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Ullrichs shots

2020

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Friday, 28 August 2020 00:00

Eine Tour zum Relaxen

Die letzte Etappe meiner diesjährigen Tour über die Alpen sollte ganz im Zeichen der Entspannung stehen. Eigentlich führt die Etappe mit dem Luft hoch zum Mottolino in Livigno. Von dort geht ein wunderbarer Panoramatrail parallel zum Tal in Richtung Forcola di Livigno. Hier sind -nachdem ein entspannter Singletrail wieder ins Tal zurück führt, einige Meter hoch zu fahren. Eben zum Forcola. Von dort geht es über den Berninatrail schön mit Blick auf das Bernina Massiv zum Bernina pass, mit seinem gleichnamigen See, um dann im feinsten Flowtrail herunter in Richtung Pontresina zu führen.

Ich wollte heute primär das wunderbare Wetter in stiller Natur genießen. Letztlich wollte ich auch üben, mein Tempo zu kontrolllieren. Und was ganz wichtig war, ich wollte mich nicht mehr groß anstrengen, sondern einfach relaxen.

Und so strich ich die Fahrt mit der Mottolino Bahn. Ich hätte sowieso keine Freude gehabt, in diesen Zeiten, in einer Seilbahn zu sein. Dann kenne ich den Panoramatrail schon und er ist für mich nichts Neues, also musste ich ihn auch nicht abfahren. Ich blieb im Tal um zum Fuß des Forcola zu fahren. Das war entspannt, und so konnte ich gleich lernen, mein Tempo besser zu kontrollieren. Kunststück bei 8 Grad Celsius. Da fährt man in kurzer Hose freiwillig sowieso nicht schnell.

Über einen Wiesenweg erreichte ich dann die Spur hoch zum Forcola die Livigno. Von rechts kamen zwei Radler. Wow, sind die schnell. Will ich mich hinten dran hängen? Ach, lieber nicht, Ullrich, Du wolltest doch heute gemütlich fahren. Das Tempo der Beiden war in meinen Augen zu schnell. Ggf. wussten sie ja auch nicht, was sie noch erwaret. Denn zu Beginn ist der Talweg, der hoch zum Pass führt noch recht moderat. ABer kurz vor dem Talende steigt er in 6-7 Serpentimen an, die sich gewaschen haben. Nicht primär wegen der Steigung, sondern will sich dazu auch noch schotteriger Boden gesellt, der das Fahren noch schwieriger macht.

Ich fuhr langam, zog jetzt auch noch mein Unterhemd aus, um mich langsam zum Talschluss hin zu begeben. Dabei überholte ich die beiden Radler. Ich fuhr bergauf, scheiterte an der ersten Linkskurve, die in denSerpentinenweg einführt. Mal wieder weggerutscht. Egal, aufstehen, Krone richten und weiter geht es. Und weiter oben rutschte ich wieder weg und habe dann auch geschoben. Genau, wie schon einmal an der Stelle hier.

Aber glücklich und zufrieden bin ich oben angekommen und sah, wie sich jetzt mehrere Mountainbiker hier hoch quälten. Nicht fahrend, sondern schiebend. Das ist schon gut für das Ego, dass ich weitestgehend alles gefahren bin. Ich gin grüber zum Tante-Emma Laden, um mir als Belohnung ein Getränk zu kaufen und 4 Salsiz. Einer sollte mein Mittagessen sein (Mist, habe ich doch das Brötchen in Livigno zu kaufen vergessen), die anderen drei sollten mit nach Hause. Aus dem Laden herauskommend schrieh ein deutscher Mountainbiker den Fahrer eines Kleinlaster an, er hätte ihn fast umgefahren auf dem Weg hier hoch. Aha, Straße gefahren. Selber Schuld. Der Fahrer versuchte in italienisch zu beruhigen, doch der Mountainbiker ließ sich nicht beruhigen. Ich erfuhr später, dass der Transporter den Lenker vom Radler touchiert hat. Das ist in der Tat kein Vergnügen und ich kann mich an eine ähnliche Situation mit einem Reisbus vor 5 Jahren am Berninapass. Nur habe ich mit dem Busfahrer im Nahhinein vernünftig reden können. Ist hier nicht gelungen.

Nun ging es auch flux weiter, denn ich wollte auf dem Bernina Trail Mittagspause machen. Dort, wo man kein Auto mehr hört. Ggf. ein Murmeltier. Dort wo ich alleine sein kann und nur die schöne Aussicht genieße. Also fuhr ich los. Ich traf wieder auf die oben besagten Radler. Ein Paar. Der Bitte, ein Foto von Ihnen zu machen, bin ich nachgekommen und so sind wir ins Gespräch gekommen. Aus Mettmann kamen die netten Radler. Na, da sind ja echt viele Berge, Respekt, weil ja dann ein Training mit Steigungen nicht ganz so einfach ist. Sie fahren das dritte Mal über die Alpen. Und zwar als Individualreisende mit ulp. Ich erzählte davon, dass meine Tour dazu gedacht ist, als ulp-guide die Strecke zu lernen. So verabschiedeten wir  uns und jeder fuhr bzw. ging seinen Weg.

NIcht so schnell, weil mich eine Kuhherde meinen Weg blockierte. Gestern früh hatte ich noch das komische Gefühl mit den Kühen am Döss Randond, nachfolgend war ich noch an einer sehr ruhigen Kuhherde vorbei gefahren. Diese Kühe heute waren wieder aufgeregt. Erst hörte ich eine Kuh unter mir "Muh", "Muuuh". Weiter oben taten es ihr 2 Kühe nach. Über uns mir setzte sich eine Gruppe Kühe mit recht hoher Geschwindigkeit talwärts in Gang. Weiterhin der "Muh-Dialog" von unten und oben. Es wurde unruhiger und ich blieb stehen, bis ich eine Lücke fand und schnell auf dem verblockten Trail bergauf fuhr. Dort sah ich den Grund der Unruhe. Der Hirte brachte seinen Hund mit Pfiffen und Handzeichen dazu, die oben stehenden Kühe herunterzutreiben. Und der Hund war fix. Sehr fix lief er hinter den Kühen her, die in einem von mir nicht für möglich gehaltenen Tempo nun wieder bergab liefen. Nach 2 Minuten war der Zauber vorbei und ich konnte mich weiter nach oben bewegen.

Eine kurzer Fotostop wurde von mir am Focrular Minor auf 2435 Meter Höhe eingelegt. Nun ging es auf die letzte Steigung, um auf 2492 Meter meine Mittagspause einzuleuten- Ich machte zuerst einige Fotos vom beeindruckenden Gerninagruppe mit dem bekannten Piz Bernina und auch dem Piz Morteratsch (hier komme ich später nochmal drauf zu sprechen). Der Piz Bernina ist der höchste Berg in dieser Region und mit 4049 Metern Höhe der einzige Viertausender in den Ostalpen. Klar, das die Berge mit Schnee bedeckt sind. Und das macht auch den Reiz aus. Die Sonne, strahlend blauer Himmel, teils karge, manchmal grüne Landschaft dort wo ich stehe. Ich setzte mich und genoss ein kühles Getränk und den Ausblick. So saß ich eine ganze Zeit, bis das Paar, welches ich noch vor kurzem gesprochen hatte, erschien.

"Kannst Du uns helfen"? Natürlich, wenn Kunden von ULP ein Problem haben, kann ich gerne unterstützen. Gesagt getan, so half ich dem netten Biker, seine Schaltung wieder besser einzustellen. Der erste Gang war nicht schaltbar. Kurze Einstellung und noch eine Erklärung, wie die Schaltungseinstellung funktioniert. Abschließend habe ich von beiden noch ein Foto vor dem Bernina Massiv gemacht. Und schon kamen die nächsten Radler. Vorbei war es mit der Ruhe. Das waren jetzt doch mehr als 2, also eine Gruppe. Auch sie waren mit ulp unterwegs. "Wer ist denn Euer Guide?". Die Antwort erfreute mich sehr, denn es war Robert. Ein super ruhiger Guide -fürmich ein richtiges Original-, mit dem das Fahren eine reine Freude war. So haben Robert und ich viel miteinander erzählten können und ich habe noch einige Tipps von Robert bekommen, während seine Gruppe erst einmal 15 Minuten Pause machte.

Nun wurde es unruhig. Eine Gruppe eines anderen Anbieters kam. 16 Personen plus Guide. Ich finde das viel zu viel. Robert fuhr wieder, und die 16er Gruppe nach10 Minuten auch. Da hier nach meiner Einschätzung ein breiter Niveauunterschied vorhanden war, nutzte ich noch 15 Minuten alleine, um noch einmal die Ruhe zu genießen. Im Übrigen war hier der Biker dabei, der fast vom Kleinlaster angefahren worden ist. Er erzählte mir seine Geschichte. Und wie geschrieben, kann ich seinen Ärger sehr gut verstehen.

Nach 15 Minuten hieß es auch für mich Abfahrt. Ich hatte noch tolle Trails vor mir, bis ich Pontresina um 15 Uhr erreichen wollte. Um 16 Uhr ging ja mein Bus zurück nach Prutz. So fuhr ich den ersten Trail recht schnell, holte dabei wieder die 16 Personen ein, überholte sie und sah sie dann während meiner Wartezeit in Prutz noch einmal. Weíter ging es über den Stausee am Berninapass, der in strahlendem Blau (und das obwohl der Stausee Lago Bianco heisst) hier zu Füßen der Berninagruppe liegt Parallel zur EIsenbahnlinie der Rhätischen Bahn, auf der mir gerade der Bernina Express entgegen kam, fuhr ich zur Staumauer. An dieser beginnt ein feiner Flowtrail, der mich schnell herunter bis Morteratsch bringen sollte. Kurz vor der Bahnsation Morteratsch bog ich ein in den Morteratsch-Gletscherweg, um mir zum wiederholten Mal den Morteratschgletscher anzuschauen. Hier kann man sehr gut sehen, wie schnell sich der Gletscher zurück zieht. Denn die Jahreszahlen sind als Stehlen markiert, an denen der Gletscher die entsprechende Ausdehnung hatte. Ich war hier schon einmal letztes Jahr. Und ich hatte den Eindruck, dass der Gletscher weit zurückgegangen ist. Ich muss noch einmal Fotos vergleichen, aber es sind sicher knapp 100 Meter.

Hier waren naturgemäß viele Touristen, denn dieser Weg, der sich als Fußgänger unbedingt lohnt, ist auch mit Kinderwagen gut zu erwandern. Bei der Rückfahrt von der Gletscherzunge kamen mit einige von Roberts Gruppenteilnehmern entgegen. Denn die Gruppe hatte ich kurz vor dem Bahnhof noch überholen können, während Fotos im Trail gemacht worden sind.

Nun ging es auf meinen letzten Abschnitt dieser Tour. Flüssiges Fahren nach Pontresina. Hier machte ich mich frisch, wechselte noch die Bekleidung, da ich noch zwei Stunden Busfahrt vor mir hatte und verließ diese wunderbare Region um 16:40 Uhr.

Das war meine erste Transalp ganz alleine. Es war ein Erlebnis, welches ich nicht missen möchte. Ich habe wiederum die Landschaft genossen, wie ich das schon so oft tat. Ich sah neue Wege und auch Regionen. Ich studierte Menschen und ihr Verhalten in der Natur. Mein Rad hat mich treu ohne technischen Defekt durch die Tour getragen. Ich verbesserte meine Fähigkeiten auf dem Rad. Und ich ging kräftemäßig an meine Grenzen. Ich fuhr diese Etappen sehr schnell. So schnell kann man nicht mit einer Gruppe, auch nicht mit einem Partner fahren. Aber ich habe trotzdem Spaß gehabt, auch wenn ich das ein oder andere Mal schon sehr ausgelaugt und kaputt war. Aber auch das war schön, die Grenzen zu erreichen und zu kennen. Ich bin dankbar, dass ich auch dieses Jahr wieder die Möglichkeit hatte, so eine Tour zu fahren. Das ist nicht selbstverständlich und so habe ich jeden Tag genossen. Wer weiss, wie häuftig mir diese Erlebnisse noch vegönnt sind.

Und abschließend war ich stolz. Stolz, mich alleine durch die Alpen zu bewegen. Das ist nicht ganz so einfach, weil man den ganzen Tag ja kein Wort redet (außer beim Essen bestellen). Ich genieße das zwar, weil man auch auf andere Gedanken kommt, und auch bei langen Auffahrten viel nachdenken kann. Aber zu Zweit ist es doch schöner. Das ist klar. Und so hoffe ich, dass ich so ein Erlebnis noch mal mit Claudia, mit meinem Freund Frank oder sonst jemandem, der/die sich mir anvertrauen will, erleben kann. Und natürlich in 2021 dann als nebenberuflicher Guide bei ulp, deren Mitarbeiter die schöne Strecke erarbeitet und geplant haben.

Nun noch einige Fotos vom heutigen Tag

 
Der Anstieg zum Forcula di Livigno. Die Biker nach mir schoben allesamt ihre Räder. Ich tat das nur zweimal und war mächtig stolz



Der Berninatrail mit fast dauerhaftem Blick auf die Berninagruppe



Oben angekommen und hier sollte die Rast stattfinden, die dann durch einen Reparaturservice meinerseits und das unerwartete Treffen mit Robert dann doch ausfiel



Der Stausee Lagio Bianco am Berninapass



Kurz vor dem Bahnhof Morteratsch kam mir noch einmal die Rhätische Bahn entgegen. Im HIntergrund der Morteratsch Gletscher



Vom Gletscherweg aus fotografiert hatte ich schon den Eindruck, dass der Gletscher letzes Jahr weit zurück gegangen ist.



Letzte Rast an einem Brunnen in Pontresina. Das Rad hat mich durch Dick und Dünn transportiert. Hier habe ich mich noch erfrischt, die Bekleidung ist gewechselt und ich war froh, glücklich und stolz die Chance gehabt zu haben, diese Tour zu fahren.

 

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Wednesday, 26 August 2020 00:00

Wieder einmal Grenzgänger

Der dritte Tag meiner Probefahrt auf der Transalp "Nationalpark Panorama" liegt nun hinter mir. Und ich möchte Euch wieder teilhaben lassen an dem Erlebten. Die Etappe heute ist wahrscheinlich die anspruchsvollste Etappe der gesamten Tour. Es soll von Sta. Maria im Val Müstair über den Döss Radond auf 2234 Meter ins Val Mora gehen. Und hier werde ich mal wieder die Grenze in ein anderes Land übertreten. Also zurück nach Italien. HIer in die Lombardei, die von Corona tragisch ach so gebeutelte Region mit seinen Bewohnern. Ich werde am Lago die San Giacomo di Fraele vorbei fahren und am Lago di Cancano. Na, das sind zwei Namen, die ich mir nie merken kann. Ich werde dann wieder etwas tiefer sein und aus 1950 Metern über den Alpisella Pass, der ebenfalls bei knnapp 2283 Meter liegt, ins Mountainbike, Ski-, Shopping- und Partymekka Livigno fahren.

Und so wachte ich heute bei frischer angenehmer Bergluft wieder vor meinem Wecker auf. Ich sah mir gerade ca. 30 Sekunden die Berge an, die in der Dämmerung einen Schatten darstellten, als mein Wecker die Musik abspielte. Keine 5 Sekunden später rief mich auch mein persönlicher Weckservice an. So soll es sein. Ich konnte heute zwar etwas länger schlafen, da es Frühstück erst um 08 Uhr geben sollte. Doch ich versuche einfach früher zu frühstücken, da ich eigentlich um 08:00 Uhr auf die Straße, bzw. den Weg fahren möchte.

Hat auch alles gut geklappt. Tasche gepackt, noch mein Getränk der letzten Nacht leer getrunken und schon brachte ich meine Tasche in ein anderes Hotel. Denn dort schlief die Ulp-Truppe, deren Shuttleservice ich in Anspruch nehmen konnte. Jonas ist der Guide. Mit ihm habe ich meine Guide Ausbildung gemacht. Und so konnte ich gestern auch mit der lustigen Truppe zu Abend essen. Da war ich nicht ganz so alleine in den Alpen. Der Koffertransport ins andere Hotel war kein Problem. Sta. Maria ist nicht ganz so groß und das Hotel Alpina liegt 61 Meter (lt. Google) von meinem Hotel Crush Alba entfernt. So konnte ich um 07:30 pünktlich mein Frühstück einnehmen. Und das Frühstück war genauso liebevoll wie das gesamte Hotel. Produkte aus der Region, kleine schöne Tische in dem wunderbaren Engadinerhaus. Nur das Brot ließ für meinen Geschmack zu wünschen übrig. Es war nicht so kross, wie ich es gerne habe. Aber es war warm und wahrscheinlich selbst gebacken. Also sollte es einige Körner haben. Dieses Brot aß ich genauso wie Hirschsalsitz, lokalen Honig und was man sonst noch so zu frisch selbst produziertem Johannisbeersaft essen kann.

07:55 wollte ich auschecken, das Fahrrad hatte ich schon geholt. Nur war niemand da, bei dem ich ich auschecken konnte. So klingelte ich. Niemand kam. Um 08:00 Uhr kam eine nette ältere Dame die nur nach der Zimmernummer fragte, meinen Schnlüssel nahm und ging. Nun gut, bezahlt hatte ich immer noch nicht. Nach weiteren 5 Minuten klingelte ich wieder. Niemand kam. Aber irgendwann um 08:10 Uhr konnte ich mein Geld in Form einer elektronischen Banktransaktion übergeben, setzte mich aufs Rad und startete die Tour, die gleich zu Beginn knapp 850 Höhenmeter Anstieg zum Döss Radond zu bieten hatte.

Durch den Ort ging es, dann ein Radweg, um kurz darauf auf einem asphaltierten Weg durch die Felder zu fahren. Es ging bergauf. Und die Steigung war nicht von schlechten Eltern. Der Asphalt änderte sich in Schotter und so ging es weiter. Eine Kreuzung - fast falsch abgebogen, aber ich bin auch ohne auf das Navi zu schauen, auf dem richtigen Weg geblieben. Es war nicht als äusserst leicht zu fahren. Gleich in der Früh so eine lange Steigung mit einigen steileren Stellen. Aber ich fand meinen Rhytmus und fuhr und fuhr und fuhr. Nach knapp 45 Minuten kam ich mitten in einem Lärchenwald an eine Bushaltestelle. Wer hätte das gedacht, mitten im Wald. Aber ich konnte mich erinnern. Mein Freund Frank sicher auch. Denn die Strecke zum Döss Randond ist sicher so etwas wie einer unserer bonding Moments von unserer Best of Trails Tour. An der Stelle der Bushaltestelle war ich hungrig. Na, nicht erst da, aber es kam so richtig heraus. Es waren doch erst 45 Minuten vergangen. Ich hatte doch gut gefrühstückt. Wie konnte das sein? War wohl ein Fehler. Ich hätte wohl mehr als zwei Scheiben Brot  und ein Croissant essen sollen. Fehler Nummer zwei: Ich hatte nur zwei Riegel mit. Mist, den Vorrat, der immer bei 3 liegt, sollte doch heute früh noch aufgefüllt werden. Vergessen. Und da ich einen Hungerast befürchtete, aß ich lieber gleich einen Riegel. Ich hatte ja noch eininge Höhenmeter vor mir.

Der Weg zog sich und so zog er auch Energie. Aber ich kam gut voran. Schneller, als ich eigentlich wollte. Ein Elektrobiker überholte mich, und sogar 3 Bio-Biker. Man, die waren fix. Einen holte ich wieder ein, kurzer Wortwechsel, ich machte ein Foto und schon war er wieder weg. Nach einer Stunde und 25 Minuten bin ich oben am Döss Radond angekommen. Einfach ein herrliches Hochtal. Auch öffnete sich zwischenzeitlich schon das Tal und ließ die Schönheit der Natur / Region hier erahnen. Ich war der fünfte Biker hier oben am heuten morgen und es war windig. Wie die letzten 2 Kilometer, auf denen ich neben der Steigung auch noch Gegenwind zu bekümpfen hatte.

Ich zog mein Trikot aus, hing es zum Trocknen auf. Und so auch mein Unterhemd, welches ich nach 45 Minuten schon ausgezogen hatte. Es war kühl und so musste meine Jacke herhalten, damit ich mich nicht verkühle. Als ich diese aus meinem Rucksack holte, hörte ich wilde Geräusche der mich umgebenden Kühe. Ich konnte das nicht deuten, aber es machte mich irgendwie unruhig. Die Tiefe schinen aufgeregt / agressiv und nicht so friedlich zu sein, wie ich sie sonst kenne.
In dem Moment kamen zwei weitere Mountainbiker und nahmen auf der Wiese gegenüber von mir Platz. Genau auf der Wegseite, wo die Kühe muhten und sich zusammenrotteten.Es wurde unruhig, die Biker scheuchten die Tiere weg. Zwei Kälber oder junge Kühe kämpften auch so dann. Das war ein Spektakel. Größere Kühe kamen hinzu. Und die Biker waren so clever und sind dort sitzen geblieben. Ich überlegte, wie ich -wenn es die Situation erfordern würde- schnell weg kommen würde. Hemd und Trikot lagen ja zum Trocknen auf meinem Bike. Der Rucksack abgeschultert... Und da habe ich prophylaktisch agiert. Mir erschien die Situation nicht geheuer und sicher. Viel zu viel ist schon mit Kühen auf Almen passiert. So zog isch schnell meine Kleidung wieder an und radelte vom Döss Radond ein wenig weg, um dann noch einige Minuten die Natur anzuschauen. Nach kurzer Zeit ging es weiter. Ich war alleine. Sehr schön. Ich fuhr an der Abfahrt zur Alp Mora vorbei. Hier hätte ich essen können. Aber nein, mein Ziel war der Lago di Cancano. Dort soll  es ein nettes Ristorante geben. Dort will ich essen. Das sollte ein dritter Fehler heute sein, wie sich später heraus stellte.

Ich fuhr um eine Kurve und ein Murmeltier lief mir vor das Rad. Keine fünf Meter entfernt. Das süße Piepen, den Warnruf der Murmeltiere konnte ich seit der Auffahrt schon mehrfach hören. OK, nichts passiert, es hat sich erschrocken, ich mich auch und so ging /fuhr jeder von uns seines Weges. Kurze Zeit später saß ein Murmeltier am Straßenrand. Ich hielt an. Es erschien zutraulich. So ging ich gaaaanz vorsichtig hin, um ein Foto zu machen. Es fühlte sich sicher. Na klar, saß es doch direkt vor seinem Höhleneingang. Aber es ließ sich fotografieren, bis es dann ratz fatz verschwand.

Ich fuhr weiter bergab und genoss den Blick linksseitig, rechtsseitig und dann natürlich wieder auf den Weg, damit ich nicht stürzte. Nun kam nach dem Schotterweg ein schöner Wiesentrail, der dann in einen Wurzelweg überging. Wunderbar zu fahren. Linksseitig das plätschernde Bergwasser und so fuhr ich mal bergab, mal etwas bergauf in Richtung Val Mora / Lago di Cancano.


Nachdem ich die Flußseite geweselt hatte, wurde der Weg ruppiger. Sehr steinig. Eine Steigung folgte einem Gefälle und das gleiche Spiel begann von vorne. Es war teils grober Schotter. Einige Muren waren abgegangen. Und ich musste hierüber fahren. Rechtsseitig der Fluss weit unter mir und uns trennte nur ein steiler Abhang und ggf. sicherers Fahren. Zwei Biker überholten mich bei einem Fotostop. Später erfuhr ich,d ass sie noch zum Stilfesr Joch wollten. Na, dann viel Spaß dachte ich mir, denn der Weg über den Borchetta di Forcola ist wirklich wunderbar.

Vor dem Lago, der mich grau/grün erwartete hatte der Liebe  Gott noch etwas Gegenwind für mich parat gehabt. Macht nichts, gleich gibt es Essen. Ich fuhr also an der Einfahrt zum Passo Alpisella vorbei (hier musste ich später noch hoch), um den Restauranttipp zu erkunden. Nun, das Restaurant lag schön, der Service könnte schon besser sein. Und was absolut verbesserungswürdig ist, sind die Essensheiten. Um 11:20 Uhr gab es noch keine Pasta. Es gab noch gar nichts zu Essen. Das sollte erst um 12 Uhr möglich sein.

Mist, das half mir gar nicht. Meine Dreifach Notfallsicherung ist ausgefallen und ich hatte noch mit Claudia telefonieren können, dass ich mich in zwei Stunden wieder melde. Die Zeit war um. Aber es gab kein Netz. Nicht, dass Claudia jetzt eine Rettungskette startet, weil ich mich nicht melde und sie mich auch auf der App nicht sehen kann. Also trank ich meine Aranciata schnell aus und fuhr wieder um den See. Nur, um ein Netz zu finden. Am Einstieg zum Alpisella Pass hatte ich auch Netz und konnte eine Meldung geben, dass alles i.O. ist, ich nicht gestürzt und kerngesund bin.

Ich war wieder in Italien. Und irgendwie merkt man das. Es waren sehr viele laut redende Menschen unterwegs. Sie spazierten, fuhren Rad und versuchten sich auf Elektrorädern. Und dabei ist mir eines aufgefallen: Helme sind hier wohl nicht so gerne gesehen. Es gab viele Biker, die gar keinen Helm trugen. Zwei Damen sind mir besonders in Erinnerung  geblieben. Die eine Bikerin kam mit ihrem E-Bike den Singeltrail vom Alpisella herunter. Nun gut, wenn sie es fahren kann. Das ist ein schöner Trail, der aber auch etwas Übung benötigt, da es dort schottrig ist und schon ganz schönes Tempo nach sich ziehen kann. Sie kam also wohl geschminkt mit Sonnengläsern im güldenen Rahmen und wehenden schulterlangen Haaren aus der Drei Wetter Taft Werbung herunter. Nicht sehr schnell, weil unsicher.
Ggf. wäre aber ein Plastikbrillengestell von Fielmann ausreichend gewesen. Für den Rest des Geldes hätte man dann doch einen Helm kaufen können. Aber, sie hätte wahrscheinlich nicht so gut ausgesehen. Und weil wir gerade beim Aussehen sind, berichte auch über die zweite E-Bikerin. Auch sie kam mir ohne Helm entgegen. Dafür mir einem durchbrochenen, teils transparenten Top. Das sah nicht billig aus. Na eigentlich schon. Das Top hat aber wahrscheinlich einiges gekostet. Und auch hier stellte sich die Frage ob ein Helm nicht eine gute Investition gewesen wäre, wenn man schon so viel Geld für unpassende Radl-Kleidung ausgibt.

Dann ist mir aufgefallen, dass viele mit Mietbikes keine Helme tragen. Das wäre mir als Vermieter zu gefährlich. Ich würde einen Paketpreis machen und Helm ist Pflicht. Nun gut, ich bin kein Verleiher, aber ich sehe diese Entwicklung schon mit großer Sorge. Als ich auf dem Weg zum Alpisella war, schaute ich rechtsseitig den Schotter-Single-Trail an. Da fuhren doch Leute, bei denen man von Ferne schon sehen konnte, dass sie Angst hatten und unsicher auf dem Rad waren. Das geht doch nicht. Na ja, es scheint doch gut zu gehen, ist aber fahrlässig. Denken die Leute denn gar nicht mehr nach?

Und so bin ich schon bei meiner letzten Steigung für heute. Das ist der Alpisella Pass. Der liegt zwischen dem Cancano See und Livigno. Er ist 2283 Meter hoch und ich muste noch einmal knapp 330 Meter auf knapp 5 km hoch strampeln. Auf einem Schotterweg. Na Prost Mahlzeit. Die Sonne hatte mittlerweile auch an Fahrt aufgenommen. Die Morgenfrische aus Sta. MAria war schon lange verflogen. Mein Schweiß lief und ich fuhr wie ein Uhrwerk. Natürlich überholten mich auch zwei Mountainbiker. Mit Stromunterstützung. Fröhlich redend, den Bierbauch in der Größe eines 5-Liter Fases direkt vor bzw. unter sich tragend. Man kann das Leben schön sein. Die Beiden legten ein Tempo vor, das sich gewaschen hatte. Maximale Stromunterstützung vermute ich. Ich folgte natürlich in großem Abstand. Mithalten? Keine Chance bei der Steigung.

Ich fuhr mein TEmpo. An dieser Stelle muss ich jedoch auch mal selbstkritisch mit mir sein. Ich glaube, ich habe verlernt, langsam zu fahren. Ich habe dieses Jahr gut trainiert. Jedoch habe ich fast nur schnelle Trainingseinheiten eingelegt. Das langsame, ausdauernde, genüssliche Fahren war irgendwie nicht mein Ding. Das merke ich hier jetzt schon. Es ist nicht unanstrengend, wenngleich ich immer gut voran komme. Auf jeden Fall muss ich mal in der Zukunft darauf achten,
langsamer zu fahren.

Ich erreichte den Alpisella und auch hier übewältigte mich das Panorama.Vorher heulte noch ein Kind herzzerreissend, weil es wohl keine Lust hatte mit den Eltern zu radeln. Wer den Aufstieg kennt, kann das auch ein wenig verstehen. Aber zurück zum Pass. Irgendwie hatte jedes Tal, jeder Pass seine eigene Stimmung. Nun hatte ich mir eine Pause verdient. Mittagessen wollte ich gleich am Fuße des Alpisella am Lago di Livignio. Ich fuhr den Pass nach einer RUhepause und Genuß der Umgebung herunter. Schotter, Spurrinnen durch Wasser, grober Schotter, entgegenkommende Wanderer und auch entgegenkommende (fast kollabierende) Mountainbiker.Es ist teilweise schon recht steil. Ja, und ich kann das nachvollziehen. Auch ich bin hier mal hoch. Meine Herren, ich kann mir nur vorstellen, dass ich 60% gegangen bin. Ich war überwältigt von der Steigung. Bergab ist sie OK, aber bergauf? Und ich kann jetzt auch mit Abstand noch besser verstehen, warum mein Spezi Frank, seinerzeit auf dem Alpisella die Tour abbrechen wollte. Hat er nicht gemacht, war ne tolle motivierende Truppe. Und es hatte sich seinerzeit ja auch gelohnt.

Zurück zu heute: Die Wegsituation erlaubte nur punktuell schnelles Fahren. Mal ging es langsam, mal bremste ich und mal konnte ich es laufen lassen. Mich überholte ein anderer Biker. Nicht dort,wo ich langsam war. Meine Herren, war der schnell. Er hinterließ eine Staubwolke, in der auch gleich drei Wanderer standen. Rücksichtslos. Ich fuhr langsam vorbei und die Wanderer bedankten sich. So geht ein Miteinander. Das ist der Respekt, der hier an so vielen Schildern hängt.
Nun, auch die steilste, schnellste Abfahrt hat mal ein Ende und so kam ich an den Lago di Livigno. Ich traute meinen Augen nicht. Da standen Menschenschlangen am Restaurant, um auf Einlass zu warten. Mit Maske, einer nach dem Andern. Aber komischerweise entgegen meiner Erfahrung auf der Tour hatten sie gar keinen Abstand. Nun wollte ich Abstand halten und zwar vom Essen hier.

Ich radelte gemütlich am Seeufer entlang, um zur Latteria di Livigno zu fahren. HIer sollte es -das ist schon fast Tradition- ein Eis sein. Und ich hatte Glück. Kaum eine Schlange und so bekam ich auch ganz schnell meien Bon, mit dem ich mein Eis abholen konnte. Was auffällig war, ist die Tatsache, dass hier in Livigno viele Soaziergänger und auch Biker eine Maske trugen. Nun gut, das ist das Eine. Aber etwas mehr Abstand in der Schlange vor der Eisdiele hätte ich mir gewünscht. Da war die ältere Dame auf der Bank nur noch der Punkt auf dem i, die ihr Eis schleckend mit weit geöffnetem Mund in die Gegend hustete. Keine Niesetikette. Einmal, zweimal, dreimal. Ich war weit genug weg und hatte jetzt auch genug von meinen 4 Kugeln feinstem Eis. So wollte ich mein Hotel anfahren. Das liegt nun am anderen Ende von Livigno.

Also fuhr ich durch die Fußgängerzone, die dem Ballermann wohl in nichts nachsteht. Die Restaurants waren voll. Wieder kein Abstand. Aber die meisten Menschen trugen eine Maske. Ich weiss nicht, wie ich das wewrten soll, aber ein ungutes Gefühl bleibt bei mir.

So war ich um 14 Uhr im Hotel, um zu lesen, dass erst um 15 Uhr eingecheckt werden kann. Die Tür ist zu. Na, das kenne ich doch mittlerweile. So genoss ich den Schatten auf einer Bank liegend und ließ den Tag Revue passieren. Bis ich das Rollen eines Koffers hörte. Es war Fabian, der Shuttler, der meinen Koffer brachte. Super. Nun habe ich gleich Wechselkleidung, wenn ich eingecheckt habe, kann Duschen und danach heute Nachmittag essen gehen. Da wird wohl nicht so viel los sein. Und ich habe die Chance, diese Zeilen hier zu schreiben, denn auch mein Laptop ist im Koffer.

So, eingecheckt habe ich auch. Mal wieder ein wudnerbares Hotel ausgesucht. Und die Regeln sind hier wieder ganz anders, als in Deutschland, Österreich, Schweiz. Das ist etwas, was ich hier von der Reise mitnehme. Es gibt in Europa ein Corona-Regel Wirrwar. Fangen wir mal an:

In Grainau konnte ich ohne MAske herum laufen. Jedoch musste ich in Geschäften und Hotels eine Maske tragen. Auch in der Höllentalklamm, wie ich ja berichtete. Dort, wo die 1,5 Meter Abstand nicht eingehalten werden konnte, war Maskenpflicht.

In Österreich ließ mich der nette Herr an der Rezeption gleich wissen, dass ich meine Maske absetzen könne. Diese ist in Supermärkten notwendig jedoch nicht bei Media Markt. Und auch im Hotel nicht. Verstehe das jemand. Und auch im Restaurant, in dem ich zu Abend aß war auch keine Maskenpflicht. Dafür war das
Frühstück schön hygienisch abgepackt. Die Säfte in kleinsten Flaschen, der Aufschnitt und Käse kam nach Bestellung aus der Küche. Brötchen wurden auch gebracht, so dass ich diese nicht selber nehmen konnte. Der Rest inkl. frischem Obst war verpackt am Buffet.

Kommen wir nach Südtirol. Dort musste ich im Hotel keine Maske tragen. Nur im Restaurant auf dem Weg zum und vom Buffet und am Buffet. Sonst war alles Maskenfrei. Und das Buffet war ganz normal. Jedoch musste man bei den Brötchen Handschuhe anziehen und es lagen zig Gabeln herum, dass jeder eine nehmen konnte, und sie dann nach Benutzung in einem Gefäß zu entsorgen. Ach, die Hände mussten vor dem Restaurant desinfiziert werden. Die Mitarbeiter wurden im Übrigen alle 2 Wochen freiwillig getestet. Auf Kosten des Arbeitgebers.

en der Schweiz, wo ich gestern nächtigte, intressierte sich niemand für eine Maske. Da hieß es lapidar, dass 2 Meter Abstand eingehalten werden sollen.
Aber am Kiosk waren Zeitungsausschnitte, dass es in der Schweiz ein Masken-Chaos gäbe. Verstehe, wer das will.

Nun habe ich hier in Italien eingecheckt. Ich muss nach 18 Uhr auf der Straße eine Maske tragen. Im Hotel sowieso. Und bei Ankunft hier wurde mein Fieber gemessen. Das war eine Prozedur, vor allen Leuten an der Rezeption die Hose runter ziehen,... nein, Scherz, das wurde mit einem Infrarotthermometer gemessen.
Aber das gab es bisher weder in einem Bundesland in Deutschland, noch in Österreich oder der Schweiz. Aber die Italiener sind ja insbesondere in der Lombardei, wo sich ja Livigno befindet (wenn auch 180 Auto-Kilometer vom Hotspot Bergamo entfernt) arg gebeutelt gewesen. Und da habe ich volles Verständnis.

Was mir aufgefallen ist, ist die Tatsache, dass dort, wo weniger Masken getragen wurde auch die Abstände noch weniger eingehalten worden sind. Die nette Dame in Südtirol an der Rezeption berichtete sogar, dass die Gäste ohne Maske ans Buffet gegangen sind, sich auf der Pelle standen und dann Essen, welches sie schon genommen hatten, wieder zurück gelegt haben. Da fehlt es dann doch an ein wenig sozialer Kompetenz.

So, die werde ich jetzt üben, da ich jetzt mein wohlverdientes Mittagessen essen gehe, damit ich nicht nach 18 Uhr noch mit der Maske auf die Straße gehen muss.

 

Nun noch einige Fotos vom heutigen Tag

 
Rückblick ins Val Müstair, wo ich herkomme



Kurz vor dem Döss Radond ein Wasserfall in Form eines Herzen



Am Döss Radond haben sich mein Fahrrad und ich eine Pause verdient



Ganz andere Eindrücke im Val Mora..



Durch diese hohle Gasse musste er kommen



GAnz andere Natur durch Murenabgänge im unteren Tal



Lago di Giacomo di Fraele



Am Alpisella sieht man noch den Ortler, der mich gestern begleitete

 

Published in Places to go
Tuesday, 25 August 2020 00:00

Früher war ganz schön viel Krieg hier...

Es ist schon geschichtsträchtig diese Region, in der ich mich auch heute wieder mit dem Mountainbike vergnügte. Und das beeinflusst nun auch meine Mountainbiketour von heute. Es ging von Glurns in Österreich über eine besondere Grenze nach Italien, welches ich heute Mittag wieder verließ, um nach Graubünden in die Schweiz zu fahren. Genauer gesagt nach Sta. Maria im Val Müstair (Münstertal).

Und wie die letzten Tage wollte ich früh los. 08:00 Uhr Pedale einklicken und ich wollte den Höhepunkt der heutigen Tour in Angriff nehmen. Dazu stand ich dann nach einer beruhigten Nacht in einem wunderbaren Zimmer bei grandioser Bergluft um 05:50 Uhr auf. Reisetasche fertig machen, Morgentoilette wie es so schön heisst, und ab zum Frühstück um 07:00 Uhr. Das Frühstück im Hotel Post in Nauders ist eine Wucht. Genau wie das gestrige Abendessen. Ich aß gesunde Brötchen (sprich, die mit den Körnern), weil es am heutigen Tag gleich nach dem Start in die Höhe gehen sollte.

Ach ja, Start sollte 08:00 Uhr sein. Ich war um 07:58 Uhr bereit einzuklicken, nachdem ich noch ausgecheckt hatte und meine Radwäschevon gestern, die ich noch  vom Wäscheservice zurück bekommen hatte, verstaut hatte. Doch halt, wo sind meine Handschuhe? Ich also noch einmal den Zimmerschlüssel geholt. Nein, dort waren sie nicht. Im Fahrradkeller? Fehlanzeige. Auf dem Weg zum Eingang verloren? Auch das nicht. Wie gut, dass ich sie dann noch einmal in meinem Rucksack gefunden habe. Just in dem Moment, als ich vor Frust meine kurzen Handschuh heraus holen wollte. Mal wieder ein typischer Ullrich. Wirr und einfach alt ;-)..

So konnte ich dann doch meine langen Handschuhe anziehen. Und das war auch bitter nötig. Denn es war wirklich schattig heute früh. Nicht 13 Grad von gestern. Ich vermute, dass wir heute früh unter 10 Grad hatten. Aber das war i.O. Mit Funktionsunterhemd, Radtrikot und Jacke lässt es sich aushalten. Und zwar so lange, bis es bergauf geht. Nun, das ging es gleich nach meiner Abfahrt um 08:15 Uhr. Anfangs noch recht moderat, um dann steiler zu werden, als ich vom Radweg in den Wald abbog. Ja, wohin denn eigentlich? Ich wollte heute früh gleich den Plamort in Angriff nehmen mit seinen berühmten Panzersperren.

Wie gesagt, es war kalt, doch ich musste bis zum Plamort ja schlappe 720 Höhenmeter hinter mich bringen. Ich fuhr so mein Tempo. Es war ggf. etwas hoch. Nach 45 Minuten sah ich links unter mir schon Nauders in der Ferne. Und es ging weiter auf losem Schotter. Das ist nicht gerade ein Vergnügen bei Steigungen von 10% und mehr. Das Rad bockte. Das ist einfach so, wenn grober Schotter unter den Rädern ist. Da kann man den Schwerpunkt auch noch so gut verteilen und eine Linie finden. Es bleibt nicht aus, dass ich einen Stein nicht sehe und das brems das Rad ab und kostet Kraft. Nicht einmalig, aber wenn das mehrfach passiert (und gerade an Steigungen), dann ist das kräftezehrend und ärgerlich.

Mich überholten zwei Servicefahrzeuge der Almbahn hier und über mir flog mittlerweile ein Rettungshubschrauber. Tolle Erfindung, das muss man sagen. Ist er in der Stadt ggf. nicht so wichtig. Aber hier in den Alpen ist er mit seiner Besatzung der Lebensretter  Nummer 1. Schneller ist ein Notfall nicht erreicht. Na, hoffentlich heute früh nichts schlimmes. Ich fuhr weiter und es wurde wieder ruhig. Bis zur Stieralm. Dort hätte ich rechts den Bunkertrail fahren können, oder gerade aus weiter. Wo ging die Ulp-Route lang, die ich ja abfahren wollte? Navi an - und Navi aus. "Low Batteries". Nicht schon wieder! Ich hatte heute früh wieder meine Batterien geprüft. Wie gut, dass ich heute (im Gegensatz zu gestern einen Reservesatz dabei hatte). Also Batteriewechsel und es ging gerade weiter. Noch eine kleine Steigung, um dann auf einer Skipiste abzufahren. Sie war sehr rutschig voll Geröll, aber kein Proboem zu fahren. Und so ging es noch an einem kleinen Stausee (besser Stauteich) vorbei, bis ich ihn unter mir sah: Den Plamort. Das ist eine Hochebene, die ein Hochmoor ist. Merkte ich auch gleich, weil mein Rad kurz einsank. Na muss, ich es heute Abend wieder reinigen.

Und am Plamort sind diese Panzersperren. Ich schrieb es gestern schon, dass mir der Krieg und die Schlachten hier in der Gegend (die im ersten Weltkrieg stattfanden) nicht verständlich sind. Hier am Plamort ist jedoch ein geschichtliches "Exponat" aus dem 2. Weltkrieg. Da soll diese Hochebene strategisch so wichtig gewesen sein, da sich Italien vor einer Invasion Deutschland schützen wollte. Diese Panzersperren bestanden aus Bunkern (daher der Name Bunkertrail), von denen ich auch gleich linksseitig zwei sah. Weiterhin aus diesen Panzersperren im engeren Sinn. Sie sind gar nicht so lang hier, die Betonpfähle, die auch noch Stahlspitzen haben. Einen Panzer mögen sie aufhalten, mein Mountainbike jedoch nicht. Natürlich machte ich einige Fotos und stellte mir wieder die Frage, ob das alles nötig gewesen ist. Ironischerweise wurde funktionsfähige Anlage kampflos von Italien an die Deutschen übergeben, als 1943 der Einmarsch nach Italien aus Österreich stattfand.

Ich war alleine hier oben. Kein Wanderer, kein Biker. Das änderte sich gleich, als eine Gruppe Downhiller hier ankam. Sie fuhren auch gleich weiter zum wohl bekanntesten Übersichtspunkt über den Reschensee. Ich fuhr ihnen hinterher. Die letzte kleine Steigung überwindend öffnete sich das Panorama mit dem Ortler vor mir. Ich sah ihn schon etwas vorher, als ich am Stauteich war. Aber diese Perspektive war schon toll. Die weite Hochebene und in der Ferne der höchste Berg der Ostalpen. Ich machte ein Foto und fuhr zu dem besagten Felsen, wo wohl jeder Mountainbiker ein Foto von sich macht. Ich nicht, denn das finde ich affig. Ausserdem haben die Downhiller den Felsen besetzt. Mit Bike, Handies und Drohne, die um sie herum flog. Ich denke, das muss nicht sein. Denn das gesurre ist schon nervig. Aber jedem das Seine.

Es sollte links weiter gehen. Halt, da war ein Schild "Gesperrt". Bunkertrail ebenfalls gesperrt, wegen Murenabgang. So blieb noch der Forstweg, der mich innerhalb von 15 Minuten wieder runter zum Reschensee brachte. Ich versprach in meinem Blog von gestern, dass ich heute noch etwas über den Reschensee schreibe. Er liegt unweit unter der Quelle der Etsch. Die Etsch ist der zweitlängste Fluß Italiens (nach dem Po) und fließt nach seinem Entsprung durch den Reschensee. Der Reschensee ist nun kein natürlicher See, sondern ein Stausee. Das hier gestaute Wasser (es sind immerhin 120 Millionen Kubikmeter) wird u.a. zur Stromgewinnung genutzt. Doch so alt ist der Stausee gar nicht. Die Idee ist schon etwas älter, doch gebaut wurde er erst nach dem 2. Weltkrieg von 1947-1949. Doch das war sicher nicht unumstritten. Denn als der Stausee angelegt worden ist, mussten einige Orte geflutet werden. So auch die Dörfer Graun und ein Teil von Reschen. Die Einwohner und Grundbesitzer wurde zwangsenteignet. Unter Zwang wurden sie umgesiedelt. Das hat sicher nicht jedem gefallen.

Aber ein Wahrzeichen, der heute noch an die gefluteten Orte erinnert ist der Kirchtum einer Kirche aus dem 14. Jahrhundert, der im Reschensee zu sehen ist. Und den Kirchtaum schaute ich mir gleich an. So wie viele weitere Touristen. Es wurde unruhig hier am See. Viele Radfahrer -teils hatte ich den Eindruck, dass sie erstmalig auf dem Fahrrad saßen.Ein Beinaheunfall zwischen zwei Kindern, die fast frontal zusammengestoßen wären. Blos weg hier. Und so gab ich "Hackengas" und fuhr die Uferpromenade, den Uferradweg bis zum Haidersee. Hier war es etwas ruhiger. 3 Fischer saßen in ihren kleinen Booten und fischten, während ich den Vinschgauer Radweg talwärts fuhr. Es sind schon viele Radler unterwegs. Viel mit E-Bikes. Das macht bergauf auch Sinn, wenn man das Radeln nicht gewohnt ist. Denn einige Steigungen sind schon happig. So kamen mir Ehepaare, Gruppen, offensichtlich frisch verliebte und auch einzelne Radler entgegen. Nicht jeder hatte ein Lächeln auf den Lippen. Teilweise hatte ich den Eindruck, dass der eine Partner vorne das Tempo vorgab und Freude am Radeln hatte. Währenddessen ist der andere Partner missmutig hinterher gehetzt. Ja, das konnte ich mehr als einmal beobachten.

Denn für mich war das Radeln nicht anstrengend. Ich fuhr von 1500 MEter ü.N.N., dort wo die Staudammkrone liegt hinab auf 900 Meter ü.N.N. Genauer, in die mittelalterliche Stadt Glurns. Natürlich gab es wenige Gegenanstiege, aber tendenziell ging es bergab. 30 km/h Schilder waren am Radweg aufgestellt. Wer erreicht schon solche Geschwindigkeiten (mit Ausnahme der Rennradler). Nun, das sah ich dann auch zwischen Burgeis und Glurns. Ein nettes Schild zeigte mir einen traurigen Smiliey, gefolgt von der Geschwindigkeitsangabe 49 km/h. Nun gut, so kann ich mich täuschen. Aber nach etwas Bremsen fuhr ich dann langsamer. So lange, biss mein Fahrrad wieder Fahrt aufnahm. Da kann man gar nix machen. Das geht ganz schnell, bzw. fährt dann ganz schnell.

Ja, un dauf dieser Strecke sah ich linksseitig wieder einen Bunker. Ich weiss, dass er hier im oberen Vinschgau schon einige der alten Überreste des zweiten Weltkriegs gibt. Restauriert und bewohnt, oder einfah leer stehend. Als Mahnmal? Oder einfach so. Ich weiss es nicht. Aber es ist schon bizarr, wenn man linksseitig ein neues Wohnhaus sieht und keine 100 Meter entfernt steht auf der gleichen Wiese ein Bunker, der dreimal so groß ist. Kurzer Fotostop und weiter ging es nach Glurns.

Ja, Du glaubst es nicht. In diesem kleinen Kaff ist um 11:30, als ich dort ankam, mehr los als in Goslar in der Fußgängerzone an einem Sonnabend. Radler, Wanderer, ältere Leute, jüngere Menschen. Alles was laufen und Radeln kann, ist auf den Beinen. So war mein Eindruck. Ich steuerte sehr schnell das Gasthaus Grüner Baum an. Eine Empfehlung aus einem Transalp-Buch. Und da ich schon einmal am Geburtstag meiner Schwester da war, wollte ich hier mein Mittagessen einnehmen. Ich bestellt Nudeln mit Pfifferlingen. Und sowohl das Essen, als auch die freundliche Bedienung waren ein Gedicht. Ich finde, man erlebt immer weniger freundliche Servicekräfte bei uns zu Hause. Zumindest ist das meine Wahrnehmung und mein Eindruck. Hier im Alpenraum habe ich das noch nicht einmal erlebt.

Mir fiel meine Weiterfahrt um 12:15 Uhr auch nicht so leicht. Denn das Treiben auf diesem kleinen Marktplatz war schon sehenswert. Ich hätte noch stundenlang sitzen können und die Menschen beobachten können. Doch ich hatte noch einmal 500 Höhenmeter zu überwinden. Das sollte nicht ganz so steil werden, denn noch 15 Kilometer trennte mich von meinem Tagesziel Sta. Maria im Val Müstair. Ich kannte den Weg. War ich ihn doch mit dem einen meiner zwei besten Freunde Frank auf der Go-Wild Tour "Best of Trails" gefahren. Und so genoss ich die Sonne, die schon seit einigen Stunden schien und radelte so vor mich hin. Bis ich das Schild sah: "Gesperrt für Radler". Ich wollte gerade umkehren, um die STraße zu fahren, als mir ein Ehepaar aus dem Wald entgegen kam. Tja, wer redet, dem kann geholfen werden. Und so erfuhr ich, dass ich bis zu den nächsten Häusern fahren kann, um dann eine dort ausgeschilderte Umleitung zu nehmen. Die führte in praller Sone über einen Asphaltweg durch tiefgrüne Bergwiesen. Der Geruch war herrlich. So wie im Übrigen heute früh, als die Feuchtigkeit des Taus noch in den Wiesen lag und diesen einmaligen Bergwiesdengeruch hervor brachte. So nun auch hier im Val Müstair.ich kam gut voran, bis ich an diese eine Steigung kam. Plattenweg! Ich erinner mich noch genau an Frank vor 3 Jahren. Es war nicht gerade das, was man Motivation nennen konnte, was Frank von sich gab. Er war seinerzeit vom ersten Tag unserer Tour schon ziemlich fertig und es war heiß. Aber Frank hatte sich durchgebissen. Und das habe ich hoch geschätzt seinerzeit, als ich ihn auf seiner ersten Transalp begleitete, die ggf. dann doch eine Nummer zu schwer für die erste Tour war.

Heute ging es gut aus. Ich war noch fit und erreichte so um 13:30 Uhr Sta. Maria. Mein kleines Hotel war offen. Niemand zu sehen. Ein Schild stand dort: "Beziehen der Zimmer von 15 Uhr bis 18 Uhr". Nun gut, was mache ich in einem Dorf mit knapp 300 Einwohnern? Ich ging die Straße, die sehr eng für eine Durchgangstraße ist, die zum Ofenpass führt, auf und ab. Ein Bus quälte sich durch die enge Gasse. Links und rehts des Spiegels nur knapp 10 cm Platz. Ein kühles Getränk aus dem kleinen Lebensmittelladen am Ende des Dorfs füllte meinen Wasserhaushalt wieder auf. Denn meine Trinkblase im Rucksack war 1 km vor Sta. Maria leer. Da habe ich wohl nicht aufgepasst und hätte mal vorher an einem Brunnen auffüllen sollen.

Wie dem auch sei. Punkt 15 Uhr bekam ich mein Zimmer. Eine tolle Aussicht. Genau auf die Bergkette, die ich morgen auf dem Weg nach Livigno überqueren muss. Das Hotel Crush Alba ist eines von drei Hotels, die ich hier gefunden hatte. Und es ist genau das Hotel, wo die Ulp-Gruppe, die parallel zu mir fährt, nicht nächtigt. Also holte ich noch mein Gepäck aus dem anderen Hotel, das ganze 61 Meter von meinem Domizil entfernt ist und genieße nun nach einer kühlen Dusche mit Arven-Seife (das richt schon sehr gut) meinen Ausblick in die Berge bei zunehmenden Wolken und entspanne. Wenn da doch der Rasenmäher nicht gewesen wäre, der hier eine Lautstärke verbreitete, die den örtlichen Dorfach noch übertönte. Ach ja, was ich noch sagen wollte zum Hotel:

Das Hotel ist das älteste Gasthaus hier im Tal. Wurde schon im 15. JAhrhundert gebaut. Früher diente es als Säumerherberge. Da komme ich mir doch gleich gut aufgenommen vor. Bin ich im Augenblick nicht auch eine Art Säumer, der mit seinem Drahtesel eine Last über das Gebirge transportiert? Bei dem Gewicht meines Rucksacks mit Erstehilfe Ausstattung, einem halben Werkzeugkoffer, Regenklamotten, Ersatzkleidung, Telefon für den Notfall, Corona-Hygiene Basisausstattung und meinen 2 Liter Wasser in der Trinkblase mag man schon meinen, dass ich das Lasttier bin. Doch zurück zum Hotel. Es hat gebrannt. Und zwar im Jahr 2003 wurde das 2. OG, in dem ich residiere von einem Großfeuer zerstört. Doch es wurde wieder aufgebaut. Und ich muss sagen, es ist wunderschön. Es ist wahrscheinlich das urigste Hotel, in dem ich je auf einer Alpentour gewohnt habe. Schaun wir, wie die Nacht wird. Ich werde morgen berichten, wenn ich den nächsten Blogeintrag über die Etappe von Sta. Maria nach Livigno schreibe. Dort liegen gleich in der Früh 900 Höhenmeter auf 11 kim vor mir.

Zum ABschluß jedoch noch etwas, womit ich heute früh begonnen habe: Es begann mit dem Kriegsbauwerk auf dem Plamort und ich sah hier in Sta. Maria eine Skulptur, die auch mit Krieg zu tun hat. Nicht unweit von hier, am Stilfser Joch standen sich im 1. Weltkrieg Soldaten dreier Nationen, dreier Kulturen, dreier Sprachen gegenüber. Die Italiener und Österreicher, die im Krieg waren und die Schweizer, die aufgrund ihrer Neutralität diese Kämpfe kritisch beobachteten, um im Zweifelsfall ihre Neutralität durchzusetzen. Die Skulptur, die ich vor dem Dorfmuseum fand, vereinigt nun symbolisch diese 3 Staaten und erinern an die furchtbare Zeit. Als ich die Skultur sah und darüber las, fand ich, dass das den Tag heute so richtig abrundet. 

Nun noch einige Fotos vom heutigen Tag

 
Nach 45 Minuten Rückblick auf Nauders



Der Plamort mit dem Ortler im Hintergrund. Lohn meiner ersten Mühen am frühen Morgen



Die Panzersperren



Die Sperren mögen einen Panzer aufhalten, aber kein Mountainbike



Hier kam ich zur Ruhe und genoß den einmaligen Ausblick



Der Standardblick von hier oben über den Reschensee.Im Hintergrund der Ortler, der mich den ganzen Vormittag visuell begleitete.



Der Kirchturm von Graun, mal aus einer ganz anderen Perspektive



Häuser in den Alpen können wir uns nicht leisten. Ggf. dieses hier als Investitionsobjekt. Der Blick auf die schneebedeckten Berge sollte doch Grund genug sein, über die Invesition nachzudenken. Teuer kann das hier ja nicht sein. Und Oskar kann beim Renovieren mit helfen.



Bunker und Wohnhaus



Heute herrscht Frieden zwischen den Ländern. Das war nicht immer so. Eine Skulptur, die einen Schweizer Soldaten, einen italienischen Soldaten und einen Österreichischen Soldaten darstellt. Wer erkennt, wer wer ist?

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 So, nun bin ich also hier. Alleine auf meiner Mountainbike-Tour. Sozusagen Ullrich allein in den Alpen. Ich fahre also die Nationalparkpanorama Tour von Ulp im Light-Level ab. Mulmig ist mir schon, weil alleine doch ein anderes Gefühl ist, als mit Begeleiter. Was passiert, wenn ich stürze? Wenn ich einen größeren technischen Defekt habe, oder mich einfach nur verfahre? Ich hoffe mal, dass nichts passiert. Aber für den ersten Fall habe ich ja mein Tocsen Sturzsensor. Meine Notfallkontakte kennen die notwendigen Rettungsleitstellen, sollte etwas passieren. Dann habe ich noch meine Fahrgemeinschaftsapp an, bei der Claudia auch immer sehen kann, wo ich bin. Datenschutztechnisch, dank Frank Behrens einwandfrei implementiert. Und dann gibt es ja noch die Ulp-Gruppe, die parallel fährt. Ich versuche immer 30 MInuten vor ihr zu fahren, so dass im Fall von Problemen noch weitre Biker auf meiner Strecke sind. So habe ich sozusagen eine dreifache Sicherung. Aber wie geschrieben: Am Besten ist natürlich, wenn nichts passiert. Das wünsche ich mir.

Am Sonntag ging es nun aus Grainau, wo ich die letzte Woche mit Claudia Urlaub machte nach Prutz. Früh aufstehen, Claudia zum Bahnhof bringen, die Ferienwohnung räumen und Claudias Bike in Grainau abgeschlossen abstellen. So war der Plan. Ich traf dann auch noch einen Guide -oder besser Guidin- von Ulp. Und nach einem Gespräch habe ich mich doch entschieden, das Bike mit nach Prutz zu nehmen. Hier kann es auch abgeschlossen stehen. Ursprünglich wollte ich noch von Imst zum Kaunergrat und über die Fließer Platte nach Landeck und zurück nach Imst fahren, bevor ich dann mit dem Auto nach Prutz im Tiroler Oberland fahren wollte. Aber irgendwie war ich am Sonntag nicht so motiviert, die Berge lagen in dichten Wolken und bei Nebel macht so eine Fahrt zum Kaunergrat keine rechte Freude. Und so entschied ich mich, gleich nach Prutz zu fahren. Nun, das war ein Fehler. Ich hatte ja sooo viel Zeit. Prutz ist halb so groß wie der Friedhof von Chicago. Aber irgendwie ist es hier doppelt so tot, wie dort. Ich ging ein wenig spazieren, kenne jetzt jede Straße des kleinen Ortes, der an der viel befahrenden B180 im Oberinntal zwischen Landeck und Grenze in die Schweiz (Unterengadin) bzw. Italien (Reschenpass) liegt.

Nun gut, so habe ich mich ein wenig ausgeruht, bis ich dann um 15 Uhr meine Unterkunft beziehen konnte, noch einmal mein Gepäck für die nächsten Tage kontrolliert und auch aussortiert habe. Ich habe mich auf die erste Etappe gefreut. Laut meiner Pflotsch App, die eigentlich immer hervorragnde Wettervorhersagen anbietet, sollte es auf meiner ersten Etappe nicht ganz so warm werden. 14 Grad Celsius. Und um 16 Uhr sollte mich Regen erwarten. Also hieß es etwas Gas geben.

Aufgrund des Wetters entschied ich mich für eine Abfahrt um 08:00 Uhr. Das hieß 06:00 Uhr aufstehen, 07:00 Uhr Frühstück, Sachen packen und los fahren. Das frühe Aufstehen war nicht schlimm, weil die Nacht sowieso eine Katastrophe war. Mir war heiß. Entweder war es die Bettdecke im Hotel, die mich zum schwitzen brachte, oder das Zimmer war so heiß. Ich war gefühlt mehr wach, als dass ich schlief. Und so war ich auch vor meinem Wecker, der mich auf meiner Tour jeden morgen mit Good morning life begrüßt, wach. Schon nach dem Packen der Tasche war ich wieder durchgeschwitzt. Irgendetwas stimmt mit mir nicht. Mal sehen, wie der Tag werden wird.

So fuhr ich dann pünktlich um 07:55 Uhr los. Die ersten 30 Kilometer waren kein Problem. Asphaltierter Radweg entlang des oberen Inntals. Im Übrigen heißt das obere Inntal auch "Oberes Gericht". Ich sah gestern eine Rettungswache des Österreichischen Roten Kreuzes die mit "Rettungswache Oberes Gericht" markiert war. Irgendwie erinnerte mit das an das "Jüngste Gericht" und ich fand den Namen komisch. Die Lösung kam heute auf dem Weg nach Martina in Graubünden. Als ich an der Grenzbefestigung und Gerichtsstätte Altfinstermünz vorbei fuhr, so wurde mir die Bedeutung klar. Den dort wurde beschrieben, dass das oberste Inntal eben auch Oberstes Gericht heißt. Weiter erfuhr ich über Altfinstermünz, dass die Innschlucht, wo die Befestigung liegt, ein eiszeitliches Bruchtal ist. Links und rechts des Inns bestehen die Gesteine aus Bündner Schiefer. Und genau dort liegt Altfinstermünz. Finster im Tal.

Und so fuhr -bzw. schob- ich mein Mountainbike einen Wurzeltrail wieder in Richtung Straße. Denn ich musste ja weiter bis Martina, dem Grenzübergang in die Schweiz. Es war schon anstrengend. Fast oben angekommen, sah ich, dass auch ein Forstweg von unten hier hoch ging. Nur war die Route, die ich von ulp bekommen hatte, eben die über den Wurzeltrail. Na ja, auch das habe ich geschafft, um mich gleich wieder aufs Rad zu setzen und weiter die Straße in Richtung Martina zu fahren.

Es waren 13 Grad als ich in der Früh los fuhr. Ich hatte meine Radlerhose, ein Unterhemd, ein Trikot und eine Radjacke an. Und ich habe wie wild geschwitzt. Mir war trotzdem kalt. Oder ggf. gerade dewegen. Und so zog ich meine Jacke in Altfünsterminz aus, um sie oben auf der Straße wieder anzuziehen. Mir war ja in der Früh schon so, als ob etwas nicht ganz normal ist. Egal, es musst ja wieter gehen.

Nun, nach genau zwei Stunden erreichte ich das 30 Kilometer entfernte Martina, überfuhr die Grenze und fuhr noch wenige Kilometer, bis die Steigung begann. Eine Steigung, die dauerte. Sie war aber gut zu fahren. Nach 45 Minuten war ich auf 1300 Meter ü.N.N. Auf der anderen Seite des Inntals sah ich Tschlin. Erinnerungen an den letzten Dienstag kamen hoch. Ich war schon fast auf der Höhe von Tschlin (1500 Meter ü.N.N) und mir ging es um Längen besser, als letzten Dienstag. Mein Tempo war angepasst und mir ging es gut. Ich überholte zwei weitere Mountainbiker, die über Nauders heute noch nach Meran wollten. Ui, das wird knapp. Eine Banane fand den Weg in meinen Magen und es ging weiter...

Ich fuhr am Schwarzen See und am grünen See vorbei und und nun wurde es spannend. War der Weg zum ersten See bis auf die letzten 500 Meter eine Forststraße, über die ich die vielen Höhenmeter überwunden hatte, so änderte sich das schlagartig. Erst fuhr ich über Holzstege, bevor Wurzeltrails die Fahrt schwerer gestalteten. Am Schwarzen See angekommen war ich doch recht traurig. Ich sah keinen See. Nur Schilf. Das konnte doch nicht sein. Hier soll man doch baden können. Nun, da war Ullrich wieder zu schnell. Noch 100 Meter und ich sah den schönen Bergsee mit Seerosen (oder so etwas ähnlichem - wer mich kennt, weiss, dass das Flora und Fauna nicht meine Spezialität ist). Es waren auch schon Wandeer hier, die wohl baden wollten. Die Zeit wollte ich mir nicht geben, denn es stand ja immer noch Regen zwischen 15 und 16 Uhr ins Haus. So ging es weiter.

Wieder auf einen Forstweg. Dieser wurde steiler und mich überholt ein E-Mountainbike. Ich weiss, dass ich mehr geleistet habe, aber frustrierend ist es immer wieder, an einer Steigung überholt zu werden, während ich mich quäle. Und wenn man dann noch sah, wie der Fahrer saß. Wie auf einem Holandrad die Parade vor der Eisdiele in der Innenstadt abnehmend. Ich kämpfte weiter und war auch bald am Ende der Forststraße. Und da saß der E-Mountainbiker. Kaputt. Fand ich nicht schlimm ;-). Links ab und über eine Brücke, ein Wurzeltrail und schon war ich beim zweiten See.

Interessant war, wie hier eine Hochspannungsleitung gewartet und repariert wurde.Ich beobachtete die Leiterkonstruktion an den Strommasten und schaute ein wenig zu. Die Spezialisten waren noch höher als ich. Doch das sollte sich bald ändern. Denn jetzt kam eine Schiebepassage. Und die war die nicht vergnügungssteuerpflichtig. Mein Rucksack wiegt über 10 Kilogramm. Mein Rad ca. 15 Kilogramm und ich bringe zwischen 80 kg und 90 kg auf die Waage.  All das musste nun nach oben gebracht werden. Über einen Wanderweg, der nicht viel schlimmer hätte sein dürfen. Die Stufen waren so hoch, dass selbst ich mit meinen langen Beinen manchmal Schwierigkeiten hatte, die Stufe zu nehmen. Aber danach wird sicher alles besser...

Ha, Ha, hätte ich auch gedacht. Nein, es wurde zwar ein schönerer Weg, aber es ging immer noch bergauf. Musste es auch. Denn die Tour heißt ja Nationalpark Panorama. Und um eine Panorama in den Alpen zu haben, muss man ja schon etwas oben sein. Und das hat die Anstrengung dann auch ausgeglichen. Denn es ist toll gewesen, hinunter in das Inntal zu sehen, dort wo ich herkam.

Ich sprach Eingangs von Gegensätzen. Ja, das hatte ich auch hier. Asphaltstraße, Asphalt Radweg, Schotterwaldweg, Wurzeltrail und Wiesentrail. Mehr Abwechselung geht ja kaum.

Ich fuhr weiter, musste ab und zu noch mal schieben, als mir ein Downhiller entgegen kam. "Hast Du Probleme?". Ich verneinte. Da hörte ich "Nur, dass Du wohl die falsche Richtung gewählt hast". War lustig, wenngleich ich ab und zu den gleichen Eindruck hatte. Aber irgendwann sind auch diese Anstrengungen hinter mir geblieben. Es ging gerade und leicht bergab. Und siehe da, was ist denn das? Auf meinem Weg war doch ein Wehrbau aus Zeiten des Krieges. Ich werde es nie verstehen, warum man in den Bergen teils so erbittert gekämft hat. Nun gut, dieser Bau hatte nicht die Exposition, wie der Wehrbau am Borchetta die Forcola. Aber trotzdem war die Ruine für mich befremdlich.

Nun ging es wieder tendentiell bergauf in Richtung Reschener Alm. Dort wollte ich mein Mittagessen einnehmen. Und nach genau 5 Stunden und 50 Kilometern war ich an der Reschener Alm. Auch hier wieder Gegensätze. War ich auf meiner heutigen Tour fast immer alleine (mit Ausnahme der Begegnungen mit den genannten Fahrradfahrern und Wanderern an den Seen), so war hier wieder Touristen-Mekka angesagt. Ich fand jedoch eine ganze Bierzeltgarnitur für mich etwas weiter oben hinter der Hütte, aber irgendwie war es schon recht unruhig hier. Das Essen sollte gut schmecken und so bestellte ich einen Kaiserschmarrn. Es war viel. Viel zu viel. Trotz meiner Anstrengung heute. Aber er hat gut geschmeckt. Wenn ich auch schon bessere, fluffigere Kaiserschmarrn gegessen habe. Und ein weiterer Gegensatz  sollte noch thematisiert werden. Es war keine 13 Grad mehr kalt. Es war warm. Die Sonne schien, wenn auch schon viele Wolken am Himmel erschienen.

Meine italienische Bedienung zog die Hose aus. Es war heiß. Sie war heiß. Zumindest, wenn man ihrer Aussage glauben konnte. Denn nachdem sie auf einmal eine Hot-Pants an hatte und nicht mehr ihre mit Löchern durchzogene Jeans, sprach ich sie auf den Hosenwechsel an. Keck sagte sie, dass sie so viel laufen müsse (und ja, sie hat wirklich hin und her gewirbelt, um die vielen Bestellungen aufzunehmen) und sie heiß sei. Was sie wohl damit meinte? Wahrscheinlich meinte sie, dass ihr heiß war und nicht sie heiß war. Ich wäre froh, wenn ich so viel italienisch sprechen könnte, wie sie Deutsch. Und so ist es klar, das ich mich nicht lustig machte sondern über dieses Wortspiel innerlich sehr erfreut war.

Nach 45 Minuten verließ ich die Reschener Alm wieder. Just in dem Moment, als die beiden Mountainbiker, die noch nach Meran wollten, ankamen. Wir sprachen noch kurz, bis ich meine Fotos machte. Denn die Reschener Alm ist nicht nur wegen der Speisen bekannt, sondern hat auch einen wunderbaren Überblick über den Reschensee. Frage nicht, wie toll das aussah. Selbst das anwesende Fleckvieh genoss offensichtlich zwischen dem Grasen den Blick hinunter.

Wie gesagt, ich fuhr nun nach unzähligen Fotos wieder zurück. Der See änderte immer wieder sien AUssehen. WEil auch die Wolken sich stetig änderten und so zu dunkleren und helleren Flecken auf dem See in unterschiedlicher Anordnung sorgten. Ich fuhr in 15 Minuten knapp 500 Höhenmeter herunter, um dann noch vom Reschensee zurück nach Nauders zu fahren. Hier hatte ich auf den letzten Kilometern so viel Gegenwind, dass ich doch bergab treten musste. Egal, das Ziel war im Blick, die Naudersburg linksseitig vor mir.

Morgen wird es den Weg wieder zurück gehen, um ein weiteres Highlight hier in der Ecke anzufahren: Den Plamort mit ebenfalls grandiosem Blick auf das obere Vinschgau mit sienem Reschensee.

So konnte ich nach nur 4:42 Stunden in Bewegung und nach 63 Kilometern und 1486 Höhenmetern mein Hotel erreichen, welches sehr schön ist. Nun genieße ich noch den Abend, erhole mich und freue mich auf den morgigen Tag, an dem ich über Plamort zum Reschensee und dann weiter über Glurns ins Val Müstair fahren werde.

Ach ja, was ich fast vergessen hätte: Ich habe mich heute EINMAL verfahren. Und das war gut. In Pfunds bog ich falsch ab und merkte es recht schnell. Ich schaute auf mein Navi und was sah ich?: "Batterie schwach". Na, das hatte mir gerade noch gefehlt. Aber ich hatte Glück und habe im örtlichen Spar noch schnell Batterien kaufen können. Im 8er Pack. 2 benötigte ich. Somit fuhr ich das zusätzliche Gewicht von 6 Batterien unnütz mit mir herum. Warum die Akkus leer waren, ist mir ein Rätsel, denn gestern waren sie ja noch voll.

So jetzt, eine Johannisbeerschorle und der Nachmittag kann beginnen. Liebe Grüße aus Nauders

 

Nun noch einige Fotos vom heutigen Tag

 
Altfinstermünz im Inntal. Eine Grenzfestigung und Gerichtsörtlichkeit



Tschlin, der Ort, den ich letzte Woche beschrieb, mal von der anderen Seite gesehen. Sieht gar nicht so hoch und schlimm aus ;-)



In der Höhe überwiegt die Einsamkeit in der wunderbaren Natur



Am Grünen See angekommen



Auch hinter dem Grünen See habe ich das, was ich immer beim Biken möchte, genossen: Einsamkeit und großartige NAtur. So konnte ich zurück ins Inntal schauen, wo ich heute herkam.



Weiß der Teufel, wozu man an dieser STelle ein Wehranlage benötigte.



Im Gegensatz zur Kuh auf dem Eingangsbild, genoss ich nicht die Bergkulisse, sondern ein Selfie musste für die Erinnerung her (obwohl, muass es das wirklich?).



Hier noch einmal ein Blick auf den Reschensee. Die unterschiedlichen Farben sind durch die Sonne und Bewölkung hervorgerufen. Mehr zum Reschensee dann auf der nächsten Etappe..



Der Holzsteg, über den es zum Schwarzen See ging...Sehr angenehm zu fahren.



Das heutige Ziel Nauders ist erreicht. Hinter der frisch abgemähten Bergwiese ist das Schloss Naudersberg zu sehen

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Friday, 21 August 2020 00:00

Schmankerl in Oberbayern

 Kommen wir einmal zu den Schmankerln hierin Oberbayern. Nicht nur die kulinarischen, sondern auch die natürlichen. Und so haben wir an zwei Tagen den Fokus nicht  auf das Mountainbiken gelegt, wenngleich wir das Mountainbike nutzten, um die Schmankerl zu erfahren.

So ging es gestern bei strahlendem Sonnenschein los in Richtung Eibsee. Dieser See gilt als einer der schönsten Seen in den Bayerischen Alpen und es ist so kein Wunder, dass sich dort Wassersportler, Wanderer und ja, auch wir Mountainbiker sozusagen die Klinke in die Hand geben. Nicht schön, aber so ist das nunmal an einem touristischen Highlight. Doch bevor wir die Menschenmassen mit unseren Rädern durchfuhren, hieß es aus Grainau (ca 750 m. ü N.N.) erst einmal 200 Höhenmeter zu radeln. NAch einem asphaltierten Weg durch die Wiesen gibt es drei Alternativen, zum Eibsee zu fahren: Erstens die Straße. Das ist für uns keine Alternative gewesen. Außerdem ist sie gestern auch gesperrt gewesen. Zweitens ein Wanderweg (linksseitig) und ein zweiter Forstweg (rechtsseitig berauf sehend). Wir entschieden uns für den Forstweg, der auch einige knackige Steigungen beinhaltet. Und das bei losem Schotter und teilweise Wurzelpassagen.

Wir meisterten den Weg prächtig, die Luft reichte aus, die Muskelkraft auch und so waren wir auch recht schnell oben am Eibsee. Dort war sie dann, die Touristenmasse, zu der wir ja auch gehören. Und so war es eigentlich nicht richtig möglich, den Eibsee unter der Zugspitze in RUhe zu genießen. Nun gut, einige Fotos haben wir machen können und sind weiter um den See herum geradelt. Ein Schmankerl ist er mit seiner Wasserfarbe allemal und diese konnten wir immer wieder auf dem Weg um den Eibsee herum genießen.

Wir sind noch einige Kilometer weiter gefahren, erst richtung Hochthörlehütte, um dann über die Neuneralm zurück nach Grainau zu fahren. Aber das war eher "Ideal Standard", als ein Schmankerl.

Nach der körperlichen Betätigung hatten wir uns jedoch auch ein kulinarisches Schmankerl verdient. Und so fuhren wir am Abend noch nach Unterammergau. Und zwar zum dortigen Ratscherwirt. Ein Gasthaus/Wirtshaus, welches sich moderner bayerischer Küche verschrieben hat. Und das obige Eingangsfoto spricht Bände. Denn das Essen ist nicht nur nett angerichtet, sondern schmeckte uns auch vorzuüglich. Ein gutes Restaurant in einer knapp 1500-Seelen Gemeinde, das bei uns zu Hause seines Gleichen suchen würde. Und da wir reserviert haben, konnten wir einen schönen Abend genießen. Ohne Reservierung? Keine Chance.

Dank Corona ist die ganze Gegend hier "überbucht", wie uns ein Einheimischer sagte. Garmisch ist überfüllt, Oberammergau ist überfüllt, Grainau ist überfüllt. Und da sich einige Restaurants trotzdem ein/zwei Ruhetage die Woche gönnen, ist es ohne Reservierung in vielen Orten schwer möglich, in einem Restaurant zu essen. Ich verstehe das nicht. Wenn ich als Unternehmer Ausfälle von 2 Monaten durch den Lock-Down im Frühjahr hatte, würde ich doch alles dafür tun, die Verluste wieder herein zu holen. Und ggf. würde ich auf meinen Ruhetag verzichten. Keinesfalls würde ich zwei Ruhetage machen. So schlimm kann der Ausfall im März/April/Mai dann wohl nicht gewesen sein. Oder liegt es an den hohen Hygienekosten, an fehlendem Personal, an Arbeitszeitbeschränktung? Ich weiss es nicht, würde jedoch flexibler agieren.

Nun, das Abendessen war eine Wucht. Wir haben es mehr als genossen. Wer mal in der Gegend ist, dem sei der Ratscherwirt empfohlen. Im Übrigen genauso wie das Eiscafe Paradiso in Oberammergau. Und weil wir gestern Abend vollkommen satt waren, haben wir uns heute erlaubt, unsere Mountainbike zu schnappen, 40 Kilometer zu radeln,um ein Eis in Oberammergau zu essen. Ein wenig verrückt, aber das Eis schmeckt einfach bombig. Und im GEgensatz zu vielen anderen Eisdielen ist die Kugel auch nicht klein, sondern sehr üppig bemessen.

So sind wir um 08:30 wieder los geradelt. Ab in Richtung Loisachtal, nach sechs Kilometern ab auf den Forstweg und nun ging es am Stück 400 Höhenmeter auf vier Kilometer bergauf. Es sind schon einige steile Stellen dabei. Aber wir kamen gut voran, und konnten bergab durch die Ettaler Forst in Richtung Ammergebirge fahren. Eine schöne Strecke, das von der Bergauffahrt durchgeschwitzte Trikot brachte durch den Fahrtwind etwas Kühlung. Sehr schön am heutigen, sehr heißen Tag. Wir kamen gut voran und kurz vor dem kleinen Ort Graswang kreuzten wir die Linder. Das ist ein kleiner Gebirgsfluss, der jedoch trocken war. Ich kannte den Fluß, weil ich schon zwei Mal im  Frühjahr hier gefahren bin. Und da war das Wasser schon noch vorhanden. Heute jedoch war der Bergfluss ausgetrocknet. So konnten wir das Schottergeröllfeld auf einer Länge von ca 40-50 Meter überqueren, ohne auch nur ansatzweise nass zu werden.

Das Eis war die Belohnung und nun hieß es entscheiden: Entweder zurück über Schloss Linderhof, (einem weiteren Schloss neben Neuschwarnstein und Hohenschwangau, welches der Bayerische König Ludwig II. bauen ließ) und den Plansee oder an Kloster Ettal vorbei und dann die Höhe des Ammertals verlassend zurück in Richtung Oberau/Farchant und letztlich Garmisch. Wir entschieden uns für die letzte Variante, da wir bei der ersten Alternative hinter dem Schloss Linderhof viel Straße hätten fahren müssen.

Also ging es an der Ammer vorbei in Richtung Kloster Ettal, einer wunderschönen Klosteranlage, die von der Basilika dominiert wird. Wir fuhren jedoch durch den Wald und sahen die Anlage nur von weitem. Schön ist sie allemal. Und da wir sie auch aus der Nähe kennen und auch schon die Innenansicht genießen konnten, war der Waldweg bei den heißen Temperaturen doch der richtige.

So ging es hoch und runter, runter und hoch, denn wir wollten zum Ettaler Sattel kommen. Nun gut, vorbei gefahren und einige Höhenmeter in den Sand gesetzt. Also hieß es wieder umdrehen und die richtige Abzweigung finden. Das war gar nicht schwer. Aber da wir heute ohne Karte und ohne Navi fuhren, ist einmal verfahren wohl zu verschmerzen. Auch wenn es durch die unnötige Steigung schon Kraft kostete.

Hinter dem Ettaler Sattel hieß es 200 Meter Straße fahren, um dann einen Geröllweg in Richtung Oberau zu fahren. Der war schon sehr rutschig, steil ist er auch und das Fahrrad hielt selten seine Fahrspur. Also an der schlimmsten Stelle sind wir 20 Meter gegangen und dann wieder rauf auf den Sattel.

In Oberau ging es parallel zur immer wieder verstopften Bundesstraße 2 in Richtung Farchant. Es wird wirklich Zeit dass dieser Tunnel in Oberau fertig wird, damit die B2 und auch die Anwohner von Oberau entlastet werden. Heute sahen wir aus der Höhe keinen Stau. Aber es war ja auch noch Vormittags. Aus der Höhe? Ja, denn hinter Oberau hat der Waldweg in Richtung Farchant einige steile Wurzelpassagen für uns parat. Aber wir waren im Schatten - und das war auch gut so.

Denn die Sonne brannte mittlerweile unbarmherzig auf das Fleckchen Erde hier. Das merkten wir recht schnell, als wir vor Farchant auf einen asphaltierten Feldweg fuhren. Es ging kein Lüftchen, es war schwül und einfach heiß. Nach einem kurzen Fotostop waren wir froh, wieder den Fahrtwind zu spüren. So bekamen wir wenigstens ein wenig Abkühlung.

Über Garmisch, wo ich aus einer Paketstation noch eine vorgestern bestellte Regenhülle für meinen Rucksack  abholte (die alte ist auf dem Weg nach Scuol irgendwo abgeflogen, ohne dass ich es bemerkt hatte) ging es dann in Richtung Grainau. Nicht allerdings, um ein weiteres Schmankerl anzufahren. Das war die Bäckerei Dunzinger. Wir wollten noch etwas Brötchen für den Abend holen und so ging kein Weg an dem Bäcker vorbei. Ein Bäcker, wie ich ihn aus meiner Kindheit kenne. Ein kleiner Laden, handgemachte Waren und keine Fertig-Backwaren, die im Supermarkt oder Backshop nur aufgebacken werden. Man schmeckt es einfach - besser: mir schmecken hier das Brot und die Brötchen einfach. Und heute sollte es nicht nur Brot sein, sondern wir kauften auch noch Rhabarberkuchen sowie einen Apfelstrudel. Auch diese Erzeugnisse haben einfach gut geschmekt. Also, immer wieder gerne: Bäckerei Dunzinger in Garmisch. 

Mit gefülltem Rucksack ging es somit zurück in unser Feriendomizil in Grainau, wo wir den Strudel und den Kuchen genossen. Nicht, ohne vorher eine erfrischende Ducsche zu nehmen und uns der durgeschwitzten Radbekleidung zu entledigen.

Nebem dem Kern-Schmankerl "Alpen" konnten wir die letzten zwei tagen somit einige schmackvolle Speisen zu uns nehmen, den herrlichen Eibsee betrachten, fast alleine durch das Ettaler Forst fahren (und vorher natürlich den Berg hinauf strampeln). Und letzteres ist nicht so üblich im Augenblick hier in der Region Garmisch. Alles mit Touristen überlaufen. Schon gestern wurde die Straße zum Eibsee gesperrt, die Parkplätze waren auch heute wieder überfüllt, es wurden heute schon keine Tickets mehr für die Zugspitzbahn verkauft (so ein Verkehrsschild in Garmisch) und ein Kellner in Garmisch erzählte uns bei einem Kaltgetränk, dass Gäste aus der Partnachklamm zurück gekommen sein sollen, weil diese überfüllt sei. Wir konnten das gut nachvollziehen, denn unsere Tour in die Höllentalklamm vor zwei Tagen war angesichts der Menschenmassen eben auch kein uneingeschränkter Genuss.

Nun werden wir den morgigen Tag noch genießen, bevor Claudia den Weg nach Goslar zurück antritt (es muss ja einer nach dem fleißigen Sohn schauen, der dankenswerterweise derweil unsere Elektronistallation umgekrempelt hat) und ich mich auf ein weiteres Mountainbikeereignis freue: Ich werde die Ulp-Tour "Nationalparkpanorama" abfahren - alleine. Also auch ein neues Erlebnis. An dieser Stelle will ich dann wieder gerne berichten.

 

Nun noch einige Fotos der letzten zwei Tage

 
Der Eibsee mit Standup Paddelern. So sieht der See nicht sehr beeindruckend aus.



Beeindruckender sieht der Eibsee von der anderen Seite aus. Hier sieht man die grünlich schimmernde Farbe und die verschiedenen Tiefen besser. Im Hintergrund der Waxenstein.



Entlang des Grainauer Höhenwegs waren wir mit unseren Bikes alleine. Und das obwohl es so nah zum überfüllten Urlaubsort war



Gefühlt "Unberührte" Natur auf dem Weg nach Oberammergau



Die Wassernähe brachte beim Radeln etwas Abkühlung der Luft. Wir haben es angesichts der Temperaturen sehr genossen...



Kloster Ettal in der Ferne. WIr finden, dass das Kloster einen Besuch wert ist.



Letzte Kräfte in der Hitze des Vormittags (oder waren es die kochenden Synapsem im Kopf) führten zu gymnastischen Höchstleistungen vor angenehmer Bergkulisse.



Und nun das Wettersteingebirge ohne zwei Gymnastikschüler....



Klein aber fein: Die Bäckerei Dünzinger in Garmisch. So konnten wir die verbrannten Kalorien gut auffüllen.



Wegen diesem Eis fuhren wir mit dem MTB 40 Kilometer nach Oberammergau und 20 Kilometer zurück. Die Kugeln sind größer als in jeder Eisdiele zu Hause. Und geschmacklich hat das Eis die gleiche Größe wie die Kugeln

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Wednesday, 19 August 2020 00:00

Die Hölle im Tal

Der geneigte Leser, die geneigte Leserin oder da geneigte Lesepublikum mag sich fragen (das war politisch jetzt sicher hochkorrekt), was denn die Kohls da mit einer Alltagsmaske mitten in der Natur machen. Die Frage ist leicht beantwortet: Wandern! Das gleiche Publikum fragt sich jetzt sicher, spinnen die Kohls jetzt total? Das kann ganz klar mit einem Nein beantwortet werden.

Denn auch Claudia und ich hätten heute eine Wanderung durch die Höllentalklamm ohne Mund-Nasen-Maske sicher schöner gefunden. Aber der Deutsche Alpenverein hat ein Hygienekonzept. Das besagt einfach Maskenpflicht und wir haben uns dran gehalten. Sehr zur Freude von Claudias Sichtfähigkeit, denn die Brille war stetig beschlagen. Und auch zur Freude meines Lippenherpes, der die Feuchtigkeit unter der Maske sicher sehr genossen hat. Nachdem wir durch waren, sagte Claudia, dass die Tour durch die Klamm die Hölle war. Das zum einen durch die Maskentragepflicht und zum anderen durch die Völkerwanderung entlang des Hammersbach, der durch die Höllentalklamm fließt, bzw. sie erst entstehen lassen hat.

Denn der Begriff Höllental kommt übrigens nicht von Hölle sondern von höhlen/aushöhlen. Der besagte Hammersbach hat mit seinem Schmelzwasser und Regenwasser über einige Tage, Monate Jahre, Jahrzente, Jahrtausende die Klamm in den Muschelkalk, aus dem das Gestein hier besteht, geschnitten. Sozusagen ausgehölt. Daher der Begiff Höllental. Dieser Muschelkalk setzte sich meinen Erkundigungen nach vor ca. 240 Millionen Jahren am Meeresboden ab. Irgendwann später, als die Alpen gebildet worden sind, wurde dieser gefaltet. Das war ungefähr vor 25 Millionen Jahren. Wieder was dazu gelernt. Doch zur Faltung später noch mehr.

Nun wagen wir ein weiteres Spiel mit dem Namen. Denn es mag zwar die Hölle gewesen sein, dort mit Maske durch zu gehen. Aber der Eindruck, den die Klamm hinterlässt, war schon der Hammer. Wie viel Gewalt das Schmelzwasser doch hat, wie verbogen harter Stahl dort war, wie abgeschliffen die Muschelkalkwände waren, das ist schon sehr beeindruckend. Bevor wir das Naturschauspiel bewundern konnten, hieß es aber erst einmal bei strahlendem Sonnenschein von Grainau in den Ortsteil Hammersbach zu wandern. Der Nebel nach starkem Regen heute früh löste sich schnell auf, und ließ den Waxenstein in strahlender Sonne vor blauem Himmel erscheinen.

Der Waxenstein ist im Übrigen eine Gebirgsgruppe im Wettersteingebirge und kein einzelner Berg. Es wird aus den Bergen Großer Waxenstein (2277 m ü. NN), Kleiner Waxenstein (2136 m ü. NN), Zwölferkopf (2232 m ü. NN), Mittagscharte (2045 m ü. NN) und Manndl (1889 m ü. NN) gebildet. Alle samt recht hohe Berge, die uns als Menschen so klein erscheinen lassen. Das haben wir später in der Klamm und auch auf dem Weg zur Höllentalangerhütte am eigenen Leib erfahren können.

Zurück zur Tour. Wir gingen in Richtung Hammersbach und von dort erst einmal bergauf - was sonst? Von Hammersbach auf 777 Meter ging es knapp 300 Höhenmeter auf knapp 3 Kilometer Länge hoch. Die durchschnittliche Steigung wäre mit 10% anzugeben. Doch weit gefehlt. Es sind schon sehr steile Abschnitte dabei und etwas Kondition und Kraft sollte man schon mitbringen. Sonst ist man schon an der Höllentaleingangshütte kaputt und verschwitzt. Nun gut, letzteres war ich auch, aber mein Puls war auf beruhigenden 90 Schlägen pro Minute.  Der Weg ist recht abwechselungsreich und ab und zu lugt das Wettersteingebirge durch die Bäume. Feucht ist es durch den Fluss allemal. Der Weg war rutschig, einige Bäume mit herrlichem Moos überzogen.

An der Eingangshütte die notwendige Entlohnung für den Einlass. 5 Euro für Claudia und 2 Euro für mich. Nein, hier wird nicht nach Alter bezahlt, sondern als Alpenvereinsmitglied bekommt man entsprechenden Rabatt. Die Unterhaltung der Klamm kostet sicher eine Menge Geld, Versicherungen müssen verbaut werden, die Stromversorgung für die Tunnel sichergestellt werden, Schäden durch Schmelzwasser müssen beseitigt werden. Und so ist der Preis für das Naturschauspiel schon recht moderat. A propos Tunnel: Ich vermute, dass die Touristenschwemme, die sich durch die Klamm zieht (beim Aufstieg waren es schon eine Menge an Menschen, beim Abstieg die reinste Völkerwanderung) verbunden mit der sehr feuchten Luft und ggf. schlechter Durchlüftung der Tunnel zur Maskenpflicht führt. Schade nur, dass sich einige Mitmenschen nicht an die Regeln halten.

Und es sind auch diejenigen Risikopatienten (Bevölkerungsgruppe älter als 60 Jahre) gewesen, denen die Pflicht egal war. Aber auch junge Leute, pfiffen auf die Regeln. Weder 1,5 Meter Abstand, auf die mehrfach hingewiesen worden war, wurde eingehalten noch wurde eine Maske getragen. Den Klopfer brachte ein junges Pärchen, welches die ganze Zeit dicht hinter uns lief und keine Maske trug. Als ich mich umdrehte, um ein Foto vom Naturschauspiel zu machen, holte sich der junge Mann schnell seine Maske heraus und setzte sie auf, die junge Dame schaute nur recht irritiert. Als ob ich ein Foto machen würde, um das Nicht-Tragen der Maske zu dokumentieren. Was denken sich die Menschen nur? Die Natur ist so großartig und das erhalte ich mir durch Fotos. Herr, schmeiss Hirn vom Himmel... Und der dritte Typus von Mitwanderern wusste mit dem Begriff Mund-/Nasenschutz nichts anzufangen. Dass eine Maske nicht über das Kinn und den Mund gezogen werden sollte, sondern auch den Luftstrom, der aus der Nase kommt, verwirbeln und abbremsen soll, scheint auch bei einigen Mitmenschen nicht angekommen zu sein.

Was will ich mit all dem aussagen? Nun, dass zunehmend auffällt, dass Regeln offensichtlich  nur für diejenigen da sind, die sich dran halten. Und zum Glück ist das die Mehrheit heute gewesen. Aber es macht mich zunehmend ärgerlich, wenn ich die Ignoranz von einigen Menschen sehe. Ja, auch ich habe nicht das Wissen, zu beurteilen, ob es nun gut ist, in der Klamm eine Maske zu tragen. Aber ich vertraue da mal den Verantwortlichen, die sich zum einen sicher viel Gedanken gemacht haben. So eine Entscheidung macht sich niemand leicht. Und ggf. haben die Verantwortlichen (oder ihre Berater/Experten) mehr Sachverstand, als ich das jemals zu dem Thema haben werde. Und ich vermute auch, dass der Sachverstand der Ignoranten nicht ganz so ausgeprägt ist. Wie dem auch sei, ja es ist nicht schön, ich könnte mir eine Wanderung ohne Maske auch schöner vorstellen, aber ich finde ein Halten an Regeln schon sinnvoll -und im Übrigen auch sozial.

Doch zurück zur Wanderung. durch die Klamm. Wir gingen über Stege, Brücken, in Fels geschlagene Wege und Tunnel ca. 120 Höhenmeter. Die Länge der Klamm ist mit einem Kilometer angegeben. Und schon öffnet sich die Landschaft, sie wird breiter und grüner. Und so konnten wir die nächsten 30 Minuten bei strahlendem Sonnenschein, ohne die stetige Berieselung mit Wasser und dem dröhnenden Wasserklang in Angriff nehmen. Das,  um nochmals knapp einen Kilometer zu gehen, auf dem nun wiederum ungefähr 200 Höhenmeter zu überwinden waren. Und hier war unser Zwischenziel: Die Höllentalangerhütte vom Deutschen Alpenverein.

Sie liegt inmitten eines breiten hochalpinen Tals. Sie ist nicht das, was ich mir von einer Alpenhütte vorstellte. Hoch effizient organisiert war sie aber allemal. Das Getränk war gerade bestellt und schon stand es auf dem Tisch. So schnell habe ich das selten erlebt - mit Ausnahme in der Werkskantine, wenn ich das Getränk selber hole und zur Kasse gehe. Gleiches galt für die Speisen. Der Apfelstrudel am Nachbartisch sah jedoch nicht gut aus und auch nicht der Kaiserschmarrn. So versuchte es Claudia mit Erdbeer-Rharbabar Kuchen und ich mit einer Ebsensuppe. Letzteres erschien mir wie Fertigware, der Kuchen erschien aufgetaut. Nun gut, in knapp 1400 Meter Höhe erwarte ich kein kulinarisches Gewitter, aber die Qualität sollte schon passen. Lieber etwas weniger anbieten, dafür akzeptable Qualität. Da zahle ich auch gerne einen etwas höheren Preis, weil ja die Logistik hier auch einiges kostet. So war ich etwas enttäuscht. Aber der Eindruck der umliegenden Bergkämme glich das alles aus. Schade ist die Enttäuschung über das Essen trotzdem. Vielleicht stimmen auch meine Ansprüche nicht. Wie dem auch sei, sehr positiv ist das Konzept der Hütte hervorzuheben. Eine eigene Stromversorgung ist nur ein Punkt, der zu einer umweltfreundlicher Infrastruktur gehört. Auch die Architektur ist schön anders. Liegt das Hochtal doch sehr lawinenausgesetzt (immerhin ist es von 3 Seiten lawinenbedroht) so sol ldie Architektur dem Schutz vor Lawinen auch gerecht werden. Schön sieht sie allemal aus.

Wie sollte es weiter gehen? Claudia entschied, nicht mehr durch die Höllentalklamm zurück zu gehen. Warum zwei Mal durch die Hölle gehen, wenn es Alternativen gibt? Und die gab es. Es führt ein Weg von der Hütte in Richtung Kreuzeck über Garmisch Partenkirchen. Und so gingen wir frohen Mutes, nun mit Wanderstöcken ausgestattet, in Richtung Kreuzeck. Ein schmaler Pfad durch den Wald ging es stetig bergauf. Und was kam da? Eine Schafherde. Na ja, es waren 6 Schafe. Vorweg das Oberschaf, welches blökend den Weg frei schrie. Und ging man nicht zur Seite, wurde nochmal geblökt. Und die Schafe blieben stehen, bis wir Wanderer den Weg frei machten. Das erlebten wir zwei Mal auf diesem Weg. Und es war ein kurzes Stück Weg.

Denn, meine beschissene Höhenangst machte sich wieder einmal bemerkbar. Sobald die Bäume linksseitig weg waren, rechtsseitig eine Stahlseilversicherung angebracht war und ich links mehrere Hundert Meter bergab schauen konnte, ging gar nichts mehr. Ich wollte einfach nicht weiter. Bei aller Überwindung. So hat mir die Höhenangst mal wieder ein Erlebnis genommen. Denn unsere gemeinsame Entscheidung war, umdrehen, zurück durch die Klamm und ab zurück direkt nach Grainau. Mir tat es um Claudia leid, da sie den Weg sicher gerne gegangen wäre. Aber so ist es nunmal. Alles hat ein Vorteil und über den will ich noch kurz berichten.

Der Abstieg war schwieriger, als der Aufstieg (wenn auch nicht so schweißtreibend, aber für die Knie belastender). Und so kamen wir schon etwas ermattet an der Eingangshütte an. Wir wählten einen anderen Weg zurück nach Grainau. Es ging wieder bergab. Schön durch einen Mischwald, der an einigen Stellen die eingangs beschriebene Faltung des Gebirges offenlegte.So -und das ist das Positive- konnten wir Geologie noch in der Natur erleben. So vermute ich es zumindest. Ob es stimmt, weiss ich nicht. Aber die Bilder unten könnten meine Vermutung bestätigen, dass wir hier gefaltete Muschelkalkschichten sehen. Ich glaube das jedoch erst einmal. So lange, bis mich jemand eines Besseren belehrt, bzw. ich etwas anderes gelesen habe.

Was bleibt vom Tag übrig? 16 Kilometer Wanderung, knapp 700 Höhenmeter bergauf und wieder bergab, ein durchschwitztes T-Shirt, viel Staunen und genauso viel Spaß und Freude in der Natur. Na ja, und ein blühender Lippenherpes. Der begann am Wochenende, wurde gestern durch meine MTB-Tour stärker und hat heute durch das Schwitzen und die Sonne noch einmal einen Boost bekommen. Ich kämpfe ja immer wieder in den Alpen mit meinem "Freund". Schön ist es nicht. Aber die Natur in den Alpen ist es einfach wert, ab und zu auch mal die Schmerzen zu verkraften...

Mal sehen, wie es die nächsten Tage noch weiter geht. Nächste Woche werde plane ich noch 4 Radtouren durch den Schweizer Nationalpark. Ich freue mich auf neue Eindrücke und Erfahrungen..

 

 

und später während der Alpenbildung gefaltet wurden

 

Nun noch einige Fotos vom heutigen Tag

 
Waxenstein im aufsteigendem / sich auflösendem Morgennebel



Beeindruckender moosbedeckter Baumstamm auf dem Weg zur Klamm. Schon recht feucht die Umgebung...



Ein Eindruck aus der Höllentalklamm



Und nochmal ein weiterer Eindruck aus der Höllentalklamm



Auf dem Weg zur Höllentalangerhütte ein kurzer Rückblick in Richtung  Höllental



Erinnerungsfoto an der Höllentalangerhütte



Ich vermute, dass wir es hier mit der Faltung dees Muschelkalks vor 25 Millionen Jahren zu tun haben.



Sind das die gefaltetten Kalkschichten?



Auch hier könnte die Kalkschichtung vermutet werden

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Tuesday, 18 August 2020 00:00

2020: Doch mal Ischgl gewagt

Wer hätte gedacht, dass ich in diesem Jahr überhaupt nach Ischgl fahren würde? Wenn mir das jemand im März gesagt hätte, hätte ich ihn oder sie wahrscheinlich für verrückt erklärt. Doch heute war es so weit. Ich habe es getan. Und, um es gleich vorweg zu nehmen, ich habe mich sicher gefühlt. Die Menschen waren sehr rücksichtsvoll, vorsichtig und überall waren motivierende Schilder, dass jeder für sich und seine Familie sowie sein Verhalten selbst verantwortlich ist. Gesagt getan, leider gibt es ja immer noch Mitmenschen, die nicht daran denken, dass ihr Verhalten auch andere Menschen negativ -sprich durch Krankheit- beeinflussen können. Und auch durch rücksichtsloses Verhalten weiterhin unserer Wirtschaft schaden können. Doch hier in Ischgl, war das heute anders wahrnehmbar. Anders wahrscheinlich als im Frühjahr. Aus Fehlern wird man klug - hoffentlich.

Doch warum Ischgl? Nun, heute wollte ich die 3. Etappe der ulp-Tour Garmisch-Comer See abfahren. Und die führt nun einmal von Ischgl nach Scuol im Unterengadin. Es gibt zwei Wege von Ischgl in Richtung Scuol, die mir bekannt sind. Der erste führt über das Fimbatal, an der Heidelberger Hütte vorbei um über dem Fimbapass den Weg in die Schweiz. Vorbei an der schönen Alpenwirtschaft Tanna di Muntanella in Griosch, um weiter über Sent in Richtung Scuol zu kommen. Das ist die Etappe des Medium Levels, die ich jetzt mehrfach gefahren bin. Heute sollte es jedoch die Etappe des Light-Levels sein. Und ich nehme es gleich vorweg: Sie ist fahrtechnisch keinesfalls herausfordernd, wie die Medium Tour. Aber von der Anstrengung steht sie dieser in nichts nach. Ich hatte zwischenzeitlich großen Respekt vor Claudia, die die Route letztes Jahr gefahren ist. Gerade der Weg nach Martina hat es doch in sich. Doch dazu später mehr.

Fangen wir wieder von vorne an: Nach einem frühen Aufstehen ging es mit dem Pkw nach Ischgl. Kurz vor Landeck erwischte uns ausgiebiger Regen. Der Himmel war grau in grau und eine Regenwolke lag neben der anderen. Meine Stimmung näherte sich nicht dem Nullpunkt, war aber doch nicht im äußerst positiven Bereich. Wollte ich bei dem Regen fahren? Eigentlich nicht. Die Temperatur hätte auch höher sein können. In der Höhe, die ich zuerst mit einer Seilbahn erfahren wollte, waren es 2 Grad Celsius. Nicht gerade das, was man von Sommerurlaub erwarten würde. Und so war mein Gesichtsausdruck, der fotografisch in der Seilbahn sehr gut festgehalten worden ist, im Nachhinein nachvollziehbar. Warum mache ich das heute? Warum nicht an einem anderen Tag? Nun, weil es mein Plan war. Und eigentlich liebe ich es ja, wenn ein Plan funktioniert.

Und er funktionierte. Denn der Regen hörte auf, ich verabschiedete mich noch von Claudia, die mich heute Nachmittag in Scuol wieder abholen wollte und fuhr mit dem Sessellift von der Idalpe hoch zum Flimsattel. Oben angekommen, das obligatorische Startfoto. Vor dem Ischgl-Logo. Unscharf, aber was soll es. Ich war schon positiver gestimmt, obwohl ich ja wusste, was mich die nächsten Minuten erwartete. Eine Steigung nach der anderen. Zuest fuhr ich, überholte noch drei Mountainbiker, bis ich dann auch -wie sie- abstieg. Alleine das Schieben den Berg hoch war anstrengend. Warum? Corona? Nein! (ich hoffe zumindest, dass nicht). Es ist die Steigung und die Höhe. Knapp unter 3000 Metern ist die Luft eben doch nicht mehr so stark mit Sauerstoff versorgt, wie im heimischen Goslar. Ich ging, ich fuhr, ich schob und fuhr dann irgendwann auch bergab. Vorsichtig, weil es rutschig war. Immerhin hatte ich nach 15 Minuten schon 1,4 Kilometer geschafft. Boa Espekt. Da radeln ja meine Enkelkinder schneller. Na, wenn das so weiter geht...

Es hatte ja wie wild geregnet. Und so fuhr ich vorsichtig fahrend am Salaaser Kopf vorbei, um die Bergabpassage in Richtung Zeblas Joch in Angriff zu nehmen. Knapp 900 Höhenmeter bergab bis nach Samnaun lagen vor mir. Am Zeblasjoch sah ich eine Bank. Eine Schweizer Bank. Nicht die zum Geldabheben, sondern eine zum Sitzen. "Eine Schweizer Bank an der Grenze als Symbol für ein geeintes Europa". So soll es hier Wolfgang Bosbach gesagt haben. Mir war gar nicht aufgefallen, dass ich schon in der Schweiz war. Aber das Grenzschild mit der Aufschrift "Österreich" war eindeutig.

Ggf. war ich auch immer noch beeindruckt von dem -wahrscheinlich holländischen- Ehepaar, welches mir entgegenkam. Zuerst sah ich ein E-MTB auf dem Weg liegen, knappe 100 Meter später sah ich einen Mann, der ein weiteres E-Bike schob und freundlich meinen Gruß "Servus" erwiderte. 30 Meter hinter ihm seine vermutliche Ehefrau, ohne Bike. Dafür in schickem Sportdress in turkis, mit dem man zur Damengymnastik oder auch zur Physiotherapeutin gehen würde. Aber keinesfalls eine Mountainbiketour in hochalpinem Gelände wagen würde. Ich stellte mir die Frage, wie häufig die beiden wohl solche Touren schon gemacht haben. Ich tippe, dass das nicht häufig der Fall gewesen sein könnte. Denn sonst wären sie besser ausgestattet gewesen. Alleine den Weg mit dieser Ausstattung und E-Bike hoch zu fahren zeugt nicht davon, sich der Gefahren im Gelände bewusst zu sein. Mögen die Akku-Reserven auch noch bis zum Ischgler Grenzkamm reichen. Wie wollen die beiden den Weg bergab fahren? 900 Höhenmeter bei feinem Schotter rufen schon nach etwas Erfahrung und Fahrtechnik bzw. Brems Know-How. Wie auch immer. Ich hoffe, dass zunehmende Unbedarftheit nicht weiter dazu führt, dass die Bergretter zunehmend am Limit arbeiten. Letztlich gehöre ich ja auch zu denen, die schon einmal Hilfe des Bergrettungsdienstes in den Dolomiten in Anspruch nehmen musste. Ist halt ein nicht ganz ungefährliches Hobby, das Mountainbiken.

Nun, ich fuhr vom Zeblasjoch weiter in Richtung Samnaun und durch Samnaun hindurch. Es war schon beeindruckend, wie viele Menschen in der Frühe -es war mittlerweile 11:30 Uhr- in dem Zollparadies auf den Beinen waren. Ich verließ Samnaun, welches sich allerdings nicht so negativ in meinen Kopf eingebrannt hat, wie Ischgl. Letzterer Ort ist für mich nur hässlich. Und Claudia berichtete von einer Diskussion im Radio heute, wo Tourismusmanager aus Österreich besprachen, dass Corona eine Chance sei, weg vom Massentourismus zu gehen. Ich frage mich nur, wie das gehen soll, wenn man die vielen Investitionen in Infrastruktur und Hotels sieht. Das muss sich  doch irgendwann armortisieren... Ach was, das ist nicht mein Problem.

Mein Problem auf dem Weg von Samnaun herunter nach Martina (Grenzort Österreich-Schweiz) war ein anderes. Ich verfuhr mit trotz Navigationssystem drei Mal. Aber darum ging es mir ja auch. Wenn ich die Etappe irgendwann mit Gästen für Ulp führe, dann will ich den Weg kennen und mich nicht verfahren. Und wie heisst es so schön? Aus Fehlern lernt man. Ich hoffe, dass mir das heute gelungen ist.

Also ging es weiter tendenziell bergab in Richtung Martina. Kleine Gegenanstiege waren schon dabei, aber letztlich  mussten auch hier wieder 700 Höhenmeter vernichtet werden. Es war viel Asphaltstraße dabei. Einen anderen Weg gab es nicht. So fuhr ich durch mehrere Tunnel und Gallerien, um die Grenze in Martina nach genau 2:30 Stunden (also um 12:40 Uhr) zu erreichen. Eine kleine Pause zum Essen und Trinken war nötig und auch ein Wäschewechsel war sinnvoll. Die Softshell Jacke hatte schon in Samnaun den Weg in den Rucksack gefunden. Nun ging es dem langärmigen Shirt ebenso und auch den langen Handschuhen. Kurze mussten her. Sowohl Handschuhe als auch das Trikot. Und die Knielinge, die meine Beine bei der Abfahrt wärmten, durften auch in den Rucksack. Denn die Sonne kam heraus.

Schöner konnte der Weg entlang des Inns hier im Unterengadin nicht sein. Sonnenschein, angenehme Temperaturen und so ging es einige Meter weiter. Bis, ja bis die Steigung begann. Auf 7 Kilometern 530 Höhenmeter bis nach Tschlin. Das war der Weg, der nun mein Trikot durchnässte. Ich wurde damit ja nicht leichter, nur bewegte sich mein Schweiß von der Hautoberfläche in mein Trikot, wo er blieb. Es wurde warm, aber nicht heiß. Das wird eine brutale Strecke sein, wenn es wirklich warm ist. Denn Schatten wird es dort nicht viel geben. Trotzdem ist der Engadiner Höhenweg eine Reise wert. Es ist einfach schön, so 500 Meter über dem Inn das friedliche Alpenpanorama zu genießen. So kam ich irgendwann in Tschlin an.

Wer kennt schon Tschlin? Ich kannte es bis vor 3 Jahren nicht. Aber hier haben mal wieder die Schweizer etwas erfunden. Genauer gesagt, die Bewohner von Tschlin. Es gab eine wunderbare Werbekampagne, die auch in den sozialen Medien viral ging. Enfach mal den Spot anschauen. Und als ich in Tschlin, diesem verschlafenen Ort mit seinen knapp 400 Einwohnern ankam, so war ich nicht der einzige Tourist. Die Dorfbrauerei hatte viele Gäste und im einzigen Hotel am Platze war auch etwas los. Von der fotografierenden Asiatin ganz zu schweigen. Es scheint funktioniert zu haben, das Telefon von Tschlin.

Ich machte auch einige Fotos, denn die Häuser sind schon einen Eindruck wert, bis ich mich wieder auf die nächste Teilstrecke in Richtung Ramosch machte. Es ging weiter bergauf. Noch einmal knappe 200 Höhenmeter durch die grünen Wiesen, ein Wurzel-Singeltrail bergauf, um dann noch eine 10 minütige Schiebepassage einzulegen. Nun war ich fast ganz oben. Und ich war durchgeschwitzt. Die Fliegen, die auf der Kuhweide sonst immer um die Kühe herum fliegen, hatten es nun auf mich abgesehen. Nervig war das schon. Und da kam es wie gerufen: Das tote Eichhörnchen auf dem Weg. Schon etwas verwest, aber hier mussten sich die Fliegen doch wohl fühlen. So machte ich in 30 Metern Abstand Pause. Ich wollte für die bevorstehende Abfahrt noch ein Unterhemd anziehen, denn so war mein Trikot zu kalt. Doch meine Vermutung entpuppte sich als Blödsinn. Die Fliegen blieben bei mir und hatten gar kein Interesse an dem toten Eichhörnchen.

So zog ich mich schnell um, um dann auch recht fix den Berg herunter zu rasen. So hatte ich die Fliegen abhängen können und erreichte bald wieder den Inn, nachdem ich in Ramosch (einem ebenfalls kleinen Unterengadiner Ort) noch am Hause der Familie Kohl vorbei fuhr. Ich klingelte nicht. Wer will schon buckelige Verwandschaft unangemeldet sehen? Zumal es ja ggf. gar keine Verwandschaft war, sondern nur zufällig der gleiche Name, der an einem typisch Engadiner Haus an der Tür stand.

Im schönsten Sonnenschein ging es nun weiter in Richtung Sur En, einer kleinen Siedlung unten am Inn. Von hier geht auch das Uina Tal, welches zur bekannten Uina-Schlucht führt ab. Doch das interessierte mich heute nicht. Erstens bin ich dort schon einmal hoch und einmal runter gefahren und zweitens wartete Claudia ja in Scuol auf mich. Also musste ich die letzten 8 Kilometer entlang des Flußverlaufs des Inns in Richtung Scuol radeln. Der Inn hatte nicht allzu viel Wasser geführt, aber die Frische durch das Wasser war schon gut zu spüren.

So radelte ich entspannt am Umspannwerk kurz vor Scuol vorbei, wo die Werbeanzeige andeutete, dass man hier "am Stromnetz der Zukunft" arbeiten würde. Eine nette Schweizerin kreuzte joggend meinen Weg. Gruezi, welches mit einem freundlichen Gruezi Wohl erwidert wurde und schon ging es auf die letzten 3 Kilometer.

In Scuol angekommen musste ich vom Inn wieder in die Höhe zur Dorfmitte. Und in  genau 5:39 MInuten habe ich 64,5 Kilometer und 1370 Höhenmeter  mit meinem Radel hinter mich gebracht. Es war ein toller Tag.

Claudia hatte nicht so früh mit mir gerechnet. Und so war das Eis gerade gegessen, als wir uns trafen. Im Übrigen das teuerste Eis in Claudias Leben. 3 Kugeln für 8 Euro 80 Cent. Obelix würde sagen "Die spinnen, die Römer." Ach nee, die Schweizer. Denn das bleibt schon zu sagen, die Preise hier sind schon beeindruckend. Und das nicht im positiven Sinn.

Nun noch einige Fotos vom heutigen Tag

 
Auffahrt mit der Silvrettabahn: Kein Grund zum Optimismus



Palinkopf, nicht weit entfernt von meiner Tour - Die Temperatur heute früh spricht für sich



Der Regen hörte auf, es hellte auf und so auch meine Stimmung. Obwohl ich wusste, was mich in den nächsten Minuten erwartete



Es ist schon sehr karg dort oben auf knapp 2800 Metern Höhe. Und durchaus steil ;)



Wer hätte das gedacht, dass ich schon in der Schweiz bin. Mir war es nicht aufgefallen.



Weiter unten in Richtung Samnaun wurde es wieder grüner und farbenfroher



Satte grüne Wiese am Unterengadiner Höhenweg. Auch die Fliegen mochten diese Umgebung (oder meinen Geruch ;-))



Ein Blick in Richtung Ramosch



Zurückblickend in das Unterengadin, dort wo ich die letzten 3,5 Stunden geradelt bin

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Saturday, 15 August 2020 00:00

EInmal Fernpass und zurück

Sonnenschein, tolles Alpenpanorama und die Freude, wieder in den Alpen Mountainbike zu fahren. Das beschreibt den heutigen Tag fast perfekt. Wer dabei gewesen ist, so wie meine liebe Claudia, der weiss, wovon ich spreche. Für alle anderen gilt: Ich versuche das mal hier in meinen Worten auszudrücken, packe noch einzelne Fotos hinein und hoffe, so für die wenigen Besucher meiner Webseite, einen kleinen Eindruck vom heutigen Tag geben zu können.

Grainau, hier ging es heute früh um 07:00 Uhr los. Der Ort, von dem ich mittlerweile 4 Mal zu einem Alpencross mit dem Mountainbike gestartet bin. Auch heute hatte meine Fahrt -bzw. besser die Fahrt von Claudia und mir- auch mit einem Alpencross zu tun. Ich wollte die erste Etappe der Tour Garmisch-Comer See in der light Variante abfahren, damit ich sie kenne, wenn ich im nächsten Jahr als Guide von ulp diese Etappe einmal führen kann. Heute ist der 16.08.2020 und wer sich mit dem Kirchenkalender auskennt, weiss, das dieses ein Tag nach Mariä Himmelfahrt ist.

Was zum Gott ist denn das, mag sich der ein oder andere Fragen. Nun, es ist ein kirchliches Fest und auf der Webseite des Domradios wird es wie folgt beschrieben: "Das Fest hat seinen Ursprung in der Ostkirche, wo es im Jahr 431 eingeführt wurde. Im 6. Jahrhundert folgen erste legendarische Darstellungen. In der römischen Kirche wird die Aufnahme Mariens in den Himmel seit dem 7. Jahrhundert gefeiert, in Deutschland seit dem 9. Jahrhundert. Im Konzil von Trient (1545-1563) wurde die Lehre von der Aufnahme Mariens zum festen Bestandteil der kirchlichen Lehre, ehe sie dann 1950 sogar zum Dogma erhoben wurde.Nun gut, wieder was gelernt. Es wäre besser gewesen, das vor dem Urlaub zu wissen. Denn in Deutschland ist an diesem Tag lediglich im Saarland arbeitsfrei. Aber -Obacht-  auch in weiten Teilen Bayerns. Genau genommen in 1.704 von 2.056 Kommunen mit mehrheitlich katholischer Bevölkerung.".

Doch warum schreibe ich das? Ganz einfach, wir als Norddeutsche haben natürlich nicht daran gedacht, dass unser Urlaubsort und seine gesamte Umgebung zu den 1704 Gemeinden in Bayern gehört, in denen gestern der Feiertag gefeiert wurde. So konnten wir gestern nicht einkaufen und mussten überlegen, wie wir heute früh mit einem Frühstück die benötigten Energiereserven aufbauen konnten. Denn wir hatten in unserer Ferienwohnung eben nichts zu essen.

So ging es heute früh um Punkt 07:00 Uhr zum örtlichen Bäcker, der Frühstück anbietet. In den U.S.A. würde man eher von kontinentalem Frühstück sprechen. Ein Brötchen, Kaffee und etwas Marmelade. Nun gut, zwei Scheiben Käse waren auch dabei. So saßen Claudia und ich vor der Bäckerei und sahen wie sich zig Touristen -so wie wir wahrscheinlich- mit Brot bzw. Brötchen einzudecken gedachten und in einer langen Schlange vor dem Laden standen. Wir aßen schön unser Frühstück -wie gesagt, nicht üppig, aber hoffentlich ausreichend- bevor wir um Punkt 08:00 Uhr auf unsere Drahtesel stiegen, um kurz darauf 50 Höhenmeter zu erklimmen. Und alleine der Ausblick auf Alpspitze, Waxenstein und die kleine Zugspitze in der Morgensonne hätten das frühe Aufstehen um 06:00 Uhr im Urlaub gelohnt. So machten wir unser Startfoto der Tour hier (danke Holger Schaarschmidt für den Tipp) und weiter ging es nach dem obligatorischen Fotostopp in Richtung Loisachtal.

Zwei / Drei Kehren, ein kurzer Flowtrail- noch zwei Kehren und schon waren wir unten, um nun die nächsten Kilometer auf dem Radweg zu fahren. Es waren schon viele Pkw unterwegs und der Fahrzeuglärm war nicht das, was wir heute haben wollten. Im Übrigen war kein Unterschied zu hören, ob es ein Verbrennungsmotor war, oder ein Elektromotor, welches die Autos angetrieben hat, die neben unserem Radweg fuhren. Es sind die Abrollgeräusche der Fahrzeuge, die so unangenehm in den Ohren waren. Nun gut, es dauerte nicht allzu lange, da wir ein recht hohes Tempo fuhren, bis wir diese Straße wieder verlassen konnten.

Nun ging es wieder in den Wald. Ein steiler Schnapper, eine Rampe, die schon die ersten Körner meines Brötchen des Bäckers verbrauchte, lag vor uns. Ich kenne diese Steigung, da ich von hier schon einmal nach Oberammergau gefahren bin. Und so fuhr ich frohen Mutes wiederum mit -so zumindest Claudia- Wettkamptempo, da ich wusste, dass diese Steigung nach knapp 100 Höhenmetern vorbei war. Es wurde moderater mit der Steigung, wir bogen vom Weg ab und fuhren durch einen ruhigen, romantischen Wald in frischer Luft. Nicht so frisch, als dass wir froren. Die Luft war angenehm in unseren kurzen Hosen und kurzen Trikots. Der Schweiss lief noch nicht in Strömen. Also alles Bestens.

Und so kamen wir nach kurzer Zeit auf eine Hochebene, die so wunderbar ruhig und "unschuldig" war. Kein Vergleich mit der stark befahrenen Straße im Loisachtall von Garmisch nach Ehrwald. Und so fuhren wir bald wieder bergab, um nach 5 Minuten rechts (Nordost) in den Weg Plansee-Naidermach abzubiegen, der von Griesen (dem ehemligen Grenzübergang Deutschland/Österrich) zum Plansee führte. Hier ging es mal hoch, mal gerade aus, mal wieder runter, bevor uns die nächste größere Steigung dem Plansee näher brachte. Wir fuhren durch eine Kuhherde, die wir schon von weitem durch das Leuten der Kuhglocken hören konnten. Parallel floss etwas Wasser den Loisachzufluss neben uns herunter, so dass die Geräuschekulisse eher beruhigend war. NIcht so störend, wie 30 Minuten vorher die Autos.

Nach knapp 2 Stunden erreichten wir den Plansee. Ein sehr schöner See, der zu unserer Ankunftzeit 10:00 Uhr schon mit vielen Wassersportlern bevölkert war. Stand-Up Pladdeler, Taucher, Ruderer - alle waren dort. Auch Schwimmer. Wie kalt das Wasser war, ist uns nicht bekannt. Denn wir genossen das Panorama und die wunderbare Farbe des Sees, während wir Fotos machten und weiter fuhren.

Nun kam wieder eine Straße, die wir um den Plansee herum fahren mussten. Erst heute Abend erfuhren wir, dass es seit letztem Jahr einen parallelen Waldweg gibt. Nun gut, nächstes Mal. Denn angenehm war die Straße nicht. Extrem viele Fahrzeuge kamen uns entgegen. Pkw und Motorräder sowie VANs. So kann ich mir vorstellen, dass der Plansee kurze Zeit später überlaufen war.

Das bekamen wir gar nicht mehr mit, da wir mit ca 25 km/h die wenigen Kilometer hinter uns gelassen haben, um am Ende des Sees auf einen schönen Flowtrail zu fahren, der uns zum Heiterwanter See brachte. Auch hier ein wunderbares Alpenpanorama, welches sich im blau-grünen Wasser spiegelte. Weniger Menschen, als am Plansee und so war es eigentlich noch schöner. Wir ließen den See rechtsseitig von uns liegen, um nun das nächste Teilstück in Angriff zu nehmen: Auf nach Lermoos.

So ging es über Wiesentrails vorbei an einem "Meilenstein" parallel zur Fernpass-Bundesstraße in Richtung Lermoos. Auf der Fernpass-Bundesstraße war der Verkehr sehr stark. Er staute sich. Ah- der Rettungshubschrauber aus Reute flog im Tiefflug über uns. Nun kennen wir den Grund der Verkehrsstörung. Ein Verkehrsunfall. So dachten wir zumindest, dass das die Ursache für den Stau war. Dass der Verkehr jedoch so stark war, dass er sich staute, sahen wir erst viel später über dem Fernpass. Doch dazu später mehr. Wir fuhren also die nächsten 30 Minuten weiter, um dann nach 3 Stunden in Leermos anzukommen. Das Wetter schien sich zu verschlechtern, und so entschieden wir uns, weiter in Richtung Biberwier zu fahren. Keine Pause! Wir wollen unserem Ziel "Fernpass" näher kommen, ohne nass zu werden.

Ein schöner Waldtrail, der hoch und runter führte, brachte uns schnell nach Biberwier. Das Navi funktioniert nicht richtig, aber wir fanden den Weg trotzdem. Claudia war hier schon einmal gefahren. Wo genau? Na, wie der Name schon sagt, auf der Via Claudia Augusta. Die Steigung zum Fernpass war nicht ohne. Die Strecke war sehr schottrig, was bergauf nie toll zu fahren ist und so kamen wir durchaus ausgelaugt an der "schönen Aussicht" über dem Fernpass an. Hier konnten wir auf die westliche Seite des Fernpass schauen. Auch hier eine Autoschlange. Das was wir schon auf dem Weg nach Leermos gesehen hatte, bestätigte sich hier wieder. Die Straße ist überfüllt. Viele Urlauber, Wochenendtouristen oder einfach Motorradfahrer. Denn die hörte man hier oben über dem Fernpass wieder. Keine Fahrgeräusche der Autos (also keine Reifengeräusche), aber die lauten Verbrennungsmotoren der hochgezüchteten Zweiräder störten irgendwie die Stimmung. Wir aßen noch eine Laugenstange bzw. ein Vinschgerl, denn wir benötigen ja noch Energie für den Rückweg. Aber letztlich war das nicht ausreichend. Das Frühstück war eben nicht üppig und die Energie ist schon verbrannt. Aber besser als nichts und so gab es etwas Kohlehydrate für unsere entleerten Reserven.

Die letzten Meter runter zum Fernpass fuhren wir nicht und drehten um. Denn die Abfahrt vom Fernpass nach Nassereith kenne ich und wir müssen ja zurück nach Grainau. So fuhren wir die Schotterstraße wieder herunter. Und wunderten uns durchaus, wie schnell einige E-Mounteinbiker den Berg hoch fuhren. Wahrscheinlich mit maximaler Stromunterstützung. Das ist für Claudia keine Alternative, weil wir heute cirka 75 Kilometer mit 1600 Höhenmetern fahren wollten. Frustrierend ist es aber schon, wie einfach es sich Zeitgenossen machen und wie Claudia sich mit wenig Batterieunterstützung und ich mich "mit ohne" Batterieunterstützung vorher hier hochkämpften. Aber so macht jeder seins....

Wie dem auch sei, zurück in Biberwier entschieden wir gemeinsam, durch den Panoramaweg nach Ehrwald zu fahren. Nach meiner Erinnerung war das ja nur eine kurze und moderate Steigung, bis es in einen märchenhaften Lerchenwald ging. Nun gut, war es nicht. Nach Anziehen der Regenkleidung - es hatte mittlerweile zu regnen begonnen- fuhren wir die kurze Steigung. Claudia meinte, ich solle mal an meinen Adjektiven arbeiten. Von kurz und moderat kann ihrer Meinung nach nicht die Rede sein. Wie dem auch sei, wir erreichten Ehrwald und nun hieß es, im Loisachtal zurück nach Grainau oder über die Hochthörlehütte nochmal knapp 500 Höhenmeter auf uns nehmen, bevor wir dann über den Eibsee zurück in unsere Ferienwohnung fahren konnten. Claudia hatte noch 40 km Energiereserven in ihrem Akku. Ich in meinen Beinen auch noch. Das dachte ich zumindest.

Und so ging es hoch. Die Steigung von Ehrwald nach Obermoos, dort wo die Tiroler Zugspitzbahn ihren Weg zur Zugspitze startet, ist schon eine lange und blöde Steigung. Diese wird von einer steilen Rampe abgelöst, die an der Talstation beginnt. Wir fuhren und schoben dann doch einige Meter. Claudias Strom ging zur Neige. Ich hatte wenig Kraft. Es fehlte dann doch an guter Auffüllung der Energiereserven.

Aber mit Muskelkraft brachten wir es noch zur Hochthörlehütte, wo uns ein Apfelstrudel, ein Kaltgetränk und etwas Ruhe und Entspannung den Nachmittag versüßte. Bergab ging es die Strecke, die ich mittlerweile 6 Mal und Claudia einmal hochgefahren ist in Richtung Eibsee. Da bekommt man doch einen ganz anderen Eindruck der Steigung und Länge des Weges von Grainau zur Hochthörelehütte. Es waren knapp 700 Höhenmeter bergab über den Eibsee zurück nach Grainau. Nach ca. 8 Stunden und 85 Kilometern bei ca 1600 Höhenmetern (Wenn man meiner Garmin Aufzeichnung glauben mag - Claudias Aufzeichnung lag bei knapp 2000 Höhenmetern) haben wir einen wunderbaren Tag auf dem Mountainbike beenden können. Beim nächsten Mal allerdings sollten wir uns besser ernähren. Denn zum Schluss war es schon grenzwertig mit so wenig Ernährung, den heutigen Tag zu verbringen.

Nur ein Regenschauer hat uns erwischt, wenngleich die Zugspitze Nachmittags schon im Nebel lag. Ein äußerst gelungener Tag liegt hinter uns. Die Beine sind müde, aber das Gefühl, eine tolle Leistung vollbracht zu haben und dabei wunderschöne Natureindrücke erlebt zu haben, gleichen die Müdigkeit wieder aus.

Nun noch einige Fotos vom heutigen Tag

 
Starbild mit Blick auf Waxenstein und Zugspitze rechts im Hintergrund



Schöne Hochebene auf dem Weg zum Plansee



Spiegelungen im Plansee. Die ersten Wassersportler sorgten schon für die ersten Wellen.



Im Gegensatz zum Plansee war die Wasseroberfläche des Heiterwanger Sees noch schön ruhig



Blick auf das Wettersteingebirge auf dem Rückweg vom FErnpass



Bergstationen der Bayerischen und Tiroler Zugspitzbahn - Das Wetter zog sich zu

Gefahrenstelle gemeistert ;-)

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