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2016

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Wednesday, 31 August 2016 00:00

Transalp 2016 -Day5

Ein weiterer Tag meiner Transalp liegt hinter mir und so will ich darüber schnell berichten. Doch bevor ich zum Tag komme, noch ein kleiner Hinweis: Ich bin von einem netten Menschen darauf angesprochen worden, dass doch arg viele Rechtschreibfehler in meinen Berichten zu finden sind. Ja, das stimmt. Und hierfür bitte ich um Entschuldigung. Die Ursache bin nicht ich. Nein, meine Deutschlehrer haben immer schön aufgepasst, dass ich richtig lerne. Nein, es liegt in diesem Fall an zwei Dingen: Apple und Müdigkeit. Ersteres, weil ich mit so einer mickrigen Tastatur wie der eines iPad einfach nicht schreiben kann und weiterhin möchte ich eigentlich nicht, das Apple mir sagt, welche Wörter ich wohl gemeint habe. Nun gut, ich könnte auch meine Texte verbessern. Doch dazu fehlt mir Abends einfach die Muße. Also ENTSCHULDIGUNG und los geht's mit dem Tagesbericht von heute.

7:00 Uhr Frühstück, 08:15 Abfahrt - das bedeutete 06:15 aufstehen. Nur leider hatte ich meinen Wecker gar nicht umgestellt. So kam mir meine liebe Frau zu Hilfe, die mich telefonisch aus dem Schlaf holte. Das Frühstück -und das muss hier mal geschrieben werden- war sehr sehr gut. Tolles, rustikales Brot. Keine Fertigware. So wie auch gestern das Abendbrot. Geschmacklich exzellent uns sehr vielfältig. Wer sich also mal nach Scuol im Engadin verirrt, der möge einfach in das Hotel Traube gehen. Ich kann das nur vom Sevice und von den Leistungen bestens empfehlen.

Wir sind also losgefahren und auf den ersten 14 Kilometer haben wir knapp 500 Höhenmeter zurückgelegt. Auf einer asphaltierten Straße, aber es gibt keinen anderen Weg nach S-Charl, dem alten Bergarbeiterdorf im Unterengadin. Bei strahlendem Sonnenschein (den wir aber nicht so richtig erlebten, weil die Straße im Schatten lag und die Temperaturen analog auch schattig waren) ging es über zu Beginn des Weges über die Inn Brücke - hier obligatorische Fotos- auf zum ersten Anstieg des Tages.

Die Srecke ist kein Problem, ich fand schnell meinen Rhythmus und war nach knapp über einer Stunde oben. Wir warteten auf die anderen, die noch nach kamen. So trank ich Wasser aus dem Dorfbrunnen, aß die erste Stärkung in Form von Riegeln und fuhr alsbald die nächsten 200 Höhenmeter zur Alpe Astra. 

Es ging durch ein schönes Hochtal, an dessen Ende die Alpe lag. Linksseitig könnten wir noch den höchsten Arvenwald in den Alpen (über 2000 Meter über Meeresspiegel) beachten. An der Alpe hieß es, kurze Pause, bevor wir den finalen Anstieg, der allerdings nicht schlimm war, sondern sehr moderat, zum Costainaspass erledigten. Robert, unser Guide, wollte eigentlich eine Abkürzung nehmen. aber das hat nicht geklappt und so sind wir über den Costainaspass in Richung Ofenpass gefahren.

Nach kurzer, rasanter Abfahrt vom Costainapass ging es sehr steil wieder nach oben, bevor wir auf einen feinen Singletrails kamen. Da hatten wir doch Mitstreiter, die diesen steilen Anstieg ohne Basteigen schafften! Mein Respekt haben sie auf jeden Fall. Das war ein dickes Brett. Wir folgten den Singletrails ebenfalls bergauf und sahen am Ende linksseitig den schneebdeckten Ortler hinter dem Val Müstair.

Nun noch eine kurze Abrahrt und wir wollten die Straße zum Ofenpass wieder hoch, doch... oh je, Robert hatte die falsche Abzweigung genommen. Und so konnten wir einen Wanderweg wandern. An fahren war angesichts der Steine und Wurzeln gar nicht zu denken. So erreichten wir mit ziemlicher Verspätung gegenüber unserem Plan um 13:00 Uhr den Ofenpass.

Die Mittagspause fand hier also statt und ich hatte richtigen Heißhunger. Meine Beine waren heute morgen sehr sehr schwer. Ich war mit meinem Tempo zufrieden, auch mit meiner Kondiition. Aber irgendwie waren die Muskeln hart und ich hatte nicht mehr so richtig Kraft. Also mussten Spaghetti Bolognese her. Kostet in der Schweiz schlappe 17 Franken. Für den Preis hätte ich schon bessere Soße erwartet. Die kann selbst ich als küchentechnischer Analphabet besser. Es ist schon erschreckend, wie das Preisniveau in der Schweiz ist. Das wäre schon ein Grund, dort nicht mehr hin zu fahren. Selbst wenn ich es mir leisten könnte, so würde ich gar nicht wollen. Denn der Warenwert der Speise lag bei sicher 1 Euro und 50 Cent.

Mittags erlebten wir übrigens zum wiederholten Mal Roberst perfekte Planung. Just als wir aßen regnete es. Als wir wieder los fuhren, was das Wetter wieder besser. Nämlich trocken.

Nach dem Mittagssen ging es wieder bergab, bevor wir einen Hammeranstieg zum Passo Gallo auf uns nahmen. Der Anstieg führte uns auf eine Hochebene. Das ist landschaftlich aller erste Sahne gewesen. Wir waren die einzigen Menschen auf der riesigen Fläche. Die Berge hinter uns in der Sonne. Die vor uns noch von Regenwolken verdeckt. Am Passo Gallo angekommen war Riegel und Bekleidungspause angesagt. Und was entdeckt Roberst zwischen seinen Beinen, als er sich seine Knieschoner anzog? Ein Edelweiss. Das war der erste Edelweiss, die ich in der Natur gesehen habe. Ich habe ja kein Augen für die Natur. Aber weil das Edelweiss eben doch sehr selten ist, und eher in steinigen Gelände wächst, führte dieser Fund zur Enzückung von uns allen.

Zur Enzückung führte auch die nachfolgende Abfahrt. Ein am Anfang etwas ruppiger, später jedoch sehr geschmeidig werdender Trail war die Belohnung für die bisherigen Strapazen. Wir ließen den Livigno See rechtsseitig liegen und fuhren auf einem Höhenweg so langsam gen Tal. 

Mittlerweile war es 16:00 Uhr. Ich hatte meine Hoffnung schon aufgegeben, vor 18 Uhr in Livignio zu sein. Es wäre schön gewesen, weil meine Cleats (für die Nicht-Radfahrer: Das sind die Mezallteile, mit denen ich mich mit meinen Schuhen in die Pedale einklinke) kaputt sind. Zumindest der linksseitige. Und so hätte ich mir gerne neue gekauft. Gleich vorweg: Wir waren um 18:48 in Livigno und der Sportladen hatte noch offen. Cleats sind gekauft und die werden morgen montiert.

Also, es war mittlerweile 16:00 Uhr. Letzte Stärkung an diesem Tag und auf ging es in Richtung Aufstieg zur Trela Alpe. Der Anstieg ist knackig und hat es in sich. Ich bin im letzten Jahr schon ganz unten gescheitert. Heute bin ich viel weiter hoch gekommen. Jedoch musste ich auch zwischenzeitlich schieben. Martin ist durchgefahren und das verdient größten Respekt. Wäre ich den Weg am morgen fefahren, wäre es kein Problem. Aber nach 60 Kilometern war das Fahren teilweise zu viel für mich. Der Ausblick auf den Giacomo See und das dahinter liegende Bergmassiv: Phantastisch!

Mittlerweile war die Sonne weg, es war kälter geworden und wir mussten von der Trela Alpe noch zum Trela Pass. Also weitere 200 Höhenmeter. Mit (fast) letzter Kraft ereichte ich auch diesen Pass. Und meine Mitstreiter taten dieses ebenso. Teils vor mir, teils hinter mir. Aber das ist egal. Jeder so wie er mag! Und das war das tolle in dieser Gruppe.

Nun also Jacke an, Beinlinge ebenso und schon ging es 600 Höhenmeter Downhill vom Feinsten. Ganz geschmeidiger Trail, der an zwei Stellen Tücken hat. Der aber auch noch übsichtlich genug war, um den ein oder andern Sprung zu wagen.

Im Tal angekommen ging es noch auf die letzte kleine Steigung und nach rasanter Schlußabfahrt entlang des Livigno Sees hinein in die Stadt, die wir heute nach über 70 Kilometern und über 2200 Höhenmetern erreicht haben.

Morgen geht es über den Forcula di Livigno ins Oberengadin. vorbei am Berninapass über Pontresina und St. Moritz nach Silvaplana am gleichnamigen See.

Jetzt noch 4 Fotos ( u mehr reicht die Zeit nicht, weil ich hundemüde bin)

Ich hoffe, die Lesrgemeinde verzeiht mir das

Viele Grüße

Ullrich

Sonne bei der Abfahrt

Ein Blick zurück vom Passo Gallo. Also ob die Berge im Hintergrund mit Photoshop eingesetzt sind. Aber nein, das ist ein richtiges, unbearbeitetes Foto

Livignosee bei der Abfahrt vom Passo Gallo.

Überglücklich auf der Trelaalpe angekommen (und dann noch mit so stylischer Frisur - Danke Giro für dieses tolle Helmexemplar, welches gleich den Friseur spart) 

 

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Tuesday, 30 August 2016 00:00

Transalp 2016 -Day4

Wow, war das ein Tag. Wir haben so ziemlich alle Jahreszeiten durchlebt. Beim Aufstehen war es November. Alles bedeckt, tief hängende Wolken. Und ich hatte schon ein mulmiges Gefühl was uns wohl wettertechnisch auf der anspruchsvollen Etappe erwarten würde. Doch dazu mehr in den folgenden Zeilen.

Heute fange ich mal mit der Zusammenfassung an. Der Tag begann mit guten Gerüchen. In mein Zimmer wehte ein Hauch von verbranntem Holz. Es roch, wie der Kamin zu Hause. Da die Luft draußen gar nichz allzu kalt war, hatte es irgendetwas von Spätherbst bei uns zu Hause. Und wie der Tag begann, so endete er auch: Mit außergewöhnlichen Gerüchen. Hier in Scuol im Unterengadin angekommen fuhren wir durch malerische Wiesen, auf denen auch Kühe zu sehen waren. Na ja und das ging dann auch wieder ein besonderer Geruch einher. Intensiv und wenn man nur vorbei fährt, ist das gar nicht schlimm, sondern gehört ja irgendwie dazu. Zwischen den extremen Gerüchen sind wir nach letztem Stand der Dinge innerhalb von knapp 9 Stunden 48,42 Kilometer gefahren. Wir haben dabei einen Gesamtanteil von 2566 Höhenmeter hinter uns gebracht und am höchsten Punkt hatten wir 2854 Meter über Meeresspiegel erreicht.

Nun muss ch aber dazu schreiben, dass wir davon  knapp 1000 Meter eine Seilbahn genommen haben. Nun werdet ihr sicher sagen: Da fährt er in die Alpen um mit der Seilbahn zum Mountainbiken zu fahren. Der Grund ist ein einfacher. Wir wollten unbedingt den Grenzkamm zwischen Österrich und der Schweiz befahren. Und die 1000 Meter Aufstieg hätten uns knapp zwei Stunden gekostet, wären wir geradelt. Die Zeit hatten wir nicht, weil wir heute ja noch im späteren Tagesverlauf den Fimbapass erobern mussten.

Nachdem wir also in der Seilbahn die ersten zaghaften blauen Himmelsbereiche gesehen hatten, wurden ich oben angekommen vom Blitz getroffen. Nebel und Kälte. Es war so kalt, dass ich ein kurzes Trikot, ein langes Trikot, eine Jacke, Armlinge, Beinlinge und ein Halstuch getragen habe, weil es mich arg gefröstelt hat. Andere Touristen sahen das locker und sind in Hotpants oben erschienen. Man möge meine ein schöber Anblick. Doch weit gefehlt, das kann ich versichern. Und absolut ungeeignet für die Alpen bei den Temperaturen allemal. Mir wurde aber schell heiß. Und das nicht wegen der Hotpants, sondern wegender immensen Anstrengung. Fahrrad fahren über 2700 Metern ist bei großen Steigungen keine Freude. Zumindest nicht für die Lunge und das Herz. Ich kam hierdurch arg ins hecheln.

Der Nebel war kein Problem, sondern kam mir entgegen. So konnte ich nicht richtig sehen, wie weit und steil es links und rechts des Kamms herunter ging. Aber alleine das Wissen hierüber war nicht gerade als angenehm zu bezeichnen. Nachdem wir den Kamm in Richtung Zeblasjoch entlang gefahren sind, ging es dann wieder bergab ins Fimbatal. Und das war ein Trail, wie er besser nicht sein könnte. Ich glaube, dass ich letztes Jaher noch nicht in der Lage gewesenw äre, diesen Trail zu fahren. Er war auch durch die starken Gewitter in diesem Jahr sehr ausgewaschen. Aber trotz der Anstrengung hat es sehr viel Spaß gemacht. Ich kann mich aber ehrlich nicht daran erinnern, in naher Vergangenheit so große Konzentration über eine Stunde aufwendenden müssen, dass mir nichts passiert. Einer meiner Mitstreiter hatte nicht so viel Glück wie ich, denn er stürzte. Nix schlimmes, soll aber spektakulär ausgesehen haben. Ich hörte nur die Schreie einer unserer Teammitglieder, konnte aber nicht nach hinten schauen, weil zu viele Steine meinen Fahrweg säumten. Und just in dem Moment lief ein Murmeltier über den Weg.

Das sollte auch nicht das einzige Murmeltier an diesem Tag bleiben. Insgesamt haben mich 4 dieser pussierlichen Tiere begleitet. Drei davon auf dem Aufstieg von der Heidelberger Hütte, die wir nun ansteuerten, zum Fimbapass.

Zur Heidelbger Hütte gibt es noch etwas zu schreiben: Hier galt es, Kraft für den Hike & Bike, also das Schieben eines Mountainbikes den Berg hoch, zu tanken. Ich entschied mich als Mittagsspeise für einen Kaiserschmarrn. Die Heidelberger Hütte gehört zu den 5 Hütten in Österreich, die den kulinarischen Jacobsweg bilden. Es sei nur angemerkt, dass ich für mein Leben gerne Kaiserschmarrn esse. Und dieses auch schon zig Mal in meinem Leben gemacht habe. Ich denke, ich habe da einige Erfahrungen und schon viele gute Kaiserschmarrn gegessen. Dachte ich immer, der Kaiserschmarrn von Renate in Bitschweil sei ein Gedicht, so habe ich heute zwei Gedichte zu mir genommen. Ich habe noch nie einen so fluffigen und wohl schmeckenden Kaiserschmarrn gegessen. Mir läuft jetzt noch das Wasser im Munde zusammen.

Aber alles schöne hat ein Ende und so mussten wir unsere Mountainbikes nachfolgend zum Fimbapass hoch schieben und fahren. 400 Höhenmeter und die Sonne war mittlerweile nicht mehr da. Es war also wieder etwas kühler, was mich nicht daran hinderte, zu schwitzen. Teilweise eine Schinderei. Steffi aus Utah und ich bildeten die Vorhut, als wir auf einmal das Donnern hörten. Gewitter jetzt, wäre äußerst ungünstig. Aber Donner hören ja in der Regel auf. Nicht dieser. Und so sahen wir recht schnell die Ursache des Grollens: Am Berg gegenüber ist eine Steinlawine abgegangen. Das war schon beeindruckend und ich möchte nicht in dr Nähe dieses Lawinenabgangs gewesen sein. Schon von Ferne hatte es einen Eindruck hinterlassen, als ob hier ganz viel Energie den Berg runter rutscht. Die Staubwolke war dementsprechend.

Aber am Fimbapass angekommen mussten wir uns schon wieder auf die sehr anspruchsvolle Abfahrt in die Schweiz, genauer ins Unterengadin konzentrieren. Bisher hatten wir ja noch gar nicht soviel Kraft bei Aufstiegen verbraucht. Wir sind ja nur bergab gefahren. Und das - Felix wird es freuen zu hören- war nicht minder anstrengend, als bergauf zu treten. Somit hatte ich etwas wenig Kraft, was sehr schnell zu Brennen in den Oberschenkeln führte, da ein Sitzen bei diesem Trail gar nicht möglich ist. Ich hätte hier auch fast meinen ersten Sturz gehabt. Doch mit etwas Glück und Erfahrung konnte ich das noch ausgleichen und meine Fahrt fortführen. So ging es in unheimlich schöner Umgebung bei teilweise auflockernder Bewölkung in Richtung Sent. 

Nach kurzem Bremsentausch eines Mitreisenden ging es über zwei Hängebrücken weiter in Richtung Inntal. Hier sind wir gegen 17:20 angekommen und konnten locker die letzten Kilometer in Richtung Scuol radeln. Durch die schon beschriebenen grünen Wiesen mit dementsprechenden Gerüchen.

Jetzt schreibe ich nicht weiter, weil eil morgen ein langer Tag vor uns liegt. Die Königsetappe in meinen Augen. Hohe Erwartungen an die Szenrie und die abzurufende Leistung. Sozusagen das was Verlobte von der die Hochzeitsnacht erwarten. Also das größte dieser Tour. 75 Kilometer, 2500 Höhenmeter. Es geht von Scuol nach Livigno über S-Charl zum Passo Costainas in Richtung Ofenpass. Dort wissen wir noch nicht, wo wir fahren, da es dort Murenabgänge gegeben haben soll und wir nicht wissen, ob unser Weg befahrbar sein wird. Wir werden sehen und ich berichte morgen, wenn ich hoffentlich mein ersehntes Eis in der tollen Lateria in Livigno gegessen habe.

Bis dahin gute Nacht aus Graubünden

Ullrich

 

Erster blauer Himmel an diesem Tag


Es wurde dunkler, je höher wir kamen


Nebel auf der Idalpe


Ein Selfie musste mal sein (das Foto ist nicht gemacht, damit ihr den schönen Wanderhut hinter mir betrachten könnt)


Erste Auflockerungen


Die Sonne brach dann doch durch und es war göttlich. Nicht zu warm sondern typisch Herbst in den Alpen


Da schreib ich mal nix zu


Fimbapass erreicht


Der blick vom Fimbapass in Richtung Engadin


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Monday, 29 August 2016 00:00

Transalp 2016 -Day3

Servus Miteinander aus Ischgl,

die heutige Tagesetappe auf meiner Transalp, von der ich berichten möchte, liegt hinter uns. Knapp 60 Kilometer, 1500 Höhenmeter, nichts spektakuläres an sich. Die Etappe dient auch mehr dem Transfer von einer Bikeregion in die nächste. Doch fangen eir heute auch wieder vorne an.

Die Nacht war so La La. Nach der Anstrengung gestern dachte ich an eine ruhige Nacht mit 100% Tiefschlaf. Doch weit gefehlt. In einer sehr heißen Nacht (das Zimmer war sehr aufgeheizt) wachte ich immer wieder auf. Ähnlich wie in Grainau bin ich mir nicht sicher, was der Grund war. Ich war schon hundemüde, also kann es daran nicht gelegen haben. Die Hitze? Möglich. Das Bett? Möglich. Denn auch dieses war nicht ganz so groß und hatte am Fußende eine Begrenzung. Genau das, was ich nicht leiden kann. Ggf. war es auch die Bettdecke, die ich eher im Winter in einem EISHOTEL oder Iglu vermutet hätte, aber nicht im Sommer. Wie dem auch sei, um 06:00 Uhr würde ich pünktlich geweckt.  

Nicht von meinem Telefon, denn das war ja auf 06:30 Uhr eingestellt. Es ist Urlaub und da wollte ich mal ausschlafen. Nein, ich hatte die Rechnung ohne den Küster der benachbarten Kirche gemacht. Pünktlich um 06:00 Uhr leutete dieser den Tag ein. Nun gut, das hatte ich auch in Grainau. Doch dort war die Kirche 500 Meter entfernt. Heute hatte ich das Gefühl, direkt neben dem Kirchturm zu schlafen.

Nun gut, also aufstehen. Ich bin ja nicht der Einzige auf dieser Welt, der schon wach ist. Auch meine Fahrgemeinschaft zu Hause müsste schon auf dem Weg zur Arbeit sein. Und auch die Patienten im Krankenhaus dürften von einer überaus netten Nachtschwester schon geweckt sein. So hatte ich halt etwas Zeit, den Morgen in Muße zu beginnen. Um 07:00 war alles gepackt und mich erwartete ein leckeres Frühstück. Das Essen im Gasthof Traube war schon gut. Gute Hausmannskost, sehr reichlich und gut schmeckend. Ich bestellte mir ein Rührei. Doch ich bekam gefühlt 5 Eier gerührt. Wie sollte ich daneben noch die Kohlenhydrate zu mir nehmen? Aber was muss, das muss. Und so ging es dann reichlich gestärkt um 08:30 los in Richtung Ischgl, wo wir heute unser Etappenziel hatten.

Robert entschied sich, früher loszufahren als gestern. Denn es war Gewitter am Nachmitttag in Ischgl angesagt. So fuhren wir mit gemütlichem Tempo nach Imst, vorbei an der Einstiegsstelle zum bekannten Rafting auf dem Inn (ein Tipp, sollte man mal gemacht haben). Wir fuhren nun Richtung Landeck, um nach 3/4 Stunde linksseitig in den Wald zu fahren. Wir kletterten 300-400 Meter hoch zur Kronburg. Der Aufstieg war schön, ich hatte mein Tempo gefunden und war recht zügig unterwegs. Unterhalb der Kronburg,vdie wir glücklicherweise nicht angesteuert haben, sondern vielmehr die Pilgergaststätte und das nebenbei befindliche Kloster mussten wir noch 40 Höhenmeter Straße vorbei an Schildern des Kreuzweges fahren um oben angekommen frischestes Quellwasser zu trinken. Das Wetter war sehr bedeckt, bedenklicher Himmel und es war schwül. Insbesondere unsere Mitstreiter aus Utah kennen diese feuchtwarme Luft so nicht. Und so war das Quellwasser nicht nur für sie eine willkommene Abwechselung. Nach 10 Minuten ging es schon weiter bergab in Richtung Zams. Das hätten wir auch einfacher haben können, denn der Inntalradweg geht direkt nach Zams. Doch dann hätten wir einen großartigen Singletrail verpasst. Oben etwas verblockt sind wir über Steine und Wurzeln gen Tal gefahren. Das war natürlich die reinste Freude und ließ mein Herz höher schlagen. aber es hieß auch AUFPASSEN! Hierbei dürfen die Gedanken und der Blick nicht schweifen, sonst liegst du schnell auf der Nase. Und es wird wahrscheinlich ewig dauern, bis der Rettungsdienst in dem unwegsamen Trail erscheint. Also höchste Konzentration und dankenswerterweise ist ja auch nichts passiert.

Wo wir gerade bei potentiellen körperlichen Einschränkungen sind: Unser Kräuterguide Robert, der uns immer wieder Besonderheiten der Natur zeigt, ließ uns wissen, dass Spitzwegerich gut gegen Insektenstiche wirken soll. Einfach die Blätter etwas in den Händen zerreiben und die Einstichstelle mit den Blättern einreiben. Ich wusste das bisher noch nicht. Wer es wusste, weiß es nun doppelt.

In Zams stand eine Riegelpause an. Ich hatte meine Banane gerade aufgegessen, als in der Ferne ein Doner zu hören war. Nur noch übertönt vom Rettungshubschrauber, der in ein Tal hinein -und nach kurzer Zeit wieder heraus- flog. Also entschied Robert einzupacken und wir fuhren nach Landeck. Im Gewitter möchte ich nicht fahren. Da habe ich schon bannig Respekt.

In Landeck war uns der Himmel ebenfalls nicht wohl gesonnen. Es zog von 3 Seiten zu. Und aus Richtung Vorarlberg/Montafon kam eine dunkle Wolkenwand. Aber wir mussen noch nach Tobadil und so fuhren wir in Richtung Paznauntal, dem Wetter aus Vorarlberg entgegen. Es tröpfelte ein wenig aber das war recht erfrischend in der immer noch schwülen Luft. Und als wir dann Tobadil hoch über dem Eigang zum Paznauntal erreicht hatten, hatten ich ein mulmiges Gefühl. Rpbert beschloss, nicht noch weitere 200 Höhenmeter zu steigen. Die bisherigen 800 Höhenmeter sollten erst einmal reichten. Auf den eigentlich geplanten Trail verzichteten wir angesichts des erwarteten Wetters.  Schade, der Trail ist eigentlich sehr schön, aber bei Regen auch zu gefährlich. Es ging also bergab ins Tal. Noch eine kurze knackige Steigung über 100 Höhenmeter und wir könnten dann endgültig abfahren.

Im Tal angekommen ging es in Richtung See, wo wir unser Mittagessen einehmen wollten. Wie gestern Abend hatten auch Hier Glück. Nachdem wir 5 Minuten im Restaurant waren, öffneten sich die Schleusen. Als ob es hier seit Monaten nicht geregnet hatte. Wir waren sehr froh, im Trockenen zu sitzen, die Johannisbeerschorlen zu trinken und etwas Pasta zu uns zu nehmen. Die Gruppe des Einsteigerlevels kam nach uns. Sie hatten nicht so viel Glück und waren mitten in den starken Regenguss gekommen. Manchmal muss man Glück haben im Leben - oder eben einen Guide wie Robert, der das Wetter offensichtlich gut einschätzen kann.

Nachdem die Sonne wieder her aus kam -ich hatte das nicht für möglich gehalten- fuhren wir den Kappelner Talweg talaufwärts. Wer sich unter einem Talweg einen Weg entlang der Talsohle vorstellt, der wäre hier enttäuscht. Es ging bergauf, bergab. Und wieder bergauf um nachfolgend bergab zu fahren. Dieses fröhliche Spiel mit unterschiedlichen, teils schon knackigen Steigungen, wiederholte sich mehrfach. Eigentlich den ganzen Weg, der in Kappeln dann zum Ischgler Talweg wurde. Und ich kann das schlecht wegstecken. Eine dauerhafte Steigung mit gleichem Anstieg ist mir wirklich lieber. Aber so machten wir am Nachmittag auch nochmal gute 800 Höhenmeter und sind nach 57 Kilometern in Ischgl angekommen. Und was soll ich sagen: 10 Minuten später fing es wieder an zu schütten. Robert muss man eben haben - und etwas Glück dazu.

Unser Hotel ist sehr schön und nach einer Tour im schwülen Wetter, teils mit Regenjacke ist eine ganz normale Dusche ein wirkliches Erlebnis. Mag man kaum glauben, ist aber so.

Was bleibt vom heutigen Tag noch? Es war der Tag der Gerüche. Ich weiß nicht, ob ich mehr drauf achte oder die Gerüche einfach intensiver sind. Aber dass ich mit meiner kaputten Nase so viele unterschiedliche Gerüche wahrngenommen habe, freut mich ungemein. Morgens fing es an mit frisch gemähtem Gras. Denn der Bauer war um 07:30 schon fleißig. Und der Geruch von frisch gemähtem Gras ist einfach nur schön. Zu Hause riecht das anders. Aber hier in den Alpen, da erinnert es mich immer an Urlaub. Kunststück, erlebe ich das ja auch immer nur im Urlaub. Wir fuhren an einem Heizwerk vorbei, welches mit Holzschnipseln die Wärme erzeugt. Ein herrlicher Geruch, dieses frische , etwas feuchte Holz zu riechen. Auch an Weiden und einem Bauernhof, wo ich den typischen Kubgeruch wahrgenommen habe. Und nein, ich finde das nicht eklig. Auch das roch frisch, natürlich und nicht schlimm. Auf dem Talweg hatten wir mehrfach Holzlagerplätze passiert. Auch hier ein toller Geruch in der warmen Sonne, wenn das Holz nass ist, den ich so im täglichen Leben selten wahrnehme. Und das trifft wohl auch auf einen meiner Mitstreiter zu. Ihm geht es in den Alpen um ähnliche Sinneseindrücke. Es sind die Farben. Und in der Tat hatten wir wunderbare Farben. Der hellblaue Himmel mit weißen Kumuluswolken. Dann der tiefgrüne Wald und die satt hellgrünen Wiesen. So grüne Wiesen gibt es bei uns nicht. Oder doch? Dann sollte ich auch mal zu Hause ein Auge darauf haben.

So, jetzt noch eine Info, die mich umgehauen hat. Ich dachte immer ich weiß viel. Aber ich wusste nicht, dass in Utah Bäume über 200 Meter wachsen. Und es sind nicht die Nadelhölzer, die hier in den Alpen in hohen Höhen wachsen. Es ist dort umgekehrt. Die Nadelhölzer wachsen in niedrigeren Höhen und darüber wachsen bis 3000 Meter Birken. Ich habe das für unmöglich gehalten, aber Steffi, unsere Ameikanerin, erzählte mir das. Bis ich das so richtig glaube, muss ich das nochmal recherchieren ;-).

Und noch etwas: Das, was ich über Gerüche der  Natur schrieb, ist auch ein Privileg. In Utah dauert der Frühling 2 Wochen. Dann noch kurze Zeit und es ist alles verdörrt. Die Luft ist trocken, so dass man kaum schwitzt, bzw. der Schweiß gleich trocknet und eine Salzkruste hinterlässt. Und bei trockener Luft kann ich nicht so gut riechen. Erfreue ich mich also den Gerüchen und hoffe trotzdem, dass die Luft morgen nicht so feucht ist. Auf Regen könnte ich verzichten, denn morgen geht es über die Heidelberger Hütte zum Fimbapass. Das ist ganz großes Bergkino. Und dann erfolgt die Abfahrt ins Unterengadin, Schweiz. Bei Nässe ist das schwieriger. Und bei Trockenheit ist es schwierig genug. Also heißt es Daumen Drücken und ggf. haben wir wieder Glück....

In diesem Sinn bis Morgen

Euer Ullrich

Ach ja, obligatorisch wieder einige Fotos vom heutigen Tag, die aber nicht so spektakulär sind:

Der Himmel heute früh. In Natur wirkte er jedoch viel dunkler...


Die Trisannabrücke am Eingang des Paznauntals. ÖIm Hintergrund kommt schlechtes Wetter aus den Lechtaler Alpen


Regen in See.. Ggf sieht man, dass hier Fahrradfahren kein Spaß machen würde...


Sonne pur am Kappelner Talweg 


Auf der anderen Talseite im Paznauntal 

 

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Sunday, 28 August 2016 00:00

Transalp 2016 -Day2

Liebe Leser,

der erste Tag auf dem Radl ist geschafft. 67km liegen hinter uns, 2000 Höhenmeter (wobei wir ehrlich gesagt 300 Höhenmeter eine mechanische Aufstiegshilfe genutzt haben, um nicht in ein Gewitter zu kommen) ebenso. Das Tempo ist moderat, doch eines nach dem anderen:

Die letzte Nacht war nicht so toll, ich habe nicht gut geschlafen. Das mag an der Hitze gelegen haben, an der Aufregung oder einfach am Bett, welches zu klein für mich war. Die Nacht war dadurch auch recht früh zu Ende. Gegen 06:00 aufgestanden, den Sonnenaufgang in Garmisch genossen und noch die letzten nicht brauchbaren Dinge ins Auto gebracht. Nach einem Bikecheck -mein Reifen hat Luft, juhu-, ging es dann um 09:00 in Richtung Eibsee. Das Tempo war toll. Nicht zu langsam, aber auch nicht zu schnell. Nach einem Kilometer sind wir in den Lärchenwald und ich furhr vorne.Das Gefühl, eine Menge Radfahrer hinter mir zu haben, behagt mir nicht. Das Tempo, welches ich gefahren war, war viel zu schnell. Ich war kurz vor dem Hyperventieren oder auch Übergeben. Also musste ich einen Gang runter schalten. Im Gegensatz zum letzten Jahr konnte ich auch niemanden dafür verantwortlich machen. Ich bin ganz alleine schuld an diesem Mördertempo. Es ist wirklich ein Unterschied, ob man alleine fährt oder eben nicht.

Am Eibsee angekommen (die Steigung war hart, aber jeden Schweißtropfen wert), hat mich der Blick auf den Waxenstein und die Zugspitze hinter dem tiefgrünen See für alles entschädigt. Wir sind um den See gefahren, bevor es hoch zur Hochthörlehütte ging. Hier habe ich mein Tempo gefunden. Und es ging mir saugut. Kein Vergleich zum letzten Jahr.

Nach knapp 2 Stunden haben wir auch die Hochthörlehütte erreicht. Ein Spezi war die Belohnung, bevor wir in einen tollen Singletrail fuhren. Robert, unser Guide wollte wohl sehen, was wir können. Und es war total klasse. Was ich letztes Jahr nicht konnte, habe ich heute geschafft. Es war ein tolles Gefühl. Sehr rutschig, teilweise verblockt, aber es machte kein Problem.

Nachdem wir an der Zugspitzarena angekommen sind, ging es durch den Wald in Richtung Ehrwald. Ein tolles Panorama in schönstem Sonenschein. Das Ehrwalder Moos lag unter uns. Nun hieß es entscheiden: Über das Marienjoch oder über den Grubigstein. Wir entschieden uns angesichts einiger erster Amboßwolken für den Grubigstein. Die erste Sektion entschieden wir uns sogar für die Seilbahn, da die Wolken nichts Gutes verhießen. Oben angekommen hatten wir noch knapp 500 Höhenmeter bergauf zu radeln, bevor wir an der Grubigalm angekommen sind.

Irgendwann tritt man ja mechanisch und die Gedanken kreisen. Ich erinnerte mich an einer Stelle an Oskar, der in eine Urlaub ein Wettrennen mit Claudia und mir gemacht hatte. Genau an dieser Stelle. Über den Schnee war er so schnell unten, dass die Alten nicht mitkamen. Es ist doch schön, derartige Erinnerungen zu haben. Unter der Seilbahn durch ging es weiter nach oben. Da saß doch eine Mutter mit einem kleinen Kind im Sessellift. Auch hier kamen Erinnerungen: Wie oft waren wir mit unseren Kindern Sessellift gefahren? Auch diesen hier. Und da schweifen die Gedanken ab, was wir wohl unseren Kindern mitgegeben haben. Was sie mitgenommen haben. Was haben wir gut gemacht, was nicht. Mountainbiken ist eben nicht nur Sport sondern auch die Möglichkeit, die Gedanken schweifen zu lassen.

Das war dann oben angekommen nicht mehr möglich. Wir fuhren den Blindseetrail. Ein wunderbarer Trail, bis es bergab ging. Die Abfahrt vom Fimbapass letztes Jahr, in meinen Augen ein Scheissdreck dagegen. Ich bin noch nie so einen anspruchsvollen Trail gefahren. Teils stark verblockt auf jeden Fal sehr sehr rutschig. Aber es hat Spaß gemacht. Danke Robert für diesen Weg und die tolle Aussicht auf die Ehrwalder Sonnenspitze. Und dort, wo ich beim Fahren eine Komfortzone verlassen habe, habe ich einfach geschoben. So wie alle anderen. Wir wahren fast genauso schnell wie so eine Downhill Truppe aus Biberwier. Nur mussten wir ohne Protektoren auskommen.

Aber irgendwann sind wir dann auch runtergekommen und haben den Fernpass errreicht. Von nun an ging es bergab. Und es hat Spaß gemacht. Singeltrail und schöne Natur vom Feinsten.

Mittag haben wir auch gegessen. Und zwar gegen 16:00 Uhr. Das war in der Tat sehr spät und ich hatte tierisch Hunger. Bis dahin habe ich mich mit Riegeln über Wasser gehalten. aber die Kaspressknödelsuppe war einfach eine andere Dimension. 

Nach Pause in Nassereith rollten wir aus, bevor wir die letzten 200 Höhenmeter nach Karres fuhren. Ein Blitz, ein Donner, die letzte Abfahrt und wir waren keine 5 Minuten im Hotel angekommen: Ein Regenguss, der sich gewaschen hat. Besser konnte der Tag nicht zu Ende gehen.

Was bleibt von heute noch im Gedächtnis: Dass Kühe keine Minze mögen (deshalb gehen sie auf der Kuhweide auch nicht hin, wo Minze steht). Daraus folgt, dass es auch keine Milch mit Minzgeschmack gibt. Ggf. Wäre das noch eine Geschäftsidee. Dann haben wir noch ein Alpenveilchen gesehen, welches nur im Herbst blüht. Großes Kino! 

Jetzt heißt es aber schlafen gehen. Denn morgen ist um 7:00 Uhr Frühstück, da wir Mittags Gewitter erwarten. Wollen wir mal schauen, wie uns das auf dem Weg über Imst nach Landeck, weiter über Tobadil nach Ischgl erwischen wird.

 Nun noch einige Fotos von heute:

 

Sonnenaufgang in Grainau


Eibsee mit Waxenstein


Das Alpenveilchen


Blindsee vom Blindseetrail aus gesehen


15:00 Eine Riegelpause


16:00 Mittagspause am Weiher in Nassereith


Ca. 18:00 Uhr - Das Gewitter zieht auf

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Saturday, 27 August 2016 00:00

Transalp 2016 -Day1

Die Alpen, unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 2016. Dies sind die Abenteuer meines Specialized Stumpjumper Mountainbikes, das mit seiner 1 Mann starken Besatzung 7 Tage unterwegs sein wird, um fremde Trails und Forstwege zu erforschen, neue Eindrücke zu gewinnen und neue Menschen kennen zu lernen. Viele Kilometer von seiner Heimatbasis Goslar entfernt dringt das Rad in Sphären vor, die seine neuen Mäntel noch nie zuvor gesehen haben.

Es geht nun bald los. Die längste Etappe meiner oben so bekannt beschriebenen Transalp mit dem Mountainbike liegt vor mir. Dafür hat die erste Etappe die geringsten Höhenmeter zu verzeichnen. Das Rad ist eingepackt, Kette geölt, die Bremsen erscheinen -und das ist eine Ausnahme in diesem Jahr- auch in Ordnung und so kann es mit hoffentlich vollständigem Gepäck losgehen. Vor mir liegen 672 Kilometer und 508 Höhenmeter. Nun gut, die erste Etappe fahre ich nicht auf meinem Fahrrad. Mit dem Auto geht es von Goslar zum Startpunkt nach Grainau am Fuß der Zugspitze.

Im letzten Jahr habe ich diesen Weg erstmalig auf mich genommen. Doch was erwartet mich in diesem Jahr? Ich bin alleine. Daher ist es wichtig: Wie werden meine Mitstreiter auf der 6-tägigen Tour quer über die Alpen sein? Haben wir eine Wellenlänge, ist das Leistungsniveau ausgeglichen und überfordert mich nicht? Wird uns der Guide die 400 km gut begleiten? Werden mich die bis zu 10000 Höhenmeter, die in den 6 Tagen im Fahrradsattel zu erklimmen sind, an meine Grenzen bringen? Ist das Wetter der letztjährigen Alpenüberquerung überhaupt zu toppen oder auch nur annähernd zu erreichen? 6 Tage Sonnenschein sind schon sehr aussergewöhnlich gewesen und ich erwarte ganz ehrlich viel schlechteres Wetter. Doch wie wird es sein, wenn sich der bisher sehr unbeständige Sommer weiter von seiner nicht besten Seite zeigt? Egal, ich muss da jetzt durch! Und wenn wir 8 Stunden durch den Regen fahren müssen - ein Zurück gibt es nicht mehr. Ich wollte es ja nicht anders!

Dafür habe ich auch zu viel trainiert. 2500 Kilometer mit knapp 55.000 Höhenmeter hat mein Mountainbike in diesem Jahr schon mit mir erklommen. Die Harzer Wege kenne ich zwar noch nicht alle, doch nach insgesamt 6 Tagen und 15 Stunden auf dem Fahrrad habe ich neue Gegenden im Harz erkundet, in die wahrscheinlich vor mir noch gar kein Mensch vorgedrungen ist. ;-)

Aufstehen war um 06:30 Uhr angesagt. Das Auto wurde gepackt, mein Rad geholt -halt! Was ist das für ein Mist? Mein Hinterrad hat einen platten Reifen. Das fängt ja gut an. Also hieß es noch einmal einen Schlauch einziehen. Ich dachte, dass so etwas bei schlauchlosen Rifen nicht passieren kann. Weit gefehlt! Damit stieg meine Laune nicht gerade in unermessliche Höhen. Zumal es schon um 08:00 Uhr wieder recht warm war. Letztlich bin ich um 09:00 Uhr losgekommen. Abschiedsumarmung für Oskar und dann auch Claudia. Und es ging über Bad Herzburg in Richtung Bernburg, Leipzig. Von hier die A9 in Richtung München. Nach mehreren Stunden gemütlichem Fahren war mein Navi kaputt. Ich hatte schon knapp 300 Kilometer hinter mir und das Navi zeigte als Ankunftszeit 19:20 Uhr an. Hat da die Qualitätssicherung von VW einen Softwarefehler übersehen? Die Ankunftszeit kann nicht sein. Nach etwas Suchen die Lösung: Vor München 20km Stau mit knapp 2 Stunden Zeitverzug. Alternativen? Ja, die gab es. Von Nürnberg über Heilbronn nach Kempten. Doch auch dort:Stau. Also entschied ich mich, die Zeit auf der Autobahn im Stau bei 32 Grad Celsius zu genießen. Die Klimaanlage arbeitete bestens und am vermeintlichen Stau angekommen entpuppten sich die Verkehrsmeldungen als Falschmeldungen. Nun gut, 17 km in einer Baustelle mit 60 fahren ist keine Freude, aber es ging wenigstens voran. Nun noch kurz durch München durch und die letzte Stunde war angebrochen.

15:30 Uhr: Ich sehe die ersten Berge der Alpen. Auf der A95 von München in Richtung Garmisch sehen sie so groß aus. Da will ich also rüber..., und ich freue mich schon. Der Himmel ist 1a blau, etwas Kumuluswolken und jetzt zeigte das Navi 16:10 Ankunftszeit. 

Und diese stimmte genau. Von der langen Fahrt alleine ohne Unterhaltung und Fahrerwechsel bin ich doch arg kaputt und durchgeschwitzt. Also schnell Einchecken, Fahrrad raus und HALT!!!

Heute ist nicht mein Tag. Mein Hinterrad hat ihnen Platten. Ich werde wahnsinnig. Also Schlauchwechsel die 2. Dummerweise finde ich nichts im Mantel. Kein Splitter, kein Stein... Also neuer Schlauch rein und die 3,5 Liter Wasser, die ich bis dahin heute getrunken habe, sind in 10 Minuten ausgeschwitzt. 32 Grad. Es ist heiß!

Mittlerweile ist der Schlauch geflickt. Er hatte in der Tat ein Loch. Ich schwitze immer noch wie ein Bär und hoffe, das das für mich der letzte Schlauchwechsel auf dieser Tour sein wird!

In 20 Minuten sehe ich nun meine Mitstreiter. Mal sehen, was mich erwartet...

Mich erwartet eine nette Truppe: ein Ehepaar aus Salt Lake City, ein Paar aus München, ein Radler aus Erlangen sowie -man glaubt es kaum: ein weit entfernter Arbeitskollege aus Braunschweig, der im Team eines Nachbarn arbeitet. So klein ist die Welt.

Wenn ich unserem Guide Robert, dessen Drahtigkeit Schlimmes erahnen ließ (da sehe ich kein Gramm Fett, nur Muskeln) Glauben schenken mag, dann legt er sehr viel Wert auf den Genuss der Natur. Genau das ist es, was ich bei dieser Transalp erleben möchte. Also auf geht's morgen früh um 09:00. Und wenn alles gut geht, berichte ich dann von der ersten Etappe vom Grainau zum Eibsee über die Hochthörlenhütte nach Ehrwald. Nachfolgend überqueren wir den zweiten großen Berg, so dass wir dann in Karres mit Blick ins Inntal unser Abendessen redlich verdient haben sollten. Zwischen 1500 und 2000 Höhenmeter liegen vor uns. Ich freue mich drauf.

Nun noch gute Nacht. Es folgt noch der Ausblick aus meinem Zimmer auf die Garmischer Bergwelt heute Nachmittag:

 

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