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Ullrichs shots

Nun ist es also soweit. Der Sonnabend ist gekommen, an dem ich mich zusammen mit Franziska aufmache, die Alpen mit dem Fahrrad zu überqueren. Es geht kurz vor 06:00 Uhr los, die Sonne scheint wunderbar und es könnte ein schöner Tag werden. Und es wurde ein schöner Tag. Die ganze Fahrt nach Grainau, wo wir um 18:00 Uhr unsere Mitfahrer treffen sollten, schien die Sonne. Die Fahrt auf der A7 in Richtung Süden erfolgte ohne Probleme.


In Rothenburg ob der Tauber wurde kurz Halt gemacht. Das Frühstück rief. Und so saßen wir in schönstem Sonnenschein an der Ecke vor einem urigen Kaffee in Sichtweite des Stadttores von Rothenburg. Das war schon mal die richtige Entschleunigung und so fuhren wir nach knapp 60 Minuten Frühstück gegen 11 Uhr in Richtung Grainau.

Die A7 war weiterhin recht leer. Für diese Jahreszeit ist das nicht üblich und so konnten wir in Garmisch Partenkirchen noch gegen 15:00 Uhr Ersatzteile für Franziskas Fahrrad kaufen.  16:00 Uhr Ankunft in Grainau im Hotel Nuss. Das Hotel ist nett gelegen. Die Waxensteinstraße erlaubt einen wunderbaren Blick auf das Wettersteingebirge, welches in schönem Sonnenschein da liegt. Jedoch hat das Hotel –zumindest die Besitzer im Geiste- die goldenen Jahre gesehen. Draussen gibt’s nur Kännchen. Ha ha, ich dachte, das habe ich irgendwo schon einmal gelesen. So bezogen wir aber unsere Zimmer im Nebengebäude und gönnten uns noch ein kühles Getränk und Kaiserschmarrn in der Ortsmitte von Grainau. Der Kaiserschmarrn war eine Enttäuschung, das Getränk angesichts der sehr warmen Temperaturen über 30 Grad sehr angenehm.

18:00 Uhr, der Moment der Wahrheit nahte. Lutz, unser Guide, machte gleich klar, dass er der Chef ist, und wir unbedingt auf ihn zu hören haben und es keine Diskussionen bei seinen Entscheidungen gäbe. Nun gut, auch eine Ansage. Ich fand das am ersten Abend etwas befremdlich. Aber so weiss jeder, woran er ist. Und wahrscheinlich ist das wirklich gut so und notwendig. Alleine zur Sicherheit.

Die Gruppe erscheint ganz nett, wobei beim Abendessen erst einmal das Eis tauen muss. Zumindest zwischen uns und einem großen Teil der Gruppe. Denn die kennen sich offensichtlich schon von der Arbeit oder aus vergangenen Jahren. Und so kennt Lutz auch einige unserer Mitstreiter. Ob das gut geht? Ich weiss es nicht.

Ist auch erst einmal egal, die Müdigkeit zwingt mich ins Bett. Ich bin sehr unruhig. Denn erstens ist es in meinem kleinen Einzelzimmer recht warm und zweitens bin ich sehr aufgeregt, was mich morgen erwartet. Bin ich fit genug? Habe ich alles getan, um die nächsten sechs Tage zu überstehen? Und nicht nur zu überstehen, sondern auch Spaß zu haben? Wir werden es sehen. Gute Nacht!

Ullrich:

So, die Transalp liegt nun fast 43 Stunden hinter mir und ich bin wieder zu Hause. Holger Schaarschmidt unser Guide von UlpTours, ist schon wieder mit dem Mountainbike auf dem Weg in den Süden. Dieses Mal zum Comer See. Wir, das waren Patrick, Andreas, Markus, Ralf, Frank, nochmal Patrick und ich haben die gemeinsame Woche gestern um 09:00 Uhr beendet und sind in Richtung Heimat aufgebrochen. Es war eine schöne Woche. Sie war ganz besonders und sie war anstrengend. Doch was ist von den 6 Tagen täglichen Radelns durch die in meinen Augen schönste Region Europas geblieben?

Zuerst einmal Stolz. Ich war immer unsicher, ob ich genug trainiert hatte. Immerhin ist es eine GoWild Tour gewesen und damit die höchste Kategorie, die Ulp anbietet. Die letzten beiden Jahre bin ich im Medium Level gefahren. Das bereitete mir im ersten Jahr noch einiges Kopzerbrechen, im zweiten Jahr jedoch war ich wunderbar vorbereitet und genoß die Fahrt. Es ist in meinen Augen nicht zu unterschätzen, dass es doch einen Leistungsunterschied zwischen einer Medium Tour und dieser Tour gibt. Das mag sich nicht in Höhenmetern oder Kilometern ausdrücken, sondern vielmehr in der Art der Belastung. Wir haben Steigungen gemeistert, die nicht so häufig auf der leichteren Variante zu finden ist. Zumindest nicht so dauerhaft. Wir sind Trails bergauf gefahren, die es in sich hatten. Und von den Downhill-Trails mal ganz abgesehen. Ich habe dieses vermutet und so habe ich mich noch intensiver vorbereitet, als die Jahre zuvor. Es hat geholfen, auch wenn ich das ein oder andere Mal innerlich geflucht habe. Aber letztlich habe ich das, was ich eigentlich ganz gut kann, gemacht: Durchbeissen, wenn ich etwas erreichen will.  Und positiv denken, dass es schon irgendwie klappen wird.

Das liest sich jetzt nicht gerade nach Genuß. Aber es war ein Genuß, diese Tour zu machen. Die vielen Eindrücke zu gewinnen, die vielen Highlights der Alpen in so kurzer Zeit zu erblicken. Es war für mich nicht immer ein Genußradeln, wie ich es mir vorgenommen hatte (und wie ich es letztes Jahr von Garmisch zum Comer See auch erlebt hatte). Aber es war ein Genuß, Regionen zu betreten, die so beeindruckend waren, dass man sich als Mensch so unendlich klein fühlt. Und es war ein Genuß, in Regionen zu sein, wo nur wenige Menschen einen Fußabdruck hinterlassen. Der Kulturschock kam dann, wenn wir wieder in Touismusregionen fuhren.

Man möge sich vorstellen, mit wenigen Naturfreunden auf der Sesvenna Hütte zu schlafen. Um 22:00 Uhr unendliche Ruhe zu genießen, die klare Luft zu riechen (wenn man denn riechen kann) und einfach nur kaputt und erledigt die schöne Natur anzuschauen (das natürlich nicht im Dunkeln um 22:00 Uhr). Und dann innerhalb von nicht ganz 24 Stunden in das stark bevölkerte Serfaus mit tausenden Touristen einzufahren, wo Lautstärke, Hektik (warum eigentlich im Urlaub) und in den Gesichtern der unzähligen Touristen ganz wenig Freude, Glück und Zufriedenheit zu sehen ist. Größere Kontraste kann es nicht geben. Welche Umgebung mir am Besten gefällt? Na ja, das ist wohl schwerlich zu erraten.

Wo wir gerade bei der Hüttenübernachtung waren: Ich war auch geschockt. Geschockt von der Häßlichkeit des Stilfser Jochs. Was sich dort die italienischen Architekten und Bauherren ausgedacht haben spottet jeder Beschreibung und ist schwer zu toppen. Nun gut, wofür auch tolle Hotelbauten hin stellen. Die Touristen kommen doch sowieso. Mit dem Motorrad, um nach erfolgreicher Fahrt auf 32 Kilometern 63 Kehren gemeistert zu haben und dann noch schnell die Bratwurst auf dem Pass zu essen? Hierfür sind keine Bauten notwendig, die sich der Natur anpassen und einigermaßen schön sind. Trotzdem wäre -auch wenn die Natur hier oben auf knapp 3000 Metern recht karg ist- etwas mehr Schönheit in der Bebauung möglich. Übrigens sollte das Beispiel mit den Motorradfahrern nicht abwertend gemeint sein. Soll jeder seinen Sport, sein Hobby genießen. Doch bitte, liebe Motorradfahrer und Autolenker mit hochgezüchteten, chipgetunten Fahrzeugen oder einfach nur Potenzverstärkern: Wenn ihr Fahrradfahrer auf der Straße seht, die sich mit Muskelkraft eine Berg hochquälen (ja, das ist nicht immer einfach!), bitte nehmt Rücksicht auf diese. Fahrt nicht so eng an ihnen vorbei, dass sie sich fast genötigt fühlen, in den Straßengraben zu fahren. Und überholt nicht im Gegenverkehr, denn auch ein Fahrradfahrer ist Gegenverkehr, den man nicht gefährden darf. Und das gilt für Euch alle. Insbesondere jedoch für 4 Motorradfahrer aus Ingolstadt, die ich leider nicht kennenlernen darf, sonst hätte ich ihnen mal erklärt, wie sich das rücksichtslose Fahren auf der anderen Seite anfühlt.

Und da ich soeben schon über Häßlichkeit von Bauten schrieb, so betrifft das sicher nicht nur das Stilfser Joch. Ischgl ist so ein weiteres Beispiel. Ein Winterskiort der Superlative. Hunderttausende Touristen, Musikacts von Sting über Peter Gabriel zu Rhiana, Tina Turner und was weis ich noch, treten hier im Winter auf. Im Sommer jedoch ist der Ort (der für meine Begriffe viel zu stark verbaut ist) und insbesondere die Bergwelt um ihn herum keine Schönheit. Doch halt: Es gibt Schönheiten auch um Ischgl herum. Nur nicht dort, wo Skigebiet ist. Klar, in der Höhe über 2000 Meter ist es recht karg. Die Baumgrenze ist schon weit unter uns. Aber die Menge an Liften, die hier auf engstem Raum stehen, Arbeiten bei denen Drainagen in die Skipisten gelegt werden, um sie besser pflegen zu können, Mahlwerke, die aus Gestein feinstes Steinpulver machen (um wahrscheinlich die Wege der Pisten zu befestigen). All das ist nicht schön! Aber es bringt wohl nachhaltig Touristen und Geld....

Ich schrieb am zweiten Tag von Grenzen. Ich habe mehrfach Grenzen gesehen: Landesgrenzen, meine physischen Grenzen und auch psychische Grenzen. Es ist gut, dass es diese Grenzen gibt. Sonst würde ich ja irgendwann überheblich und größenwahnsinnig werden. Ich bin jedoch auch stolz, die ein oder andere Grenze hinaus geschoben zu haben. Natürlich nicht die topografischen Grenzen. Das haben ja die Soldaten im 1. Weltkrieg am Bochetta di Forcola probiert. Es ist sinnlos, weil man Grenzen -wenn man heute drüber fährt gar nicht spürt. Die Menschen diesseits und jenseits der Grenzen, die wir überquert haben, sind prinzipiell gleich und sie wollen (hoffentlich) das Gleiche: Frieden, Zufreidenheit und etwas Glück. Nein, es geht mir beim Grenzen verschieben um die persönlichen Grenzen. Ich glaube schon, dass ich meine Leistungsfähigkeit trotz meines -für die Gruppe- recht hohen Alters im letzten Jahr durch intensives Training verbessert habe. So konnte ich die physischen Grenzen, sei es durch bessere Fahrtechnik (OK, hier ist noch einiges zu tun) und bessere Kondition weiter verschieben. Aber auch die psychischen Grenzen (z.B. die meiner Höhenangst) habe ich durch festen Willen und Konzentration etwas verschieben können. Und ich freue mich hierüber und bin richtig stolz. Sozusagen bin ich für mich auf dieser Tour ein kleiner Grenzgänger geworden.

Und da kommen wir auch schon zur Gruppe. Wir hatten andere Teilnehmer, die auch so ihre Grenzen hatten. Sie waren offensichtlich und nicht so leicht zu verschieben. Aber welche Grenze auch da war, die Gruppe, der ich für die tollen Tage noch einmal danken möchte, hat unterstützt, hat Schwächen oder Grenzen akzeptiert. Es gab kein Murren und Mucken - vielmehr wurde auch bei schwächerer Leistung immer wieder motiviert und positiv zugeredet. Eventuell iegt es daran, dass nur spezielle Typen solche touren machen. Und denen scheinen wichtige soziale Kompetenzen eben ins Blut gelegt zu sein. Auch wenn ich nicht immer so schnell Kontakt aufbaue, so ist dieses in dieser Gruppe für mich relativ schnell gelungen. Das lag unter anderem wohl auch daran, dass die nach meiner wenigen Erfahrung typischen ersten Phase des testosteron-geschwängerten Profilierens durch schnelles Fahren und waghalsige Aktionen in dieser Gurppe gar nicht aufkam. Eventuell lag es auch an der Schwierigkeit des ersten Tages, der uns allen zu Schaffen gemacht hat ;-).

Ich möchte abschließend noch ein Wort zu unserem Guide sagen: Auch in Situationen, in denen es mal schwierig wurde, hat er nie seinen Humor verloren und mit seiner lockeren uns lustigen Art immer mit einem Augenzwinkern die Stimmung bei dem ein oder anderen hoch gehalten. Hut ab und danke dafür. Das habe ich so noch nicht erlebt.

Bleibt noch die typische abschließende Frage: Das nächste Mal? Wenn es ein nächstes Mal gibt (heute würde ich sagen ja, aber das kann sich ja auch noch ändern), dann nicht mehr in diesem Level. Ich stellte irgendwann die Frage, ob ich das flasche Level gebucht hatte. Ich meine schon. Auch wenn ich durchgefahren bin und die oben beschriebene Freude hatte, so war die Anforderung an mich grenzwertig. Wäre die Gruppe nur ein wenig heftiger drauf gewesen, ich hätte es nicht mehr geschafft. Also, nächstes Mal dem Alter Tribut zollen und eine Medium Tour? Könnte sein, denn ich war ja noch nie am Gardasee. Und das sollte man doch schon einmal gemacht haben. Alternativ eine "Enjoy" oder "Light" Tour nach Meran entlang des schönen Vinschgau in bester Sonne. Ob ich daran Spaß habe? Wir werden es sehen ;-)

Wer bis hierhin durchgehalten hat, dem sei gedankt. Ggf. konntet ihr miterleben, was ich erlebt habe. Die vielen Rechtschreibfehler und falschen Wörter bitte ich zu entschuldigen. Das war meistens Apple, die es nicht geschafft haben, meine Tastaturanschläge anständig zu interpretieren oder auch Wörter ersetzt haben, wo sie der Software gesagt haben, dass das wohl das Wort sei, welches ich gemeint habe. Ich hoffe, die meisten Fehler sind wieder berichtigt.

 Nun -wie Holger so schön schrieb- Kette rechts, ride on und bis (vielleicht) zum nächsten Mal

Ciao, Euer Ullrich

 

Frank:

Kampf – insbesondere immer wieder der Kampf mit mir selbst prägte die Woche. Es war sehr schön und es war eine Erfahrung, die ich nie missen möchte, weil sie mir auch wieder meine eigenen Grenzen gezeigt hat. Grenzen, die ich zu überwinden geschafft habe, auch wenn ich es nicht geglaubt hätte es schaffen zu können.
Es war ein tolles Gruppenerlebnis und die hervorragende Leistung des Guides Holger eine solche Gruppe zu führen.
Es waren landschaftliche Highlights, es waren einige der schönsten Trails der Alpen auf unserer Tour, es war ein absolut zuverlässiges und tolles Bike, es war ein ganz tolles Team und es war letztlich mein bester und längster Freund Ullrich, der mich zu einem rundum zufriedenen Resümee kommen lässt.
Danke – es war toll.

Fotos der Woche:

Am Fimbapass kam die Sonne heraus. Tiefblauer Himmel und rechtsseitig das Val Sinestra im Unterengadin

Am zweiten Tag waren wir noch recht munter. Zusammen haben wir trainiert, zusammen sind wir (meist) gefahren und zusammen haben wir die Tour erfolgreich geschafft.

Der Start zum flowigsten Trail auf der ganzen Tour: Der Trail vom PAsso di Trela hinunter nach Livigno. Das ist für mich Mountainbiken mit größtem Spaßfaktor

Gezeichnet von der Anstrengung des Aufstiegs, der Mittagssonne und der Angst auf dem Trail zum Malga Pendenolo. Das gilt natürlich nur für mich. Holger, der stets positive Guide hat noch genug Kraft für Faxen...

Diesen Schotterweg mussten sie kommen. Es führt kein anderer Weg nach Bochetta di Forcola. Rückblickend eine tolle Aussicht auf die Berninagruppe in der Ferne.

Die Schweizer haben schon eine komische Sprache: In der Uina Schlucht sollte man stoßen. Beim Fahren hätte ich mir sowieso in die Hosen gemacht.

Die Uinaschlucht ist vollbracht - und das trotz Höhenangst.

Transalp 2017 -Day 7

on: 18 August 2017

Ullrich:

Heute sollte der letzte Tag unserer Transalp "Best of Trails" von Ulpbike sein. Ich habe es geschafft, die Tour, die unter der Kategorie GoWild angeboten wird, von Anfang bis zum Ende durchzufahren. Ich habe keine Verletzung davon getragen und bin natürlich sehr erfreut darüber. Denn nicht jedem aus unserer Truppe ging es so. Heute, auf einem der letzten Trails hatten wir noch einen Sturz  zu beklagen. Und zwei Teilnehmer mit Magen/Darm gibt es auch noch unglücklicherweise zu verzeichnen. Darauf hättenw ir durchaus verzichten können. Und überhaupt war der Tag dann irgendwie anders, als geplant (was grundsätzlich jedoch nicht schlimm ist). Fangen wir aber wieder der Reihe nach an:

Aufstehen war heute etwas später, weil wir erst um 07:30 Uhr frühstücken wollten. Das Frühstück in Serfaus war grandios. Der Tag begann mit zauberhaften Damen, die superfreundlichen Service am umfassenden Frühstücksbuffet boten. Das findet man leider nicht immer. Einige Mitarbeiter im hotel Post in nauders, wo wir unsere zweite Nacht verbrachten, hätten sich durchaus eine Scheibe abschneiden können. -Ich will hier aber grundsätzlich erwähnen, dass die Hotels, die Ulp für uns ausgesucht hat, schon sehr schön waren. Über nicht ganz so perfekte Servicekräfte kann man auch drüber weg schauen!

Zurück zum freundlichen Service in Serfaus: Das freute mich doch umso mehr, weil es ja fraglich ist ob ich hier jemals wieder her kommen würde und ich war ja auch nur eine Nacht im hotel. Und da hab ich auch schon Hotels erlebt, bei denen die Mitarbeiter nicht so freundlich waren, da man sich ja nicht unbedingt wieder sieht. Hier war aber alles Bestens und so verabschiedete uns noch der Hotelchef des Hotels Lawens persönlich, als es um 08:45 die ersten Höhenmeter bergauf ging. Nur, um nachfolgend einen Singletrail in Serfaus Inntal abzufahren. Flowing sollte er sein. War er wahrscheinlich auch. Aber ich war entweder zu müde, kaputt oder einfach noch nicht auf Betriebstemperatur. Mir fiel der Trail sehr schwer, aber letztlich sind wir alle heil unten angekommen, um bei schönstem Sonnenschein in Richtung Samnaun zu fahren.

Die Wettervorhersage verhieß nichts Gutes. Eine Kaltfront zieht an und Gewitter drohen. Wann diese genau Ischgl erreichen werden, darüber gibt es bei den verschiedenen Wetterdiensten unterschiedliche Auffassungen. 15:00 Uhr, 17:00 Uhr oder gar erst Mitternacht. 

Für uns ist das keine schöne Situation, wollten wir doch auf keinen Fall auf dem Grenzkamm in Ischgl (was unser Ziel war) in exponierter Lage von einem Gewitter überrascht werden. Und so entschied sich unser Guide Holger für die sichere Variante -  nämlich den Aufstieg nach Smanaun ncht über Waldwege zu fahren, sondern direkt über die Straße. So konnten wir Zeit gewinnen und vor 15:00 Uhr in Ischgl sein.

Die Fahrt in der prallen Sonne war kein Zuckerschlecken für mich.  Und rücksichtslose Autofaher mit ihren Boliden, die wahrscheinlich nur zum steuerfreien Tanken nach Samnaun fuhren machen das Leben genauso schwer, wie rasende Motorradfahrer. Trotzdem gibt es auch Gutes zu berichten. Wir -besser gesagt Holger- entdeckten einen schönen Trail, der der Uina Schlucht vom Vortag wenig nachsteht, als wir einen Tunnel umfahren wollten.

Hier fuhren wir und gingen, weil der Weg noch teils verblockt war. An einer Stelle, an der der Hang fast senkrecht linksseitig hinab ging, verkantete einer unserer Teilnehmer seinen Lenker nach links. Geistesgegenwärtig konnte er den Lenker und das Fahrrad wieder auf die rechte Seite ziehen. Zum Glück, denn sonst wäre er abgestürzt. Ich sah in sein Gesicht und er nahm es ganz locker. Ich könnte das angesichts meiner Höhenangst nicht so locker aufnehmen. Aber Ende gut, alles gut. Es ist nun mal zum Glück nichts passiert.

Wir fuhren weiter nach Samnaun, aßen dort noch einen Apfelstrudel und fuhren dann mit der Seilbahn in Richtung Grenzkamm Ischgl.  Auf dem Weg dorthin nahmen wir noch einen angelegten Trail mit. Und hier passierte es.  Am letzten Tag, auf einem der letzen Trails stürzte einer unser Gruppenmitgleider. Schmerzen in der Schulter, Helmabdruck auf der Stirn waren das Ergebnis. Er versuchte noch zu fahren, aber an ein Weiterfahren war letztlich nicht zu denken. 

So fuhr die ganze Gruppe mit dem Sessellift zum Grenzkam hoch, Andreas in Begleitung mit Frank mit der Seilbahn zur Idalpe. Wir über die Skipiste, die im oberen Bereich sehr schlotterig war, hinterher. Wir passierten noch eine Baustelle, auf der aus Felsgestein feinstes Steinmehl hergestellt wurde. Die Räder, Schuhe, Kleidung und wahrscheinlich auch die Lunge von innen -alles weiß und von Steinmehl eingehüllt. Überhaupt ist ischgls Bergwelt keine Reise Wert. So mein Eindruck. Hier ist mehr eine Großbaustelle zu sehen, die von vielen Liften dominiert wird. Nicht gerade das, was ich von den Alpen erwarte. Aber der Rubel, oder Euro muss rollen. Und im Winter danken diese Verschandelung der Alpen ja hunderttausende Ski- und Partysüchtige.

Frank begleitete Andras auch zum Arzt. Ich begleitete den verbleibenden Rest noch auf einem Singletrail in Richtung Fimbatal. ein Deja für für mich. Diesen Trail bin ich vor drei Jahren schon einmal gefahren. Heute fiel mir die Fahrt viel schwerer. Lag es daran, dass ich müde war? Hatt mich die Auffahrt nach Samnaun und überhaupt die ganze Woche zu sehr ausgelaugt? Oder war ich einfach nicht so trainiert, wie vor zwei Jahren? Oder hatte ich einfach Respekt, weil mir am letzten Tag nichts mehr passieren sollte? ich weiß es nicht. Vermutlich aber war es die Angst, die durch den Sturz eines Gruppenmitglieds gewachsen war. Ist eigentlich aber auch egal. Wir haben den Tag und auch die gesamte Tour schön ausklingen lassen. Ganz leicht und einfach fuhren wir über eine Straße und einige kleine Trails runter nach Ischgl. Denn  der gewünschte  Kaiserschmarrn auf der Bodenalpe mit samt Kaffee für Holger war uns nicht vergönnt. Der Kaffee sei aus und auch keine Milch mehr im Hause. Irgendwie konnte ich das nicht glauben. Ggf. hattte die Wirtin einfach kein Interesse mehr, Kunden nach Feierabend zu verkaufen. Der Winter bringt wohl genug Kohle im Partydrom Ischgl. Ggf. hat sie sich auch nur auf den Feierabend gefreut und zu bedienen war ihr lästig. Wir werden es nicht erfahren. 

So ging es unverrichteter Dinge -wie erwähnt- über die Straße mit einzelnen Abstechern in kleine Trails talwärts. Patrick und ich dann nur noch auf der Straße. Denn Monrezumas Rache hatte nun ein zweites Opfer in der Gruppe gefunden. Frank litt schon seit gestern daran. Woran es lag? Auch hier habe ich keine Ahnung. Wir munkelten, ob wohl Kuhmist, welches an Trinkflaschen oder Trinkschläuchen hing, oder über Handschuhe den Weg in dass Körperinnereng gefunden hatten. Aber auch hier werden wir wohl eine Klärung nicht mehr herbeiführen können. Hauptsache es geht allen drei Teilnehmern schnell besser. So wie es mir nach Abschluß der Tour ging.

Unsere Best of Trails im Jahr 2017 war Freitag, den 18. August um ca. 16:30 zu Ende. Eine Transalp der besonderen Art für mich. Doch dazu in de Zusammanfassung und im Fazit mehr.

Ciao, Euer Ullrich

 

Frank:

Zurück ins Basislager
Der letzte Tag der Tour begann mit Ungewissheit über meinen Gesundheitszustand. Das Magen-Darm-Problem war glücklicherweise den Rest der Nacht nicht mehr aufgetreten und ich entschloss mich dafür es zu versuchen. Das Frühstücksbuffett war lecker und man fühlte sich sehr gastfreundschaftlich durch die Gastwirte behandelt. Der letzte Tag musste doch auch zu schaffen sein. Wie immer – um 08:00Uhr ging es los.
Zunächst durch Dorf, dann etwas aufwärts und dann über Wiesen und Trails hinab ins Inntal. Die Trails waren schön, aber aufgrund der linksseitigen Geländeneigung grenzwertig für meinen Kopf – kurz: zeitweise schob ich besser. Dann ging es unspektakulär im Inntal aufwärts auf kleinen Straßen bis Pfunds.


Zeitdruck
Aufgrund von erwartetem Unwetter hatten wir etwas Zeitdruck. Das machte die Sache nicht besser. Holger unser Guide überlegte immer wieder zwischen der eigentlich landschaftlich schöneren Route oder der Autostraße nach Samnaun. Letztlich entschied er sich für den schnelleren Weg, weil wir bis Mitte des Nachmittags den Bergzug zwischen Samnaun und Ischgl passiert haben sollten – es wurde ein Wetterumschwung erwartet und da sollte man besser nicht mehr in der Höhe sein.
Die Straße nach Samnaun über Spiss war indes auch alles andere als schön. Ein langer Anstieg von fast 600 Höhenmetern über eine lange Strecke zunächst über Serpentinen und dann durch eine Schlucht. Hitze, Autoverkehr und zunehmendes Unwohlsein sorgten für zusätzlichen Spaß bei mir. Bei Spiss folgten wir einem schönen Forstweg bis wir weitere 300 Höhenmeter höher die ersten Ausläufer von Samnaun erreichten. Eine kurze Pause und dann fuhren wir zur Doppelstöckigen Seilbahn von Samnaun. Ziemlich vollgestopft mit Wanderern und Mountainbikern startete die große Seilbahn dann Richtung Bergstation.

Talfahrt mit der Gondel
Dort angekommen ging es eine Flowtrail hinab zu einem Sessellift. Und hier passierte dann unser erster Unfall. Andreas war mit seinem Bike aus der Kurve geflogen und hatte sich möglicherweise an Schulter, Nase und Kopf verletzt. Zunächst fuhr er weiter , aber bei der dann folgenden Sesselliftfahrt verstärkten sich die Schmerzen und er entschloss sich die Gondel auf der anderen Seite ins Tal zu nehmen. Bei mir stellten sich zeitgleich Durchfall und Bauchschmerzen ein, so dass auch ich den Weg mit der Gondel ins Tal nahm.
Ich unterstützte Andreas bei der Gondelfahrt und beim Handling seines Bikes, brachte ihn zum Arzt und ging dann mit beiden Bikes so schnell es eben ging ins Hotel. Denn auch bei mir stieg der innere Druck im unteren Bauchbereich. Am Hotel brachte ich beide Bikes in Sicherheit und ging schnellstmöglich aufs Zimmer. Den Rest des Abend und der Nacht bekam ich Montezumas Rache zu spüren. Zum Abendessen und für eine Bilderschau verlies ich das Bett nochmal, aber sonst fühlte ich mich ziemlich abgeschlagen.

 

Fotos des Tages:

In Samnaun vermutet man vieles, doch nicht so einen tollen Karman Ghia - Konzernfahrzeug halt ;-)

Auffahrt von Samnaun zum Alp Trida Sattel...

Trotz Bike-Kodex passiert auf diesem Trail hinunter zur Alp Trida ein Unfall. Zum Glück war das Ergebnis nur eine Schulterprellung.

Bei der Auffahrt zum Flimsattel konnten wir noch einmal den Beginn des Grenzkamms sehen, auf dem wir eine Woche zuvor gestartet sind.

Auch das passiert: Ein Handschuh voller Kuhmist - Den Ort der Stürze kann man sich ja nicht immer aussuchen.

Ischgl kurz vor Abschluß unserer Mountainbiketour. Eigentlich ein hässlicher Ort. Doch nicht annähernd so hässlich wie die durch Lifte und Technik verschandelten Berge oberhalb Ischgls

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