21 Aug 2020

 Kommen wir einmal zu den Schmankerln hierin Oberbayern. Nicht nur die kulinarischen, sondern auch die natürlichen. Und so haben wir an zwei Tagen den Fokus nicht  auf das Mountainbiken gelegt, wenngleich wir das Mountainbike nutzten, um die Schmankerl zu erfahren.

So ging es gestern bei strahlendem Sonnenschein los in Richtung Eibsee. Dieser See gilt als einer der schönsten Seen in den Bayerischen Alpen und es ist so kein Wunder, dass sich dort Wassersportler, Wanderer und ja, auch wir Mountainbiker sozusagen die Klinke in die Hand geben. Nicht schön, aber so ist das nunmal an einem touristischen Highlight. Doch bevor wir die Menschenmassen mit unseren Rädern durchfuhren, hieß es aus Grainau (ca 750 m. ü N.N.) erst einmal 200 Höhenmeter zu radeln. NAch einem asphaltierten Weg durch die Wiesen gibt es drei Alternativen, zum Eibsee zu fahren: Erstens die Straße. Das ist für uns keine Alternative gewesen. Außerdem ist sie gestern auch gesperrt gewesen. Zweitens ein Wanderweg (linksseitig) und ein zweiter Forstweg (rechtsseitig berauf sehend). Wir entschieden uns für den Forstweg, der auch einige knackige Steigungen beinhaltet. Und das bei losem Schotter und teilweise Wurzelpassagen.

Wir meisterten den Weg prächtig, die Luft reichte aus, die Muskelkraft auch und so waren wir auch recht schnell oben am Eibsee. Dort war sie dann, die Touristenmasse, zu der wir ja auch gehören. Und so war es eigentlich nicht richtig möglich, den Eibsee unter der Zugspitze in RUhe zu genießen. Nun gut, einige Fotos haben wir machen können und sind weiter um den See herum geradelt. Ein Schmankerl ist er mit seiner Wasserfarbe allemal und diese konnten wir immer wieder auf dem Weg um den Eibsee herum genießen.

Wir sind noch einige Kilometer weiter gefahren, erst richtung Hochthörlehütte, um dann über die Neuneralm zurück nach Grainau zu fahren. Aber das war eher "Ideal Standard", als ein Schmankerl.

Nach der körperlichen Betätigung hatten wir uns jedoch auch ein kulinarisches Schmankerl verdient. Und so fuhren wir am Abend noch nach Unterammergau. Und zwar zum dortigen Ratscherwirt. Ein Gasthaus/Wirtshaus, welches sich moderner bayerischer Küche verschrieben hat. Und das obige Eingangsfoto spricht Bände. Denn das Essen ist nicht nur nett angerichtet, sondern schmeckte uns auch vorzuüglich. Ein gutes Restaurant in einer knapp 1500-Seelen Gemeinde, das bei uns zu Hause seines Gleichen suchen würde. Und da wir reserviert haben, konnten wir einen schönen Abend genießen. Ohne Reservierung? Keine Chance.

Dank Corona ist die ganze Gegend hier "überbucht", wie uns ein Einheimischer sagte. Garmisch ist überfüllt, Oberammergau ist überfüllt, Grainau ist überfüllt. Und da sich einige Restaurants trotzdem ein/zwei Ruhetage die Woche gönnen, ist es ohne Reservierung in vielen Orten schwer möglich, in einem Restaurant zu essen. Ich verstehe das nicht. Wenn ich als Unternehmer Ausfälle von 2 Monaten durch den Lock-Down im Frühjahr hatte, würde ich doch alles dafür tun, die Verluste wieder herein zu holen. Und ggf. würde ich auf meinen Ruhetag verzichten. Keinesfalls würde ich zwei Ruhetage machen. So schlimm kann der Ausfall im März/April/Mai dann wohl nicht gewesen sein. Oder liegt es an den hohen Hygienekosten, an fehlendem Personal, an Arbeitszeitbeschränktung? Ich weiss es nicht, würde jedoch flexibler agieren.

Nun, das Abendessen war eine Wucht. Wir haben es mehr als genossen. Wer mal in der Gegend ist, dem sei der Ratscherwirt empfohlen. Im Übrigen genauso wie das Eiscafe Paradiso in Oberammergau. Und weil wir gestern Abend vollkommen satt waren, haben wir uns heute erlaubt, unsere Mountainbike zu schnappen, 40 Kilometer zu radeln,um ein Eis in Oberammergau zu essen. Ein wenig verrückt, aber das Eis schmeckt einfach bombig. Und im GEgensatz zu vielen anderen Eisdielen ist die Kugel auch nicht klein, sondern sehr üppig bemessen.

So sind wir um 08:30 wieder los geradelt. Ab in Richtung Loisachtal, nach sechs Kilometern ab auf den Forstweg und nun ging es am Stück 400 Höhenmeter auf vier Kilometer bergauf. Es sind schon einige steile Stellen dabei. Aber wir kamen gut voran, und konnten bergab durch die Ettaler Forst in Richtung Ammergebirge fahren. Eine schöne Strecke, das von der Bergauffahrt durchgeschwitzte Trikot brachte durch den Fahrtwind etwas Kühlung. Sehr schön am heutigen, sehr heißen Tag. Wir kamen gut voran und kurz vor dem kleinen Ort Graswang kreuzten wir die Linder. Das ist ein kleiner Gebirgsfluss, der jedoch trocken war. Ich kannte den Fluß, weil ich schon zwei Mal im  Frühjahr hier gefahren bin. Und da war das Wasser schon noch vorhanden. Heute jedoch war der Bergfluss ausgetrocknet. So konnten wir das Schottergeröllfeld auf einer Länge von ca 40-50 Meter überqueren, ohne auch nur ansatzweise nass zu werden.

Das Eis war die Belohnung und nun hieß es entscheiden: Entweder zurück über Schloss Linderhof, (einem weiteren Schloss neben Neuschwarnstein und Hohenschwangau, welches der Bayerische König Ludwig II. bauen ließ) und den Plansee oder an Kloster Ettal vorbei und dann die Höhe des Ammertals verlassend zurück in Richtung Oberau/Farchant und letztlich Garmisch. Wir entschieden uns für die letzte Variante, da wir bei der ersten Alternative hinter dem Schloss Linderhof viel Straße hätten fahren müssen.

Also ging es an der Ammer vorbei in Richtung Kloster Ettal, einer wunderschönen Klosteranlage, die von der Basilika dominiert wird. Wir fuhren jedoch durch den Wald und sahen die Anlage nur von weitem. Schön ist sie allemal. Und da wir sie auch aus der Nähe kennen und auch schon die Innenansicht genießen konnten, war der Waldweg bei den heißen Temperaturen doch der richtige.

So ging es hoch und runter, runter und hoch, denn wir wollten zum Ettaler Sattel kommen. Nun gut, vorbei gefahren und einige Höhenmeter in den Sand gesetzt. Also hieß es wieder umdrehen und die richtige Abzweigung finden. Das war gar nicht schwer. Aber da wir heute ohne Karte und ohne Navi fuhren, ist einmal verfahren wohl zu verschmerzen. Auch wenn es durch die unnötige Steigung schon Kraft kostete.

Hinter dem Ettaler Sattel hieß es 200 Meter Straße fahren, um dann einen Geröllweg in Richtung Oberau zu fahren. Der war schon sehr rutschig, steil ist er auch und das Fahrrad hielt selten seine Fahrspur. Also an der schlimmsten Stelle sind wir 20 Meter gegangen und dann wieder rauf auf den Sattel.

In Oberau ging es parallel zur immer wieder verstopften Bundesstraße 2 in Richtung Farchant. Es wird wirklich Zeit dass dieser Tunnel in Oberau fertig wird, damit die B2 und auch die Anwohner von Oberau entlastet werden. Heute sahen wir aus der Höhe keinen Stau. Aber es war ja auch noch Vormittags. Aus der Höhe? Ja, denn hinter Oberau hat der Waldweg in Richtung Farchant einige steile Wurzelpassagen für uns parat. Aber wir waren im Schatten - und das war auch gut so.

Denn die Sonne brannte mittlerweile unbarmherzig auf das Fleckchen Erde hier. Das merkten wir recht schnell, als wir vor Farchant auf einen asphaltierten Feldweg fuhren. Es ging kein Lüftchen, es war schwül und einfach heiß. Nach einem kurzen Fotostop waren wir froh, wieder den Fahrtwind zu spüren. So bekamen wir wenigstens ein wenig Abkühlung.

Über Garmisch, wo ich aus einer Paketstation noch eine vorgestern bestellte Regenhülle für meinen Rucksack  abholte (die alte ist auf dem Weg nach Scuol irgendwo abgeflogen, ohne dass ich es bemerkt hatte) ging es dann in Richtung Grainau. Nicht allerdings, um ein weiteres Schmankerl anzufahren. Das war die Bäckerei Dunzinger. Wir wollten noch etwas Brötchen für den Abend holen und so ging kein Weg an dem Bäcker vorbei. Ein Bäcker, wie ich ihn aus meiner Kindheit kenne. Ein kleiner Laden, handgemachte Waren und keine Fertig-Backwaren, die im Supermarkt oder Backshop nur aufgebacken werden. Man schmeckt es einfach - besser: mir schmecken hier das Brot und die Brötchen einfach. Und heute sollte es nicht nur Brot sein, sondern wir kauften auch noch Rhabarberkuchen sowie einen Apfelstrudel. Auch diese Erzeugnisse haben einfach gut geschmekt. Also, immer wieder gerne: Bäckerei Dunzinger in Garmisch. 

Mit gefülltem Rucksack ging es somit zurück in unser Feriendomizil in Grainau, wo wir den Strudel und den Kuchen genossen. Nicht, ohne vorher eine erfrischende Ducsche zu nehmen und uns der durgeschwitzten Radbekleidung zu entledigen.

Nebem dem Kern-Schmankerl "Alpen" konnten wir die letzten zwei tagen somit einige schmackvolle Speisen zu uns nehmen, den herrlichen Eibsee betrachten, fast alleine durch das Ettaler Forst fahren (und vorher natürlich den Berg hinauf strampeln). Und letzteres ist nicht so üblich im Augenblick hier in der Region Garmisch. Alles mit Touristen überlaufen. Schon gestern wurde die Straße zum Eibsee gesperrt, die Parkplätze waren auch heute wieder überfüllt, es wurden heute schon keine Tickets mehr für die Zugspitzbahn verkauft (so ein Verkehrsschild in Garmisch) und ein Kellner in Garmisch erzählte uns bei einem Kaltgetränk, dass Gäste aus der Partnachklamm zurück gekommen sein sollen, weil diese überfüllt sei. Wir konnten das gut nachvollziehen, denn unsere Tour in die Höllentalklamm vor zwei Tagen war angesichts der Menschenmassen eben auch kein uneingeschränkter Genuss.

Nun werden wir den morgigen Tag noch genießen, bevor Claudia den Weg nach Goslar zurück antritt (es muss ja einer nach dem fleißigen Sohn schauen, der dankenswerterweise derweil unsere Elektronistallation umgekrempelt hat) und ich mich auf ein weiteres Mountainbikeereignis freue: Ich werde die Ulp-Tour "Nationalparkpanorama" abfahren - alleine. Also auch ein neues Erlebnis. An dieser Stelle will ich dann wieder gerne berichten.

 

Nun noch einige Fotos der letzten zwei Tage

 
Der Eibsee mit Standup Paddelern. So sieht der See nicht sehr beeindruckend aus.



Beeindruckender sieht der Eibsee von der anderen Seite aus. Hier sieht man die grünlich schimmernde Farbe und die verschiedenen Tiefen besser. Im Hintergrund der Waxenstein.



Entlang des Grainauer Höhenwegs waren wir mit unseren Bikes alleine. Und das obwohl es so nah zum überfüllten Urlaubsort war



Gefühlt "Unberührte" Natur auf dem Weg nach Oberammergau



Die Wassernähe brachte beim Radeln etwas Abkühlung der Luft. Wir haben es angesichts der Temperaturen sehr genossen...



Kloster Ettal in der Ferne. WIr finden, dass das Kloster einen Besuch wert ist.



Letzte Kräfte in der Hitze des Vormittags (oder waren es die kochenden Synapsem im Kopf) führten zu gymnastischen Höchstleistungen vor angenehmer Bergkulisse.



Und nun das Wettersteingebirge ohne zwei Gymnastikschüler....



Klein aber fein: Die Bäckerei Dünzinger in Garmisch. So konnten wir die verbrannten Kalorien gut auffüllen.



Wegen diesem Eis fuhren wir mit dem MTB 40 Kilometer nach Oberammergau und 20 Kilometer zurück. Die Kugeln sind größer als in jeder Eisdiele zu Hause. Und geschmacklich hat das Eis die gleiche Größe wie die Kugeln

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Last modified on Tuesday, 25 August 2020 15:49