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Ullrichs shots

Der Sonntag brach an mit Wolken. Es sollte die Nacht regnen, und im späten Verlauf des Sonntags in Imst (unserem Zielort für die erste Etappe) ebenfalls. Nun, Nachts hat es nicht geregnet. Zumindest habe ich es nicht mitbekommen. Aber der Himmel über der Zugspitze und dem Waxenstein, auf die ich aus unserer Balkontür schauen konnte, verhieß nichts Gutes. Wolken, Wolken, Wolken. Das ist es nicht, was Du haben möchtest, wenn Du eine Etappe über knapp 70 km fahren möchtest, dabei mehr als 1500 Höhenmeter hinter Dich bringen willst. Das macht bei Regen sicher keinen vermehrten Spaß. Aber auch hier gilt „schau ‘n mer mal“, denn ändern können wir das sowieso nicht.


Um 08:24 konnte ich nach dem Frühstück in die Pedale einklicken, nicht jedoch, ohne vorher noch das obligatorische Startfoto gemacht zu haben. Ich glaube, es waren alle aufgeregt. Dachte mir das zumindest von Hans, der sehr still war und auch von Jörg, der -so glaube ich- die Wörter, die Hans nicht sprach, mit der Runde teilte. Denn Jörg erzählte so viel, wie ich es kaum für möglich gehalten habe. Jörg erscheint mir eine wahre Frohnatur zu sein. Das wird sicher eine schöne Tour für Claudia und Sabine. Frank und ich fuhren genau um 08:24 los und zwar in Richtung Eibsee. Die Gruppe um Claudia, Sabine, Jörg, Marvin und Hans fuhr mit ihrem Guide Franz in die entgegengesetzte Richtung, nämlich zum Plansee. Wir sollten uns am späten Nachmittag in Imst wieder sehen.
Nun ging es also los. Ich kannte den Weg zur Hochthörlehütte ja und musste so mein Garmin Navi nicht einschalten. Das Tempo war moderat. Ich hielt mich an Frank, der ja so immer mein Tempomacher ist. Die ganze Saison habe ich mein Tempo nicht so richtig gefunden. Ich war eher immer zu schnell unterwegs, öfter am Limit. Aber das durfte hier nicht passieren, denn 6 Tage am Stück halte ich das dieses Jahr i.d.R. gefahrene Tempo nicht durch. So war ich froh, dass Frank das Tempo vorgab und wir fuhren zuerst eine Teerstraße, bis wir nach dem Kreuzen der Bahnlinie der Bayerischen Zugspitzbahn in den Wald fuhren. Die erwähnte Bahn kam auch gleich. Noch ein kurzes Foto von Frank mit der Bahn im Hintergrund und es ging die ersten richtigen Höhenmeter bergauf. Alternierend, mal gerade, mal steiler fuhren wir so die ersten 100-150 Höhenmeter zum Eibsee. Und wie jedes Mal, als ich diese Strecke fuhr (ich glaube, ich fuhr jetzt das sechste Mal zur Hochthörlehütte) war ich wieder kurz vor dem Hyperventilieren ;-). Hier bin ich jetzt recht schnell, es ist somit recht anstrengend und so richtig ist der Rhythmus noch nicht da. Aber wir kamen gut an der Bahnstation Eibsee an, schauten auf den gleichen herunter, und bewunderten die neue Talstation der Bayerischen Zuspitzbahn, die vom Eibsee hoch auf Deutschlands höchsten Berg führte. Auch hier ein obligatorisches Foto, eine kurze Erklärung für Frank, wie der Weg nun weiter führen würde und wir gingen auf die nächsten 450-500 Höhenmeter unterhalb der Zugspitze.

Das Wetter klarte sich zwischenzeitig auf, der Zugspitzgipfel war zu sehen. In leichtem Weiß von frisch gefallenem Schnee gehüllt, war der Gipfel und der Fels herum vor strahlend blauem Himmel zu sehen. So lasse ich mir das gefallen, so kann sich das Wetter entwickeln.  Unterhalb der höchsten Seilbahnstütze Europas (so glaube ich zumindest), genossen wir noch den Blick auf den blau-grünen Eibsee, bis es dann wieder in die Pedale treten hieß. Nun ging die Steigung, die bisher teils stark war, in eine moderatere über und ich fuhr mein Tempo. Frank seines. So war es abgemacht, so haben wir es auch umgesetzt: Jeder fährt Bergauf sein Tempo. Ich könnte auch kein anderes Tempo fahren, das würde mich doch zu sehr belasten ;-). Aber so kennen wird das von unseren Trainingsetappen im Harz und auch von unseren beiden Touren, die wir mit Holger und auch Mario in den Alpen gefahren sind.

Noch eine kurze heftige Steigung, die sehr rutschig war und uns zum Absteigen zwang, dann einige wenige moderate Höhenmeter und wir waren am höchsten Punkt des ersten Anstiegs angekommen. Die Zugspitze war nun wieder in Wolken gehüllt, die Temperaturen waren kühl und so hieß es erst einmal, die Bekleidung anpassen. Mein Trikot war durchnässt und Franks auch. Ich zog es vor, ein trockenes Unterhemd anzuziehen, eine Jacke überzuziehen, um die Abfahrt nach Ehrwald über schöne Trails anzugehen. Frank tauschte gleich das komplette Trikot und so ging es nach 5 Minuten Pause an der Hochthörlehütte vorbei in Richtung Ehrwalder Moos.

Der erste Trial war sehr steinig, etwas verblockt und auch ich war dieses. Ich hatte zwar meine Knieschützer an, aber mein Sturz im letzten Jahr bei der Abfahrt von der Farnes Alm in den Dolomiten war wohl noch im Kopf. So war auch mein Kopf verblockt und der Trail ließ sich nicht gut an. Ich schob einige Meter. Da muss ich wohl noch dran arbeiten, dass mich dieser Sturz nicht mehr im Kopf blockiert. Aber auch das brachte ich hinter mich, ich fuhr mit Frank abwechselnd voraus und so kamen wir auch nach kurzer Zeit an der Talstation der Tiroler Zugspitzbahn an. Von hier ging ein toller Flow-Trail in Richtung Ehrwald, wo wir über einen Wiesentrail das Tal erreichten.

Hier trafen wir auch den einzigen unfreundlichen Wanderer auf der Strecke. Er ging nicht aus dem Weg, hatte es -und das war sowohl meine als auch Franks Interpretation- durch seine Mimik und Gestik eher darauf abgesehen, Stress zu machen. Aber nicht mit uns, denn wir fuhren vom Wiesentrail herunter, um nachfolgend durch ein nettes älteres Ehepaar wieder den Trail frei gemacht zu bekommen. Ein freundliches „Servus“ war die Reaktion, ein Nicken, ein Lächeln, so muss es sein. Vergelt’s Gott sagt man wohl hier.

Unsere nächste Herausforderung hieß Marienbergjoch. Es sind -so glaube ich- knapp 700 Höhenmeter am Stück zu bewältigen. 3 Mal bin ich diesen Weg schon gefahren. Er erforderte stets einen starken Willen, denn der Schotter macht den Weg nicht gerade einfach. Das Treten ist schwerer und am oberen Ende ist eine Steigung von 30% zu bewältigen. Meine Rekordzeit liegt bei 1:15 Stunden für die Auffahrt. Heute ist damit nicht zu rechnen gewesen. Ich war heute weder konditionell noch von der Kraft her fähig, diese Auffahrt ohne Pause oder Schieben durchzuführen. Na ja, ich glaube, dass ich unten einfach zu schnell angefahren bin, und hier unheimlich viel Kraft verbraucht habe. Oder aber waren wir die Hochthörlehütte doch zu schnell angegangen, oder mein Trainingsstatus war nicht der Beste. Wie dem auch sei, ich trat die Pedale, was das Zeug hielt. Frank gab ebenfalls sein Bestes. Dass uns hier die ersten E-Mountainbiker überholten verbesserte nicht gerade meine Stimmung. Wenn sie wenigstens Grüßen würden. Aber nein, am sich quälenden Bio-Biker vorbei zu fahren, aufrechte Sitzposition und dann auch nicht zu grüßen, das sieht schon sehr arrogant aus und ist es wahrscheinlich auch.


Aber auch wir haben den Aufstieg gemeistert. Ohne Unterstützung von Bosch, Yamaha, oder wie die Hersteller alle heißen, die Motoren für E-Mountainbikes bauen. Wir haben nur unseren Willen und unsere Muskelkraft gespeist von den Kohlehydraten der letzten Tage eingesetzt um schließlich auch die E-Biker auf der Sunnalm wieder zu treffen.

Hier gab es ein Kaltgetränk, bis uns nach kurzer Zeit das Wetter Sorgen machte. Essen wollten wir eigentlich, aber die Bedienung sprach von Gewitter und davon, dass nicht abzuschätzen sei, wann das kommt. Es könne auch in 10 Minuten hier sein. Und so bezahlten wir schnell. Denn ein Gewitter wollten wir oben am Joch, welches noch 100 Höhenmeter über uns lag, nicht erleben.
Ein schneller Aufbruch, eine anstrengende Steigung, eine rutschige und verblockte Schiebepassage und wir waren oben auf dem Joch. Die Mieminger Kette auf der einen Seite, das Ehrwalder Moos auf der anderen Seite hatten wir beste Ausblicke. Auch auf die Wolken, die nun einige wenige Tropfen in Richtung Erde entließen.

Also ging es nach Anziehen windschützender und wärmerer Jacken bergab über die Marienbergalm in Richtung Nassereith. Erst war der Weg schottrig, um sich nachfolgend in einen typischen Waldweg zu verwandeln. Die Bremsen wurden heiß und zwangen uns zu einer kurzen Pause, in der wir einen netten Wanderer aus Göttingen trafen. Überhaupt waren alle Wanderer bei der Abfahrt nett zu uns. Ein freundliches „Hallo“ oder „Servus“, ein Kopfnicken und ein Dankeschön gepaart mit entsprechendem Abstand zueinander steht für ein gutes Nebeneinander zu den Naturliebhabern, die diese auf Schusters Rappen erkunden und denen, die die grobstolligen Reifen lieben.

Wenn diese Erkenntnis mal im verschlafenen Harz insbesondere beim dortigen Nationalpark Einzug halten würde, man könnte auf die völlig überflüssigen Wegsperrungen für uns Mountainbiker dort verzichten.

Doch wir sind in Tirol und nicht im Harz und das hörten wir auch auf einem schönen Trail. Unten aus dem Tal kam Blasmusik. Irgendwie passte das zur Atmosphäre und als wir in Nassereith ankamen sahen wir auch das Festzelt. Wir hatten ja noch nichts gegessen und meine Idee war, dieses dort zu tun. Es war mittlerweile 13:30 Uhr. Fesche Madl und Burschen in wunderschönen Trachten waren zu sehen. Bier schien es zu geben, und irgendwo auch etwas zu essen. Doch leider keine Möglichkeit, unsere Bikes irgendwo sicher abzustellen. Ein Schloss hatten wir nicht mit und Frank fühlte sowieso, dass wir hier beim Dorffest deplatziert waren. Also ging es weiter in Richtung Imst.

Der Radweg im Wald war alternierend. Mal ging es bergauf, mal bergab. Holten wir die Gruppe von Claudia hier ein? Sie mussten doch auf dem gleichen Waldweg fahren. Denn wir sollten ja im gleichen Hotel in Imst nächtigen. Uns kamen Biker entgegen genauso wie Wanderer. Auch hier ein tolles Miteinander. Da die Zeit noch nicht sehr fortgeschritten war, haben es sich Frank und ich an einer Kneipp Anlage gemütlich gemacht. Die Beine wurden abgekühlt und so zu neuem Leben erweckt. So warteten wir hier knapp eine Stunde, doch von der Light-Truppe war nichts zu sehen. Nach einem kurzen Schnack mit einer netten Österreicherin, die ihr Enkelkind hier begleitete, fuhren wir die letzten 5 Kilometer in unser Tagesziel, das Hotel Neuner in Imst-Karrösten.
Ein altes, aber komfortables Hotel, in dem auch König August von Sachsen gestorben war. Danach war uns heute selbstverständlich nicht zumute. Wir waren zwar sehr hungrig, denn seit dem Frühstück gab es nur Energieriegel, aber zum Glück noch nicht so kaputt, dass wir uns für die Ewigkeit in die Waagerechte begeben wollten.

Keine 10 Minuten nach unserer Ankunft kam auch die Gruppe mit Franz an und so nahmen wir einige Getränke zu uns, bevor der Dreck des Tages abgeduscht werden musste. Meine Haut war etwas rötlich, denn trotz der ab Nassereith scheinenden Sonne hatte ich es verpasst, den Hautschutz gegen die UV-Strahlen aufzutragen. Nun gut, morgen wird das wieder besser sein.
Das Abendessen war sehr gut, wir saßen noch lange zusammen mit der Gruppe um Franz. Und auch Heiko, unser Shuttle Fahrer gesellte sich zu uns. Heiko sollte die nächsten Tage nicht nur mein überschweres Gepäck in den Shuttlebus tragen und dieses in den nächsten Etappenort transportieren. Nein, Heiko sollte auch die nächsten Tage einige Wege mit uns fahren und auch unser Abendessen und auch das Frühstück mit seiner Anwesenheit und unserer Konversation bereichern.


Der Abend versprach, ein lustiger zu werden. Wir konnten die Teilnehmer der Light-Gruppe besser kennenlernen. Frank lernte Sächsisch -nu kloar. Das war ja auch nötig, da Jörg diese Sprache beherrschte. Und in zwei Tagen sollten wir Jörg und seinen „Schatten“ Marvin ja mit über den Fimber-Pass (sächsisch „Wimbo-Bosch“) mitnehmen. Claudia berichtete davon, wie toll ihre Gruppe sei. Ich war beruhigt, wusste ich doch, wie viel Sorgen Claudia vor der Gruppe hatte. Denn das Erlebnis im letzten Jahr auf der Tour Garmisch-Gardasee war doch für sie sehr einschneidend.

Ich war froh, dass auch Jörg und Marvin sich als klasse Typen herausstellten und war auch nicht mehr unruhig, mit ihnen die 3. Etappe zu fahren. Ich freute mich mittlerweile richtig darauf, denn die beiden schienen schon zwei klasse Kerle zu sein. Aber auch Robin und Hans waren zwei ganz feine Begleiter. Eher still aber eben das Herz am rechten Fleck.
Nun geht der Tag zu Ende, meine Beine sind etwas müde und es heißt nun Schlafen, bis morgen um 06:00 Uhr „Good morning life“ aus dem Wecker tönt. Ein schöner Tag liegt hinter Frank und mir. Und wohl auch hinter meiner lieben Claudia, Sabine und ihrer Gruppe.

 

 

Die Zugspitze mit frischem Schnee ummantelt - Gesehen bei der Auffahrt zur Hochthörelehütte

Das Ehrwalder Moos liegt auf dem Weg zum Marienbergjoch weit unter uns

Abfahrt nach Nassereit. Feiner Trail im schattigen Wald

13.07.2019 - es geht endlich los. Nach knapp 2000 Kilometern auf meinem Mountainbike brechen Claudia und ich in unserem VW-Bus, Schwester Sabine in ihrem Fahrzeug und auch mein bester Freund Frank genau um 05:00 Uhr in Richtung Alpen auf.


Und zwar um unsere 5,2,2, und 3. Alpentour mit dem Mountainbike anzugehen. Es soll dieses Mal für mich wieder einmal komplett über die Alpen gehen. Und zwar von Grainau bei Garmisch nach Colico am Comer See.

Doch nun liegen erst einmal knapp 680 km Autofahrt vor uns, die sich auch ganz gut anschickt. Jedoch haben wir in Thüringen auf der A14 mit einer Vollsperrung zu kämpfen, die uns 15-20 Minuten Zeit kostet. Das führt im Nachgang dazu, dass wir auch auf der A9 vor Ingolstadt einen Stau haben werden, den wir jedoch umfahren können. Kurz vor München ist der Verkehr wiederum etwas dichter, aber wir kommen in Grainau zu einer Guten Zeit zwischen 12:00 Uhr und 13:00 Uhr an. Nicht, ohne vorher ein Fahrrad, welches ich aus Wolfsburg mitgenommen habe, bei meinem Kollegen Ralf in München zu übergeben.

Nun ist es also soweit. Wir sind am Startort. Das Hotel Nuss in der Waxensteinstraße kenne ich schon von 4 anderen Alpentouren, die ich mit ULP gemacht habe. Das Hotel hat einen Charme der 70er Jahre, aber die nette Rosi, die mir eine Johannisbeerschorle, oder wie sie so schön sagt „einen Johann“ serviert, gleicht das alles wieder aus.

Sabine und vor allen Claudia sind sehr gespannt, wie ihre Gruppe aussehen wird. Ich glaube, Claudia hat Respekt davor, dass sie mit Menschen fahren muss, die nur auf das Tempo achten und so bei Claudia den Druck aufbauen, schneller zu fahren, als sie eigentlich möchte. Und Druck soll es natürlich nicht sein, sondern die Tour soll ein Genuss sein. Die Natur ist auf dieser Tour einfach einmalig abwechslungsreich und das gilt es zu genießen.

Wer braucht schon Testosteron geschwängerte Mountainbike Akteure, die nichts anderes im Kopf haben als die Kilometeranzahl und die Höhenmeter, die sie hochgekurbelt sind? Niemand, ich zumindest nicht.

Und die Truppe, auf die Claudia und Sabine um 18 Uhr treffen, nachdem wir mit Frank noch einen kleinen Spaziergang durch Grainau gemacht haben, wohl auch nicht. Frank rief schon um 17:15 Uhr an, dass er den Guide Franz getroffen hätte und dieser total nett sei. Also, erst einmal Beruhigung für Claudia. In ihrer eigenen Art machte sie ihre Vorstellung, dass sie Respekt -sie nannte es Demut- vor der Tour habe, nicht schnell fahren kann und wohl diejenige sei, auf die man warten muss, klar.

Und das war kein Problem. Sowohl Franz, als auch die anderen Tourteilnehmer wollen die Tour genießen. Wer waren nun die Tourteilnehmer? Nun, für mich war es Frank, und für Fank war ich es. Denn wir beide haben keine geführte Tour gebucht (die wurde nämlich abgesagt), sondern waren alleine unterwegs als individuelle Reisende – Kurz Indies. Claudia und Sabine hingegen, sollten die nächsten 6 Tage die Erlebnisse mit dem lustigen Duo „Hefeweizen“-Jörg und Marvin, dem etwas stilleren Heinz und dem bisher wohl häufig von Sportverletzungen geplagten Robin verbringen. Frank und ich durften uns der Gruppe anschließen. Zumindest wollten wir das jeweilig zum Frühstück und Abendessen machen und ggf. auch bei schlechtem Wetter.

Doch es kam ganz anders, als man sich das vorstellt. Schnell berichtete Jörg in der Vorstellungsrunde, dass er auch gerne Medium fahren würde, zumindest manchmal und sich so den Indies anschließen könnte. Ggf. auf der Etappe über den Fimberpass. Frank hat sofort – Feuer und Flamme, wie sich das für einen Feuerwehrmann gehört -, dem ebenfalls als Feuerwehrmann arbeitenden Jörg zugesagt, dass das kein Problem sei. Ich war sehr skeptisch, kannte ich doch Jörg gar nicht, wusste nicht über seine Fahrkünste und genauso wenig über die von Marvin. Das T-Shirt mit der Aufschrift „Wer nicht stürzt, fährt nicht am Limit“, oder so ähnlich, baute auch nicht gerade Vertrauen auf. Denn von Stürzen hatte ich letztes Jahr in den Dolomiten ja genug und der Fimberpass i– besser gesagt, die Abfahrt ins Unterengadin- ist nun nicht gerade als einfache Strecke bekannt. Wie dem auch sei, wir wollen mal schauen, was passiert, so mein Plan.

Die letzte Nacht vor dem Start verbrachte ich in einem netten Zimmer unter dem Dach, jedoch war ich recht unruhig. Klar, wenn man dieses Mal selber für alles verantwortlich ist, und keinen Guide hat, der mit Tipps und Tricks beiseite steht, der mehr Erfahrungen mit dem Wetter hat und auch gute Alternativrouten kennt. Aber irgendwann schlief ich ein, um am Sonntag Morgen, dem Tag der Abfahrt um 06:00 Uhr aufzuwachen. Hierfür sorgte mein Handy mit dem Lied „Good morning Life“ von Dean Martin, welches die nächsten 6 Tage für den Weckruf morgens sorgen sollte.

Liebe Freunde der Dolomiten, des Mountainbikings oder einfach nur von Ullrich,

Nun liegt der zweite Tag der Dolomiten Panorama Tour hinter uns und es war ein ganz besonderer Tag. Es sollte von St. Vigil über die Pederü Hütte zur Farnes Hütte gehen, um dann weiter in Richtung Arraba zu fahren.

Uns so fuhren wir nach umfangreichem und gutem Frühstück los. Die Sonne war irgendwann auch nochmal zu sehen, aber sowohl Herr Kachelmann als auch Bergfex hatten angekündigt, dass das nicht so bleiben sollte. Und so hörten wir uns das auch von Frank an. 60% Regenwahrscheinlichkeit. Mehrere Liter pro Quadratmeter sollte es geben und Gewitter noch dazu. Doch davon war jetzt noch nichts zu sehen. Wir sind eine Asphaltstraße über 10 km gefahren. Tendentiell ging es bergauf. Nicht stark aber doch leicht. Und so erreichten wir die Pederü Hütte nach einer Stunde.

So far, so good -wie der sprachunkundige Deutsche ggf. sagen würde. Wir nahmen noch einen Snack zu uns, denn nun sollte es hoch gehen. 800 Höhenmeter auf Schotter, der sich gewaschen hatte. Na ja, gewaschen war er nicht, aber fest wohl auch nicht. Ich kam ganz gut voran, sah meine Mitfahrer hinter mir und genoss, wie gut mein Bike lief und mein Puls sich in Normalbereichen einpendelte. Gestern hatte ich häufiger noch Puls 160. Kein Wunder bei der Höhe. Heute waren mal 140 mal 145 Schläge pro Minute zu erkennen. Und das in entsprechender Höhe und bei anspruchsvoller Leistung. Mein Körper hat sich wohl schon etwas an die Höhe gewöhnt.

Ich fuhr erst alleine, machte dann das ein oder andere Foto. Die Natur war einfach grandios. AUch wenn sich der Hinmmel bezog, die Sonne nicht mehr sichbar war, so war es doch ein Naturschauspiel. Wir fuhren eingequetscht zwischen zwei Bergmassiven immer bergauf. Nach einem Fotostopp holten mich Kalle und Mario ein. Und so fuhren wir zusammen. Mal Mario vorne, mal Kalle.

So konnte es weiter gehen. Ich genoß die Fahrt. Auch die Temperatur war sehr angenehm. Ich trug wie immer meine Bib-Shorts und ein kurzes Trikot. Ohne Funktionsunterhemd. Mein Körper produzierte genug Wärme und so frohr ich nicht. Auch wenn das Shirt klitschnass war. Auch mein Oberrohr war klitschnass.  Nass vom Schweiss und nicht vom Regen. Regen, nein, den hatten wir nicht. Noch nicht. Denn kurz vor der Farnes Hütte merkte ich einige Tropfen auf meinen Armen. Sollte uns der Regen doch noch einholen? Ich bin bis heute 25 Tage Transalp gefahren und 5 Tage so durch die Dolomiten. Bisher hatte ich eine Stunde Regen.

Diese Statistik muss Bestand haben. Ich habe bisher einfach unsagbar Glück gehabt. Oder habe ich es mir verdient? Ich weiss es nicht. Aber wie das Leben so spielt, es macht etwas anderes, als wir planen. Und so fing es -während wir noch auf den Rest der netten Gemeinschaft warteten- auch hier an zu regnen. Es wurde immer doller und guter Rat war teuer. Weiter fahren? Wir mussten noch 100 Höhenmeter erklimmen um dann noch ca. 5km durch eine Hochebene zu fahren.

Was tun? Krisengipfel an der Farnes Hütte. Die Entscheidung ist gefallen (etwas was mir richtig gut zusagt, Entscheidungen zu treffen ) und ich war froh. Wir wollen im Regen weiter fahren, weil die Wettervorhersage tendentiell noch schlechteres Wetter ankündigte. Wir wollten gerade los fahren, Potz Blitz - ach nee, ein Donner. Also musste die Entscheidung von vor 5 Minuten schon revidiert werden und wir gingen in die Hütte. Es war dort wärmer und so wollten wir das Gewitter abwarten. Ein Gewitter willst Du nicht in den Bergen haben. Schon gar nicht auf einer Hochebene.

Doch nach einem Gespräch von Mario mit dem Wirt haben wir erfahren, dass eine Schwalbe noch keinen Sommer macht und ein Donner in einem anderen Tal noch kein Gewitter. Also Abfahrt - im strömenden Regen. Dank GoreTex Regenjacke und Vaude Regenhose war ich jedoch trocken. Bis zu den Knien. Denn ich hatte die kurze Regenhose an. Es war ja auch nicht richtig kalt. Und so erklomm ich eingepackt die nächste Höhe. Bergab ging es weiter. Etwas festere Bestandteile kamen im Regen dazu und es wurde kälter. Und das war nicht die einzige negative Nachricht. Die nächste kam in Form von Donnern. Es wurden immer mehr Donner. Und so kam eine kleine Hütte gerade recht, in der wir eine nette Wandertruppe trafen, mit einem Kakao ein nettes Gespräch hatten, bevor wir wieder "Kriegsrat" abhalten mussten. Denn hier waren wir erst einmal gefangen.

Der Donner wurde weniger. Auch der Regen und so wollten wir dann doch den Weg über die Hochebene aufnehmen. Anziehen und los ging es. Ich fuhr mit Marcus voran. Es regnete immer doller. Wir fuhren bergauf, bergab. Auch durch tiefste Waserlachen, an einer Stelle sah die Hochebene aus wie ein See. Und an dieser Stelle kam er. Der helle Blitz. Wie lernt man es als Kind immer? Zählen! Ach ja, 1, 2, 3,4, Bummmm. 4* 330 Meter. Na da hatten wir ja Schwein. Da war der Blitz noch ca 1,2 km von uns entfernt.

Wir mussten eine Steigung hoch. Ein zweiter Blitz. Nicht so hell wie der erste, aber eben ein Blitz. 1,2,3, Bummmm. Oh Mann, das wird ja knapper. Einen Schutz gibt es hier nicht. Und so habe ich doch sehr großen Respekt. Keine Angst. Dafür ist keine Zeit. Denn wir fahren recht schnell, der Weg ist rutschig, Steine blockieren ihn  und es geht auch mal bergauf und bergab.

Bis wir zum Tor kommen. Nicht zum Himmelstor, sondern zum Tor, welches einen Wanderweg einleitet, den man besser mit dem Bike nicht fährt. Lutz, unser Guide aus der letzten Tour meinte auch, wer dort fährt sei verrückt. Nun, mag sein. Ich würde mir das nicht zutrauen. Niemals!

Und so ging ich schnellen Schrittes den Berg herunter. Immer hinter Marcus her. Wir verließen die Hochebene. Es grummelte und donnerte noch ein paar Mal. Aber das Gewitter entfernte sich von uns.

An Fahren war hier nicht zu denken. Ich schob mehr, als dass ich fuhr. Auch im unteren Bereich! Mario holte uns ein, und auch Kalle. Wir warteten noch kurz, bevor es weiter ging.

Und da passierte es: Marcus stürzte. Wahrscheinlich an einem Holzstamm, der quer über den Weg verbaut war. Klar sollte das Geröll nicht den Weg herunter gespült werden. Und eine Stufe im Weg ist zum Wandern immer gut. Abgerissen ist seine Steuerung siener versenkbaren Sattelstütze. Sein Innenleben im Helm ist verdreht gewesen. Man, gut, dass ihm nicht mehr passiert ist.

Nun waren wir wieder alle beisammen. Marcus -der andere- fuhr und ich warnte ihn noch. Er kam jedoch kurz vor uns zum Stehen. Also hieß es sammeln, Frank und Christoph waren auch gleich zugegen und wir fuhren, gingen weiter. So auch ich.

Der Weg wurde flacher. Hier konnte man wieder fahren. In meinem Gehirn spukte noch die Frage herum, wie man hier wohl gerettet werden könnte. Mit Hubschrauber bei dem Wetter auf keinen Fall. Bei uns im Landkreis nennt man so etwas Geländerettung. Wie gut, dass ich das Konzept nicht kenne. Ist auch egal, weil wir ja keine Rettung haben wollten.

Nun, mit den Wünschen ist das manchmal so eine Sache. Sie werden erfüllt oder nicht. Denn keine 2 Minuten später -ich fuhr gerade über einen dieser nassen Baumstämme- passierte es: Mein Rad rutschte weg. Der Baumstamm war nicht senkrecht zum Weg sondern in einem Winkel von ca 75 Grad. Ich fuhr ihn aber senkrecht an. Sollte kein Problem sein. Sollte - war es aber doch. Mein Rad rutschte weg, meine Schuhe klickten aus den Pedalen aus, meine Hände griffen in den Boden, mein Kopf schlug auf einen Stein (gut, so ein Helm!!!!!) und mein Knie auf einen anderen. Waren ja genug Steine dort.

Die Schmerzen waren nicht gerade von schlechten Eltern. Ich weiss, ich bin eine Mimose. Aber es tat weh, ich konnte zuerst nicht auftreten. Ein Blick zum Knie - oh Gott! Eine tiefe Schnittwunde. Wie gut, dass wir Frank und Christoph, zwei erfahrene Retter bei uns hatten. Und Mario mit dem Verbandszeug. Mit Wasser aus der Trinkblase wurde die Wunde gereinigt, Steine ausgeschwemmt und das Knie fachmännisch verbunden. Eine Schiene wurde auch angelegt und mit Verbandspäckchen sowie Beinlingen fixiert. Warum habe ich heute meine Knieschoner im Koffer gelassen?

Da habe ich es eigentlich nicht besser verdient!!!   Und so ist es extrem ärgerlich. Dummheit wird im Leben bestraft. Doich wir waren immer noch bei der Geländerettung. Das Bein zu knicken war nicht mehr möglich. Es war ja geschient. Und wir hatten noch mindestens 500 Meter vergab auf dem Trail zu gehen. Gehen war das Einzige was möglich war. Zumindest im Trail. Also haben mit Frank und Christoph (@Frank und Christoph: Danke für Eure tolle Unterstützung) abgestützt und Mario holte die Räder. Von unten kam dann auch noch Kalle gelaufen, um uns zu helfen.

So humpelte ich den Berg herunter. Geländerettung a la Frank, Christoph, Mario, Kalle und Ullrich. Das Knie tat schon weh. Aber was soll es. Wer zu blöd zum Biken ist, sollte eher Schach spielen - oder Halma.

Wir erreichten die Hütte Campano Alpina. Von dort war auch schon die Rettung angerufen. Und so dauerte es nicht lange, bis ein Pinzgauer um die Ecke bog. Eingestiegen und ab ins Krankenhaus. Das nächste war eine Privatklinik. Na, da freut sich meine Versicherung!

Die Fahrt dauerte nicht lange. In der Klinik begrüßte mich eine nette, gut aussehende Südtirolerin, ein blonder Krankenplfeger mit Rollstuhl und ein italienischer Arzt. Doch dieser sprach kein Deutsch und nur wenig Englisch. Also war ich auf die Südtirolerin angewiesen, die alles übersetzte.

Als erstes wurde die Wunde gespült und gereinigt, bevor das Röntgen anstand. Nun noch kurz dine BEtäubung und schon ging es los mit dem Nähen. Tat ja gar nicht weh, war ja betäubt. Trotzdem spürte ich , wie sich die Nadel durch die Haut bohrte und meine Haut hin und her gezogen wurde. Tja, die Wunde war ja auch recht tief. 5 Stiche waren es, bis dann alles noch einmal gereinigt wurde und ebenso verbunden wurde.

Das war sie nun, meine Dolomiten Panorama Tour. Denn an Radeln ist die nächsten Wochen nicht zu denken. Nass werden darf das Knie nicht, knicken sollte man auch erst einmal vermeiden. Und so wurde ich mit Antibiotika, Schmerzmitteln, Kühlakkus dem Taxifahrer übergeben, der mich für schlappe 50 Euro nach Arraba fuhr. Und siehe da, er war Feuerwehrmann. Freiwilig wie ich. Und so hatten wir nette Gespräche, bis ich gegen 17:00 Uhr im Hotel ankam.

Das war nicht nur meine Dolomiten Panorama Tour, sondern auch meine Ehring. Denn diesen habe ich bei dem Unfall verloren. Sei es beim Handschuh ausziehen oder beim Sturz. Ich weiss es nicht. Ich bin unsagbar traurig. So etwas gibt es nicht wieder. Hat er mich doch durch Dick und Dünn begleitet.   @Claudia: tut mir wirklich leid!!!

Wie es jetzt weiter geht? Nun, das mit der Tour ist klar: Das ist mein letzter Blog. Wie ich morgen in irgendeinem Hotel sitze oder auch übermorgen, bis Frank und Christoph die Tour zu Ende gefahren haben, wird wohl niemanden mehr interessieren. Und wie geht es mit meinem Ehering weiter? Nun, das wird nicht verraten. Vielleicht heirate ich ein zweites Mal. Dann gibt es ja wieder einen. Aber da kommt nur Claudia in Frage, denn was besseres kann mir nicht passieren. Das habe ich mir so im Telefonat, als ich von meiner Dummheit berichtet habe, gemerkt.

Tja, und dem verbleibenden Rest der Truppe wünsche ich natürlich eine unfallfreie Rest-Tour. Schade eigentlich, weil ich gerne mit jedem Einzelnen noch einige Zeit verbracht hätte. Ihr seid toll und eine Truppe, wie man sie sich eigentlich nur wünschen kann.

Bye Bye und Servus aus Arraba...

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