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2019

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Saturday, 20 July 2019 00:00

Alpencross 2019 - Summary

Nun, übrig geblieben ist von dieser Transalp erst einmal eine Erinnerung ein eine starke Gruppe, die ich bisher so noch nicht erlebt habe. Danke Jungs und Mädels für die Erfahrung, Euch begleitet zu haben. Es ist auch die Erinnerung, an ein tolles Miteinander und Respekt. Egal, wie gut der ein oder andere fuhr: Die Gruppe hat es akzeptiert und auch ggf. vorhandene Defizite berücksichtigt und versucht auszugleichen. Und das ist nicht immer so zu erwarten. Ich will meinen, dass es die beste Gruppe war, mit der ich bisher gefahren bin. Wenn ich dann mit der Gruppe gefahren bin. Denn eigentlich war ich ja Individual-Radler. Ohne Gruppe. Und das war auch eine ganz neue Erfahrung.

Mit meinem Freund Frank sollte es alleine los gehen. So ein wenig Bammel hatte ich schon. Kein Guide, der für uns verantwortlich war. Wir mussten das Wetter selber abschätzen. Unsere Kräfte auch. Und wir mussten bei Bedarf entscheiden, ob wir noch eine Alternativroute fahren, mehr Höhen- oder Tiefenmeter. Kein Guide, der uns das abnahm. Diese Erfahrung möchte ich nicht missen. Wir waren in der Lage, alleine zu fahren und haben uns auf uns verlassen können. Blind und auf jeden Fall kompromisslos. So ist das bei Freunden. Und dafür gilt es auch ein Dank auszusprechen an Frank. Aber es ist eben auch nicht nur eine Herausforderung, alleine zu fahren, mit viel weniger Erfahrung und Informationen, die ggf. ein Guide hat. Es gibt auch durchaus Vorteile. Es ist kein Gruppendruck da. Niemand, der schaut "man ist der langsam" und somit zu einer zu schnellen Fahrweise animiert. Aber es gibt auch keine Entschuldigung, dass Mitfahrer XYZ mit seinem Tempomachen an der ein oder anderen Kraftlosigkeit schuld ist. Alles ist mein eigenes Ding gewesen. Und ich bin froh, es so gemacht zu haben. Ich weiss, ich kann es eben auch alleine. Das ist übrig geblieben.

Übrig geblieben ist auch eine Freude, Spaß mit den Mitgliedern von Claudias Gruppe an 6 Tagen Zeit des Lebens verbracht zu haben, und die ein oder andere Träne gelacht zu haben. Man könnte sagen „Nu kloar“. Ist es aber bei Weitem nicht.

Tja, und ich hatte wieder das Privileg, in der schönsten Region Europas unterwegs zu sein. Mit dem Fahrrad, ohne Sturz, ohne Verletzung, ganz alleine mit meinem Willen und meiner Muskelkraft über die Berge zu fahren, und mich somit in die Reihe von Hanibal seinerzeit und unzähligen „Audo-“ und Lkw-Fahrern, die die Alpen jedoch mit Diesel- und Benzinkraft überqueren, eingereiht zu haben.

Letztlich soll das ja meine letzte Tourbuchung einer Alpenüberquerung gewesen sein. 6 Mal sollte genug sein. Hiervon habe ich einmal abgebrochen - nach Sturz und mit Fahrt Krankenwagen. Fünfmal habe ich eine erfolgreiche Alpenüberquerungen mit unterschiedlichsten Eindrücken, Menschen, Geschichten und Sensationen erleben können. Und das bei immer gutem Wetter. Ich hatte -bis auf die eine Ausnahme, wo ich dann auch gestürzt war- stets einen guten Lauf. Was das Wetter betraf, was die Touren betraf, meine Vorbereitung und meine Fähigkeiten. Ggf. sollte ich dieses Glück nicht weiter herausfordern oder gar überspannen, und eine weitere Transalp fahren. Aber ggf. wäre ich ja ein guter Guide. So sagte es z.B. Franz, der Guide von Claudia zu mir. Mal sehen, ob ich aus diesen Gedanken etwas machen kann. Wenn nicht, bleibt mir ja immer noch Schach oder Halma als Freizeitbeschäftigung.

Das war natürlich ein Scherz, dann Mountainbiken ist für mich nahezu perfekt. Ich bin auch dieses Mal wieder in Regionen gekommen, wo ich keine Menschenseele sah oder hörte. Und das war gut. Ich konnte wunderbar abschalten von allen Aufgaben bei der Arbeit und allen Herausforderungen meines Hobbies. Gerade von denen, die mir die letzten knapp 2 Monate keine Ruhe gelassen haben. Einfach weg aus dem Gehirn - und das ist gut so. Und da Mountainbiken auch das Herz-Kreislaufsystem stärkt, ist es doch optimal für einen alten Bürohengst, wie mich. Letztlich ist es ja auch so, dass beim Mountainbiken in den Alpen der Mensch eben doch sieht, wie klein und unwichtig er doch für die Natur ist. Eigentlich ist es der Erde egal, ob ich da bin oder nicht. Es würde gar nicht auffallen, wenn ich dort nicht mehr herum düse oder eben auch dort fahre. Auch das ist eine Erkenntnis, die ich immer wieder nach meinen Touren hatte und somit auch jetzt für einen gewissen Demut sorgt.

Jetzt komme ich aber zum Ende meiner Gedanken über und nach der Alpenüberquerung. Abschließen will ich jedoch mit zwei persönlichen Aussagen:

  1. Ich danke der tollen „Dubbe-Grubbe“ für die vergangenen Tage. Ihr könnt stolz sein. Jeder auf und über seine ihm eigene Art, die ein so harmonisches Gruppengefüge erzeugt hat. Und es war mir ein außerordentliches Vergnügen, teilweise mit Euch zu fahren, die Morgende und Abende mit Euch zu verbringen.
  2. Mein Freund Frank, auch mit Dir war es toll. Ohne Dich hätte ich diese Tour ggf. gar nicht gestartet. Daher Danke hierfür und auch für die harmonischen Fahrten in den Alpen inklusive der Vorbereitungen, bei denen wir immer wieder interessante Gedanken ausgetauscht haben. Natürlich hatte ich immer Recht, aber trotzdem schön zu hören, was Du meinst ;-) ;-) (Das war natürlich ein Scherz!!)
  3. Nun komme ich zum Stolz. Ja, ich bin stolz, es wieder einmal geschafft zu haben. Stolz sein kann auch meine liebe Claudia. Sie hat  gekämpft, sie hat alles gegeben, sie hat nie aufgegeben und mit ihrer Hartnäckigkeit und ihrem "Dickschädel" teils auch Unterstützung abgelehnt. Ich weiß um viele Herausforderungen, die sie zu bewältigen hatte. Diese hier war riesig groß. Sie hat sie gemeistert, mit eigenem Willen und auch mit ein wenig moralischer Unterstützung der Light/Leid-Gruppe. Dafür noch einmal der Dank an die "Dubbe-Grubbe" und eine ausgesprochene Hochachtung vor Claudias Leistung.
     

Das war sie nun, die Beschreibung meiner Transalp. Over and out.. Mal sehen, wann es wieder Ähnliches zu Berichten gibt.

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Friday, 19 July 2019 00:00

Alpencross 2019 - Tag 7

Heute wollten wir den Weg bis zum Malojapass mit der Gruppe fahren. Nachfolgend wollten Frank, Robin und ich jedoch etwas schneller über Chiavenna zum Lago di Mezzola fahren. Denn dort sollte das letzte Highlight, der Triaccolino Trail auf uns warten. 700 Höhenmeter am Stück sollten uns zur stillgelegten Schmalspurbahn, von der man einen top Ausblick auf den See und die umliegenden Berge hat, bringen.

Doch es kam leider anders, als geplant. Wie sagt Claudia immer so schön: Leben ist das, was passiert, während man noch plant. Und so war es auch hier. Nachdem wir am Malojapass angekommen waren, einen kurzen Fotostop einlegten, trennten sich unsere Wege. Ich fuhr vorweg. Recht langsam. Robin und Frank hinterher. Und an der ersten Spitzkehre hörte ich es schleifen, drehte mich um und sah Robin auf der Straße neben seinem Fahrrad. Von vorne kam ein Laster. Da hatte Robin Glück, dass dieser noch etwas weiter weg war. Robin stand auf, sein Vorderreifen hatte keinen hinlänglichen Luftdruck mehr und wir vermuten, dass das auch der Grund war, weshalb Robin in der Kurve gestürzt war. Was auch immer der Grund war, es führte letztlich zum Abbruch der Tour für Robin.

Traurig, nicht nur, weil ich heute gerne länger mit Robin gefahren wäre, um auch ihn etwas mehr kennen zu lernen. Viel trauriger ist, dass der Sturz zu einer Verletzung im Schulterbereich führte, die offensichtlich keine Kleinigkeit war. Ich drücke Robin beide Daumen, dass der Heilungsprozess gut und komplikationslos von Statten geht.

Heiko, der Shuttlefahrer, von dem wir uns früh morgens in Sils/Maria noch verabschiedeten, lud nur das Gepäck in Colico aus und kam zurück, um mit Robin zurück nach Deutschland in eine Klinik zu fahren. Franz blieb noch kurz bei Robin und ich fuhr nun mit der Gruppe nach meiner Erinnerung und meinem Navi in Richtung Chiavenna. Erst längere Strecke auf der Straße, dann noch einige kurze Steigungen, ein Wiesentrail, wunderbare italienische kleine Dörfer versüßten uns die vorletzten Kilometer. Franz, der 30 Minuten bei Robin blieb, erwartete uns in Chiavenna. Denn er fuhr nur Straße und konnte so selbstverständlich ohne 300 Höhenmeter, ohne Wald- und Wiesenwege Tempo machen.

Mittagessen in Chiavenna: Gute Pizza, lecker Eis, welches der Lateria di Livigno in nichts nachstand. Und so ging es auf die letzten Kilometer, die sehr ermüdend waren. Es war heiß, es war verglichen mit den Eindrücken der vergangenen Tage langweilig. Es war einfach eine flache Radwegstrecke, die nicht besonders beeindruckend war. Aber sie brachte uns unserem Ziel näher: Dem Comer See, genauer gesagt, Colico.

Und so erreichten wir alle gemeinsam den See. Ja, auch Frank und ich. Denn nach dem Sturz von Robin hatten wir auch keine rechte Muße mehr, den Tracciolino Trail zu fahren. Das war wahrscheinlich auch eine gute Entscheidung. Denn der Zusammenhalt der Gruppe auch mit uns „Indies“ ist in den letzten Tagen so stark geworden, dass es einfach nicht gepasst hätte, nicht gemeinsam am See anzukommen.

Das obligatorische Foto, oder -wer Jörg kennt- besser gesagt, die obligatorischen Fotos wurden gemacht, bevor es ins Hotel ging, nachfolgend Abendessen und dann zu einem Fotowettkampf um das beste Abendfoto am Comer See.

Das war sie nun, unsere Tour. Was ist übrig geblieben? Schauen wir mal auf die Zusammenfassung

Nun wieder einige Bilder des Tages: 

 

In kühler Morgenluft liegt unser Fahrweg im Schatten. Nur die oberengadiener Seen sind schon von der Sonne verwöhnt

Mittagessen in Chiavenna. Ordentlich wie so ein Jörg ist, haben auch unsere Räder zu stehen. Aber gut sieht es schon aus.

Der See ist erreicht. Im Hintergrund Gravedona, im Vordergrund Claudia und ich. Stolz wie Oskar genießen wir nun das Erlebte

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Thursday, 18 July 2019 00:00

Alpencross 2019 - Tag 6

Am vorletzten Tag hieß es erst einmal Bremsbeläge tauschen. Entweder bin ich zu schwer, oder zu schnell. Auf jeden Fall waren die vorderen grenzwertig abgefahren und die hinteren Beläge auch nicht mehr die Besten. Also wurde in der kühlen Morgenluft in Livigno – das Wetter wurde in der Nacht nach strömendem Regen doch sehr kühl- noch schnell ein Boxenstopp vor dem Hotel eingelegt. Nachfolgend hieß es Proviant bunkern, da das Mittagessen als Picknick hinter dem Forcola di Livigno stattfinden sollte.


Doch zuvor hieß es, einen Talweg zu fahren. Dieser ging wieder alternierend hoch und runter. Es ist schwer damit klar zu kommen, wenn man Morgens noch nicht den Rhythmus und das richtige Tempo hat. So erging es an diesem Morgen Claudia. Woher ich das weiß? Frank und ich entschieden uns, bis zum Forcola mit der Gruppe zu fahren, um nachfolgend noch den Berning Trail zu testen.
Ich merkte schon, dass Claudia die Kräfte verließen, bzw. sie ein zu hohes Tempo angeschlagen hat. Die Luft blieb ihr weg und so hat sie dann doch irgendwann ihr eigenes Tempo wieder gefunden. Sabine testete das E-Mountainbike von Heiko, der uns bis zum Bernina Trail begleiten wollte/sollte. Der Talweg war unspektakulär. Er war nicht leichter und auch nicht schwerer, als der weiter oben liegende Höhenweg. Im Nachhinein hätten Frank und ich diesen fahren sollen, weil dort die Aussicht besser ist. Aber Entschieden ist Entschieden und so muss ich für den Rest meines Lebens mit dieser Entscheidung leben. Macht nix, hat trotzdem mit der Truppe Spaß gemacht.

Nach ca. einer Stunde ging es nun hoch zum Forcola di Livigno. Erst im Tal etwas flacher, um kurz vor dem Pass dann in Serpentinen steil anzusteigen. Ich wollte diese Steigung, an der viele Biker schieben, durchfahren. Heiko und ich sahen, dass Marvin und Jörg schon in der ersten Kurve abstiegen. Das konnte nicht mit rechten Dingen zugehen. Und so waren wir uns einig, dass wir mal schauen, was dort los war. Bzw. wollten wir nicht gleich an der ersten Kurve scheitern. Gesagt getan, es ging gut los, wir fuhren und als ich am Scheitelpunkt der Kurve sah, dass ich besser den linken Pfad gefahren wäre, war es zu spät. Die Steine im Weg machten für mich ein Fahren unmöglich. Auch ich stieg ab und habe somit Heiko, der kurz hinter mir fuhr, ebenfalls zum Absteigen gezwungen. Sorry dafür. 5 Meter gehen und wieder in den Sattel. Nun, um ununterbrochen bis zum Forcola hoch zu fahren. 550 Meter und 90 Höhenmeter. Teils rutschiger Schotter, teils mit etwas größeren Steinen. Ich fuhr hoch, mein Puls raste und so machte ich in einer Kurve eine kurze Pause, um den Puls herunter zu bringen. Hier war jedoch eine Wegbeschaffenheit, die mich daran hinderte, erneut zu pedalieren. 20 Meter gegangen und wieder aufs Rad. Und nun klappte es auch  bis oben.

Jörg, der vor mir oben war wollte Sabine und Claudia helfen und so gingen wir beide den Berg wieder herunter, um die Räder zu schieben. Sabine lies sich helfen, Claudia wollte es alleine schaffen. So ging ich neben ihr her und erzählte, als mich plötzlich eine Bikerin schiebend überholte. Na, das war doch Franks Bekanntschaft von gestern. Sie fuhr mit einer Gruppe, die von einem Guide aus Göttingen geführt wurde. Kurze Unterhaltung mit dem Guide und schon ging es zum Shoppen von Lebensmittel für das gleich anschließende Picknick in grandioser Bergkulisse.

Der Berninatrail, den wir nachfolgend fuhren, ist unbeschreiblich. Frank, Jörg und auch Heiko, der ihn für seine Tour nächste Woche einmal ausprobieren wollte, fuhren ihn mit mir. Es geht teils steiler linksseitig abwärts, aber das ist auf das Gelände, nicht auf den Trail, der kontinuierlich nach oben geht, bezogen. Wir fuhren und schoben an kritischen Stellen. Bis wir am höchsten Punkt ankamen. Dort lag es vor uns: Das Bernina Massiv. Beeindruckend groß ist das Massiv aus Piz Bernina und Piz Palu. Wir machten ein Foto nach dem Anderen. Und was sahen meine Augen? Besagte Mountainbikerin vom gestrigen Tag und heutigen Vormittag mit ihrer Gruppe, die uns einholte. Na, das wird ja langsam unheimlich. Oder auch nicht, denn es ist ja ein Zeichen, dass offensichtlich viele Radler unser Hobby teilen und auch über die Alpen zum Comer-See streben.

Wir verabschiedeten und, fuhren feinen Singletrail Richtung Berninapass, wo wir wieder auf die Gruppe stießen, mit der wir nachfolgend super Flowtrail in Richtung Pontresina fuhren. Ein kurzer Abstecher zum Morteratsch Gletscher schloss sich an. Es ist schon beeindruckend, wie weit sich der Gletscher, den ich schon einmal vor 3 Jahren besuchen konnte, sich innerhalb dieser Zeit zurück gezogen hat.

Weniger beeindruckend war der Weg über St. Moritz nach Sils/Maria. Die letzten Kilometer gegen den starken Malojawind ankämpfend auf der Straße Windschatten-fahrend. So erreichten wir unsere letzte Übernachtung vor dem Zielort Colico gegen 18 Uhr. Ich war schon kaputt, einfach müde, etwas ausgelaugt, aber auch freudig den Abschluss am morgigen Tag erwartend.

 

 

Nun wieder einige Bilder des Tages: 

 

Der Berninatrail hinter dem Forcola di Livigno. Nach kurzer ZEit haben wir das Berninamassiv stets vor Augen

An einigen Stellen geht der Trail doch recht steil nach oben und linksseitig recht steil nach unten

Die Abfahrt zum BErninapass ist flowig und macht sehr viel Spaß. Einfach mal nachmachen ;-)

Eine er unzähligen Fotostops, wenn man mit Jörg fährt. Aber alle Fotos waren es wert, anzuhalten!

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Wednesday, 17 July 2019 00:00

Alpencross 2019 - Tag 5

70km, 2350 Höhenmeter, das Frühstück erst um 07:30 Uhr, die Eisdiele in Livigno schließt um 18:00 Uhr und der Wetterdienst sagt ab ca. 15:00 Uhr Gewitter in Livigno voraus. Das sind keine besten Voraussetzungen, Livigno trocken zu erreichen um dann noch ein Eis in der Lateria di Livigno zu genießen. Frank hat Respekt vor den 2350 Höhenmetern. Ich denke, es ist gut machbar, jedoch nur, wenn wir um 07:30 Uhr los fahren. Doch Frühstück gibt es nicht früher. Somit möchte sich Frank zu Claudia und Sabine gesellen, die die ersten 500 Höhenmeter ins Bergmannsdorf S’Charl mit dem Postbus fahren möchten. Wir kommen so zwar auch nicht früher in Livigno an, hätten aber Kraft gespart und das zumal die Teerstraße nach S’Charl nicht ganz so spannend ist. Wobei die hoch aufsteigenden Berge im Tal schon sehr imposant sind. Ich würde jedoch gerne mit dem Rad fahren, entscheide mich aber doch für die Bustour. Nicht, um das Horn eines Schweizer Postbusses zu hören, sondern, weil ich mit Frank unterwegs sein möchte, der alleine kein Postbus fahren möchte. Und die Wettervorhersage, die je nach Wetterdienst eben Gewitter voraussagt, spricht eigentlich auch dafür, früher in Livigno anzukommen.


Also ab in den Postbus. 14 Schweizer Franken für mich und genauso viel für mein Rad. Also knapp 28 Euro. Gleiches bezahlen Frank, Claudia, Sabine und Hans, der sich kurzentschlossen noch zu uns gesellt. Der Rest der Truppe fährt. Jedoch müssen Marvin, Jörg und Franz, der Guide ja auch nicht mehr über das Val Mora, den Gallo-Pass und dann nochmal den Trela Pass. Sie fahren vom Ofenpass herunter und lassen sich durch den Tunnel nach Livigno shutteln. Das ist jedoch nicht die Strecke von Frank und mir.

Wir fahren also mit dem Bus  nach S’Charl, verabschieden uns von den anderen Drei und treten in gutem Tempo in Richtung Alpe Astras. Linksseitig lassen wir den höchsten Zirbenwald Europas liegen. Dort kommt sicher das Holz für unser neu erstandenes Bett her (oder eher auch nicht ?). Die Alpe Astras ruft stolze 5 Euro für eine kleine Flasche Cola auf. Frank und ich wollen Zucker, also geben wir das Geld aus. Zudem war die „Wirtin“ mehr als wortkarg, ich würde es sogar unfreundlich bezeichnen. So habe ich mich im Nachhinein geärgert, dass ich die kleine Erfrischung nicht auf der Alp Campatsch zu mir genommen habe. Aber sei es drum, wieder etwas gelernt. Hier lasse ich in Zukunft kein Geld mehr. Ggf. weil ich hier nicht mehr langfahren werde?

Nun ging es über den Pass Costainas und der Alpenhauptkamm müsste überschritten sein. Das Wetter war auf der nun folgenden Abfahrt schon recht warm. Und das ist doch ein eindeutiges Zeichen, oder ?. Und auch auf dem nachfolgenden Singletrail, den wir aufwärts fahren und schieben mussten war es ebenfalls recht warm. Die Kräfte waren noch da, aber wir hatten ja noch einiges vor uns und so motivierte uns der linksseitig immer wieder sichtbare Ortler. Ein grandioser Ausblick, dieser höchste Berg in Südtirol, der mit Schnee bedeckt so majestätisch über den anderen Bergen liegt. Und wir sahen auch die Straße zum Umbrailpass aus dem Val Mustair, den Frank und dich vor zwei Jahren einmal gefahren waren. Auch konnten wir den Weg aus dem Val Mustair zum Döss Radond erahnen, den wir seinerzeit mit Holger Schaarschmidt auch bei heißen Temperaturen erklommen hatten. So beeindruckte mich die Erinnerung, aber auch die Gegenwart. Hier die für mich unbeschreiblich schöne Natur. Doch auch dieser Eindruck hatte irgendwann ein Ende, denn es ging über eine lange Abfahrt in Richtung Ofenpass, die angesichts von teils rutschigem Schotter oftmals volle Konzentration erforderte.

Die letzten Meter zum Ofenpass erforderten nicht viel Konzentration oder Kraft. Sozusagen Business as usual. Lediglich die unfreundlichen E-Biker, die uns in einer Kolonne recht eng überholten und dabei noch nicht einmal grüßten (OK, der vorletzte von denen tat es) waren nicht business as usual. Oder sie waren es, und ich muss mich an solche Unfreundlichkeit gewöhnen. Ähnliches hatten wir ja schon am Marienbergjoch erlebt.

Am Ofenpass selber war die kleine Flasche amerikanisches Sodagetränk billiger 4,20 Euro. Bei dem Schnäppchen haben wir dann gleich doppelt zugegriffen, unsere vorher in Scoul gekauften Vinschgerl gegessen um  gegen 12 Uhr und ein paar Minuten später auf einem schönen Singletrail zur Buffalora Alpe zu fahren, wo uns wieder ein knackiger Anstieg erwartete. Schieben war angesagt, aber das gehört ja zum Mountainbiken dazu. Das ist sicher keine Schwäche, sondern kann auch Taktik sein. Denn nach dem Anstieg ging es über das Val Mora, und wir konnten die Hochebene ausgiebig genießen. Nachdem uns ein VW Amarok überholt hatte, war bis zum Livigno-Stausee keine Menschenseele mehr zu sehen. Ach halt, uns kamen zwei Mountainbiker entgegen.

Auf dem Schotterweg, der uns in ca. 80 Meter Höhe am Livigno-Stausee in Richtung Lago die San Giacomo und somit aus der kostenintensiven Schweiz wieder nach Italien brachte passierte es: Der Weg war weg. Ein Steinrutsch verschüttete offensichtlich den Weg. Nun war ein Steilhang von ca. 60 Grad vor uns, und wir mussten diesen über eine Länge von ca. 3 Metern überwinden. Unter uns geschätzte 80 Meter 60 Grad abgängige Schotterwüste, die in den Livigno Stausee führte. Stück für Stück arbeitete ich mich vor. Keine richtige Stufe, auf der man stehen konnte. Mein Herz schlug, ich beruhigte mich immer wieder, aber die Gefahr des Abrutschens war durchaus gegeben. Nach einigen Minuten war ich drüben. Nun war Frank dran. Auch er bemühte sich redlich, nutzte jedoch eine andere Taktik als ich. Hierbei half ich ihm auch und auch er hatte es letztlich natürlich geschafft, dieses Hindernis zu überbrücken. Eine oberflächliche Abschürfung an meinem rechten Unterarm war das Ergebnis. Aber das ist Kleinkram, verglichen mit der Gefahr, die wir beide wahrgenommen hatten.

So ging es recht zügig weiter in Richtung Lago di San Giacomo bzw. Lago di Cancano. Der Rest unserer beiden Vinschgerl wurde gegessen und gegen 15:00 Uhr waren wir am Fuße des Aufstiegs zur Trela Alp. Ein widerlicher Aufstieg. Rutschig geht es auf wenigen Kilometern ca. 200-300 Höhenmeter nach oben. Ich kam heute so weit, wie noch nie beim Aufstieg. Frank zog es vor, den Weg per Pedes zu gehen. Und er sollte es nicht bereuen. Als ich auf der Alpe Trela auf ihn wartete, um die letzten Meter zum Trela Pass auf mich zu nehmen, fuhr eine nette Mountainbikerin an mir vorbei und fragte, ob ich auf meinen Kumpel warten würde. Er hätte sie mit hoch gezogen. Sie war sichtlich beeindruckt und nachfolgend kamen wir in ein weiteres Gespräch mit ihrer Gruppe, die sie am heutigen Tag aus Santa Maria hier hoch brachte. Unsere Wege trennten sich nicht wieder, da auch diese Gruppe zum Trela Pass wollte. Wir fuhren in etwas Abstand, trafen uns am Trela Pass wieder und fuhren uns gegenseitig überholend den feinen Singletrail 4 Kilometer bergab. Die letzte Steigung, dann noch ein Waldtrail und wir waren in Livigno.

Vor 18 Uhr konnten wir unser Eis in der Lateria schleckern. Natürlich nicht alleine, denn die besagte Gruppe mit der Mountainbikerin aus Hamburg, die nun wegen der Liebe und Arbeit in Stuttgart wohnte, gesellte sich zu uns und so aßen wir das Eis. Die Gruppe von Claudia kam fast gleichzeitig an und genoss ebenfalls Eis. Jedoch in einer anderen Eisdiele.
Mehr gibt es über diesen Tag nicht zu berichten, außer, dass die Lateria das bessere Vanille Eis hatte, während ich das Erdbeereis in der alternativen Eisdiele doch besser fand. Aber jetzt Schluss, die vorletzte Etappe steht vor der Tür und so hieße es schlafen gehen.

Halt, da war doch was. An Schlafen war nicht zu denken. Irgendwelche Zeitgenossen im Zimmer unter uns hatten offensichtlich viel Spaß. So viel Spaß, dass einer dieser Zeitgenossen irgendwann auf dem Boden kniete, weil er sich den Bauch vor Lachen halten musste. Das blieb auch uns im Zimmer drüber nicht verborgen und irgendwann konnte ich auch nicht mehr lachen. Zu lustig waren die per WhatsApp ausgetauschten Nachrichten und das akustisch Wahrgenommene. Jörg und Marvin haben trotz der Anstrengungen der letzten Tage ihre Energie offensichtlich nicht gänzlich verbraucht und nutzten Sie zur Freude von uns allen. Ihr seid einfach klasse!!

 

Nun wieder einige Bilder des Tages: 

 

Der schneebedeckte Ortler im Hintergrund sticht in der Ferne recht imposant hervor

Nach dem anstrengenden Aufstieg von der Alp Buffalora ein Blick zurück. Die Bergwelt hier ist wunderschön

Val Mora, unser Ziel nach dem Ofenpass. Hier waren wir fast ganhz alleine

Einige Kühe sahen uns ungläubig zu

Hier war der Weg durch einen Erdrutsch schwer passierbar. Gemeinsam haben Frank und ich es jedoch (bei einiger Angst angesichts des Steilen Abhanges) geschafft, die glatte Fläche zu überwinden

Der Aufstieg zur Aple Trela ist kein Zuckerschlecken.

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Tuesday, 16 July 2019 00:00

Alpencross 2019 - Tag 4

Der vierte Tag sollte uns nun über den Fimberpass in Richtung Schweiz führen. Wir fuhren heute getrennt von der Gruppe. Wir waren ja auch Indis. Doch so ganz verließ uns die Gruppe nicht. Denn wie schon erwähnt, wollten Jörg und Marvin den Weg über den Fimberpass fahren. Und so konnten sie mit uns die Strapazen auf sich nehmen. Natürlich nicht ganz von unten aus Ischgl. Holger- ein anderer Guide- fände die Auffahrt zur Heidelberger Hütte wahrscheinlich angebracht. Aber wir wollten genießen, Spaß haben, die Natur und Sonne, die den heutigen Tag begleitete, genießen. Und so fuhren wir mit der Seilbahn erst einmal auf das Idjoch.


Hier trennte sich der Weg von Claudias Gruppe und uns. Während Claudias Gruppe über den Grenzkamm, der noch über einen weiteren Sessellift erreicht wurde, fuhr, um nachfolgend nach Samnaun abzufahren und über den Unterengadiner Höhenweg nach Scuol zu fahren verschlug es uns erst einmal auf einen Flowtrail bergab.

Heiko, der gestern schon hier gefahren war berichtete von nassen und auch ausgewaschenen Stellen, so dass wir darauf verzichteten, über die Greitspitz und den Salaaser Kopf herunter ins Fimbertal zu fahren. Wir fuhren also direkt von der Idalpe bergab über Flowtrails. An den nassen, ausgewaschenen Stellen waren Holzbohlen verlegt. Und das wäre fast mein Verhängnis geworden. Ich fuhr voran und merkte zum Glück auf der ersten Holzbohle beim Bremsen, dass diese Bohle wie Schmierseife war. Keine Bremswirkung! Ich brachte das Fahrrad noch unter Kontrolle, rief den anderen Vorsicht zu und musste merken, wie Adrenalin meinen Körper durchzog. Die erste Bohle war nass und matschig. Also konnte ich nicht von einer guten Haftung sprechen. Die nächste Bohle war nicht besser, war sie noch von Raureif überzogen. Also fuhren wir langsam bergab. Ich war heute der letzte, da ich immer noch vorsichtiger fuhr, als die anderen Drei.

Nach geschätzten 100 Höhenmeter Schieben ging es auf den nächsten Trail, der uns endgültig ins Fimbertal brachte. Hier kurbelten wir nun an schönen Wiesen vorbei mal etwas steiler, mal etwas flacher der Heidelberger Hütte entgegen. Ich vorweg, In einigem Abstand folgte mir Jörg und dann Frank und Marvin. Das Tempo lief gut und ich war nicht kaputt. Die Wärme, die sich mittlerweile einstellt, war auch kein Problem. Das einzige Problem war die Kuhherde, die vor einer Weidensperre stand und kein durchkommen versprach. Kälber waren von ihren Müttern umringt und so zog ich es vor, die Wiese hoch zu gehen, um in gehörigem Abstand über eine Feldmauer zu klettern, mein Bike ebenfalls darüber zu heben. Ich wollte die Tiere nicht stören und war nicht gerade darauf erpicht, Probleme zu bekommen. Während meines Aufstiegs auf der Wiese kam Jörg näher und die Herde löste sich etwas auf. Wie ärgerlich. Aber so konnte ich wieder einige Meter mit Jörg zu fahren, bis er das nächste Foto schoss. So fuhr ich die letzten Meter alleine zur Heidelberger Hütte. Hier sollte es ein Kaiserschmarrn sein. Der ist so hammergut auf der Hütte, so dass ich diesen auf jeden Fall noch vor der nächsten Anstrengung essen wollte.

Es gilt noch zu erwähnen, dass ich auf dieser Etappe wieder viele Murmeltiere hören und auch sehen konnte. Eines sogar recht nah, ca. 5 Meter von mir entfernt. Als ich jedoch auf die Pirsch ging, um ein Foto zu schießen, verkroch sich der kleine Racker schnell in seine Behausung. Aber auch auf dem späteren Aufstieg direkt zum Pass hörte ich mehrfach die possierlichen Tiere und sah auch einige, von denen eines sogar meinen Weg kreuzte.

Doch erst einmal an der Heidelberger Hütte angekommen, fühlte ich mich schlecht. Ich erfreute mich zwar an drei Murmeltieren, die miteinander spielten, aber irgendwie war ich leer. Ich weiß nicht, woran es lag. Interessanterweise ging es Jörg, der knapp 5 Minuten nach mir kam, genauso. Ich bestellte zwar den Kaiserschmarrn mit einer Johannisbeerschorle, aber so richtig Appetit hatte ich nicht. So teilte ich die Speise mit Jörg und das war auch genug. Mein Unwohlsein, entschwand jedoch nach 15-20 Minuten und so konnte ich den Kaiserschmarrn schon genießen. Eine zweite Schorle musste her um den Flüssigkeitshaushalt aufzufüllen. Denn nach dem frühen Mittag gegen 11:00 Uhr hieß es nun, den Aufstieg zum Pass wagen.

Zuerst führte Frank, dann zog es sich auseinander und ich konnte den Rest der Truppe hinter mir immer wieder sehen. Einige Meter konnte ich fahren, andere nur schieben. 500 Höhenmeter lagen so vor mir bzw. uns. Die Umgebung war eine Wucht. Schneedurchzogene Berge, blauer Himmel, Sonnenschein und völlige Einsamkeit -wenn man von den 2 Wanderern, die mich in den 60 Minuten des Aufstiegs beim Entgegenkommen begrüßten, mal absieht. Hier zeigt sich einfach ein weiteres Mal, wie klein wir doch alle sind. Und wie stark die Natur ist und wie schwach ich doch war (zum Glück war ich nicht der Einzige), zeigte sich auch an der letzten richtigen Steigung vor dem Pass. In Serpentinen ging es nun den Berg hoch. Das Fahrrad ist hier nicht mehr einfach zu halten. Selbst beim Schieben muss man ab und zu die Bremse ziehen, damit das Rad nicht zurück rollt. Die Höhe ist anstrengend, der Sauerstoffpartialdruck geringer, so dass das Atmen schneller ausfällt. Wir sind auf knapp 3000 Metern. Die habe ich auch bald erreicht, gehe über das letzte Schneefeld, wo man normal fahren würde. Und es ist geschafft!. "Wimboa-Bass" ruft mir 5 Minuten später Jörg in bestem Sächsisch  zu. Der Blick zurück, wunderbar. Der Blick nach unten ins Tal: ULP beschreibt es auf seiner Homepage so: „Ehrfürchtig blicken wir dem auf 2608 Metern gelegenen Fimberpass entgegen, dessen karge und raue Landschaft den Eindruck erweckt, man folge der Annapurna-Route (oder einem heiligen Bergpfad) im Himalaya. Auf einem wunderschönen Singletrail, der seinesgleichen sucht, verlassen wir diese hochalpine Region“. Und diesen Singletrail schauen wir uns von oben an. Wenn die Annapurna-Route genauso schön ist, wie die Abfahrt vom Fimberpass ins Unterengadin, so möchte ich da auch mal hin. Oder nein- wenn sie genauso schön ist, dann brauche ich da nicht hin, weil ich diese wunderbare Aussicht ja nun am Fimberpass erlebe.
Wir machen einige Fotos, Frank und Marvin kommen auch dazu. Marvin hat sich zwei Blasen gelaufen und wird fachmännisch medizinisch von unserem Rettungssanitäter Jörg versorgt und schon geht es bergab.

Das obere Stück des nun folgenden Singletails ist für meine Verhältnisse schon stark verblockt. Ich bin den Trail einmal mit Lutz, einmal mit Robert, einmal mit Holger und nun alleine gefahren. Und ich muss sagen, dass er in den letzten 5 Jahren zunehmend ausgesetzter geworden ist. So zumindest mein Gefühl. Also schiebe ich im oberen Teil mehr, als ich eigentlich möchte. Aber ich möchte hier auf keinen Fall stürzen. Trotz der -nach meinem Sturz 2018 und dem nachfolgenden Krankenhausbesuch- obligatorischen Knieschützer ist es mir hier doch zu gefährlich. Doch bald geht es wieder mit dem Fahren. Ein Schneefeld versperrt uns den Weg, wir gehen drüber um nachfolgend wieder zu fahren. An einigen Stellen erscheint mir der Trail zu rutschig. Ich habe offensichtlich den Sturz letztes Jahr noch nicht ganz verdaut, und so schiebe ich ab und zu ein wenig. Ich versprach es ja auch Claudia. Doch was macht Claudia gerade? Ist sie schon auf dem Unterengadiner Höhenweg? Das ist sicher auch ein grandioses Fleckchen der Erde. Die Aussicht dort ist wunderbar und ich konnte sie bei der „GoWild“ Tour mit Holger im Jahr 2017 genießen. Jedoch fuhren wir anders herum und ich kann mir so schon vorstellen, welche Herausforderung bei der mittlerweile gleißenden, heißen Sonne dieser Weg für Claudia sein mag.

Aber für mich und uns heißt es aufpassen. Die Kräfte sind ja nicht mehr die stärksten und so konzentrieren wir uns auf der nachfolgenden Speed-Abfahrt zur Tanna Da Muntanella in Griosch. Schade, der mir schon zweimal aufgefallene „Alp-Öhi“, der original wie im Heidi-Film aussieht, ist nicht da. Dafür die sehr nette Wirtin, die mir sogleich einen Rübli-Kuchen mit samt Alpenrosen-Sirup verkauft. Köstlich! So kann man es aushalten. Die Sonne scheint, ein toller Weg liegt hinter uns und wir haben noch einige wenige Trails durch den Wald in das Val Sinestra, über zwei Hängebrücken vor uns. Dieses gehen wir auch nach 40 Minuten an, um dann am späten Nachmittag in Sent und dann Scoul im Kanton Graubünden einzufahren. Der herrliche Wiesentrail mit Blick auf die Einfahrt zur imposanten Uina Schlucht und nachfolgend in das Tal, welches wir morgen nach S’Charl hinauf fahren wollen, beschließt den Tag.

Im Hotel Traube angekommen, heißt es Bike Pflege und Warten auf die Light-Gruppe, die mittlerweile „Leid-Gruppe“ getauft werden konnte. Denn die Light Variante der Strecke Garmisch-Comer See ist in meinen Augen eher eine Light+ Tour, wenn ich sie mit der Tour zum Gardasee vergleichen müsste.

Egal, die Gruppe ist auch da, das Abendessen, welches dem sehr angenehmen und geschmackvollem Ambiente des Hotels Traube in nichts nachsteht, beschließt irgendwann den Abend. Halt, noch nicht ganz. Wir schauen aus unserem Fenster des kleinen Zimmers unter dem Dach und sehen noch Jörg und Marvin ganz alleine auf der Terrasse etwas trinken. Was? Na, Claudia und ich vermuten Hefeweizen. Und so ziehen wir uns wieder an, und gesellen uns zu den Beiden und haben noch das ein oder andere schöne Gespräch. 21:30 heißt für uns dann Schlafen gehen, denn morgen soll die Königsetappe nach Livigno auf dem Plan stehen.

 

Nun wieder einige Bilder des Tages: 

 

Das Fimbertal in Richtung Heidelberger Hütte. Es zieht sich, aber ist locker -weil moderater Anstieg- zu fahren

Nach einer Stunde Aufstieg über 500 Höhenmeter ist es geschafft. Umrahmt von Schneebepunkteten Bergen ist der Fimberpass erreicht.

Das Unterengadin in Richtung Griosch. Unendliche Weiten und Einsamkeit

Nach der Anstrengung am Fimberpass konnte ich auch mal die Beine hochlegen

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Monday, 15 July 2019 00:00

Alpencross 2019 - Tag 3

Der Dritte Tag steht im Zeichen einer Transferetappe aus dem einen Bike-Revier in das nächste. Und so fuhren wir nach einem ausgiebigen Frühstück entlang des Inntal-Radwegs in Richtung Zams. Kurz vor Zams verabschiedeten sich Frank und ich von Claudias Gruppe, um einige Höhenmeter in Angriff zu nehmen. Wir wollten zur Kronburg, die hoch über Zams thront und einen schönen Überblick  in das Tal verspricht. Noch mehr verspricht sie jedoch Abfahrtspaß über einen verwurzelten Trail um nachfolgend über einen Wiesenweg ganz flowig ins Tal zu führen.

Wir aßen in Zams eine Banane, um gleich darauf durch Landeck zu fahren. Hier führte uns der Weg über enge steile Straßen hinaus auf die Verbindungsstraße Landeck-Tobadil, wo wir noch ca. 6 Kilometer mit moderater Steigung bis Tobadil vor uns hatten. Der Ausblick in Richtung Paznaun und auch zurück zur Kronburg war sehr schön. Das Wetter war nicht sehr warm, eher frisch. Die Sonne war nicht zu sehen. Doch das verringerte die Aktivität meiner Schweißdrüsen nicht. Denn ein Kilometer vor Tobadil, als ich durch Zufall Claudias Gruppe einholte, war mein Trikot durchnässt. Frank, der etwas später ankam, hatte mit ähnlichem zu kämpfen.

Nun entschieden, wir, mit der Light-Gruppe zu fahren. Der Weg war ja fast der gleiche. Zumindest bis Tobadil. Claudia fuhr noch ganz gut mit, die Stimmung war gut. Nicht zuletzt durch den „Sonnyboy“ Jörg, der mit Marvin stets einen lustigen Ausspruch auf der Lippe hatte.

In Tobadil sollten sich unsere Wege wieder trennen. So dachte ich zumindest. Doch weit gefehlt, der Trail, den Frank und ich auf uns nehmen wollten (und der noch einige Hundert Höhenmeter Steigung bedeutete) sollte auch von der Light-Gruppe in Angriff genommen werden. Das erschien mir zwar nicht passend, war aber wohl der offizielle Weg. Ich fuhr mal mit Jörg, mal mit Frank, mal mit Marvin und machte zwischendurch einige Fotos. Letztlich fuhr ich auch mit Claudia, die nach einer Steigung Probleme mit der Atmung bekam. Das machte mir Sorgen. Hat sich Claudia überfordert? Ist sie zu schnell gefahren? Atemprobleme sind nun das Letzte, was man haben möchte. Doch glücklicherweise waren diese nach ca. 30 Sekunden nicht mehr vorhanden uns so begleitete ich Claudia die nächsten Meter in einem gemäßigteren Tempo. Bis zu einem Wandhydranten. Hier wartete die Gruppe. Und es war genauso, wie am ersten Abend besprochen. Niemand murrte, alle freuten sich, Claudia zu sehen. Das sprach für die Gruppe! Einfach tolle Menschen. Es geht auch anders. Das hatte ich ja nun auch schon erlebt.

Die letzten Meter zum Trail ging es noch einmal schiebend nach oben. Hier stand er, der Paznauer Killer-Hund. Er baute sich vor mir auf, bellte mich an. Ich baute mich vor ihm auf und mir schlotterten die Knie. Zum Glück rief ihn sein Besitzer zurück, denn mir war schon sehr unwohl in der Situation. Also ging ich vorsichtig an ihm vorbei, bevor ich begann, den Trail zu fahren. Die Abfahrt war für einige zu heftig. Hans und Sabine schoben vor mir, bis ich sie überholte, damit ich den Trail fahren konnte. Denn mir gefiel dieser und ich verlor etwas mehr Respekt vor dem Trail fahren, den ich gestern noch bei der Abfahrt von der Hochthörlehütte hatte.

Wir sammelten uns nach der abschließenden Wiesenabfahrt, wo wir auf Sabine und Hans warteten. Auch hier kein Murren, Mucken oder Lästern. So geht es auch!!
Mittagessen gab es in See. Spaghetti Bolognese und wer weiß noch was alles verzehrt wurde. Der Himmel klarte auf, die Sonne kam heraus, es wurde wärmer und wir nahmen die Steigung zum Paznauer Talweg auf uns. Der Talweg führt nicht im Tal entlang, sondern in einiger Höhe über dem Tal. Und er zeichnet sich durch wechselnde Steigungen und Gefälle aus. Diese alternierende Wegführung macht das Fahren nicht einfach. Bei mir stellte sich noch kein rechter Rhythmus ein und so ging es mehreren. Auch Claudia, die sich jedoch im Gegensatz zu mir quälte.
Woher wusste ich das? Frank und ich entschieden angesichts der gleichen Routenführung am Nachmittag wieder mit „unserer“ Gruppe zu fahren. Und das war auch gut so. Denn kurz vor Kappeln bot ich an, mit Claudia und Sabine im Tal weiter zu fahren. Es war heute so nicht der Tag von Claudia und im Tal erschien die Fahrt einfacher. Franz stimmte dem Vorhaben auch sofort zu und so ging es mit guter Geschwindigkeit herunter, um nachfolgend im Tal hoch in Richtung Ischgl zu treten.

Wir kamen recht gut voran und 2 Kilometer vor Ischgl trafen wir auch wieder auf den Rest unserer lustigen Leidensgemeinschaft für die Woche. Das war so nicht geplant, war aber fein, da wir so gemeinsam nach Ischgl einrollen konnten.

Das Hotel Castel in Ischgl ist nur zu empfehlen. Eine nette Chefin, ein guter Service, ein prompter Wäscheservice, tolles Essen, wunderbare Zimmer, ein toller Geruch im Haus und ein wenig Abstand zum eigentlichen Ortskern zeichnen das Hotel aus. Nach dem obligatorischen Getränk und der Dusche gingen wir noch kurz durch Ischgl, bevor das Abendessen rief.

Und Eines ist zu erwähnen. Ischgl scheint unheimlich viel Geld mit dem Tourismus zu verdienen. Wenn man sieht, wie viel Infrastruktur -angefangen von einer überdimensionalen Tiefgarage bis hin zu endlosen Metern Rolltreppe unter der Stadt- angelegt worden sind, so muss sich die Investition ja lohnen. Zumindest finanziell. Optisch lohnt es sich keinesfalls. Denn Ischgl kann man nur als hässlich, nicht der Umgebung angepasst bezeichnen. Ich finde es scheußlich. Auch dem Winter-Skizirkus, der mit vielen Konzerten von Musikstars, die omnipräsent mit großen Plakaten dargestellt werden, gespickt ist, wäre wohl nicht mein Ding. Aber Respekt habe ich schon vor der Marketingleistung, die Ischgl so bekannt und für einige Zeitgenossen offensichtlich begehrenswert gemacht haben.

Das Abendessen war ein Gaumenschmauß und so gingen wir mit müden Knochen in unser schönes Zimmer, um dem Körper wiederum etwas Ruhe und Erholung zu gönnen.

Nun wieder einige Bilder des Tages: 

 

Die Die ABfahrt von der Kronburg in RIchtung Zams. Nach einem Wurzeltrail fanden wir hier feinste Wiesen zum Radeln vor

Die Sonne hatte den Weg durch die Wolken gefunden und so fuhren wir bei warmen Wetter den Paznauer Talweg entlang durch Wiesen, Dörfer und Wälder

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Sunday, 14 July 2019 00:00

Alpencross 2019 - Tag 2

Der Sonntag brach an mit Wolken. Es sollte die Nacht regnen, und im späten Verlauf des Sonntags in Imst (unserem Zielort für die erste Etappe) ebenfalls. Nun, Nachts hat es nicht geregnet. Zumindest habe ich es nicht mitbekommen. Aber der Himmel über der Zugspitze und dem Waxenstein, auf die ich aus unserer Balkontür schauen konnte, verhieß nichts Gutes. Wolken, Wolken, Wolken. Das ist es nicht, was Du haben möchtest, wenn Du eine Etappe über knapp 70 km fahren möchtest, dabei mehr als 1500 Höhenmeter hinter Dich bringen willst. Das macht bei Regen sicher keinen vermehrten Spaß. Aber auch hier gilt „schau ‘n mer mal“, denn ändern können wir das sowieso nicht.


Um 08:24 konnte ich nach dem Frühstück in die Pedale einklicken, nicht jedoch, ohne vorher noch das obligatorische Startfoto gemacht zu haben. Ich glaube, es waren alle aufgeregt. Dachte mir das zumindest von Hans, der sehr still war und auch von Jörg, der -so glaube ich- die Wörter, die Hans nicht sprach, mit der Runde teilte. Denn Jörg erzählte so viel, wie ich es kaum für möglich gehalten habe. Jörg erscheint mir eine wahre Frohnatur zu sein. Das wird sicher eine schöne Tour für Claudia und Sabine. Frank und ich fuhren genau um 08:24 los und zwar in Richtung Eibsee. Die Gruppe um Claudia, Sabine, Jörg, Marvin und Hans fuhr mit ihrem Guide Franz in die entgegengesetzte Richtung, nämlich zum Plansee. Wir sollten uns am späten Nachmittag in Imst wieder sehen.
Nun ging es also los. Ich kannte den Weg zur Hochthörlehütte ja und musste so mein Garmin Navi nicht einschalten. Das Tempo war moderat. Ich hielt mich an Frank, der ja so immer mein Tempomacher ist. Die ganze Saison habe ich mein Tempo nicht so richtig gefunden. Ich war eher immer zu schnell unterwegs, öfter am Limit. Aber das durfte hier nicht passieren, denn 6 Tage am Stück halte ich das dieses Jahr i.d.R. gefahrene Tempo nicht durch. So war ich froh, dass Frank das Tempo vorgab und wir fuhren zuerst eine Teerstraße, bis wir nach dem Kreuzen der Bahnlinie der Bayerischen Zugspitzbahn in den Wald fuhren. Die erwähnte Bahn kam auch gleich. Noch ein kurzes Foto von Frank mit der Bahn im Hintergrund und es ging die ersten richtigen Höhenmeter bergauf. Alternierend, mal gerade, mal steiler fuhren wir so die ersten 100-150 Höhenmeter zum Eibsee. Und wie jedes Mal, als ich diese Strecke fuhr (ich glaube, ich fuhr jetzt das sechste Mal zur Hochthörlehütte) war ich wieder kurz vor dem Hyperventilieren ;-). Hier bin ich jetzt recht schnell, es ist somit recht anstrengend und so richtig ist der Rhythmus noch nicht da. Aber wir kamen gut an der Bahnstation Eibsee an, schauten auf den gleichen herunter, und bewunderten die neue Talstation der Bayerischen Zuspitzbahn, die vom Eibsee hoch auf Deutschlands höchsten Berg führte. Auch hier ein obligatorisches Foto, eine kurze Erklärung für Frank, wie der Weg nun weiter führen würde und wir gingen auf die nächsten 450-500 Höhenmeter unterhalb der Zugspitze.

Das Wetter klarte sich zwischenzeitig auf, der Zugspitzgipfel war zu sehen. In leichtem Weiß von frisch gefallenem Schnee gehüllt, war der Gipfel und der Fels herum vor strahlend blauem Himmel zu sehen. So lasse ich mir das gefallen, so kann sich das Wetter entwickeln.  Unterhalb der höchsten Seilbahnstütze Europas (so glaube ich zumindest), genossen wir noch den Blick auf den blau-grünen Eibsee, bis es dann wieder in die Pedale treten hieß. Nun ging die Steigung, die bisher teils stark war, in eine moderatere über und ich fuhr mein Tempo. Frank seines. So war es abgemacht, so haben wir es auch umgesetzt: Jeder fährt Bergauf sein Tempo. Ich könnte auch kein anderes Tempo fahren, das würde mich doch zu sehr belasten ;-). Aber so kennen wird das von unseren Trainingsetappen im Harz und auch von unseren beiden Touren, die wir mit Holger und auch Mario in den Alpen gefahren sind.

Noch eine kurze heftige Steigung, die sehr rutschig war und uns zum Absteigen zwang, dann einige wenige moderate Höhenmeter und wir waren am höchsten Punkt des ersten Anstiegs angekommen. Die Zugspitze war nun wieder in Wolken gehüllt, die Temperaturen waren kühl und so hieß es erst einmal, die Bekleidung anpassen. Mein Trikot war durchnässt und Franks auch. Ich zog es vor, ein trockenes Unterhemd anzuziehen, eine Jacke überzuziehen, um die Abfahrt nach Ehrwald über schöne Trails anzugehen. Frank tauschte gleich das komplette Trikot und so ging es nach 5 Minuten Pause an der Hochthörlehütte vorbei in Richtung Ehrwalder Moos.

Der erste Trial war sehr steinig, etwas verblockt und auch ich war dieses. Ich hatte zwar meine Knieschützer an, aber mein Sturz im letzten Jahr bei der Abfahrt von der Farnes Alm in den Dolomiten war wohl noch im Kopf. So war auch mein Kopf verblockt und der Trail ließ sich nicht gut an. Ich schob einige Meter. Da muss ich wohl noch dran arbeiten, dass mich dieser Sturz nicht mehr im Kopf blockiert. Aber auch das brachte ich hinter mich, ich fuhr mit Frank abwechselnd voraus und so kamen wir auch nach kurzer Zeit an der Talstation der Tiroler Zugspitzbahn an. Von hier ging ein toller Flow-Trail in Richtung Ehrwald, wo wir über einen Wiesentrail das Tal erreichten.

Hier trafen wir auch den einzigen unfreundlichen Wanderer auf der Strecke. Er ging nicht aus dem Weg, hatte es -und das war sowohl meine als auch Franks Interpretation- durch seine Mimik und Gestik eher darauf abgesehen, Stress zu machen. Aber nicht mit uns, denn wir fuhren vom Wiesentrail herunter, um nachfolgend durch ein nettes älteres Ehepaar wieder den Trail frei gemacht zu bekommen. Ein freundliches „Servus“ war die Reaktion, ein Nicken, ein Lächeln, so muss es sein. Vergelt’s Gott sagt man wohl hier.

Unsere nächste Herausforderung hieß Marienbergjoch. Es sind -so glaube ich- knapp 700 Höhenmeter am Stück zu bewältigen. 3 Mal bin ich diesen Weg schon gefahren. Er erforderte stets einen starken Willen, denn der Schotter macht den Weg nicht gerade einfach. Das Treten ist schwerer und am oberen Ende ist eine Steigung von 30% zu bewältigen. Meine Rekordzeit liegt bei 1:15 Stunden für die Auffahrt. Heute ist damit nicht zu rechnen gewesen. Ich war heute weder konditionell noch von der Kraft her fähig, diese Auffahrt ohne Pause oder Schieben durchzuführen. Na ja, ich glaube, dass ich unten einfach zu schnell angefahren bin, und hier unheimlich viel Kraft verbraucht habe. Oder aber waren wir die Hochthörlehütte doch zu schnell angegangen, oder mein Trainingsstatus war nicht der Beste. Wie dem auch sei, ich trat die Pedale, was das Zeug hielt. Frank gab ebenfalls sein Bestes. Dass uns hier die ersten E-Mountainbiker überholten verbesserte nicht gerade meine Stimmung. Wenn sie wenigstens Grüßen würden. Aber nein, am sich quälenden Bio-Biker vorbei zu fahren, aufrechte Sitzposition und dann auch nicht zu grüßen, das sieht schon sehr arrogant aus und ist es wahrscheinlich auch.


Aber auch wir haben den Aufstieg gemeistert. Ohne Unterstützung von Bosch, Yamaha, oder wie die Hersteller alle heißen, die Motoren für E-Mountainbikes bauen. Wir haben nur unseren Willen und unsere Muskelkraft gespeist von den Kohlehydraten der letzten Tage eingesetzt um schließlich auch die E-Biker auf der Sunnalm wieder zu treffen.

Hier gab es ein Kaltgetränk, bis uns nach kurzer Zeit das Wetter Sorgen machte. Essen wollten wir eigentlich, aber die Bedienung sprach von Gewitter und davon, dass nicht abzuschätzen sei, wann das kommt. Es könne auch in 10 Minuten hier sein. Und so bezahlten wir schnell. Denn ein Gewitter wollten wir oben am Joch, welches noch 100 Höhenmeter über uns lag, nicht erleben.
Ein schneller Aufbruch, eine anstrengende Steigung, eine rutschige und verblockte Schiebepassage und wir waren oben auf dem Joch. Die Mieminger Kette auf der einen Seite, das Ehrwalder Moos auf der anderen Seite hatten wir beste Ausblicke. Auch auf die Wolken, die nun einige wenige Tropfen in Richtung Erde entließen.

Also ging es nach Anziehen windschützender und wärmerer Jacken bergab über die Marienbergalm in Richtung Nassereith. Erst war der Weg schottrig, um sich nachfolgend in einen typischen Waldweg zu verwandeln. Die Bremsen wurden heiß und zwangen uns zu einer kurzen Pause, in der wir einen netten Wanderer aus Göttingen trafen. Überhaupt waren alle Wanderer bei der Abfahrt nett zu uns. Ein freundliches „Hallo“ oder „Servus“, ein Kopfnicken und ein Dankeschön gepaart mit entsprechendem Abstand zueinander steht für ein gutes Nebeneinander zu den Naturliebhabern, die diese auf Schusters Rappen erkunden und denen, die die grobstolligen Reifen lieben.

Wenn diese Erkenntnis mal im verschlafenen Harz insbesondere beim dortigen Nationalpark Einzug halten würde, man könnte auf die völlig überflüssigen Wegsperrungen für uns Mountainbiker dort verzichten.

Doch wir sind in Tirol und nicht im Harz und das hörten wir auch auf einem schönen Trail. Unten aus dem Tal kam Blasmusik. Irgendwie passte das zur Atmosphäre und als wir in Nassereith ankamen sahen wir auch das Festzelt. Wir hatten ja noch nichts gegessen und meine Idee war, dieses dort zu tun. Es war mittlerweile 13:30 Uhr. Fesche Madl und Burschen in wunderschönen Trachten waren zu sehen. Bier schien es zu geben, und irgendwo auch etwas zu essen. Doch leider keine Möglichkeit, unsere Bikes irgendwo sicher abzustellen. Ein Schloss hatten wir nicht mit und Frank fühlte sowieso, dass wir hier beim Dorffest deplatziert waren. Also ging es weiter in Richtung Imst.

Der Radweg im Wald war alternierend. Mal ging es bergauf, mal bergab. Holten wir die Gruppe von Claudia hier ein? Sie mussten doch auf dem gleichen Waldweg fahren. Denn wir sollten ja im gleichen Hotel in Imst nächtigen. Uns kamen Biker entgegen genauso wie Wanderer. Auch hier ein tolles Miteinander. Da die Zeit noch nicht sehr fortgeschritten war, haben es sich Frank und ich an einer Kneipp Anlage gemütlich gemacht. Die Beine wurden abgekühlt und so zu neuem Leben erweckt. So warteten wir hier knapp eine Stunde, doch von der Light-Truppe war nichts zu sehen. Nach einem kurzen Schnack mit einer netten Österreicherin, die ihr Enkelkind hier begleitete, fuhren wir die letzten 5 Kilometer in unser Tagesziel, das Hotel Neuner in Imst-Karrösten.
Ein altes, aber komfortables Hotel, in dem auch König August von Sachsen gestorben war. Danach war uns heute selbstverständlich nicht zumute. Wir waren zwar sehr hungrig, denn seit dem Frühstück gab es nur Energieriegel, aber zum Glück noch nicht so kaputt, dass wir uns für die Ewigkeit in die Waagerechte begeben wollten.

Keine 10 Minuten nach unserer Ankunft kam auch die Gruppe mit Franz an und so nahmen wir einige Getränke zu uns, bevor der Dreck des Tages abgeduscht werden musste. Meine Haut war etwas rötlich, denn trotz der ab Nassereith scheinenden Sonne hatte ich es verpasst, den Hautschutz gegen die UV-Strahlen aufzutragen. Nun gut, morgen wird das wieder besser sein.
Das Abendessen war sehr gut, wir saßen noch lange zusammen mit der Gruppe um Franz. Und auch Heiko, unser Shuttle Fahrer gesellte sich zu uns. Heiko sollte die nächsten Tage nicht nur mein überschweres Gepäck in den Shuttlebus tragen und dieses in den nächsten Etappenort transportieren. Nein, Heiko sollte auch die nächsten Tage einige Wege mit uns fahren und auch unser Abendessen und auch das Frühstück mit seiner Anwesenheit und unserer Konversation bereichern.


Der Abend versprach, ein lustiger zu werden. Wir konnten die Teilnehmer der Light-Gruppe besser kennenlernen. Frank lernte Sächsisch -nu kloar. Das war ja auch nötig, da Jörg diese Sprache beherrschte. Und in zwei Tagen sollten wir Jörg und seinen „Schatten“ Marvin ja mit über den Fimber-Pass (sächsisch „Wimbo-Bosch“) mitnehmen. Claudia berichtete davon, wie toll ihre Gruppe sei. Ich war beruhigt, wusste ich doch, wie viel Sorgen Claudia vor der Gruppe hatte. Denn das Erlebnis im letzten Jahr auf der Tour Garmisch-Gardasee war doch für sie sehr einschneidend.

Ich war froh, dass auch Jörg und Marvin sich als klasse Typen herausstellten und war auch nicht mehr unruhig, mit ihnen die 3. Etappe zu fahren. Ich freute mich mittlerweile richtig darauf, denn die beiden schienen schon zwei klasse Kerle zu sein. Aber auch Robin und Hans waren zwei ganz feine Begleiter. Eher still aber eben das Herz am rechten Fleck.
Nun geht der Tag zu Ende, meine Beine sind etwas müde und es heißt nun Schlafen, bis morgen um 06:00 Uhr „Good morning life“ aus dem Wecker tönt. Ein schöner Tag liegt hinter Frank und mir. Und wohl auch hinter meiner lieben Claudia, Sabine und ihrer Gruppe.

 

 

Die Zugspitze mit frischem Schnee ummantelt - Gesehen bei der Auffahrt zur Hochthörelehütte

Das Ehrwalder Moos liegt auf dem Weg zum Marienbergjoch weit unter uns

Abfahrt nach Nassereit. Feiner Trail im schattigen Wald

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Saturday, 13 July 2019 00:00

Alpencross 2019 - Tag 1

13.07.2019 - es geht endlich los. Nach knapp 2000 Kilometern auf meinem Mountainbike brechen Claudia und ich in unserem VW-Bus, Schwester Sabine in ihrem Fahrzeug und auch mein bester Freund Frank genau um 05:00 Uhr in Richtung Alpen auf.


Und zwar um unsere 5,2,2, und 3. Alpentour mit dem Mountainbike anzugehen. Es soll dieses Mal für mich wieder einmal komplett über die Alpen gehen. Und zwar von Grainau bei Garmisch nach Colico am Comer See.

Doch nun liegen erst einmal knapp 680 km Autofahrt vor uns, die sich auch ganz gut anschickt. Jedoch haben wir in Thüringen auf der A14 mit einer Vollsperrung zu kämpfen, die uns 15-20 Minuten Zeit kostet. Das führt im Nachgang dazu, dass wir auch auf der A9 vor Ingolstadt einen Stau haben werden, den wir jedoch umfahren können. Kurz vor München ist der Verkehr wiederum etwas dichter, aber wir kommen in Grainau zu einer Guten Zeit zwischen 12:00 Uhr und 13:00 Uhr an. Nicht, ohne vorher ein Fahrrad, welches ich aus Wolfsburg mitgenommen habe, bei meinem Kollegen Ralf in München zu übergeben.

Nun ist es also soweit. Wir sind am Startort. Das Hotel Nuss in der Waxensteinstraße kenne ich schon von 4 anderen Alpentouren, die ich mit ULP gemacht habe. Das Hotel hat einen Charme der 70er Jahre, aber die nette Rosi, die mir eine Johannisbeerschorle, oder wie sie so schön sagt „einen Johann“ serviert, gleicht das alles wieder aus.

Sabine und vor allen Claudia sind sehr gespannt, wie ihre Gruppe aussehen wird. Ich glaube, Claudia hat Respekt davor, dass sie mit Menschen fahren muss, die nur auf das Tempo achten und so bei Claudia den Druck aufbauen, schneller zu fahren, als sie eigentlich möchte. Und Druck soll es natürlich nicht sein, sondern die Tour soll ein Genuss sein. Die Natur ist auf dieser Tour einfach einmalig abwechslungsreich und das gilt es zu genießen.

Wer braucht schon Testosteron geschwängerte Mountainbike Akteure, die nichts anderes im Kopf haben als die Kilometeranzahl und die Höhenmeter, die sie hochgekurbelt sind? Niemand, ich zumindest nicht.

Und die Truppe, auf die Claudia und Sabine um 18 Uhr treffen, nachdem wir mit Frank noch einen kleinen Spaziergang durch Grainau gemacht haben, wohl auch nicht. Frank rief schon um 17:15 Uhr an, dass er den Guide Franz getroffen hätte und dieser total nett sei. Also, erst einmal Beruhigung für Claudia. In ihrer eigenen Art machte sie ihre Vorstellung, dass sie Respekt -sie nannte es Demut- vor der Tour habe, nicht schnell fahren kann und wohl diejenige sei, auf die man warten muss, klar.

Und das war kein Problem. Sowohl Franz, als auch die anderen Tourteilnehmer wollen die Tour genießen. Wer waren nun die Tourteilnehmer? Nun, für mich war es Frank, und für Fank war ich es. Denn wir beide haben keine geführte Tour gebucht (die wurde nämlich abgesagt), sondern waren alleine unterwegs als individuelle Reisende – Kurz Indies. Claudia und Sabine hingegen, sollten die nächsten 6 Tage die Erlebnisse mit dem lustigen Duo „Hefeweizen“-Jörg und Marvin, dem etwas stilleren Heinz und dem bisher wohl häufig von Sportverletzungen geplagten Robin verbringen. Frank und ich durften uns der Gruppe anschließen. Zumindest wollten wir das jeweilig zum Frühstück und Abendessen machen und ggf. auch bei schlechtem Wetter.

Doch es kam ganz anders, als man sich das vorstellt. Schnell berichtete Jörg in der Vorstellungsrunde, dass er auch gerne Medium fahren würde, zumindest manchmal und sich so den Indies anschließen könnte. Ggf. auf der Etappe über den Fimberpass. Frank hat sofort – Feuer und Flamme, wie sich das für einen Feuerwehrmann gehört -, dem ebenfalls als Feuerwehrmann arbeitenden Jörg zugesagt, dass das kein Problem sei. Ich war sehr skeptisch, kannte ich doch Jörg gar nicht, wusste nicht über seine Fahrkünste und genauso wenig über die von Marvin. Das T-Shirt mit der Aufschrift „Wer nicht stürzt, fährt nicht am Limit“, oder so ähnlich, baute auch nicht gerade Vertrauen auf. Denn von Stürzen hatte ich letztes Jahr in den Dolomiten ja genug und der Fimberpass i– besser gesagt, die Abfahrt ins Unterengadin- ist nun nicht gerade als einfache Strecke bekannt. Wie dem auch sei, wir wollen mal schauen, was passiert, so mein Plan.

Die letzte Nacht vor dem Start verbrachte ich in einem netten Zimmer unter dem Dach, jedoch war ich recht unruhig. Klar, wenn man dieses Mal selber für alles verantwortlich ist, und keinen Guide hat, der mit Tipps und Tricks beiseite steht, der mehr Erfahrungen mit dem Wetter hat und auch gute Alternativrouten kennt. Aber irgendwann schlief ich ein, um am Sonntag Morgen, dem Tag der Abfahrt um 06:00 Uhr aufzuwachen. Hierfür sorgte mein Handy mit dem Lied „Good morning Life“ von Dean Martin, welches die nächsten 6 Tage für den Weckruf morgens sorgen sollte.

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