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Ullrichs shots

Dolomites - Sella Ronda

on: 06 September 2017

Und täglich grüßt das Murmeltier, so begann der heutige Tag, an dem ich die Sella Runde fahren wollte und das dann auch gemacht habe.

Aufstehen recht früh, weil wir -ja, das ist heute anders- um 08:30 loslegen wollten" Wir heißt in diesem zusammenhang weitere Hotelgäste aus dem Bike Hotel, ein Guide und ich. Eigentlich mehrere Guides, weil es mehrere Gruppen unterschiedlichen niveaus waren.

Aber welches Murmeltier grüßte mich denn nach dem Aufstehen? Nun, es waren mehrere, die sich im Alter von 27 Jahren in meinen Körper eingenistet haben. Diese blöden Herpes Viren lassen meine Lippen ab und zu nach starker Sonneneinstrahlung in Bläschen verwandeln. Gemerkt und sofort mit dem entsprechenden Pflaster den Kampf aufgenommen. Aber der ist prinzipiell aussichtslos. Ich hätte ggf. weiter Zinktabletten, wie vor meiner Transalp nehmen sollen. Aber sei es drum, wer nicht hören will, muss fühlen.

Also ging es mit meinem Fahrrad, mehreren Mitstreitern und meinen Lippenbläschen los auf eine Tour, die mehrere Tausen Tiefenmeter, also bergab Fahren bedeuteten. Und bei der ich 500 Höhenmeter bergauf strampeln bedurfte. Für den Rest nahmen wir Seilbahnen und Sessellifte. Das ist ja das, was unserem Sohn Felix so gefällt. Und ich finde es eigentlich nicht so toll. Ist ja nicht anstrengend! So sage ich es Felix immer wieder, ob er es hören will, oder nicht. Und in der Hoffnung, dass er das jetzt hier nicht liest, weil ich sonst selber meine väterliche Autorität untergraben habe, muss ich dann doch sagen, dass es einen gewissen Reiz hatte und trotz Aufstiegshilfen recht anstrengend war. Denn bergab fährt man mit dem Mountainbike im Stehen. Und da merkt man dann, welche Muskeln die letzten Tage, Monate, Jahre dann doch unterentwickelt wurden.

Es ging im Uhrzeigersinn herum um den Sellastock. Erst fuhren wir hoch zum Grödnerjoch. Was folgte war ein Flowtrail, der künstlich angelegt war, aber sehr viel Freude bereitet hat. Ich kam mit meinem Fahrrad immer besser voran und selbst in ruppigenTeilstücken, die natürlichen Ursprungs waren, ließ ich mein Rad machen, was es wollte und konnte so die Fahrt genießen.

In Corvara angekommen nahmen wir die zweite Seilbahn. Ich mit einem netten Belgier, der seinem Sohn den Urlaub zum Hochschulabschluss geschenkt hatte, und den ich angesichts seines Mutes bewunderte. Ohne richtiges Mountainbiketraining in den Bergen ist das schon eine Herausforderung. Ggf. sogar etwas leichtsinnig und zu unbedarft. Aber er und sein Sohn haben diese Tour bestens hinter sich gebracht.

Die Sonne schien von oben (von wo auch sonst?), es war nicht mehr kalt, und die Jacke nun im Rucksack. Oben angekommen fuhren 3 Mitstreiter einen Schotterweg herunter und 4 inklusive meiner Person einen Wurzeltrail. Der war auch nicht schlimm, bis auf eine Stelle, wo ich  fast einen Herzinfakrt angesichts der Ausgewaschenheit und der Steilheit erhalten habe. So schob ich Fünf Meter und weiter ging es. Es sei noch erwähnt, dass ich den Trail zu schnell angefahren bin. Und nur durch meine exorbitant grandiose Köperbeherrschung (andere mögen das Gläck nennen) konnte ich zu Beginn einen Sturz vermeiden. Will man ja nicht haben...

Nach dem Sessellift, den wir erreichten, mussten wir nun etwas für unsere Beine tun. Es hieß einige Meter bergauf zu fahren. Rechts vor uns die Marmolada, links der Heilig Kreuz Kofel und rechtsseitig die Sella Gruppe. Ein Bild, was man gesehen haben muss. Und so waren auch viele Wandeer unterwegs. In trauter Einigkeit mit uns Bikern. Viele Italiener, die viel entspannter sind als wir störrischen Deutschen. Denn es geht sehr gut, Wanderer und Mountainbikefahrer zusammen auf einem Weg. Man muss einfach nur Rücksicht nehmen. Beide Seiten! Es geht auch ohne Wegsperrungen. Und da können sich die Deutschen Behörden, sei es im Schwarzwald oder auch im Nationalpark Harz eine Scheibe von abschneiden.

Und es waren auf diesem Weg von der Seilbahn zur Almwirtschaft viele Wanderer unterwegs. Auch Andreas E., ein Kollege der Konzernsicherheit. Ich glaubte es nicht. Ich fahre eitausend Kilometer von zu Hause we, um Fahrrad zu fahren und sehe den Kollegen, mit dem ich in meiner alten Tätigkeit so häufig zusammen arbeitete. So klein ist doch die Welt. Nach kurzem Pläuschchen mit ihm uns seiner Frau musste ich los, die Gruppe war schon weiter voran gefahren und ich musste richtig Gas geben, sie einzuholen. Aber auch das gelang mir auf dem schönen Weg, der hoch, dann runter, dann wieder hoch und nochmal hoch ging. Der Weg führte uns zur Ütia Pralongia.

Nun folgten geschmeidige Trails, die sich sehr flüssig fahren ließen, manchmal einige Steine, nichts Schlimmes. Wir errichten den Lift Campologno, der uns wiederum einige Höhenmeter berauf brachte und fuhren dann feinsten Singletrail nach Arraba.  Wir querten die Hauptstraße in da sah ich es,  das kleine Cafe, Restaurant in dem ich mal vor Urzeiten mit meiner Schwester Sabine gegessen hatte. Das war an dem Tag, als sie angesichts von knappem Kraftstoff Abends im Dunkeln fast die Nerven verloren hätte. Überhaupt gab es einige Erinnerungen auf dieser Tour. Denn auch mit meinen Freund Frank Hermanns war ich schon mal hier. Mit Rennrad und Mountainbike. So machten wir vor ich glaube 26 Jahren unsere gemeinsame Sellarunde. Allerdings gegen den Uhrzeigersinn und dann ach auf der Staße über Grödnerjoch, Sellapass, Passo Pordoi und Campologno Pass.

Aber weiter mit dem heutigen Tag. Es war mal wieder Zeit, eine Seilbahn zu nehmen. Es ging auf zur Porta Vescovo. Als wir die Gondel, die im Übeigeñ keine Umlaufgondel war, sondern parallel mit einer zweiten Gondel den Berg hoch fuhr, verließen haute mich der Anblick um. Wir standen direkt gegenüber der Marmolada. Die höchste Hebung in den Dolomiten. Es war schattig. und das nicht nur wegen der Temperatur auf über 2500 Metern, sondern auch dadurch, dass die Sonne mittlerweile von Wolken verdeckt war.

So fuhren wir im Schatten eine Schotterstrecke bergab, die im Winter als Skipiste dient. Überhaupt werden hier viele Einrichtungen, die im Winter dem Wintersport dienen, im Sommer für Wanderer und Mountainbiker genutzt. Nun kam der technisch anspruchsvollste Trail des Tages. Ein Single mit dem Namen Teufelstrail (oder höllentrail, das weiss ich nicht mehr), an dem man sich fahrtechnisch richtig austoben konnte. Und das taten wir auch. Die Kraft neigte sich dem Ende, wir hatten noch nicht Mittag gegessen, und so konnte es zu kleinen Unachtsamkeiten kommen. Die haben aber wieder angesichts grandioser Körperbeherrschung keinen sturz nach sich gezogen. Oder sagen wir es einfcher: Weil ich bannig viel Glück hatte.

Das Mittaggessen kam keine Minute zu früh. Wir nahmen es auf der Fondom Hütte ein. Nachfolgend ging es dann mit der Seilbahn in Richtung Passo de Pordoi, um nachfolgend einen technisch schwierigen Trail durch den Wald, einen Speed-Trail und eine Skipiste in Richtung Campitello zu fahren.

Wie den ganzenTag war die Reihenfolge klar: Walter vorweg, nachfolgend unser Mitstreiter aus Utah, dann Heike aus Leipzig oder ich und hinten dann Heikes Mann, Waldou aus Brügge und sein Vater sowie unsere Beggleiterin aus Utah. Durch Campitello ging es auf einem Wanderweg zur Seilbahn, die uns dann noch einmal über das Sellajoch brachte. Der Ausblick spectaciolous. So dachten wir alle in Englisch, weil das die Sprache des Tages war. Sellastock, Marmolada hinten rechts und linksseitig die Rückseite von Langkofel und Plattkofel, wie ich sie noch nicht gesehen habe. Ich kannte nur den Blick von der Seiser Alm, die ich mit dem Schlern links durch einen kleinen Pass sehen konnte. Nun ging es auf geschmeidigen Trails an einigen Stellen doch verblockt mit etwas Steinen in Richtung Wolkenstein. Die Geschwindigkeit wurde größer und zum Abschluß konnten wir es so noch einmal krachen lassen.

Zusammenfassend: Sehr nette Truppe (hätte ich in der Schnelle so nicht erwartet, aber ggf. verbindet doch das gemeinsame Hobby), grandiose Aussichten, viel Spaß, zusätzliche Bikebeherrschung gelernt und die Sicherheit, dass ich hier noch einmal wandern möchte. 

Aber morgen fahre ich noch einmal. Und zwar wieder mit einer Truppe aus dem Hotel. Und darauf freue ich mich schon.

Heute muss ich Berichte über zwei Tage schreiben. Gestern Abend war ich einfach zu kaputt und auch zu spät wieder in meinem Hotel. Warum? Na das will ich im Folgenden beschreiben:

Ich bin heute früh aufgestanden, weil ich schon um kurz nach 08:00 Uhr in Richtung Feldthurns aufbrechen wollte. Denn heute standen rund 1700 Höhenmeter bei 36 km an. Prinzipiell ist das schon eine Menge Steigung für so wenig Kilometer. Aber wenn man ein Ziel hat, das die Anstrengung wert ist, dann macht man das auch. Und ich hatte ein Ziel: Das Lazfonser Kreuz. Genauer gesagt, das Schutzhaus Latzfonser Kreuz. Von hier, wo die höchste Wallfahrtskapelle Europas steht, hat man den besten Überblick über die Dolomiten. So hieß es zumindest in einem Fernsehbericht, den ich mal über das Schutzhaus sah. Und gleich vorweg genommen: Dem ist wirklich so! Also was lernen wir daraus? Fernsehen, den Schlauen macht es schlauer, den Dummen macht es dümmer.

Also früh aufstehen, weil die Fahrt nach Feldthurns dann doch 40 Minuten dauert. Ich kam gut los, das Frühstück um 07:00 Uhr mundete und so fuhr ich guter Dinge in Richtung Westen. Pünktlich um fünf vor Neun bin ich in Feldthurns angekommen. Das Auto hatte ich vor dem Ort geparkt, und ich konnte dem Knecht zusehen, wie er das wohl riechende Heut zusammen harkte. Ich glaube, der ältere Mann war mal ein Schüler von Claudia. Er machte seine Arbeit mit so einer Inbrunst. Ich könnte das nichr, weil es mir viel zu langweilig erscheinen würde. Aber für ihn schien es die Lebensbeschäftigung zu sein! Er erschien mir glücklich.

Nun zurück zur Tour: Schuhe an, Handschuhe an und los ging es. Die ersten Meter ging es auf der Straße steil bergauf. Ich fuhr im zweitkleinsten Gang, bog rechts ab und die Steigung sollte noch etwas steiler werden. So ging das gut 15 Minuten, bis ich -und das ist ungewöhnlich für mich- mal ein menschliches Bedürfnis hatte. Es war niemand in der Nähe und so war das auch schnell erledigt. Ich setzte den Rucksack wieder auf und dann meinen - halt, wo ist mein Helm? Und meine Sonnenbrille? Oh scheiße, die habe ich heute noch gar nicht auf gehabt. So ist das halt, wenn ich meine Betreuerin Claudia nicht bei mir habe. Und der helm war auch ich im Auto, sondern bei näherem Nachdenken fiel mir ein, dass er noch auf dem Balkon im Hotel lag.

Das bedeutete erst einmal ärgern. Und auch zurück zum Auto fahren. Doch was bedeutete das noch? Einen neuen Helm kaufen? Einen Helm leihen? Wenn ja, wo? Oder zurück ins Grödner Tal fahren, Helm holen und wieder hier her kommen? Ich entschied mich für die letzte Variante. Das bedeutete aber auch knapp zwei Stunden Zeitverlust. Und das, wo mir vor der Tour von der Anstrengung her sowieso ein wenig graute.

Gesagt getan, so war ich dann dank einiger unfähiger Ausflugs-Touristen-Autofahrer um viertel nach Elf wieder in Feldthurns startklar. Nun hieß es aber Gas geben. Ich fuhr schneller, als ich eigentlich wollte, aber die Tour war mit 4:30 Stunden angegeben und so durfte ich keine Zeitung verlieren, wenn ich auch noch gemütlich auf der Schutzhütte die Natur und ein kleines Essen genießen wollte. Nach Beginn der Tour dachte ich kurzzeitig sogar, dass ich die Tour in die falsche Richtung fuhr. Denn die Wege, die mein Navi anzeigte waren Trails zum bergab fahren aber keinesfalls bergauf zu bezwingen. Über einen Bauernhof fuhr ich, störte einen Hahn, der mich das Hören lies und ab ging es dann in den Wald.

Hier war ich ganz alleine. Ich fuhr an Fruchtsträuchern vorbei und da kam mir ein Gedanke. Mögen Bären eigentlicih auch Früchte? Oh ja! Denn dieser Gedanke kam mir, da vor zwei Wochen in Südtirol ein Bär einen Menschen angegriffen hat und ich am Sonnabend während der Autofahrt hörte, dass man sich hier Gedanken macht, wie mit Unterstützung der EU  eine Flexibilität erreicht werden kann, auffällige Bären oder auch Wölfe abzuschießen. Da gilt es doch mal drüber nachzudenken. Auch bei uns in Deutschland werden ja Wölfe akzeptiert, da diese ursprünglich bei uns lebten. Nur in der Betrachtung wird immer eines vergessen: Das Land ist heute ganz anders besiedelt als vor mehreren Hundert Jahren. Und so muss einfach auch über die Gefährdung durch die Wildtiere nachgedacht werden. ABer das ist hier nicht das Thema. Es geht ja um das Fahrrad Fahren.

Aber gut, ich habe keine Bären gesehen, außer die Heidelbeeren an den Sträuchern. Und so ging es über einen netten Waldweg nach Garn. hinter Garn ging es dann weiter in den Wald hinein und es wurde steiler und steiler. Der Wegweiser zeigte noch 4 Stunden bis zum LatzfonserKreuz. Mit dem Fahrrad ggf. drei Stunden, vorausgesetzt es wird auch nochmal flacher. So richtig flacher wurde es nicht mehr.

Und so fuhr ich, quälte mich, schimpfe innerlich, fluchte genauso aber genoss immer wieder die Aussicht auf die Dolomiten, die ich links von mir sehen konnte. Allein dieser Ausblick war die Qualen wert. Und so fuhr ich bis auf ca. 2000 Meter nur bergauf. Minute um Minute und Stunde um Stunde. Bis ich um 13:30 Uhr an der Klausner Hütte ankam. Ein Spezi war die Belohnung und der Wechsel meines durchnässten Trikots. Ich  genoss für ca. eine halbe Stunde die Sonne und ein nettes Gespräch mit einem älteren Ehepaar aus München. Orginal Münchner, die zu bestaunen sind, wie die Affen im Zoo. Weil es davon nicht mehr so viele gibt. So Ihre Aussage. Und ich lernte, dass der Isar Adweg auch ein toller Weg zum Fahrrad fahren sei. Na gut, probiere ich das irgendwann auch mal aus.

Aber jetzt wollte ich nicht nach Freising, sondern zum Latzfonser Kreuz. Und der weitere Weg wurde immer steiler. Das was ich sah schätzte ich auf zwanzig Prozent. Die nette Bedienung gab mir zu verstehen, dass es noch steiler werden wird. Ich glaubte dieses nicht so richtig. Sie fragte noch "e-bike"? Ich antwortet, nein klassisches Moutainbike. Sie hielt mich wohl für verrückt. Warum? Das sah ich gut 20-30 Minuten später. Aus der anfänglich schon beächtlichen Steigung wurde eine noch größere. Ca. 30-35 Prozent. Das Schieben war schon schwer genug. Ich glaube, der Weg ist unfahrbar. Na ja, unser Guide vom Alpencross, Holger Scharschmidt schafft das vielleicht. Ich auf keinen Fall. Und so schob ich nicht zehn Minuten, wie in der Tourbeschreibung zu lesen war, sondern eher 25 Minuten.

Und da nkam mir ein Gedanke: In der schon oben beschriebenen Fernsehsendung wurde davon berichtet, dass einmal im Jahr eine Prozession aus einem Ort hierauf stattfindet. Es wird der Schwarze Jesus (wenn ich mich recht erinnere) mit dem Kreuz hier hoch getragen. Wenn das mit meinem 17 Kilo Fahrrad schon so schwer ist, wie anstrengend muss es schon sein, das Holzkreuz den langen Weg zu tragen? Und ob man nun die Gläubigen verstehen mag oder nicht, ich ziehe meinn Hut vor der Leistung und kam so in Gedanken, wie wichtig den Pilgerern wohl der Glaube ist, um diese Strapazen auf sich zu nehmen. Das verdient größte Hochachtung und Respekt. Unabhängig vom Glauben.

Nun, ich kam irgendwann auch an und sah das Panorama. Im Fernsehen oder auf Bildern, die ich natürlich auch machte, ist das jedoch gar nicht darstellbar. Die Sicht ist einfach Grandios. Vom Heilig Kreuz Kofel über die Plose, die Geisslerspitzen, den Langkofel, den Plattkofel, die Sellagruppe, die Seiser Alm, den Schlern, bis hin zum Rosengarten könnte ich alles sehen, was in den Dolomiten Rang und Namen hat. Na ja, nicht alles. Reinhold Messner war nicht zu sehen ;-)

Hier oben sitzen, den Ausblick bei Sonnenschein und blauem Himmel zu genießen - viel schöneres kann ich mir fast kaum vorstellen. Ich krönte diesen Ausblick noch mit der Bestellung eines Kaiserschmarrn und eines Kaltgetränkes. Das habe ich mir wohl redlich verdient. Die Gäste wurden weniger, es war nach 20 Minuten Wartezeit jetzt kurz nach halb vier Uhr. Und so genoss ich noch eine knappe halbe Stunde den Ausblick und die immer wieder erscheinende Sonne, zusammen mit wenig Mitstreitern auf der Aussichtsterasse, bevor ich meine Rechnung beglich.

Und da möchte ich noch etwas los werden. DieTochter des Hauses hatte eiso zufriedenes und glückliches Lächeln. Die ganze Zeit, in der sie Gäste bediente zeigte sie ein einnehmendes Lächeln. Und auch die Mutter, bei der ich mein Geld loswerden durfte, tat Gleiches. Ggf. ist das auch kein Wunder, wenn man dort arbeiten darf, wo die Welt einfach richtig schön ist.

Doch alles Schöne hat auch mal eine Ende und ich musste de Weg hinunter ins Tal angehen. Angesichts der fortgeschrittenen Zeit entschied ich mich gegen den angebotenen Rückwegs und somit gegen einige Trails. Ich fuhr den Weg zurück, den ich hoch gefahren war und geschoben hatte. Ja, auch das steile rutschige Wegstück unterhalb der Latfonser Hütte fuhr ich bis auch ca. zehn Meter. Wenn mein Navi das richtig anzeigte, fuhr ich die massenhaften Höhenmeter wieder bergab. Sehr zum Frust meiner Bremsen, die irgendwann wider laut waren. So laut, dass ich keine Angst mehr haben musste, das mich ein Bär fressen würde. Denn der wird mich schon zehn Minuten, bevor ich ihnerreicht hätte, gehört haben.

Mit müden Armen aber sehr glücklich kam ich mit heißen Bremsen und einem Lächeln im Gesicht gegen 17:00 Uhr in Feldthurns wieder an. Nun noch eine kleine Steigung von 5 Minuten und ich konnte meine Schuhe wechseln, mich abtrocknen und den Weg ins 40 Minuten entfernte Wolkenstein antreten.

Trotz meines dümmlichen Missgeschicks am Morgen war es ein rundum gelungener Tag und ich war fröhlich, die Entscheidung, wieder zurück zu fahren, getroffen zu haben.

Am nächstenTag soll es um das Sella Massiv gehen. Das wird sicher nicht so anstrengend, weil nur 500 Höhenmeter zu bezwingen sind. Den Rest erledigen mechanischen Aufstiegshilfen. d.h. der morgige Tag steht und stand im Zeichen des bergab Fahrens...

Heute ging es auf eineTour, die "Unter den Geisslern" heißt. Die Geisslerspitzen sind mir ein Begriff. Diversen Ezählungen von Reinhold Messner, der im benachbarten Vilnöss Tal aufgewachsen ist, habe ich schon lesen können. Und so wollte ich auch mal in die Nähe, der Berge, die als so schön beschrieben worden sind.

Also ging es heute um kurz nach 09:00 nach ausgiebigem Frühstück wieder los. Lange Jacke, Knielinge und dicke Handschuhe waren notwendig. Denn die Autos hatten heute früh sehr stark beschlagene Scheiben, Ich will nicht wetten, aber sie konnten auch leicht angefroren gewesen sein.

Zuerst ging es wieder talabwärts über St. Christina nach St. Ulrich (immer noch mit einem L). Ich denke, das zweite L muss mal im Ortsnamen hinzugefügt werden. So ist das ja nichts Halbes und nichts Ganzes. Aber zurück zur Tour: In St. Ulrich sollte die Tour eigentlich beginnen. Knapp 40 km, 1300 Höhenmeter und einmal Seilbahn fahren, das sollte mich heute erwarten. Und es sollte mich auch eine Steigung von 1000 Höhenmetern am Stück erwarten. Tja, wenn das nichts ist! Und es war etwas. Zumal ich mich Anfangs trotz moderner Satelitennavigation verfahren hatte. Wenn man schon ein so tolles navigationssystem am Lenker hat, sollte man es auch nutzen. Nun gut, also 100 Höhenmetr am Anfang falsch gefahren. Und das, wo ich sowieso schon wenig Spaß hatte. Denn die Steigungen am Anfang waren schon sehr steil. Im kleinsten Gang kurbelte ich, was das Zeug hielt, Jacke, Knielinge und Unterhemd waren schon wieder im Rucksack verstaut und mein Trikot schon recht nass.

So ging es zuerst auf asphaltierten Straßen (hier müssen die Bewohner nur VW fahren, andere Marken kommen so steile Straßen sicher nicht hoch) und später über Schotterwege weiter in Richtung Heilg Kreuz Kapelle. Ich macht alle 60 Minuten Pause, um einen Riegel zu essen. Getrunken habe ich andauernd aus meiner Trinkblase. Zwischendurch konnte ich immer wieder einen Blick auf den Langkofel und Plattkofel sowie die Seiser Alm an der anderen Talseite werfen. Dort, wo ich gestern hochgefahren war. Mittlerweile war ich schon höher als gestern und ich kreuzte zwei Mal eine Standseilbahn, die Rachötzerbahn.

Bei einer Pause überholten mich Wanderer, und ich hatte Mühe, sie wieder einzuholen. Es war doch sehr rutschiger Schotter und die Steilheilt tat ihr übriges. Aber ich wollte unbedingt zur Kapelle, und so fuhr ich irgendwann mechanisch bergauf. An der Raschötzhütte ging es vorbei und hier waren immens viele Wanderer zu umfahren. Kein Wunder, die Bergstation der Standseilbahn war ja nicht weit weg. Meine Erfahrung ist, dass nit zunehmender Entfernung von mechanischen Aufstiegshilfen die Dichte der Menschen, die man zu Gesicht bekommt, sehr schnell sehr gering wird.

Hier aber waren viele Wanderer unterwegs und so musste ich mir auf dem letzten Trail zur Kapelle den Weg frei klingeln. Hierbei war ich mal wieder verwundert, wie konfus manche Menschen reagieren. Da muss man ja für zwei mitdenken. Denn eines ist klar: Wenn jemand zuerst nach links geht, überlegt er es sich noch einmal dann, wenn ich zwei Meter hinter ihm bin und er geht nach rechts. Umgekehrt natürlich genauso. Und das hängt nicht vom Alter der Leute ab, sondern scheint ein Rudelphänomen zu sein. Bei alleingen Wanderern habe ich das nicht beobachten können.

An der Heilig Kreuz Kapelle angekommen, war dort mehr los als auf dem Altstadtfest in Goslar. Aber egal, der Ausblick entschädigte für die 1000 Höhenmeter alle Mal und auch für die anderen Touristen, die mit mir den Ort teilen wollten. Ich konnte vom Eisacktal fast bis Bozen, über den Schlern und die Seiser Alm hin zum Langkofel und Plattkofel schauen. Weiter links noch die Geisslergruppe. Es war einfach toll. Nach obligatorischen Fotos kam ich noch mit einem netten Herrn aus Kiel ins Gespräch, bis es wieder bergab ging. Nicht auf dem Waldweg, wie mein Navi mir das sagte, sondern ich versuchte einen Höhenweg zu fahren. Und ich habe es nicht bereut, weil sich dieser in einenTrail wandelte, den ich super gerne fuhr. Zum Schluss war er zwar mit einigen großen Steinplatten recht buckelig, aber bis zur Bergstation der Raschötzerbahn kam ich gut voran. Es war nass vom vorigen Tag, und so sehr matschig, dass  und so sah ich auch nach 5 Minuten aus, wie ein gesprenkeltes Ferkel. 

Pause war angesagt und so versuchte ich wieder Apfelstrudel mit Spezi. Gestern war schöner, denn ich musste auf der Seiser Alm nicht Helene Fischer aus Lautsprchern ertragen. Heute allerdings schon. Und es war auch recht lustig zu sehen, wie Passagiere der Standseilbahn direkt aus der Seilbahn kamen, um als nächstes die Hütte zwecks Nahrungsaufnahme anzusteuern. Irgendwie schon lustig. Da wundern mich einige zu viel angesetzte Gramm dann doch nicht, die ich heut sehen konnte. Und so habe ich keine Zeit an diesem ungemütlichen Ort (na ja, so schlimm war es auch nicht) verplempern wollen und bezahlte die hohe rechnung. Es war teurer war als gestern -aber das war egal- und ich begab mich wieder in Richtung Osten.

Der Weg führte mich noch kurz bergauf, meine Schaltung machte Kapriolen und dann ging es über eine spektakuläre Skipiste bergab. Im Winter ist diese sicher schön zu fahren. Im Sommer nicht uneingeschränkt schön. Es gab in Stück, welches ich aus Sicherheitsgründen lieber schob. Das war mir zu unebend und dabei zu rutschig. Nach zwanzig Metern saß ich wieder auf dem Rad, um dann meine Fähigkeiten im Bergab fahren über Skiwiesen und buckelige Wege zu verbessern. Spaß gemacht hat es alle mal und ich erreichte auch die Mittelstation der Bergbahn Secada. Diese sollte mich für knapp 18 Euro auf 2450 Meter Höhe bringen.

Hat sie dann auch gemacht. Und was erlebte ich auf dieser Höhe? Na Schnee, hat es doch bei meiner Ankunft schon im Tal fast geschneit. Der handtuchbreit angekündigte Trail war waschlappenbreit. Denn der Schnee hat ihn weitestgehend zugedeckt. . Und am Rand auf dem Gras zu fahren war auch keine Alternative, da das Gras zu rutschig war. Also schob ich, fuhr ich, schob ich und fuhr ich wieder. Immer wieder durch Matsch und Pfützen, so dass sich heute Abend die Reinigung im Hotel freuen kann. Da gibt es viel sauber zu machen..

Aber der Weg hat sich alle Mal gelohnt. Am Fuße der Geisslerspitzen entlang zu radeln, immer wieder das Sella Massiv und die Seiser Alm sowie die beiden "Kofel" dort zu sehen ist beeindruckend! Da ist man als Fahrradfahrer ganz klein. Immer wieder kamen mir Wanderer entgegen und im Gegensatz zu mir sahen die meisten doch recht sauber aus. Aber wer will schon sauber sein? Es ist einfach zu schön, hier zu fahren!

Nach einer kurzen Steigung, die ich angesichts des Matsches schob, sah ich sie, DIE HÜTTE. Nicht DAS AUTO, sondern DIE HÜTTE. Sie nennt sich Pieralongia Alm und liegt auf 2290 Metern Höhe. Eine Pause musste her. Und im Vergleich zu der Gaststätte an der Seilbahn Bergstation vor 90 Minuten war das hier einfach richtig gemütlich. Keine Helene Fischer, keine überteuerten Preise. Stattdessen Holundersirup und ein Speckbrot. Wobei ich sagen muss, das was als Speck mit Brot angeschlagen. Und da hätte ich besser lesen müssen. Denn es waren zwei dicke Speckscheiben und frisches Brot mit und ohne Kümmel sowie Schüttelbrot. Lecker war es allemal, und die Sonne, die mir ins Gesicht schien tat ihr Übriges. So verweilte ich hier fast eine dreiviertel Stunde. Einfach um den Ausblick auf die schönen schon genannten Berge zu genießen und ebenso die Sonne. Und es war richtig ruhig. Trotz vieler Gäste. Aber ich hörte nicht mehr den oder die Hubschrauber, die mich heute früh beim bergauf fahren mehrfach überflogen hatten und mit den nervigen Geräuschen die Ruhe störten.

Gleiches tat iich jedoch auf der nun folgenden Abfahrt über die Regensburger Hütte bis nach Wolkenstein. Ich störte die Ruhe. Der Weg ließ sich toll fahren, mal schnell, mal langsamer, weil zu rutschig. Mal Single Trail, mal breiterer Wanderweg. Aber es ging bergab und so musste ich ja bremsen. Und die Bremsen machten heute einen Krach. Klingeln oder rufen war nicht nötig. Man hörte mich bremsen. Das nervte mich selber, aber sicher war es für die Wanderer und für mich, weil die Wanderer schon aus dem Weg gegangen waren, als ich kam.

Die Fahrt bergab verging wie im Flug. Nach knapp dreißig Minuten war ich im Tal und konnte gegen kurz nach 15:00 Uhr erst mein Fahrrad von so viel Matsch befreien und nachfolgend auch noch meinen Körper, wie ich es nicht für möglich gehalten habe.

Es war eine tolle Tour, die man auch mal wandern sollte. Die Eindrücke waren bombastisch und ich hoffe, dass ich das morgen bei der Fahrt zum Latzfonser Kreuz ggf. noch toppen kann.

Nun gute Nacht.. 

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