Toolbar
Ullrichs shots

Transalp 2016 -Day2

on: 28 August 2016

Liebe Leser,

der erste Tag auf dem Radl ist geschafft. 67km liegen hinter uns, 2000 Höhenmeter (wobei wir ehrlich gesagt 300 Höhenmeter eine mechanische Aufstiegshilfe genutzt haben, um nicht in ein Gewitter zu kommen) ebenso. Das Tempo ist moderat, doch eines nach dem anderen:

Die letzte Nacht war nicht so toll, ich habe nicht gut geschlafen. Das mag an der Hitze gelegen haben, an der Aufregung oder einfach am Bett, welches zu klein für mich war. Die Nacht war dadurch auch recht früh zu Ende. Gegen 06:00 aufgestanden, den Sonnenaufgang in Garmisch genossen und noch die letzten nicht brauchbaren Dinge ins Auto gebracht. Nach einem Bikecheck -mein Reifen hat Luft, juhu-, ging es dann um 09:00 in Richtung Eibsee. Das Tempo war toll. Nicht zu langsam, aber auch nicht zu schnell. Nach einem Kilometer sind wir in den Lärchenwald und ich fuhr vorne. Das Gefühl, eine Menge Radfahrer hinter mir zu haben, behagt mir nicht. Das Tempo, welches ich gefahren war, war viel zu schnell. Ich war kurz vor dem Hyperventieren oder auch Übergeben. Also musste ich einen Gang runter schalten. Im Gegensatz zum letzten Jahr konnte ich auch niemanden dafür verantwortlich machen. Ich bin ganz alleine schuld an diesem Mördertempo. Es ist wirklich ein Unterschied, ob man alleine fährt oder eben nicht.

Am Eibsee angekommen (die Steigung war hart, aber jeden Schweißtropfen wert), hat mich der Blick auf den Waxenstein und die Zugspitze hinter dem tiefgrünen See für alles entschädigt. Wir sind um den See gefahren, bevor es hoch zur Hochthörlehütte ging. Hier habe ich mein Tempo gefunden. Und es ging mir saugut. Kein Vergleich zum letzten Jahr.

Nach knapp 2 Stunden haben wir auch die Hochthörlehütte erreicht. Ein Spezi war die Belohnung, bevor wir in einen tollen Singletrail fuhren. Robert, unser Guide wollte wohl sehen, was wir können. Und es war total klasse. Was ich letztes Jahr nicht konnte, habe ich heute geschafft. Es war ein tolles Gefühl. Sehr rutschig, teilweise verblockt, aber es machte kein Problem.

Nachdem wir an der Zugspitzarena angekommen sind, ging es durch den Wald in Richtung Ehrwald. Ein tolles Panorama in schönstem Sonenschein. Das Ehrwalder Moos lag unter uns. Nun hieß es entscheiden: Über das Marienjoch oder über den Grubigstein. Wir entschieden uns angesichts einiger erster Amboßwolken für den Grubigstein. Die erste Sektion entschieden wir uns sogar für die Seilbahn, da die Wolken nichts Gutes verhießen. Oben angekommen hatten wir noch knapp 500 Höhenmeter bergauf zu radeln, bevor wir an der Grubigalm angekommen sind.

Irgendwann tritt man ja mechanisch und die Gedanken kreisen. Ich erinnerte mich an einer Stelle an Oskar, der in eine Urlaub ein Wettrennen mit Claudia und mir gemacht hatte. Genau an dieser Stelle. Über den Schnee war er so schnell unten, dass die Alten nicht mitkamen. Es ist doch schön, derartige Erinnerungen zu haben. Unter der Seilbahn durch ging es weiter nach oben. Da saß doch eine Mutter mit einem kleinen Kind im Sessellift. Auch hier kamen Erinnerungen: Wie oft waren wir mit unseren Kindern Sessellift gefahren? Auch diesen hier. Und da schweifen die Gedanken ab, was wir wohl unseren Kindern mitgegeben haben. Was sie mitgenommen haben. Was haben wir gut gemacht, was nicht. Mountainbiken ist eben nicht nur Sport sondern auch die Möglichkeit, die Gedanken schweifen zu lassen.

Das war dann oben angekommen nicht mehr möglich. Wir fuhren den Blindseetrail. Ein wunderbarer Trail, bis es bergab ging. Die Abfahrt vom Fimbapass letztes Jahr, in meinen Augen ein Scheissdreck dagegen. Ich bin noch nie so einen anspruchsvollen Trail gefahren. Teils stark verblockt auf jeden Fall sehr sehr rutschig. Aber es hat Spaß gemacht. Danke Robert für diesen Weg und die tolle Aussicht auf die Ehrwalder Sonnenspitze. Und dort, wo ich beim Fahren eine Komfortzone verlassen habe, habe ich einfach geschoben. So wie alle anderen. Wir waren fast genauso schnell wie so eine Downhill Truppe aus Biberwier. Nur mussten wir ohne Protektoren auskommen.

Aber irgendwann sind wir dann auch runtergekommen und haben den Fernpass errreicht. Von nun an ging es bergab. Und es hat Spaß gemacht. Singeltrail und schöne Natur vom Feinsten.

Mittag haben wir auch gegessen. Und zwar gegen 16:00 Uhr. Das war in der Tat sehr spät und ich hatte tierisch Hunger. Bis dahin habe ich mich mit Riegeln über Wasser gehalten. Aber die Kaspressknödelsuppe war einfach eine andere Dimension. 

Nach Pause in Nassereith rollten wir aus, bevor wir die letzten 200 Höhenmeter nach Karres fuhren. Ein Blitz, ein Donner, die letzte Abfahrt und wir waren keine 5 Minuten im Hotel angekommen: Ein Regenguss, der sich gewaschen hat. Besser konnte der Tag nicht zu Ende gehen.

Was bleibt von heute noch im Gedächtnis: Dass Kühe keine Minze mögen (deshalb gehen sie auf der Kuhweide auch nicht hin, wo Minze steht). Daraus folgt, dass es auch keine Milch mit Minzgeschmack gibt. Ggf. Wäre das noch eine Geschäftsidee. Dann haben wir noch ein Alpenveilchen gesehen, welches nur im Herbst blüht. Großes Kino! 

Jetzt heißt es aber schlafen gehen. Denn morgen ist um 7:00 Uhr Frühstück, da wir Mittags Gewitter erwarten. Wollen wir mal schauen, wie uns das auf dem Weg über Imst nach Landeck, weiter über Tobadil nach Ischgl erwischen wird.

 Nun noch einige Fotos von heute:

 

Sonnenaufgang in Grainau


Eibsee mit Waxenstein


Das Alpenveilchen


Blindsee vom Blindseetrail aus gesehen


15:00 Eine Riegelpause


16:00 Mittagspause am Weiher in Nassereith


Ca. 18:00 Uhr - Das Gewitter zieht auf

Transalp 2016 -Day1

on: 27 August 2016

Die Alpen, unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 2016. Dies sind die Abenteuer meines Specialized Stumpjumper Mountainbikes, das mit seiner 1 Mann starken Besatzung 7 Tage unterwegs sein wird, um fremde Trails und Forstwege zu erforschen, neue Eindrücke zu gewinnen und neue Menschen kennen zu lernen. Viele Kilometer von seiner Heimatbasis Goslar entfernt dringt das Rad in Sphären vor, die seine neuen Mäntel noch nie zuvor gesehen haben.

Es geht nun bald los. Die längste Etappe meiner oben so bekannt beschriebenen Transalp mit dem Mountainbike liegt vor mir. Dafür hat die erste Etappe die geringsten Höhenmeter zu verzeichnen. Das Rad ist eingepackt, Kette geölt, die Bremsen erscheinen -und das ist eine Ausnahme in diesem Jahr- auch in Ordnung und so kann es mit hoffentlich vollständigem Gepäck losgehen. Vor mir liegen 672 Kilometer und 508 Höhenmeter. Nun gut, die erste Etappe fahre ich nicht auf meinem Fahrrad. Mit dem Auto geht es von Goslar zum Startpunkt nach Grainau am Fuß der Zugspitze.

Im letzten Jahr habe ich diesen Weg erstmalig auf mich genommen. Doch was erwartet mich in diesem Jahr? Ich bin alleine. Daher ist es wichtig: Wie werden meine Mitstreiter auf der 6-tägigen Tour quer über die Alpen sein? Haben wir eine Wellenlänge, ist das Leistungsniveau ausgeglichen und überfordert mich nicht? Wird uns der Guide die 400 km gut begleiten? Werden mich die bis zu 10000 Höhenmeter, die in den 6 Tagen im Fahrradsattel zu erklimmen sind, an meine Grenzen bringen? Ist das Wetter der letztjährigen Alpenüberquerung überhaupt zu toppen oder auch nur annähernd zu erreichen? 6 Tage Sonnenschein sind schon sehr aussergewöhnlich gewesen und ich erwarte ganz ehrlich viel schlechteres Wetter. Doch wie wird es sein, wenn sich der bisher sehr unbeständige Sommer weiter von seiner nicht besten Seite zeigt? Egal, ich muss da jetzt durch! Und wenn wir 8 Stunden durch den Regen fahren müssen - ein Zurück gibt es nicht mehr. Ich wollte es ja nicht anders!

Dafür habe ich auch zu viel trainiert. 2500 Kilometer mit knapp 55.000 Höhenmeter hat mein Mountainbike in diesem Jahr schon mit mir erklommen. Die Harzer Wege kenne ich zwar noch nicht alle, doch nach insgesamt 6 Tagen und 15 Stunden auf dem Fahrrad habe ich neue Gegenden im Harz erkundet, in die wahrscheinlich vor mir noch gar kein Mensch vorgedrungen ist. ;-)

Aufstehen war um 06:30 Uhr angesagt. Das Auto wurde gepackt, mein Rad geholt -halt! Was ist das für ein Mist? Mein Hinterrad hat einen platten Reifen. Das fängt ja gut an. Also hieß es noch einmal einen Schlauch einziehen. Ich dachte, dass so etwas bei schlauchlosen Reifen nicht passieren kann. Weit gefehlt! Damit stieg meine Laune nicht gerade in unermessliche Höhen. Zumal es schon um 08:00 Uhr wieder recht warm war. Letztlich bin ich um 09:00 Uhr losgekommen. Abschiedsumarmung für Oskar und dann auch Claudia. Und es ging über Bad Herzburg in Richtung Bernburg, Leipzig. Von hier die A9 in Richtung München. Nach mehreren Stunden gemütlichem Fahren war mein Navi kaputt. Ich hatte schon knapp 300 Kilometer hinter mir und das Navi zeigte als Ankunftszeit 19:20 Uhr an. Hat da die Qualitätssicherung von VW einen Softwarefehler übersehen? Die Ankunftszeit kann nicht sein. Nach etwas Suchen die Lösung: Vor München 20km Stau mit knapp 2 Stunden Zeitverzug. Alternativen? Ja, die gab es. Von Nürnberg über Heilbronn nach Kempten. Doch auch dort: Stau! Also entschied ich mich, die Zeit auf der Autobahn im Stau bei 32 Grad Celsius zu genießen. Die Klimaanlage arbeitete bestens und am vermeintlichen Stau angekommen entpuppten sich die Verkehrsmeldungen als Falschmeldungen. Nun gut, 17 km in einer Baustelle mit 60 fahren ist keine Freude, aber es ging wenigstens voran. Nun noch kurz durch München durch und die letzte Stunde war angebrochen.

15:30 Uhr: Ich sehe die ersten Berge der Alpen. Auf der A95 von München in Richtung Garmisch sehen sie so groß aus. Da will ich also rüber..., und ich freue mich schon. Der Himmel ist 1a blau, etwas Kumuluswolken und jetzt zeigte das Navi 16:10 Ankunftszeit. Und diese stimmte genau. Von der langen Fahrt alleine ohne Unterhaltung und Fahrerwechsel bin ich doch arg kaputt und durchgeschwitzt. Also schnell Einchecken, Fahrrad raus und HALT!!!

Heute ist nicht mein Tag. Mein Hinterrad hat einen Platten. Ich werde wahnsinnig. Also Schlauchwechsel die 2. Dummerweise finde ich nichts im Mantel. Kein Splitter, kein Stein... Also neuer Schlauch rein und die 3,5 Liter Wasser, die ich bis dahin heute getrunken habe, sind in 10 Minuten ausgeschwitzt. 32 Grad. Es ist heiß!

Mittlerweile ist der Schlauch geflickt. Er hatte in der Tat ein Loch. Ich schwitze immer noch wie ein Bär und hoffe, das das für mich der letzte Schlauchwechsel auf dieser Tour sein wird!

In 20 Minuten sehe ich nun meine Mitstreiter. Mal sehen, was mich erwartet...

Mich erwartet eine nette Truppe: ein Ehepaar aus Salt Lake City, ein Paar aus München, ein Radler aus Erlangen sowie -man glaubt es kaum: ein weit entfernter Arbeitskollege aus Braunschweig, der im Team eines Nachbarn arbeitet. So klein ist die Welt.

Wenn ich unserem Guide Robert, dessen Drahtigkeit Schlimmes erahnen ließ (da sehe ich kein Gramm Fett, nur Muskeln) Glauben schenken mag, dann legt er sehr viel Wert auf den Genuss der Natur. Genau das ist es, was ich bei dieser Transalp erleben möchte. Also auf geht's morgen früh um 09:00. Und wenn alles gut geht, berichte ich dann von der ersten Etappe vom Grainau zum Eibsee über die Hochthörlenhütte nach Ehrwald. Nachfolgend überqueren wir den zweiten großen Berg, so dass wir dann in Karres mit Blick ins Inntal unser Abendessen redlich verdient haben sollten. Zwischen 1500 und 2000 Höhenmeter liegen vor uns. Ich freue mich drauf.

Nun noch gute Nacht. Es folgt noch der Ausblick aus meinem Zimmer auf die Garmischer Bergwelt heute Nachmittag:

 

In Saalfelden, Austria, this alpin cabinet had a wonderful garden. This is something, which makes Austria so homely. A country you have to visit

Page 15 of 15