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Südtirol - Tierser Alp

on: 07 September 2017

Die Zeit des Radfahrens im Südtirol ,genauer im Grödnertal und seiner Umgebung geht dem Ende entgegen. So sollte es am heutigen Tag entgegen einer gestrigen Planung dann doch eine gemütliche Runde werden. Ich verzichtete auf die Gruppe, weil dort heute Hardcore Biken angesagt war und ich auf der anderen Seite nicht in der ganz leichten Gruppe fahren wollte.

So entschied ich mich heute für eine teilweise Rentnertour, denn ich fuhr aus St. Ulrich mit der Seilbahn auf zur Seiser Alm. So kann der Tag beginnen. Ich erlaubte mir das aber auch nur, weil ich als Ziel die Tierser Alp hatte, die hoch oben über der Seiser Alm hinter den Rossköpfen trohnt. Also warten schon noch einige Höhenmeter auf mich und ich wusste, auf was ich mich einlasse. Denn ich hatte im letzten Herbst schon einmal den Weg dort hinauf gesucht und gefunden.

Also ging es um 08:30 los und ich fuhr in feuchter Morgenfrische los in den Tag. Es hatte gestern Abend geregnet und so war die Luft dementsprechend feucht und kühl. Die Seilbahnfahrt ging schnell hoch zur Alm und ich fuhr entgegen meiner herausgesuchten Route "Um den Langkofel" erst einmal über die Seiser Alm, um dann den Weg in Richtung Mahlknechthütte zu nehmen. Ich kam gut voran, entledigte mich wie schon mehrfach die Woche geübt meines Unterhemdes und meiner Jacke und trat die Tretkurbel recht entspannt. Meine Beine waren nicht mehr müde. Das hätte ich nicht erwartet, denn heute Nacht merkte ich schon eine gewisse Müdigkeit. Nicht bei mir sondern nur meinen Beinen.

So kam ich schnell voran. ich glaube auch, dass ich schneller unterwegs war, als im vergangenen Jahr im Oktober. Aber das ist auch egal, denn Hauptsache es macht Spaß. Mein Blick wanderte rüber zu den Geißlerspiten und rechts über Bozen in Richtung Vinschgau. Ich meine, dass ich das Ortlergebiet sehen konnte. Der höchste Berg der Ostalpen erschien mir aus dem Panorama heraus zu ragen. Dort, wo ich vor knapp drei Wochen noch mein Fahrrad hoch zum Stilfser Joch getreten hatte. So kamen nette Erinnerungen und ich fuhr ganz locker. Ein Ehepaar grüßte mich und sagte, dass ich ja ein richtiges Fahrrad hätte und kein eMountain Bike. Und so zollten sie mir ihren Respekt.

An der Mahlknechthütte entschloss ich mich, nicht den Wanderweg zu fahren. Der Grund ist ein einfacher: Es ist für Fahrradfahr schlicht vérboten. Im letzten Jahr hatte mich das Verbotsschild nicht interessiert, aber da waren ja auch kaum Wanderer unterwegs. Ich war quasi alleine. Heute sah das anders aus und so sollte man dann schon Rücksicht nehmen. So ging es dann einige Höhenmeter steil bergab, um nach ca fünf Minuten genauso steil wieder bergauf zu gehen. Ein Mercedes Geländewagen mit Pferdeanhänger kam mir entgegen. Bremsen hatte der nicht nötig. Tja, ist halt nicht jeder rücksichtsvoll..

Nun kam ich an die Wegekreuzung, wo es links in Richtung Val Gonda ging. Ich war etwas frustriert. Da kam doch ein älteres Ehepaar mit EBikes regelrecht angerast. Tja, mit Strom macheich es auf der extremen Steigung auch. Ich bin prinzipiell ein Freund von EBikes. Und wenn ich nicht noch eine großartige Erfindung mache, werde ich ja auch älter und glaube schon, dass so ein Teil auch irgendwann meines ist. Es erhöht einfach die Reichweite und erlaubt Fahrten, wo sie sonst ncht möglich wären. Aber dieses Ehepaar setzte dem EBike die Krone auf. Ich möchte nicht über das Körpergewicht lästern, aber auch EBikes haben ein maximales Gewicht, welches die Speichen nur halten. Und das war hier deutlich überschritten. Umso frustrierender war es, dass ich von diesen beiden überholt worden bin, während ich mich den Berg regelrecht herauf quälte.  Aber Halt, gleiches machten sie 50 Meter, nachdem sie mich überholt hatten. Eine Pause, und das war dann meine Chance. Ich zog wieder an ihnen vorbei und war stolz wie Oskar.

Der Weg wurde noch steiler. Auch richtig buckelig. Aber ich blieb auf dem Fahrrad. Ich hörte das EBike nur noch ganz kurz hinten mir surren, dann war es still. Ich traute dem Frieden nich. So musste ich mich umdrehen und sah, wie die beiden Radler umgedreht waren und den Berg herunter fuhren. Ich glaube, dass sie auf höchster Stufe den Berg hochgefahren waren. Aber irgendwann reicht dann auch nich mehr die Energie Akku. Ggf. an dieser Stelle? Mir egal, ich fuhr noch an einem Wanderpaar vorbei, bevor ich abstieg. Zu steil ist die letzte Steigung zur Tierser Alp für mich. Das war mir von vornherein klar. Und so ließ ich es über mich ergehen -das Gehen.

Oben angekommen glaubte ich nicht, was ich dort sah. Die ganze Terasse voll mit Menschen. Nun gut, warum sollte ich der Einzige sein? Aber im letzten Herbst, bei Schnee war es dann doch ruhiger und auch schöner. Ee wurde gleich ein Platz direkt an der Häuserwand frei und ich konnte meinen verdienten Kaiserschmarrn mit Johannisbeerschorle und später Apfelsaftschorle genießen. Der Blick war grandios, die Sonne brannte, so dass ich mich dann vorsichtshalber auch eincremte. Die Creme, die mir Claudia mitgegeben hat macht doch eine blasse Haut. ich sah aus wie ein Japaner. Nun gut, es hilft ja gegen Sonnenbrand.

Kurz nach 12:00 verließ ich die Hütte, um in das Val Gonda abzufahren. Am Anfang war es natürlich steil und kostete so viel Konzentration und Körperspannung. Gleichzeitig auch eine Menge Belag meiner Scheibenbremsklötze, die guten Dienst versahen. Später wurde es flacher, unspektakulärer und ich fuhr einfach durch das Tal. Irgendwie erinnerte mich das Tal an meine Fahrt von der Ehrwalder Alm ins Leutaschtal. Schön, aber nicht herausragend schön.

Einige Male blickte ich mich um,  weil das Panorama hinter mir wirklcich schön war. Von der Röckseite des Langkofels, der links von mir war, habe ich mir mehr versprochen. Und so fuhr ich nach einigen Fotostops nach Campitello ein. Und da kam noch etwas Besonderes. Hoch über dem Ort gab es eine handvoll Häuser, die bei mir den Eindruck hinterließen, dass die Zeit stehen geblieben war. Wann? Vor einhundert Jahren. Das war richtig urig und schön und ein Kontrast zu dem, was ich vor vier Wochen in einem anderen Alpenort, nämlich Ischgl gesehen hatte. OK, wohnen möchte ich da nicht, aber irgendwie sah es schon romantisch aus. hier hoch über Campitello.

Der Rest der Tour ist leicht erzählt. Mit der gleichen Seilbahn wie gestern fuhr ich in Richtung Sellajoch. Genauer über Corodella. Dort sah ich dann linksseitig noch mal das Val Duron und vor den Rosszähnen die Tierser Alp klar am roten Dach zu erkennen. Bergab ging es über einen Singletrail, es ging aber nich mehr so flüssig wie gestern. Das sollte ja meine letzte Tour im Urlaub sein, weil ich morgen entspannen möchte. So kam dann doch etwas Respekt dazu. Denn bei der letzenAbfahrt wollte ich ja nicht stürzen. Tat ich auch nicht. Und um 15:00 Uhr war dann mein Radurlaub in diesem Jahr vorbei.

Morgen gehe ich etwas shoppen, relaxen und ggf. ins Museum. Auf keinen Fall werde ich morgen radeln. Ich bin kaputt, ausgelaugt und hatte trotzdem eine Menge Spaß die letzen anstrengenden fünf Tage. Denn eines musste ich lernen: Die Steigungen hier sind mit denen, die ich bisher in den Alpen gefahren bin, nicht zu vergleichen. Hier geht es immer gleich richtig steil hoch. Aber auch das ist eine Erfahrung....

Dolomites - Sella Ronda

on: 06 September 2017

Und täglich grüßt das Murmeltier, so begann der heutige Tag, an dem ich die Sella Runde fahren wollte und das dann auch gemacht habe.

Aufstehen recht früh, weil wir -ja, das ist heute anders- um 08:30 loslegen wollten" Wir heißt in diesem zusammenhang weitere Hotelgäste aus dem Bike Hotel, ein Guide und ich. Eigentlich mehrere Guides, weil es mehrere Gruppen unterschiedlichen niveaus waren.

Aber welches Murmeltier grüßte mich denn nach dem Aufstehen? Nun, es waren mehrere, die sich im Alter von 27 Jahren in meinen Körper eingenistet haben. Diese blöden Herpes Viren lassen meine Lippen ab und zu nach starker Sonneneinstrahlung in Bläschen verwandeln. Gemerkt und sofort mit dem entsprechenden Pflaster den Kampf aufgenommen. Aber der ist prinzipiell aussichtslos. Ich hätte ggf. weiter Zinktabletten, wie vor meiner Transalp nehmen sollen. Aber sei es drum, wer nicht hören will, muss fühlen.

Also ging es mit meinem Fahrrad, mehreren Mitstreitern und meinen Lippenbläschen los auf eine Tour, die mehrere Tausen Tiefenmeter, also bergab Fahren bedeuteten. Und bei der ich 500 Höhenmeter bergauf strampeln bedurfte. Für den Rest nahmen wir Seilbahnen und Sessellifte. Das ist ja das, was unserem Sohn Felix so gefällt. Und ich finde es eigentlich nicht so toll. Ist ja nicht anstrengend! So sage ich es Felix immer wieder, ob er es hören will, oder nicht. Und in der Hoffnung, dass er das jetzt hier nicht liest, weil ich sonst selber meine väterliche Autorität untergraben habe, muss ich dann doch sagen, dass es einen gewissen Reiz hatte und trotz Aufstiegshilfen recht anstrengend war. Denn bergab fährt man mit dem Mountainbike im Stehen. Und da merkt man dann, welche Muskeln die letzten Tage, Monate, Jahre dann doch unterentwickelt wurden.

Es ging im Uhrzeigersinn herum um den Sellastock. Erst fuhren wir hoch zum Grödnerjoch. Was folgte war ein Flowtrail, der künstlich angelegt war, aber sehr viel Freude bereitet hat. Ich kam mit meinem Fahrrad immer besser voran und selbst in ruppigenTeilstücken, die natürlichen Ursprungs waren, ließ ich mein Rad machen, was es wollte und konnte so die Fahrt genießen.

In Corvara angekommen nahmen wir die zweite Seilbahn. Ich mit einem netten Belgier, der seinem Sohn den Urlaub zum Hochschulabschluss geschenkt hatte, und den ich angesichts seines Mutes bewunderte. Ohne richtiges Mountainbiketraining in den Bergen ist das schon eine Herausforderung. Ggf. sogar etwas leichtsinnig und zu unbedarft. Aber er und sein Sohn haben diese Tour bestens hinter sich gebracht.

Die Sonne schien von oben (von wo auch sonst?), es war nicht mehr kalt, und die Jacke nun im Rucksack. Oben angekommen fuhren 3 Mitstreiter einen Schotterweg herunter und 4 inklusive meiner Person einen Wurzeltrail. Der war auch nicht schlimm, bis auf eine Stelle, wo ich  fast einen Herzinfakrt angesichts der Ausgewaschenheit und der Steilheit erhalten habe. So schob ich Fünf Meter und weiter ging es. Es sei noch erwähnt, dass ich den Trail zu schnell angefahren bin. Und nur durch meine exorbitant grandiose Köperbeherrschung (andere mögen das Gläck nennen) konnte ich zu Beginn einen Sturz vermeiden. Will man ja nicht haben...

Nach dem Sessellift, den wir erreichten, mussten wir nun etwas für unsere Beine tun. Es hieß einige Meter bergauf zu fahren. Rechts vor uns die Marmolada, links der Heilig Kreuz Kofel und rechtsseitig die Sella Gruppe. Ein Bild, was man gesehen haben muss. Und so waren auch viele Wandeer unterwegs. In trauter Einigkeit mit uns Bikern. Viele Italiener, die viel entspannter sind als wir störrischen Deutschen. Denn es geht sehr gut, Wanderer und Mountainbikefahrer zusammen auf einem Weg. Man muss einfach nur Rücksicht nehmen. Beide Seiten! Es geht auch ohne Wegsperrungen. Und da können sich die Deutschen Behörden, sei es im Schwarzwald oder auch im Nationalpark Harz eine Scheibe von abschneiden.

Und es waren auf diesem Weg von der Seilbahn zur Almwirtschaft viele Wanderer unterwegs. Auch Andreas E., ein Kollege der Konzernsicherheit. Ich glaubte es nicht. Ich fahre eitausend Kilometer von zu Hause we, um Fahrrad zu fahren und sehe den Kollegen, mit dem ich in meiner alten Tätigkeit so häufig zusammen arbeitete. So klein ist doch die Welt. Nach kurzem Pläuschchen mit ihm uns seiner Frau musste ich los, die Gruppe war schon weiter voran gefahren und ich musste richtig Gas geben, sie einzuholen. Aber auch das gelang mir auf dem schönen Weg, der hoch, dann runter, dann wieder hoch und nochmal hoch ging. Der Weg führte uns zur Ütia Pralongia.

Nun folgten geschmeidige Trails, die sich sehr flüssig fahren ließen, manchmal einige Steine, nichts Schlimmes. Wir errichten den Lift Campologno, der uns wiederum einige Höhenmeter berauf brachte und fuhren dann feinsten Singletrail nach Arraba.  Wir querten die Hauptstraße in da sah ich es,  das kleine Cafe, Restaurant in dem ich mal vor Urzeiten mit meiner Schwester Sabine gegessen hatte. Das war an dem Tag, als sie angesichts von knappem Kraftstoff Abends im Dunkeln fast die Nerven verloren hätte. Überhaupt gab es einige Erinnerungen auf dieser Tour. Denn auch mit meinen Freund Frank Hermanns war ich schon mal hier. Mit Rennrad und Mountainbike. So machten wir vor ich glaube 26 Jahren unsere gemeinsame Sellarunde. Allerdings gegen den Uhrzeigersinn und dann ach auf der Staße über Grödnerjoch, Sellapass, Passo Pordoi und Campologno Pass.

Aber weiter mit dem heutigen Tag. Es war mal wieder Zeit, eine Seilbahn zu nehmen. Es ging auf zur Porta Vescovo. Als wir die Gondel, die im Übeigeñ keine Umlaufgondel war, sondern parallel mit einer zweiten Gondel den Berg hoch fuhr, verließen haute mich der Anblick um. Wir standen direkt gegenüber der Marmolada. Die höchste Hebung in den Dolomiten. Es war schattig. und das nicht nur wegen der Temperatur auf über 2500 Metern, sondern auch dadurch, dass die Sonne mittlerweile von Wolken verdeckt war.

So fuhren wir im Schatten eine Schotterstrecke bergab, die im Winter als Skipiste dient. Überhaupt werden hier viele Einrichtungen, die im Winter dem Wintersport dienen, im Sommer für Wanderer und Mountainbiker genutzt. Nun kam der technisch anspruchsvollste Trail des Tages. Ein Single mit dem Namen Teufelstrail (oder höllentrail, das weiss ich nicht mehr), an dem man sich fahrtechnisch richtig austoben konnte. Und das taten wir auch. Die Kraft neigte sich dem Ende, wir hatten noch nicht Mittag gegessen, und so konnte es zu kleinen Unachtsamkeiten kommen. Die haben aber wieder angesichts grandioser Körperbeherrschung keinen sturz nach sich gezogen. Oder sagen wir es einfcher: Weil ich bannig viel Glück hatte.

Das Mittaggessen kam keine Minute zu früh. Wir nahmen es auf der Fondom Hütte ein. Nachfolgend ging es dann mit der Seilbahn in Richtung Passo de Pordoi, um nachfolgend einen technisch schwierigen Trail durch den Wald, einen Speed-Trail und eine Skipiste in Richtung Campitello zu fahren.

Wie den ganzenTag war die Reihenfolge klar: Walter vorweg, nachfolgend unser Mitstreiter aus Utah, dann Heike aus Leipzig oder ich und hinten dann Heikes Mann, Waldou aus Brügge und sein Vater sowie unsere Beggleiterin aus Utah. Durch Campitello ging es auf einem Wanderweg zur Seilbahn, die uns dann noch einmal über das Sellajoch brachte. Der Ausblick spectaciolous. So dachten wir alle in Englisch, weil das die Sprache des Tages war. Sellastock, Marmolada hinten rechts und linksseitig die Rückseite von Langkofel und Plattkofel, wie ich sie noch nicht gesehen habe. Ich kannte nur den Blick von der Seiser Alm, die ich mit dem Schlern links durch einen kleinen Pass sehen konnte. Nun ging es auf geschmeidigen Trails an einigen Stellen doch verblockt mit etwas Steinen in Richtung Wolkenstein. Die Geschwindigkeit wurde größer und zum Abschluß konnten wir es so noch einmal krachen lassen.

Zusammenfassend: Sehr nette Truppe (hätte ich in der Schnelle so nicht erwartet, aber ggf. verbindet doch das gemeinsame Hobby), grandiose Aussichten, viel Spaß, zusätzliche Bikebeherrschung gelernt und die Sicherheit, dass ich hier noch einmal wandern möchte. 

Aber morgen fahre ich noch einmal. Und zwar wieder mit einer Truppe aus dem Hotel. Und darauf freue ich mich schon.

Heute muss ich Berichte über zwei Tage schreiben. Gestern Abend war ich einfach zu kaputt und auch zu spät wieder in meinem Hotel. Warum? Na das will ich im Folgenden beschreiben:

Ich bin heute früh aufgestanden, weil ich schon um kurz nach 08:00 Uhr in Richtung Feldthurns aufbrechen wollte. Denn heute standen rund 1700 Höhenmeter bei 36 km an. Prinzipiell ist das schon eine Menge Steigung für so wenig Kilometer. Aber wenn man ein Ziel hat, das die Anstrengung wert ist, dann macht man das auch. Und ich hatte ein Ziel: Das Lazfonser Kreuz. Genauer gesagt, das Schutzhaus Latzfonser Kreuz. Von hier, wo die höchste Wallfahrtskapelle Europas steht, hat man den besten Überblick über die Dolomiten. So hieß es zumindest in einem Fernsehbericht, den ich mal über das Schutzhaus sah. Und gleich vorweg genommen: Dem ist wirklich so! Also was lernen wir daraus? Fernsehen, den Schlauen macht es schlauer, den Dummen macht es dümmer.

Also früh aufstehen, weil die Fahrt nach Feldthurns dann doch 40 Minuten dauert. Ich kam gut los, das Frühstück um 07:00 Uhr mundete und so fuhr ich guter Dinge in Richtung Westen. Pünktlich um fünf vor Neun bin ich in Feldthurns angekommen. Das Auto hatte ich vor dem Ort geparkt, und ich konnte dem Knecht zusehen, wie er das wohl riechende Heut zusammen harkte. Ich glaube, der ältere Mann war mal ein Schüler von Claudia. Er machte seine Arbeit mit so einer Inbrunst. Ich könnte das nichr, weil es mir viel zu langweilig erscheinen würde. Aber für ihn schien es die Lebensbeschäftigung zu sein! Er erschien mir glücklich.

Nun zurück zur Tour: Schuhe an, Handschuhe an und los ging es. Die ersten Meter ging es auf der Straße steil bergauf. Ich fuhr im zweitkleinsten Gang, bog rechts ab und die Steigung sollte noch etwas steiler werden. So ging das gut 15 Minuten, bis ich -und das ist ungewöhnlich für mich- mal ein menschliches Bedürfnis hatte. Es war niemand in der Nähe und so war das auch schnell erledigt. Ich setzte den Rucksack wieder auf und dann meinen - halt, wo ist mein Helm? Und meine Sonnenbrille? Oh scheiße, die habe ich heute noch gar nicht auf gehabt. So ist das halt, wenn ich meine Betreuerin Claudia nicht bei mir habe. Und der helm war auch ich im Auto, sondern bei näherem Nachdenken fiel mir ein, dass er noch auf dem Balkon im Hotel lag.

Das bedeutete erst einmal ärgern. Und auch zurück zum Auto fahren. Doch was bedeutete das noch? Einen neuen Helm kaufen? Einen Helm leihen? Wenn ja, wo? Oder zurück ins Grödner Tal fahren, Helm holen und wieder hier her kommen? Ich entschied mich für die letzte Variante. Das bedeutete aber auch knapp zwei Stunden Zeitverlust. Und das, wo mir vor der Tour von der Anstrengung her sowieso ein wenig graute.

Gesagt getan, so war ich dann dank einiger unfähiger Ausflugs-Touristen-Autofahrer um viertel nach Elf wieder in Feldthurns startklar. Nun hieß es aber Gas geben. Ich fuhr schneller, als ich eigentlich wollte, aber die Tour war mit 4:30 Stunden angegeben und so durfte ich keine Zeitung verlieren, wenn ich auch noch gemütlich auf der Schutzhütte die Natur und ein kleines Essen genießen wollte. Nach Beginn der Tour dachte ich kurzzeitig sogar, dass ich die Tour in die falsche Richtung fuhr. Denn die Wege, die mein Navi anzeigte waren Trails zum bergab fahren aber keinesfalls bergauf zu bezwingen. Über einen Bauernhof fuhr ich, störte einen Hahn, der mich das Hören lies und ab ging es dann in den Wald.

Hier war ich ganz alleine. Ich fuhr an Fruchtsträuchern vorbei und da kam mir ein Gedanke. Mögen Bären eigentlicih auch Früchte? Oh ja! Denn dieser Gedanke kam mir, da vor zwei Wochen in Südtirol ein Bär einen Menschen angegriffen hat und ich am Sonnabend während der Autofahrt hörte, dass man sich hier Gedanken macht, wie mit Unterstützung der EU  eine Flexibilität erreicht werden kann, auffällige Bären oder auch Wölfe abzuschießen. Da gilt es doch mal drüber nachzudenken. Auch bei uns in Deutschland werden ja Wölfe akzeptiert, da diese ursprünglich bei uns lebten. Nur in der Betrachtung wird immer eines vergessen: Das Land ist heute ganz anders besiedelt als vor mehreren Hundert Jahren. Und so muss einfach auch über die Gefährdung durch die Wildtiere nachgedacht werden. ABer das ist hier nicht das Thema. Es geht ja um das Fahrrad Fahren.

Aber gut, ich habe keine Bären gesehen, außer die Heidelbeeren an den Sträuchern. Und so ging es über einen netten Waldweg nach Garn. hinter Garn ging es dann weiter in den Wald hinein und es wurde steiler und steiler. Der Wegweiser zeigte noch 4 Stunden bis zum LatzfonserKreuz. Mit dem Fahrrad ggf. drei Stunden, vorausgesetzt es wird auch nochmal flacher. So richtig flacher wurde es nicht mehr.

Und so fuhr ich, quälte mich, schimpfe innerlich, fluchte genauso aber genoss immer wieder die Aussicht auf die Dolomiten, die ich links von mir sehen konnte. Allein dieser Ausblick war die Qualen wert. Und so fuhr ich bis auf ca. 2000 Meter nur bergauf. Minute um Minute und Stunde um Stunde. Bis ich um 13:30 Uhr an der Klausner Hütte ankam. Ein Spezi war die Belohnung und der Wechsel meines durchnässten Trikots. Ich  genoss für ca. eine halbe Stunde die Sonne und ein nettes Gespräch mit einem älteren Ehepaar aus München. Orginal Münchner, die zu bestaunen sind, wie die Affen im Zoo. Weil es davon nicht mehr so viele gibt. So Ihre Aussage. Und ich lernte, dass der Isar Adweg auch ein toller Weg zum Fahrrad fahren sei. Na gut, probiere ich das irgendwann auch mal aus.

Aber jetzt wollte ich nicht nach Freising, sondern zum Latzfonser Kreuz. Und der weitere Weg wurde immer steiler. Das was ich sah schätzte ich auf zwanzig Prozent. Die nette Bedienung gab mir zu verstehen, dass es noch steiler werden wird. Ich glaubte dieses nicht so richtig. Sie fragte noch "e-bike"? Ich antwortet, nein klassisches Moutainbike. Sie hielt mich wohl für verrückt. Warum? Das sah ich gut 20-30 Minuten später. Aus der anfänglich schon beächtlichen Steigung wurde eine noch größere. Ca. 30-35 Prozent. Das Schieben war schon schwer genug. Ich glaube, der Weg ist unfahrbar. Na ja, unser Guide vom Alpencross, Holger Scharschmidt schafft das vielleicht. Ich auf keinen Fall. Und so schob ich nicht zehn Minuten, wie in der Tourbeschreibung zu lesen war, sondern eher 25 Minuten.

Und da nkam mir ein Gedanke: In der schon oben beschriebenen Fernsehsendung wurde davon berichtet, dass einmal im Jahr eine Prozession aus einem Ort hierauf stattfindet. Es wird der Schwarze Jesus (wenn ich mich recht erinnere) mit dem Kreuz hier hoch getragen. Wenn das mit meinem 17 Kilo Fahrrad schon so schwer ist, wie anstrengend muss es schon sein, das Holzkreuz den langen Weg zu tragen? Und ob man nun die Gläubigen verstehen mag oder nicht, ich ziehe meinn Hut vor der Leistung und kam so in Gedanken, wie wichtig den Pilgerern wohl der Glaube ist, um diese Strapazen auf sich zu nehmen. Das verdient größte Hochachtung und Respekt. Unabhängig vom Glauben.

Nun, ich kam irgendwann auch an und sah das Panorama. Im Fernsehen oder auf Bildern, die ich natürlich auch machte, ist das jedoch gar nicht darstellbar. Die Sicht ist einfach Grandios. Vom Heilig Kreuz Kofel über die Plose, die Geisslerspitzen, den Langkofel, den Plattkofel, die Sellagruppe, die Seiser Alm, den Schlern, bis hin zum Rosengarten könnte ich alles sehen, was in den Dolomiten Rang und Namen hat. Na ja, nicht alles. Reinhold Messner war nicht zu sehen ;-)

Hier oben sitzen, den Ausblick bei Sonnenschein und blauem Himmel zu genießen - viel schöneres kann ich mir fast kaum vorstellen. Ich krönte diesen Ausblick noch mit der Bestellung eines Kaiserschmarrn und eines Kaltgetränkes. Das habe ich mir wohl redlich verdient. Die Gäste wurden weniger, es war nach 20 Minuten Wartezeit jetzt kurz nach halb vier Uhr. Und so genoss ich noch eine knappe halbe Stunde den Ausblick und die immer wieder erscheinende Sonne, zusammen mit wenig Mitstreitern auf der Aussichtsterasse, bevor ich meine Rechnung beglich.

Und da möchte ich noch etwas los werden. DieTochter des Hauses hatte eiso zufriedenes und glückliches Lächeln. Die ganze Zeit, in der sie Gäste bediente zeigte sie ein einnehmendes Lächeln. Und auch die Mutter, bei der ich mein Geld loswerden durfte, tat Gleiches. Ggf. ist das auch kein Wunder, wenn man dort arbeiten darf, wo die Welt einfach richtig schön ist.

Doch alles Schöne hat auch mal eine Ende und ich musste de Weg hinunter ins Tal angehen. Angesichts der fortgeschrittenen Zeit entschied ich mich gegen den angebotenen Rückwegs und somit gegen einige Trails. Ich fuhr den Weg zurück, den ich hoch gefahren war und geschoben hatte. Ja, auch das steile rutschige Wegstück unterhalb der Latfonser Hütte fuhr ich bis auch ca. zehn Meter. Wenn mein Navi das richtig anzeigte, fuhr ich die massenhaften Höhenmeter wieder bergab. Sehr zum Frust meiner Bremsen, die irgendwann wider laut waren. So laut, dass ich keine Angst mehr haben musste, das mich ein Bär fressen würde. Denn der wird mich schon zehn Minuten, bevor ich ihnerreicht hätte, gehört haben.

Mit müden Armen aber sehr glücklich kam ich mit heißen Bremsen und einem Lächeln im Gesicht gegen 17:00 Uhr in Feldthurns wieder an. Nun noch eine kleine Steigung von 5 Minuten und ich konnte meine Schuhe wechseln, mich abtrocknen und den Weg ins 40 Minuten entfernte Wolkenstein antreten.

Trotz meines dümmlichen Missgeschicks am Morgen war es ein rundum gelungener Tag und ich war fröhlich, die Entscheidung, wieder zurück zu fahren, getroffen zu haben.

Am nächstenTag soll es um das Sella Massiv gehen. Das wird sicher nicht so anstrengend, weil nur 500 Höhenmeter zu bezwingen sind. Den Rest erledigen mechanischen Aufstiegshilfen. d.h. der morgige Tag steht und stand im Zeichen des bergab Fahrens...

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