die Apfelbauer bekommen. Nicht nur beim Aufsteig zum zweiten Trail, sondern auch danach. Denn dort ging es wieder durch Plantagen. Ebenso nach unserem unfreiwilligen Eisstop, den wir angesichts eines platten Reifens einlegen mussten. Ein zweiter Platten folgte 10 Minuten später, so dass das zweite Mal an diesem Tag ein Reifen gewechselt werden musste.

Nun gab es keinen anständigen Trail mehr und wir wechselten auf den Etsch Radweg. Nicht gerade das, was ein Mountainbiker gerne fährt, aber das Vinschgau ist lang und wir müssen ja noch nach Bozen. So fuhren wir bei einer Steifen Briese von vorne flußabwärts. Das Tempo war trotzdem nicht moderat, sondern eher sehr schnell. Wir überholten andere Radfahrer und auf dem Radweg zogen wir uns angesichts unseres Tempos sicher den Zorn einiger anderer Radfahrer, die wir überholten zu. Es ging hier auch zu, wie auf der A2 im Berufsverkehr.

Mittags hatten wir in einem Biergarten hoch über dem Vinschgau gegessen. Das war super toll, der Wald spendete Schatten und das Essen brachte notwendige Kohlehydrate. Diese brauchten wir auch. Denn nachdem wir um 15:00 Uhr aus Rabland mit der Seilbahn Aschbach einige Höhenmeter überwunden hatten, ging es weitere 500 Höhenmeter zum Vigiljoch. Das war einfacher Forstweg, wie ich ihn im Training zigmal in Richtung Käste gefahren bin.

Oben angekommen warteten aber wieder Trails auf uns, bis wir noch kurz etwas trinken konnten. Das geschah am Vigilius Restaurant.  Es war mittlerweile 17:00 Uhr und so fuhren wir ab. Natürlich wieder über Trails.  Klasse! Diese waren jetzt aber eine andere Liga. Die Trails letztes Jahr bei "Best of trails" waren dagegen recht einfach zu fahren. Die Steilheit hatte es in sich. Ich schätze mal 35-40% Steigung und dazu noch verblockte Wege. Die Bremsen glühten, die Konzentration war auf dem Siedepunkt und es hat Spaß gemacht.

Lutz schaute auf die Uhr und es war 17:30. Ach du, wir mussten ja noch nach Bozen. Das waren noch locker eine Stunde Fahrt aus Lana. Somit fuhren wir aus Richtung Ultental nach Lana. Dieses Mal jedoch Straße. Eine Umleitung in Lana führte zu weiteren Höhenmetern und Zusatzweg. Letztlich kamen wir irgendwann auf den Radweg und hatten wiederum Gegenwind.

Mit einer Geschwindigkeit von 17 km/h fuhren wir gen Bozen. Das hatte zur Folge, dass eine Mitradelnde doch sehr gelitten hatte. Sie war einfach kaputt und wurde immer langsamer. Markus hat den Windschattenspender gegeben und so kamen wir um 19:00 Uhr endlich im Hotel in Bozen an.

Ich war recht sauer, weil wir doch einige Zeit hätten sparen können, wenn wir auf den Trails nicht immer hätten warten müssen. Trailfahren ist nicht jedermanns Sache. Aber das ist in einer Gruppe eben so. Man sollte auch auch die Schwächeren Rücksicht nehmen. Habe ich auch getan und habe natürlich nichts gesagt. Andere Gruppenmitglieder legten jedoch eine Kommunikation an den Tag, die der Einsteiger Gruppe nicht gerecht wurde und eher belustigend über die Gruppe wirkte. Ich fand das so zum Kotzen, dass ich beim Mittagessen schon einmal etwas dazu sagte. Dass diese gleichen Gruppenmitglieder über die Einsteigergrupe, wo Claudia und Sabine mitfuhren, vermeintlich lustige Späßchen machten, ist nicht nur unverschämt, sondern auch absolut unsensibel und nicht gruppenfördernd.

So war ich um 19:00 Uhr bedient angekommen und habe nach Dehnen, Duschen und Ankleiden nur noch den Wunsch, schnell zu essen und ab ins Bett. Denn die 100 km haben mich nicht umgebracht, aber etwas müde war ich schon und eben angesichts des oben GEschilderten nicht besonders gut gelaunt. Ich hatte mich einfach geärgert.

Und nicht nur ich, sondern auch Claudia und Sabine, die die vermeintlichen Späßchen im Herz trafen. Daher will ich hier auch noch einmal schreiben, dass ich finde, dass die Einsteigergruppe ihre Sache gut machen. Ich ziehe meinen Hut, bzw. Fahrradhelm vor der Leistung der Beiden. Ist ja ihre erste Tour und ich erinnere mich, wie schwer meine erste Tour war. Dafür machen sie das wirklich hervorragend. Und Lästereien oder Späßchen sind absolut unangebracht. So etwas hatte ich auf einer meiner bisher 3 Touren auch noch nicht erlebt. Und ich war enttäuscht. Primär wegen der in meinen Augen Unverschämtheit einzelner Gruppenmitglieder, die die Wirkung auf Claudia und Sabine entweder nicht merkten (dann waren sie unsensibel), oder denen das egal war und sie wollten sich über die Beiden erheben (dann war das peinlich).

Ich war ggf. auch nicht so gut gelaunt, weil die Tour sicher nicht so schön war, wie die bisher gewählten Touren. Wir haben unheimlich viele Transferpassagen drin. Lutz gibt sich viel Mühe, für uns das Beste heraus zu holen. Aber mit der Natur der Garmisch-Comer See Tour oder auch der Best of Trails, bei der wir Natur pur hatten und ganz viel hochalpine Eindrücke sammeln konnten, ist diese Tour nicht zu vergleichen.

Dann musste nach dem Abendessen auch noch um 22:00 Uhr das Bremssystem optimiert werden. Denn die Bremsklötze waren abgefahren und bedurften noch eines Tauschs. Vorne war das gar kein Problem. Hinten gab es viele Probleme, Das Schleifen war nicht weg zu kriegen, mein Shirt durchgeschwitzt im schwülen Keller. Und nach knapp 30 Minuten hatte ich das Problme zumindest rudimentär gelöst. Aber zurück zu Hause, muss ich noch einmal schauen, was der Fahrradladen in Prutz mit meinem Hinterrad und mit der Bremse gemacht hat. Gutes wahrscheinlich nicht.

Nun gibt es aber über den Tag nicht mehr viel zu berichten, ausser die unterschiedlichen Gerüche, die ich heute wahrnehmen konnte. Von der feuchten, frischen Luft in den Obstplantagen bis hin zu den durfitgen Waldeindrücken, die so schön natürlich rochen war mal wieder alles dabei. Leider auch Autoabgase, die wir entlang der Straßen dann doch einatemen mussten Denn die Lkw, die uns überholt haben, nahmen keine Rücksciht und so haben wir Ruß und Stickoxyde eingeatmet. Natürlich nicht Volkswagen Stickoxyde. Denn die sind mittlerweile ja sauber ;-).

 

Ergänzung durch Claudia

Für den heutigen Tag stand eine entspannte Tour auf dem Programm - so sagte es Julian. Wir starteten um 8:57 h in Glurns und radelten recht fix auf der Via Claudia Augusta in Richtung Meran, Lana und Bozen, wo wir unterhalb der Burg Sigmundskron übernachten sollten. Wir radelten fix, obwohl wir sehr heftigen Gegenwind hatten, aber konnten uns dabei auch noch unterhalten. In manchem Teilen wären wir rückwärts geradelt, wenn wir nicht gegengetreten hätten. Irgendwann  sah Julian, dass Lutz ihn angerufen hatte und so erfuhren wir, dass eine Teilnehmerin in unsere Gruppe wechseln wollte. Wir warteten eine gute Stunde und nutzen diese Zeit für Balancetraining und Dehnübungen und Julian übte das rückwärts radeln. Es war schon erstaunlich, wie viele kleine und große Radgruppen, Einzelradler und Rennradfahrer in dieser Zeit an uns vorbeifuhren. Gemeinsam ging es weiter.

Diese Etappe waren wir dann schon ein wenig früher, nämlich gegen halb fünf im Hotel. Je später es wurde, desto mehr wunderten und sorgten wir uns, weil die anderen nicht kamen.  Das Hotel hatte eine tolle Lage. Die Dame an der Rezeption war etwas 'angetrocknet' distanziert, aber wenn man freundlich zu ihr war, konnte man doch ein Lächeln erreichen. Die Chefin des Hauses sprudelte nicht gerade vor Freundlichkeit, arbeitete aber trotz ihres Rollators noch mit. Irgendwie hatte das alles auch seinen Charme - eben anders, als bisher. Beim Quatschen vor dem Abendbrot in lockerer Runde und während des Essens merkte ich zunehmend, dass meine und Sabines Leistungen doch zur Belustigung einiger in der Gruppe beitrugen und dass hier auch der eine oder die andere nicht merkte, dass das unprofessionell war. Ich habe den einen oder andern Spruch die Tage schon immer mal wahrgenommen, aber irgendwie war es dann genug und ich merkte, dass mir das emotional doch sehr zusetzte. Nach einem kurzen Gespräch mit Sabine war uns klar, dass wir das ansprechend wollten. Trotzdem beschäftigte mich das in der Nacht weiterhin.

Wir haben die Situation morgens passend adressiert und das war auch sehr gut so. Die fehlende Wertschätzung und teilweise auch damit verbundene Abwertung meiner und unserer Leistungen haben wir schon sehr zu schaffen gemacht. Ich hatte im Vorfeld mehr trainiert, als empfohlen war, hatte sogar den kleinen Test gemacht, welches Level für mich passend ist, habe alle bisherigen Etappen ohne Hilfe und Unterstützung geschafft und auch in der vorgesehenen Zeit, ich habe niemanden in der Gruppe ausgebremst oder belastet mit fehlenden Fähigkeiten, habe immer richtig einschätzen können, was ich mir zutrauen kann, wo meine Grenzen sind und habe trotzdem immer ein bisschen mehr gewagt und dazugelernt und habe mit so einer Situation durch Einzelne in einer Gruppe mit doch eigentlich dem gleichen Ziel einfach nicht erwartet. Ich dachte immer, unter fairen Sportlern gibt es das nicht. Wir sind doch nicht im Wettkampf oder in Konkurrenz. Aber auch hier bin ich wieder bei Erlebnissen und Erfahrungen und auch dies hat dann eben dazugehört und ich bin froh, dass ich es nicht stillschweigend ertragen habe und hoffe, dass andere Einsteiger-Radler oder 'Erst-Touren-Radler' davon profitieren werden.

So, nun geht es gleich an den heutigen Bericht, doch hier noch einige

 

Bilder des Tages

EIn Blick ins westliche Vinschgau. Die Sonne strahlt, einige Quellwolken sind zu sehen. So macht das Biken Spaß

 Das Vinschgau in östliche RIchtung gesehen. Von den Trails können wir schon die Zielrichtung sehen, die noch vor uns liegt.

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