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Ullrichs shots

Wie war es für Ullrich, auf seiner vierten Transalp?

14.7.2018 12:30 Uhr. Wir sind gerade vom Brennerpass los gefahren. D.h. wir sind schon wieder auf der Heimreise und die diesjährige (und meine letztmalige?) Transalp ist somit vorüber, erlebt, gefahren, genossen oder gar geschafft- Jede dieser Beschreibungen stimmt auf seine Art und Weise. Es war eine Transalp mit Höhen und Tiefen. Und das im wahrsten Sinne der Worte. Wir sind einige Tausend Meter bergauf gefahren und auch einige Tausend Meter bergab gefahren. Wir sind auch mehrere Hundert Kilometer geradelt. Mal auf Straße, mal auf Waldwegen, mal auf Fahrradwegen und mal auf Trails. Wir haben 6 Hotels kennen gelernt, wobei die alle von Ulp sehr schön ausgesucht waren. Auch das "Schlechteste" von ihnen war noch absolut ausreichend. Wenn man die Relationen beachtet!. Ich habe mich wohl gefühlt.

Nun, und wir haben 6 Tage unterschiedlichste Charaktere kennen lernen können. Es sind zwei Gruppen los gefahren. Oder besser gesagt 10 Individuen. Claudia, Sabine, Heike, Ulrike, Thomas, Markus, Günter und unsere beiden Guides Lutz und Julian.

Und wie es bei so zufällig zusammen gewürfelten Gruppen nun der Fall ist, harmoniere ich mit einigen besser, mit anderen schlechter. Die Gruppe funktionierte für mich überwiegend. Hatte jemand einen kaputten Schlauch, wurde ihm sofort geholfen. Ich hatte sehr nette Gespräche, wenn ich auf solchen Touren auch lieber mich genieße und die Natur. Für die guten Momente danke ich den Beteiligten. Danke Markus, danke Günter und Danke Thomas. Doch ehrlich muss ich auch sagen, dass ich den Zusammenhalt und die Stimmung, den ich bei meinen Touren im Jahr 2016 und 2017 erleben konnte, dieses Mal nicht gefunden habe. Warum nicht? Nun, da mag es mehrere Gründe geben.

Zum Einen müssen mir nicht alle Charaktere gefallen. Tun sie auch nicht. Wir sind ja eine Interessensgemeinschaft, die 6 Tage das gleiche Interesse hat. Aber nicht alle Interessen werden von uns geteilt. So war es für mich eben unpassend, in schönster Natur dauerhaftes Gerede zu hören (welches für mich nicht immer erhellend war), in meiner Wahrnehmung übermäßig künstliches Gelächter über Dinge, die ich nicht lustig fand. Und dann war da auch noch eine Überheblichkeit, bei Einzelnen gegenüber der Einsteiger Truppe. "Ist das hier nicht schöner, als in so einer Cappuccino Truppe durch das Tal zu fahren?", "Hast Du Dich nicht gelangweilt, als Du mit der langsamen Truppe gefahren bist...?" So viel Dummes Zeug habe ich auf keiner anderen Transalp erlebt. Und so viele Missachtung von Claudia und Sabine war für mich erschreckend. Musste den Wortführern dieser Worte doch klar sein, dass ich das als Ehemann und Bruder auch mitbekomme. Sensibilität 6, setzen!

Es war unpassend. Und dieses gerade von den Teilnehmerinnen, die aus Level 1 in die Level 2 Gruppe gewechselt waren. Wenn Claudia und Sabine Level 1 gefahren sind, und nicht schnell genug für zwei Damen waren, dann ist das OK, wenn sie in Level 2 wechseln. Wenn diese Teilnehmerinnen dann aber Trails nicht schnell fahren können, oder gar nicht fahren können und auch am Berg bei uns hinterher hängen, so ist es nicht mein Stil, hierüber zu lästern, wie die gleichen Damen das in meiner (und auch Sabines, bzw. Claudias Wahrnehmung) gegenüber der Level 1 Gruppe gemacht haben. Mich widert so ein Verhalten an und ich bin mir bis heute nicht sicher, ob das die Beiden gar nicht gemerkt haben. Ich hätte mich gefreut, hätten die beiden Freundinnen die Toleranz gegenüber der anderen Truppe an den Tag gelegt, die ich gegenüber ihnen gezeigt habe. Habe ich es den Beiden gesagt? Nein! Warum nicht? Weil ich einfach keine Lust hatte. Claudia jedoch hatte hierüber auch mit Lutz, meinem  Guide,  gesprochen und das war sehr gut.

Nun und dann war da das ewige Gesabbel, welches ich schon erwähnt hatte. Ich fahre die Tour, um die Natur zu genießen. Ich muss nicht die ganze Zeit reden und auch keine Geschichten hören. Mal ist das OK, aber nicht immer. So traf dann das MItteilungsbedürfnis einer Mitfahrerin (OK, ich wurde zu Beginn von dieser schon hierüber gewarnt) nicht das Hörbedürfnis von mir. Und ehrlich wen interessiert es, ob wir 420, 410, 400 oder 380 km gefahren sind? Und wen interessiert es, ob ich 10.000 Höhenmeter, 8000 Höhenmeter oder nur 6000 gefahren bin? Niemanden! Ich mach das doch nicht für Zahlen, sondern als Erlebnis und zum Wohlbefinden.

Ich könnte mir vorstellen, was man aus dieser Zahlenfixiertheit interpretieren könnte. Aber das steht mir nicht zu, hierüber zu urteilen. Es passt nur mit dem mehrfach gleichen Ausdrucksweisen dieser einen Mitstreiterin zusammen, die von Hackordnung, Trialordnung und ähnlichem sprach.

Sei es drum, jeder soll glücklich werden, wie er möchte. Jeder hat das gleiche Geld bezahlt, jeder soll so sein, wie er möchte. Und so habe ich aus der Tour das Beste gemacht, habe genossen und auch viel Spaß gehabt. Danke Markus, Thomas, Günther! Von Günter habe ich übrigens viel über Hopfenbuchen gelernt (nämlich, dass es diese überhaupt gibt) und ich habe viel über Wildschweine und deren Verhalten gelernt. Nun kann ich mit weniger Angst in Zukunft durch den Harz fahren. Ach ja, dass Douglasien auch gut riechen, wie Zirben, kann für mich in Zukunft auch noch wichtig sein. Daher nochmals Danke Günter.

Wobei ich abschließend sagen kann, dass die Tour Garmisch-Comer See oder auch die Level 3 Tour "Best of Trails" viel mehr hochalpine Erlebnisse hatte. Und dadurch waren sie viel schöner für mich. Trotzdem war es alles in allem eine schöne Tour, mit hoch engagierten Guides, netten Mitfahrern und schöner Landschaft.

Viele dieser Alpentouren werde ich  so nicht mehr machen und ich bin dankbar, dass meine Gesundheit die 6 Tage durchgehalten hat. Auch meine Kondition hat gehalten. Das war eine Sorge, die ich vor der Tour hatte, denn im Gegensatz zum letzten Jahr hatte ich in der Vorbereitung ja 500 km weniger trainiert. Und so kann ich sagen Ende gut, alles Gut. Und die wenigen negativen EIndrücke, die vergese ich. An den positiven Eindrücken werde ich mich -wie auch  in den Jahren zuvor- lange laben können. Und ich hoffe, dass Sabine und Claudia genauso denken können wie ich und ihre emotionalen Belastungen durch die oben erwähnte Missachtung auch vergessen können. Im Übrigen sei ja gesagt, dass die Leistungen für Neulinge viel Größer zu bewerten sind, als die von mir, der nun schon die vierte Tour hinter sich hat.

Noch ein abschließendes Wort zu unseren Guides: Danke Lutz für die Trials, die ich fahren durfte. Danke auch für die Rückmeldung zu meiner Fahrweise im Vergleich zu 2015 und Danke für die Eindrücke, die ich dieses Mal gewonnen habe. Und danke auch für die guten Gespräche, die wir während des Fahrens geführt haben. Mir wird unser Gespräch von Bozen hinauf zum Mendelpass wo wir 60 Minuten 12 km bei 500 Höhenmeter -ich musste einfach auch mal Zahlen bringen ;-)  in Erinnerung bleiben. Und das obwohl die Zeit wie im Fluge an mir vorbei ging.

Danke Julian für Deine einzigartige Art und Weise. Dein Humor ist einmalig. Dein Sarkasmuss ist das, was ich gut leiden konnte. Ich fürchte, dass ihn nicht jeder versteht. Und Danke Dir für die Art und Weise, wie Du Dich um Sabeine und Claudia gekümmert hast. Deine sozialen Qualitäten rufen einfach danach, dass Du hieraus etwas mehr machst. Und ich bewundere, dass Du so ein harter Typ bist, verwegen und risikobereit, dass Du Morgens Elmex nimmst und Abends Aronal. Das muss Dir erst einmal jemand nachmachen. Noch ein Tipp zum Schluß: Tausch Deine Transalp Urkunde bei Bewerbungen wieder gegen Dein Physik-Masterzeugnis aus. Das kommt dann doch bei Personalern besser, die Dich einstellen wollen ?


In diesem Sinn, schließe ich jetzt kurz vor Garmisch meinen Blog zur diesjährigen Transalp. Ich sage Kette rechts und keep on biking....

Nachtrag 14.07.2018: In Grainau, wo wir noch Urlaub machen, traf ich zufällig meinen Guide Holger Schaarschmidt von der letzten "Best of Trails" Tour. Das war ein nettes Wiedersehen. Und ich nehme das Obige zur wahrscheinlich letzten Tour von mir zurück. Ich denke, dass ich auch nächstes Jahr wieder eine Tour fahre. Mit Holger. Mal sehen, ob es klappt.

Und was denkt Claudia nach ihrer ersten und sicherlich einzigen Trans Alp?

Die Äußerungen zu den Höhenmetern und Kilometern, zu den gefahrenen oder geschobenen Trails und dem einen oder anderen Charakter von Ullrich muss ich nicht wiederholen. Ich bin bestimmt auch nicht jedermanns oder jederfraus Sache - aber ich bin auf jeden Fall teamfähig und denke mir in mancher Situation eben meinen Teil.

Für mich gab es weder eine 'Hackordnung' bei der Reihenfolge der Radelnden noch einen Wettkampf gegen irgendjemanden aus der Gruppe. Für mich war es wie bei meinen Marathons und auch den anderen Läufen: Ankommen ist das Ziel und vor allem, dass es mir dabei und danach gut geht. Und genau das habe ich erreicht. Ich hatte keine Schmerzen (außer den üblichen jahreslang bekannten), ich fühlte mich etwas kaputt, aber richtig gut!

Als Sabine Ullrich irgendwann mal fragte, ob sie auch auf der Tour mitfahren könne, hatte ich zunächst Sorge, dass sie, die schon immer Sport gemacht hat, mich derart zieht, dass ich mich überfordere, nur, um nicht immer hinten anzuhängen. Auf unseren gemeinsamen Fahrten durch den Harz habe ich ihr das auch offen gesagt. Aber wir haben vom ersten Mal an gemerkt, dass das super passt mit uns beiden. Sabine war am Berg manchmal fixer, hatte da so ihren 'Lauf', ich war dafür bergab deutlich mutiger und wir harmonierten einfach toll beim Fahren. Wir haben wirklich schöne Touren gemacht und wollen das auch ab und an beibehalten.

Während der Tour ist das genauso harmonisch geblieben und es war einfach toll, Sabine, dass wir gemeinsam gefahren sind. Wir haben uns gegenseitig ermuntert und keine von beiden hat sich schlecht gefühlt, wenn es mal nicht so lief - da war eine ganz ehrlicher und aufrichtiger Zusammenhalt ohne jegliche Konkurrenz und/ oder Neid auf erbrachte Leistungen. So, dachte ich eigentlich, ist das in Sportlergruppen mit diesem Ziel, eine gemeinsame Tour zu machen, üblich. Nun, da wurde ich vom Gegenteil durch einige wenige Teilnehmenden überzeugt. Sicherlich habe ich das mit dem andern Guide thematisiert, aber eben nicht mit den betreffenden Radlern, aber im Nachhinein denke ich, hätten sie das ohnehin nicht verstanden. Empathie ist für manche nicht nur schwer zu schreiben, sondern auch zu empfinden. Es hat mich sehr verletzt, dass man sich auf meine Kosten amüsiert hat, aber auch hier ist mir klar, dass es sich nur um einen kleinen Teil handelt und wenn sie das nötig haben - bitte - wenn sie sich dadurch selbst aufgewertet haben. Ich habe dieses Päckchen irgendwann auch zugeschnürt und daraus gelernt habe ich allemal. Und ich hoffe, dass mein offenes Gespräch in Bozen auch etwas Nachhaltigkeit zeigt. 

Warum habe ich diese Tour gemacht? Weil ich es wollte - nicht, weil ich es schon konnte! Ich wollte es wissen und ich weiß, dass ich meinem Körper mit all seinen Krankheiten und Einschränkungen damit eine ganze Menge zugemutet habe. Wir beide sind an vielen Tagen nicht gut aufeinander zu sprechen und ich habe ihn diese Woche wahrlich provoziert. Aber er hat mich nicht wirklich im Stich gelassen. An der Norbertshöhe und am letzten Tag zum Abschlussfoto hatte ich Sorge, dass nun die Rache kommt, aber er hat es mir dann doch gegönnt, dass ich mit Stolz zurückblicken kann, dass ich es geschafft habe. Das Gefühl kann man schwer beschreiben, das ist einfach so ganz ruhig und warm und zufriedenstellend.

Und zum Abschluss noch ein paar Sätze zu unserem Guide Julian: Ich weiß nicht, ob er die Zeilen irgendwann mal liest, aber er war vom ersten Moment an der richtige für uns beide. Er war einfühlsam, konnte uns super einschätzen, das richtige Tempo und die richtigen Strecken für uns entscheiden und uns trotzdem auf charmante und geschickte Art immer wieder zu Höherem fordern. Es hat einfach Spaß mit ihm gemacht, sein feiner Humor ist einfach großartig und ihm konnten wir keine Steigung und keinen Weg abschlagen und irgendwie krumm nehmen. Wir haben während der Touren zu dritt viele schöne und interessante Gespräche geführt - also war da noch genug Luft :-) zum Atmen beim Radeln, Schieben und Tragen. Ich wünsche ihm, dass er seine Fähigkeiten und seine Kompetenzen im Umgang mit Menschen irgendwann nicht nur für seine Touren und sportlichen Aktivitäten nutzt, sondern den Mut für ein Parallel-Leben aufbringt, über das er ja selbst nachdenkt und über das wir auch immer wieder gesprochen haben.

Und Sabine - Dir danke ich, dass wir diese Tour so bravourös zusammen durchgezogen haben und dass Du eine so tolle Teampartnerin warst. Wenn ich nochmal fahren würde - immer wieder gerne mit Dir! 

Und der letzte Satz gehört Ullrich: Ich habe ihn auf der Tour an den Abenden doch auch immer wieder mal mit meinen Gedanken vollgesabbelt und dabei kam auch der Gedanke auf, dass ich mich so ein wenig in sein Hobby eingedrängelt habe. Ich habe ja einfach gesagt, dass ich auch so eine Tour mit ihm mitmachen möchte und habe gar nicht gefragt, ob er das auch gut fände. Er fand es aber gut und hat ja sogar diese Switch-Variante herausgesucht. Es war auch für ihn eine Umstellung, dass er diese Tage nicht nur an sich und seine Dinge denken musste, sondern eben auch an mich und uns. Und auch das hat hervorragend geklappt und ich danke ihm für diese Erfahrung und dieses Erlebnis. Ein weiterer 'Bonding-moment' in unseren 24 Jahren, die ja auch wie so eine Art Alpenüberquerung waren. Es war toll mit Dir und wenn ich noch einmal fahren würde - auch immer wieder sehr gerne mit Dir - zumindest dann an den Abenden nach getrennten Anstrengungen! 

Ullrichs letzte Etappe

Freitag, der 13.7. Der letzte Tag der Alpenüberquerung von Garmisch zum Gardasee liegt hinter uns. Wie jeden Morgen hieß es aufstehen. Doch anders als die letzten Tage mussten wir nicht zu früh aus dem herrlichen Bett im Hotel am Molvenosee. Nein, die Abfahrt war mit 09:00 Uhr angesetzt und so konnten wir unsere müden Knochen und Muskeln eine halbe Stunde länger relaxen lassen und zur Schonung dieser beitragen.

Das Frühstück war reichhaltig. Irgendwie jedoch italienisch, denn die Lautstärke im Raum war für meine Begriffe viel zu hoch. Das ist jedoch das, was man wohl mit Italien verbinden muss. Nicht nur die laute Musik, die aus dem Vorraum in den Speisesaal herüber schallte und zu einem hohen Lautstärkepegel beitrug, sondern auch das Reden der wenigen italienischen Gäste hatte genauso, wie beim gestrigen Abendessen dafür gesorgt, dass bei mir keine ruhige Abendstimmung und nun Morgenstimmung eingetreten ist.

Macht auch nichts. Denn gleich sollte es ja wieder los gehen. 09:00 Uhr einklicken. Doch Julian, der Guide von Sabine und Claudia hatte sein Fahrrad noch nicht zu Ende gepflegt. Aber Julian kann man das ja gar nicht übel nehmen. Er ist so ein positives Energiebündel mit dem rechten Humor und dem gewissen richtigen Grad an Sarkasmus, dass man ihn eigentlich gern haben muss. Doch zurück zur Tour. Es ging also um 09:05 Uhr los. Erst entlang des Molvenasees, dann ging es eine kleine Straße herunter und hier ist es passiert.

Mein erster Reifenschaden auf dieser Tour. Trotz schlauchloser Reifen hat sich ein Loch im Hinterrad durch ein schwimmendes Fahrgefühl bemerkbar gemacht. Also hieß es Reifenwechsel. Das ist dann mit Hilfe von Markus und Julian recht schnell gegangen. Das Loch war durch die austretende Dichtmilch (warum hat die nicht gedichtet?) schnell gefunden, der Ersatzschlauch eingezogen und schon hechteten wir dem Rest der Gruppe, die nicht gewartet hatten, nach. Dank unglaublich guter Leistung hatten wir die Anderen recht schnell wieder eingeholt. Hierbei galt es noch einen steinigen, schottrigen Trail hochzufahren, der mit ca. 25% Steigung dann für einen Sturz sorgte. Nicht bei mir. Jedoch bei Julian. Und er sagte ihn vorher sogar noch an, als er um Abstand bat. Nix passiert, also ging es weiter und wir holten Claudia und Sabine ein. Claudia und Sabine wurden durch einen Guide einer anderen Truppe wieder auf den Weg gebracht. Denn Lutz und der Rest der coolen Gang hatten gar nicht gemerkt, dass sie Claudia und Sabine abgehängt hatten. Nun gut, passiert einmal. Ist ja alles gut gegangen.

Wir fuhren auf und ab über ganz normaler Waldwege durch ein nettes kleines italienisches Örtchen (den Namen habe ich leider vergessen), welches mit irgendwie an Don Camillo und Peppone erinnerte, bis wir dann nach einigen Höhenmetern oder besser Tiefenmetern das Tal erreicht hatten. Hierbei hatte Lutz noch die fabelhafte Idee, einen Trail zu fahren. Das wäre für Level 3 und 2 wohl möglich gewesen. Für Level 1 sicher nicht. So zog er sich (verständlich?) den Zorn einzelner Mitreisender auf sich zu. Der Trail war steil, teils sehr verblockt und nachdem die Ersten von uns hinunter gefahren waren, war auch der Weg aufgewühlt und extrem rutschig. Nun gut, manchmal vergisst man, wie so ein Weg ist, den man schon einmal gefahren ist. Im oberen Teil war er ja auch für mich fahrbar. Im unteren Teil bin ich dann gestürzt. Gehend ;-).

Im Tal fuhren wir nun gen Gardasee. Es sollte heute eine recht kurze Etappe werden, kaum noch Steigungen (ca. 500 Höhenmeter) dafür wollten wir Mittags den See erreichen, um noch etwas vom Gardasee zu genießen. Auf dem Radweg, der uns dem Ziel Riva näher brachte, musste ich kurz anhalten. Und die Gruppe fuhr vorbei. Das ist kein Problem, weil ich schon recht schnell fahren kann und so auch die Gruppe wieder einholen konnte. Doch nach 500 Metern kam ich in eine Ortschaft, mit 3 alternativen Fahrwegen. Ich wählte den linken. Richtig! Da habe ich ja mit einer Wahrscheinlichkeit von 33% ins Schwarze getroffen. Danach ging es geradeaus oder rechts. Tja, was tun? Ich sah Claudias Helm am Horizont also rechts. Und nach weiteren 500-600 Metern ging es links und rechts entlang.  Keine Gruppe zu sehen. Niemand wartete an der Kreuzung. Ich  war bedient. Das geht so nicht. Wenn einer aus der Gruppe fehlt, und eine Kreuzung kommt, muss man warten. 2 Mal habe ich Glück gehabt. Hier nicht. Denn ich fuhr links und das war falsch. Leider habe ich das erst nach ca 1,5 Kilometern realisiert.

Das hieß dann für mich, einen netten Landwirt fragen. Mit Deutsch, italienischen Wortfetzen und Händen und Füßen. Aber ich wusste, dass ich nun 1,5 km zurück fahren musste um dann noch einmal Gas geben musste, um die Gruppe einzuholen.

Ehrlich gesagt war das das zweite Mal diesen Tag, dass ein Gruppenmitglied verloren war. So geht das nicht! Das hat mich schon sehr enttäuscht. Egal, ich habe die Gruppe gefunden und bin dann mit Lutz, Claudia, Sabine in Richtung Arco gefahren. Der Rest der Gruppe wollte noch einen Trail fahren. Da hatte ich gar keine Lust mehr. Nicht auf den Trail und nicht nach der Verfolgungsjagd, die der Suche nach Dr. Kimble in Nichts nachstand. Dafür haben wir dann auf die Anderen wartend ein nettes Eis in Arco gegesen, bevor wir gemeinsam nach Riva aufgebrochen sind.

Riva, ein toller Name, aber für mich kein Ort, den ich erleben muss. Da ist der Marktplatz von Venedig wahrscheinlich nicht so bevölkert, wie dieser kleine Ort. Fahrradfahrer, wohin man sehen kann. Aber wir wollten ja nicht lange bleiben. Lutz hatte noch die tolle Idee, auf einen Aussichtspunkt zu fahren. Die Sonne brannte und 250 Höhenmeter in heißer Sonne lagen vor uns. Zum Glück auf Asphalt, welcher auch noch von unten brannte. Claudia war kaputt. Wer kann es ihr angesichts ihrer tollen Leistung übel nehmen? Niemand! Sabine fuhr gut. Und dann war da auch noch Oskar.

Ja, Oskar wollte am letzten Tag zumindest von Arco mit nach Riva und auf den Aussichtspunkt fahren. Ich war hoch erfreut, Claudia auch. Seine Hand ist noch nicht wieder ganz gesund, aber irgendwie war es ihm ein Bedürfnis. Und so kurbelte er mit Claudia den Berg hoch. Mit seiner Mama ;-).

Bis zum ersten kleinen Aussichtspunkt. Foto machen, auf Claudia warten, nochmals Foto machen und "HALLO". Da waren doch Peter und seine Frau aus Goslar. Am Arsch der Welt trafen wir nun einen Kollegen von Claudia und eine ehemalige Mitarbeiterin der PT Lounge von Christian Brink in Goslar. Was es doch für Zufälle gibt. Nun sind wir aber schleunigst weiter gefahren, weil der Himmel grummelte. Wir wollten ja noch zum Aussichtspunkt, einem Bunker über dem Gardasee.

Und das haben wir auch geschafft. Nicht trocken. Denn auf den letzten 50 cm kamen so einzelne Regentropfen herunter. Das tat der Stimmung keinen Abbruch. Und so wurden Fotos gemacht, Umarmungen ausgetauscht und der Blick in die schöne Seestimmung genossen. Doch es hieß angesichts des startenden Regens Abschied von hier nehmen. Claudia und Sabine über die Straße, der Rest über einen Trail. Claudia und Sabine wurden klitschnass, Oskar und ich nicht so sehr.

Oskar fuhr im Trial vor mir und ich war begeistert. Was der Bengel aus seinem Trailkurs mitgenommen hat, wie er das Fahrrad beherrschte, es war eine Wonne, das zu sehen. Und Lutz war auch davon angetan, wie Oskar auf dem Fahrrad saß.

Riva ist erreicht, knapp 420 km liegen hinter uns, und 6 Etappen waren zu Ende. Doch nicht ganz. Wir haben das Abschlusseis noch nicht gegessen. Und dass wollten wir jetzt nachholen. Die Eisdiele war voll, viele Menschen wollten sich vor dem Regen zurück ziehen. Wir fanden jedoch einen Platz für uns alle. Und das Eis war Bombe. Ich weiss nicht, warum ich immer so gutes Eis esse, wenn ich bike. Livigno: Top, Oberammergau: Super und hier einfach nur grandios. Die Eisdiele hieß Bar Gelateria Flora und ist nur zu empfehlen. Also, wer mal am Gardasee ist, sollte dort unbedingt einen Eisbecher essen!

Nun hieß es noch die Reise richtig zu beenden. Also musste das obligatorische Bad im Gardasee her. Also hieß es für mich und einige andere umziehen und ab in die Fluten. Das war der Lohn von literweisen Schweisstropfen in den letzten 6 Tagen. Und es war herrlich. Der See ist ja schöner gelegen als der Comer See, den ich vor 2 Jahren genießen konnte. Und es gab noch einen anderen Unterschied: Es wimmelt hier nur so von Goslarern. Hier in Riva wurde nun auch noch Oskar durch eine Goslarer Familie am Strand begrüßt. Wie klein die Welt doch ist... (hatten wir das heute nicht schon einmal?).

Nach einigen Fotos, bzw. unzähligen Fotos einzelner Gruppenteilnehmer ging es dann langsam wieder in Richtung Arco, wo unser kleines, niedliches Hotel Pace auf uns wartete. Toll, wie in alten Gemäuern so ein schnuckeliges Hotel eingebaut wurde. Ich hatte keine Lust mehr zu radeln. Markus ging es genauso. Zumindest nicht schnell. Und so fuhren wir wirklich sehr gemütlich genussvoll die letzten Kilometer, bis wir am endgültigen Ziel des Tages waren.

Oskar hatte eine Pizzeria für 19:00 Uhr klar gemacht. Er ist ja Fachmann. Und das Essen war nicht von schlechten Eltern. Super Pizza (ja, ich habe freiwillig Pizza gegessen), ein Vitello Tonato, was ich mit Oskar geteilt hatte, Käse, Salate. Alles vom Feinsten und in einer irren Geschwindigkeit serviert. Dazu noch freundliche Bedienungen. Warum gibt es so ein Restaurant nicht in Goslar?

Nach einem Eis am Marktplatz saßen wir noch bis 23 Uhr zusammen, bevor sich Familie Kohl verabschiedete. Kurz vor dem Weggehen, warme männliche Stimmen. Melodische Sequenzen, dynamische Musik. Was war das? Nun, ein Männerchor bestehend aus 9 Personen sang vor der Kirche einige Lieder. So wie der berühmte Südtiroler Bergsteigerchor sein "La Montanara" ivergangenen Jahrhundert sang. Das war einfach toll und war die richtige Einstimmung um nach einer langen, anstrengenden, schönen Tour gemütlich und genussvoll ins Bett zu gehen.

Nur das ewige Gesabbele einer Gruppenteilnehmerin war geeignet, die schöne Stimmung zu verstören. Alle hörten zu, nur sie musste reden. Ich weiss nicht, ob sie das gar nicht gemerkt hat, dass sie die Stimmung, die durch die Sänger hervorgerufen wurde, dadurch verdorben hat. Doch dazu in der Zusammenfassung morgen mehr.

Und hier sind die Ergänzungen von Claudia noch einmal:

Der letzte Tag sollte vor uns liegen und die Etappe sollten diesmal alle gemeinsam zum Gardasee fahren. Dabei grummelte es ein wenig in mir, da ich ja mit einigen Reaktionen auf mein Fahrvermögen doch innerlich immer wieder zu tun hatte. Aber es ging dann eben los, fix voran und natürlich bemühte ich mich, an der Gruppe zu bleiben. Was für die anderen als gemütliches Ausradeln betitelt wurde, war für mich am letzten Tag auch noch einmal echte Arbeit. Der Trail, den wir alle fahren oder natürlich auch umfahren konnten, hatte es schon in sich. Aber da ich keine Probleme damit hatte, ihn auch hinunterzuschieben, war mir das lieber und es war auch landschaftlich viel schöner, als alleine einen anderen, sicher langweiligeren Weg zu fahren. Es war auch mit Schieben und Tragen des Rades eine kleine Herausforderung, aber das fand ich gar nicht schlimm und ich stellte mich auch nicht ungeschickt dabei an - also fiel und rutschte ich nicht und ein kleines Stück konnte ich sogar fahren. Der Verärgerung, dass die Gruppe an Weggabelungen nicht eben kurz wartet oder Zeichen legt, die Ullrich dann auch spürte, hatten Sabine und ich schon hinter uns. Da wir alleine fuhren, Ullrich mit Panne, Markus und Julian hinter uns, die anderen weit voraus, rief ich einfach also einfach hinter einem Radler her, der auf einem E-Bike vorher munter an uns vorbeigeradelt war. Ich fragte ihn, ob er auch zum Garda-See wollte und er lud uns ein, ihn zu begleiten. Also radelten wir neben einem E-Bike her und konnten gut mithalten. (Na gut, so schnell fuhr er nicht.) Er berichtete, dass er seit 20 Jahren für 'Go crazy' Touren fuhr, gerade eine E-Bike Tour ausprobierte, um notwendige Akkuladungen und Pausen sowie die Strecke an sich zu testen, weil es in der nächsten Woche mit den Teilnehmenden losgehen sollte. Aber er war sehr erstaunt, dass unser Guide nicht an der Weggabelung auf uns gewartet habe, denn das sei ja wohl selbstverständlich und überhaupt orientiere man sich nicht an den Stärkeren und Schnelleren. Irgendwann trafen wir auf die anderen, der 'Gast-Guide' übergab uns sehr  freundlich an Lutz, der dann doch einsehen musste, dass es tatsächlich auf dem Weg die Weggabelung mit zwei gleichwertigen Wegen gab.

Dann düsten wir, gemütlich radelnd war das ja für die anderen, wie schon gesagt, weiter. Auf den letzten Trail verzichtete ich (Sabine auch) und die Guides tauschten die Gruppen, damit Julian den ihm unbekannten Trail auch fahren konnte. Wir trafen mit Lutz und Ullrich in Arco ein, sauten uns und die Räder auf dem Weg dorthin noch etwas ein und waren auch nicht gerade langsam unterwegs. Geschafft! - In Arco holten wir Oskar zu uns, der auf den Aussichtspunkt mitfahren wollte und dafür die Radklamotten schon angezogen hatte. Nach einer Pause für alle ging es auf den NUR 400 oder 500 Höhenmeter hoch gelegenen Aussichtspunkt, wo das Abschlussfoto gemacht werden sollte.

Die Norbertshöhe war schon eine Nummer, aber heute kam auch noch die pralle Sonne dazu. Die erste starke Steigung kämpfte ich mich mit Sabine hoch. Wir ermunterten uns gegenseitig. Oskar radelte locker neben mir her (nein, er sang keine indischen Lieder, aber erzählte mir nette Geschichten). Sabine kam dann bis zum nächsten Treffpunkt mit allen etwas fixer voran. Ich musste mich erst einmal wieder sammeln, bevor ich Ullrichs Fotowunsch nachkommen konnte und dann trafen wir, wie von Ullrich schon erwähnt, auf Peter und Petra aus Goslar. Ich wusste, dass die beiden am Garda-See mit dem Roller unterwegs waren, aber hätte nicht mit einem Zufallstreffen gerechnet. Zum Erzählen hatte ich aber keine Puste und wir wollten ja auch noch weiter. Peter ermunterte mich noch mit: Oh, das ist aber noch eine ganze Ecke, aber ich wollte da auf jeden Fall auch hochfahren. Also trat ich weiter in die Pedale und jetzt war es so, dass Sabine und ich wieder gemeinsam fuhren, weil sie keine Kraft mehr hatte und eigentlich die Tour für sie auch schon in Arco beendet war - so mental. Aber Tritt für Tritt kurbelten wir uns hoch und hielten auch nicht mehr am zweiten Zwischenaussichtspunkt an. Jetzt wollten wir auch weiter und wir haben es geschafft! Das Angebot am ersten Halt von Lutz, dass ich auch umkehren könne, wenn es zu anstrengend sei, empfand ich fast als beleidigend, denn das hätte auch bedeutet, dass ich nicht auf dem Gruppenabschlussfoto sein würde. Ein etwas unbedachtes Angebot, wie ich finde. Außerdem habe auch ich meinen Stolz - ich wollte da aus eigener Kraft hoch und ich habe das auch geschafft. Kaputt war ich, aber glücklich und aus eigener Kraft oben.

Sabine und ich sind dann, weil es uns eben nicht peinlich war, nur die Straße runter gefahren und haben nicht den letzten Trail geschoben. Es goss recht heftig und wir mussten uns konzentrieren, weil das mit dem Bremsen und der Sicht dann auch so eine Sache ist, aber wir waren glücklich und düsten dann doch recht fix bergab und waren am Ende klatschnass. Julian sammelte uns ein und den Rest mit dem Eis und dem Zusammentreffen mit Familie Schönfelder aus Goslar am See hat Ullrich ja schon geschrieben. Ich habe nur drei Kugeln Eis gegessen, aber die waren mega lecker und massig viel. Aber das war eine wirklich gute Belohnung nach dem anstrengenden Aufstieg zum Fototermin..

Das Bad im See war nichts für mich, ich habe auch kein Foto mit dem Rad auf dem Arm, im Wasser über dem Kopf oder sonst wo gemacht - ich war einfach nur froh, dass ich es geschafft habe. Ich mochte auch nicht großartig quatschen und 'rumwundern', ich wollte einfach nur das Angekommensein für mich genießen. Das gemeinsame Abendessen war lecker, aber auch hier hatte ich eher ein Bedürfnis nach mehr Ruhe um mich herum gehabt. Aber ich saß eh mit Sabine am Tischende und so konnten wir uns beide gegenseitig noch ein bisschen an unserer Leistung freuen und den Abend ausklingen lassen. Rest ist bekannt.

 

Nun noch einige Bilder vom letzten Tag

 

 

 

 

 

 

Bericht Ullrich

So, nun kommen wir zum 12.07.2018. Dem Tag, der mit einem ernsten Gespräch zwischen Claudia und unserem Guide begann. Claudia und Sabine mussten einfach die gehässigen Kommentare in der Gruppe über die Basisgruppe thematisieren. Der Stachel saß tief und so geht es nicht. Meines Erachtens hat jedoch unser Guide die Probleme erkannt, war offensichtlich sehr geschockt und so ging es für alle befreiend und bei aufgeklartem Klima (nicht nur wettertechnisch) in den vorletzten Tag der Transalp zum GArdasee.

Der Tag sollte wieder ein langer werden. Wir sollten knapp 2000 Höhenmeter fahren und die Basisgruppe hatte mit Julian auch nur 600 Höhenmeter weniger. So fuhren wir gemeinsam los, bis nach 15 Minuten ein kurzes Tschüss in Richtung Claudia und Sabine die Trennung der Gruppen einleitete. Ich fuhr mit Lutz, hatte mit ihm noch einmal über die Begebenheiten der letzten Tage, die Claudia und Sabine belasteten, besprochen und dann weiter über berufliche Dinge erzählt. Ununterbrochen. So fuhren wir die ersten 500 Höhenmeter mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 12 km/h in einer Stunde hoch. Dann ging es in den Kalterer Höhenweg.

Kalterer Höhenweg? Ich bin mir vorgekommen, wie im Harz. Es war kein Unterschied auf den Forstwegen hier und denen in Richtung Käste, Hahnenklee oder zur Schalke. Somit war ich in meinem Element. Es lief. Auch die Geschwindigkeit der ersten Stunde und die gefahrenen 100 km des Vortags merkte ich noch nicht. Was ich jedoch sehr schnell merkte, ich hatte zu wenig gegessen. Ich schob einen Hunger und hatte nach den ersten zwei Stunden des Tages schon zwei Riegel gegessen. Ich hatte kaum noch Reserve. Eigentlich nur ein Riegel und ein Engergypack. Das Trailfahren war nicht schlimm, jedoch merkte ich bei jedem Aufstieg, wie die Kräfte nachließen und auch der Hunger stärker wurde.Meine Beine verloren Kraft. Ich war kaputt. So kaputt wie lange nicht. Ich konnte mich jedoch über den wunderbaren Ausblick auf den Kalterer See und die in den Wolken verschwimmenden Dolomiten freuen. Irgendwann kreuzten wir eine tiefe Schlucht. Bergab, bergauf und hierzu benötigten wir 30 Minuten. Ich hatte keine Kraft mehr, wurde immer langsamer.

Da war die Buschenschänke, die wir um 12 Uhr erreichten willkommener als alles andere. Ich bestellt einen Kaiserschmarrn und hoffte auf entsprechende Kohlehydrate für den Nachmittag. 1,25 Liter Apfelschorle fanden ebenso den Weg in mein Innneres. Die Stimmung in der Gruppe gefiel mir heute viel besser. Ich erfuhr viel von Markus, mit dem ich an einem Tisch saß. So auch, dass ein deutscher Sportstar, der aus seiner Heimat kommt, dem männlichen Geschlecht in jungen Jahren sehr zugewand war und sehr viele Kontakte diesbezüglich gemacht haben sollte. Aber was geht mich das eigentlich an? Lustig war es trotzdem zu hören.

Der Blick aufs Tal fiel gleichzeitig auf die Brennerautobahn. Ich war erschrocken, wie wenig Verkehr dort herrschte. Weniger offensichtlich, als beim oben genannten Sportstar. Und weniger auf jeden Fall, als auf der A2 im täglichen Wahnsinn. Im Vergleich verschwindend geringer Lkw Verkehr. Und so genossen wir die Sonne, bzw. ich den Schatten, da ich kein Hautkrebs vom Hersteller bekommen möchte. Ich cremte mich noch einmal ein und es ging weiter. Doch halt, was war das?

Klänge von Alphörnern. So  wurde zu unserem Gehen ein Lied gespielt. Dieses fiel ja nur zufällig mit unserer Abfahrt (die wir nun verzögerten) zusammen. Irgenwie war es etwas kitschig, wenn auch sehr schön.

Es ging steil bergab, meine Bremsen waren ja noch nicht so richtig eingefahren und verglasten bald wieder. Dei Steilheit hier sucht schon seines Gleichen. In den Dolomiten hatte ich letztes Jahr schon ähnliches erlebt.

Nach der Abfahrt ging es wieder auf Transfer. Über Straßen gegen den Nachmittagswind kämpften wir uns zwischen 15 und 25 km/h gen Süden. Noch ein Eis? Nein, die Eisdiele hatte zu. Warum? Weil Lutz noch nie so früh an dieser Stelle mit einer Gruppe gewesen ist. Somit 0,6 l Spezi und ab ging es auf den nächsten Anstieg. 15 Kilometer und noch einmal 800 Höhenmeter waren zu bezwingen. Dieses jedoch auf der Straße. Nach 45 Minuten hieß es noch einmal Wasser auffüllen und bei mir Arme kühlen. Ich war überhitzt. Beide Arme wurden bis zu den Achseln in das erfrischend kalte Brunnenwasser gelegt. Das brachte den Kreislauf wieder zurück. Das Wasser lief über meinen Kopf und mein Trikot war komplett nass.

Das sollte sich kurz nach der Abfahrt wieder ändern. Uns erwarteten die letzten 45 Minuten Aufstieg für den Tag. Das Trikot war durch Sonneneinstrahlung und Wind recht bald wieder trocken und der Schweiss wurde schnell vom Körper weg transportiert.

Ich holte erst Heike ein, da ich etwas später vom Brunnen losgefahren bin, und später auch noch Lutz, mit dem ich einige Meter zusammen fuhr. Dann ließen meine Kräfte nach. Meine Füße wurden Taub und ich ließ Lutz ziehen. Mein Puls war nicht über 130, aber ich hatte einfach keine Kraft mehr. Noch zwei Kurven - ja ja: lutz, habe ich meinen Kindern auch immer erzählt.

Aber ehrlich, nach zwei weiteren Kehren war der höchste Punkt erreicht. Es ging leicht bergab. Und was passiert? Ich muss treten!!! So stark war der Gegenwind. Letztlich war die große Anstrengung vorbei, wir tranken noch kurz etwas und fuhren über Andelo zu unserem Quartier am Molvenosee.

Ein kurzer Waldweg, der sehr flowig zu fahren war, grüßende, rücksichtsvolle und freundliche italienische Wanderer machten uns den Weg frei. Bon giorno und Grazie waren unsere Antworten bei jedem Einzelnen.

Gegen 18 Uhr waren wir am See, ich benötigte eine kalte lange Dusche. In den See bin ich dann nicht mehr gegangen. Das wird morgen am Gardasee nachgeholt.

Nun, um 22 Uhr sage ich Gute Nacht, Ciao oder Buoena Notte.

 

Claudias Tag

Wie Ullrich eingangs schreibt, hat der andere Guide das Problem verstanden, schöner wäre es für mich und uns aber gewesen, wenn er es vorab selbst gemerkt und erkannt hätte, anstatt mitzumachen. Aber das Thema ist gegessen und wir schon gesagt: Wieder was dazugelernt. Aber mir fehlte tatsächlich den Vormittag über noch meine Konzentration und Energie auf und für mich. Wir fuhren von Bozen an den Molveno-See mit Uli und Lisa, die sich nach dem anstrengenden Tag in der Uinaschlucht zu uns gesellte, was Uli ja am Vortag auch getan hatte. Julian hatte schöne Wege und Trails für uns herausgesucht und es machte sehr viel Spaß. 

Dieser Tag wurde von Julian auch 'Königsetappe' genannt. Es lagen so einige Höhenmeter vor uns, aber die 'Hammersteigung' sollten wir uns für das Etappenende aufsparen. Wir haben auf einem sehr netten Dorfplatz ein wenig Pizza gegessen, bevor es richtig losging und ich war mal wieder beeindruckt von Julians Essvermögen, mehr aber noch von seiner Fähigkeit, parallel zur Bestallung von Pizza nebst Sonderwunsch und Getränkebestellung noch mit dem Büro von ULP zu telefonieren und den nächsten Auftrag zu regeln. Er bekam die richtige Pizza, die Dame war in keinster Weise beleidigt, dass sie nur die zweite Geige spielte und das mit dem Auftrag hat wohl auch geklappt.

Wir verabredeten, dass Uli und Lisa ihr Tempo vorfahren sollten, er regelte den Treffpunkt und Sabine und ich wollten in unserem Tempo hochfahren. Gesagt - getan. Steigung ist das eine, moderate Steigung ist das andere, aber für diese Steigung fehlten Sabine und mir die Worte. Neben den schon erwähnten unflätigen Bemerkungen unterwegs fuhren wir diesen mörderische, betonplattendurchzogenen Weg durch den Wald nach oben. Schier endlos schien der Weg. Ab und an leuchteten Julians blonde Haare vor uns auf, weil er sich nach vorne vergewisserte, dass alles bei den beiden Mädels in Ordnung ist und nach hinten, wie es uns beiden denn wohl geht. Plötzlich hörte ich Stimmen, was ich als Zeichen von echter Zivilisation wertete, verbunden mit der Hoffnung, dass wir am Ziel angekommen sind - also natürlich nur am Treffpunkt zur Weiterfahrt. Das mit den Stimmen stimmte auch, Julian stand da ebenfalls, aber nur, um uns charmant den weiteren Weg mit den nächsten, kleinen, aber feinen Hügelchen auf dem Weg nach oben zu zeigen. Ich erinnere mich noch, dass er es auch hier wieder schaffte, dass wir ein Witzchen wagten, damit er uns sagen konnte, dass da anscheinend noch immer 'Luft nach oben' bei uns sei.

Nach einer gemeinsamen Erholungspause in einer Art Park ging es endlich auch mal wieder ein wenig bergab. Wir durchquerten einen sehr beliebten Ferien- und Ausflugsort - Andalo. Während Julian augenscheinlich keinerlei Ängste hatte, einen der vielen Fußgänger jeglichen Alters auf den übervollen Wegen und Wiesen zu 'treffen', fuhren wir im Slalom, jederzeit bremsbereit hinter ihm her und waren erstaunt, dass es in dieser Ecke der Welt auch eine Art Disneyland gibt. Der Ort besteht nur aus Hotels, es war laut und hektisch und wir waren froh, als wir wieder im Wald waren und dann auch noch einen richtig langen, nicht schweren, aber schnellen 'Trail', Verzeihung Ullrich, es war eher ein steiler Weg, runterdüsen konnten. Als ich irgendwann mal nach hinten schauen wollte, um zu gucken, wo Sabine bleibt, war diese auch fast schon da. Sie wollte bergab immer hinten fahren, weil sie sagt, dass sie Angst hat zu stürzen. Aber von Tag zu Tag wurde sie mutiger und sicherer und somit auch schneller. Also sagte sie dann:" Och, ich habe einfach nicht mehr gebremst!"

So ging auch diese Etappe zu Ende und wir haben uns, wie jeden Tag, dazu gratuliert. Egal, was sonst so war und ist und worüber ich mich geärgert habe, ich habe mich jeden Tag darüber gefreut, dass ich es geschafft habe, mit meinen kleinen Stummelbeinchen diese Wege und Kilometer zu bestreiten. Das Hotel lag fein direkt am See. Sabine und Oskar hatten ein Seeblick-Zimmer, aber es war auch so sehr schön und ich war ohnehin ziemlich kaputt. Der nächste Tag sollte uns zum Gardasee bringen und die gesamte Gruppe sollte, mehr oder weniger, zusammen dorthin fahren. Das setze mich zwar irgendwie unter Druck, weil ich ja niemanden bremsen und behindern wollte, aber ich hatte es ja nicht entschieden und irgendwie wird es sich ohnehin wieder aufteilen.

Und nun die Tagesbilder

Während der Fahrt auf dem Kalterer Höhenweg. Ein Weg, wie wir ihn wahrscheinlich auch im Harz finden. Zum Biken zumindest. Die Aussicht hier und das Wetter sind jedoch unvergleichlich. Im Hintergrund in den Wolken liegen die südlichen Dolomiten.

 

 Kurz vor der MIttagspause. Ich war kaputt wie lange nicht. Zu wenig in Bozen gegessen und eine große Anstrengung. Lutz der Teufeslbiker gibt aber auch ein Hammertempo vor.

 Das verdiente Mittagessen. Ein Kaiserschmarrn den ich bei grandioser Aussicht und tollem Sonnenschein nebst 1,25l Apfelsaftschorle (aus wunderbaren Äpfeln) genießen konnte.

Der Aufstieg von Mezzolombardo zum Molvenosee war beschwerlich. Drückende Sonne und schon etwas kaputte Beine vom Vormittag. Aber die Aussicht lässt vieles in Vergessenehit geraten.

 Am Molvenosee verschlechterte sich das Wetter. Ein Gewitter kündigte sich an und brachte in der Ncht Abkühlung.

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