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Ullrichs shots

2017

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Die Zeit des Radfahrens im Südtirol ,genauer im Grödnertal und seiner Umgebung geht dem Ende entgegen. So sollte es am heutigen Tag entgegen einer gestrigen Planung dann doch eine gemütliche Runde werden. Ich verzichtete auf die Gruppe, weil dort heute Hardcore Biken angesagt war und ich auf der anderen Seite nicht in der ganz leichten Gruppe fahren wollte.

Und täglich grüßt das Murmeltier, so begann der heutige Tag, an dem ich die Sella Runde fahren wollte und das dann auch gemacht habe.

Heute muss ich Berichte über zwei Tage schreiben. Gestern Abend war ich einfach zu kaputt und auch zu spät wieder in meinem Hotel. Warum? Na das will ich im Folgenden beschreiben:

Heute ging es auf eineTour, die "Unter den Geisslern" heißt. Die Geisslerspitzen sind mir ein Begriff. Diversen Ezählungen von Reinhold Messner, der im benachbarten Vilnöss Tal aufgewachsen ist, habe ich schon lesen können. Und so wollte ich auch mal in die Nähe, der Berge, die als so schön beschrieben worden sind.

Claudia hatte mich überzeugt, dass ich die ursprünglich geplante Woche im September doch noch in den Süden fahren sollte, um noch einmal mit dem Mountainbike die Dolomiten zu erkunden.

So, die Transalp liegt nun fast 43 Stunden hinter mir und ich bin wieder zu Hause. Holger Schaarschmidt unser Guide von UlpTours, ist schon wiedermit dem Mountainbike auf dem Weg in den Süden. Dieses Mal zum Comer See. Wir, das waren Patrick, Andreas, Markus, Ralf, Frank, nochmal Patrick und ich haben die gemeinsame Woche gestern um 09:00 Uhr beendet und sind in Richtung heimat aufgebrochen. Es war eine schöne Woche. Sie war ganz besonders und sie war anstrengend. Doch was ist von den 6 Tagen täglichen Radelns durch die in meinen Augen schönste Region Europas geblieben?

Heute sollte der letzte Tag unserer Transalp "Best of Trails" von Ulpbike sein. Ich habe es geschafft, die Tour, die unter der Kategorie GoWild angeboten wird, von Anfang bis zum Ende durchzufahren. Ich habe keine Verletzung davon getragen und bin natürlich sehr erfreut darüber. Denn nicht jedem aus unserer Truppe ging es so. Heute, auf einem der letzten Trails hatten wir noch einen Sturz  zu beklagen. Und zwei Teilnehmer mit Magen/Darm gibt es auch noch unglücklicherweise zu verzeichnen. Darauf hättenw ir durchaus verzichten können. Und überhaupt war der Tag dann irgendwie anders, als geplant (was grundsätzlich jedoch nicht schlimm ist). Fangen wir aber wieder der Reihe nach an:

Der vorletzte Tag auf dem Mountainbike in den Alpen begann mit einem tollen Sonnenaufgang.  Das Vinschgau, auf das wir herab sehen konnten, war von oranger/roter Farbe beleuchtet und der Ortler schien in schönem Rosa. Es war der Blick aus der Sesvenna Hütte, als ich um halb sieben aus der Tür sah, der einfach beruhigend und schön war. Frühstück sollte es bis 08:00 Uhr geben, und wir wollten uns so zum Frühstück um 07:00 Uhr treffen. Ich war früher wach und hatte unruhig geschlafen. Denn an diesem Tag wollten wir zurück ins Inntal, um nach Serfaus zu radeln. 

Die Nacht auf der Garibaldi Hütte war stürmisch. Es zog an meinem Bett, weil 6 Personen doch Sauerstoff brauchten und wir das Fenster in Badezimmer, welches im Übrigen recht klein und niedlich war, offen ließen. Ich hatte schon die Befürchtung, dass ich durch den Zug eine Erkältung erhalte. zum Glück ist das ich passiert. (NACHTRAG: Und es ist doch passiert, einen Tag später war mein Hals dick, der Husten begann und ich fühle mich jetzt zu Hause angekommen, immer noch nicht wohl)

Nach zwei Tagen ohne Intenet hat mich die Welt wieder. Und so kann ich über die letzten drei Tage berichten. Ich kann gleich vorweg sagen: Man kann auch ohne Internet sehr gut leben. Zumindest habe ich das die letzten drei Tage ausprobiert. Und ich habe nichts verpasst. Das funktioniert zu Hause wahrscheinlich nicht. Aber ich habe auf diesen Tagen auch so so viele Eindrücke und Gedanken erhalten, die ich nicht missen möchte. Das Internet könnte ich durchaus missen!

Heute ging es nach Livigno in Italien. Eine Hamerstrecke für mich! 80 Kilometer und mehr als 2100 Höhenmeter waren zu überwinden. Holger würde sagen: Alles fahrbar. Na ja, ob das mit 51 Jahren noch so gesagt werden kann, mag man bezweifeln. Ob ich sie mit 51 Jahren komplett durchfahren kann, muss ganz klar verneint werden. Aber fangen auch hier wir wieder von vorne an:

Tag 2, unser erster Tag auf dem Rad, lässt sich mit einem Wort überschreiben: Grenzen. Wir haben mehrere Grenzen übersfahren. Von Österreich in die Schweiz, von der Schweiz nach Österreich und  ich habe auch persönliche Grenzen kennengelernt. Doch nun eins nach dem anderen:

7:00 Uhr Frühstück, 08:13 Uhr Abfahrt und schon ging es mit der Seilbahn hoch hinauf zum Grenzkamm. Seilbahn und Mountainbiking? Das passt doch nicht, oder? Wir haben uns für die Aufstiegshilfe entschieden, da die Tagesetappe sonst nicht zu leisten gewesen wäre. Und wir wollten ja unbedingt den Grenzkamm zwischen Österreich under Schweiz befahren.

Das Wetter war kalt, die Sicht jedoch toll. Im Hintergrund blauer Himmel, schneebedeckte Gipfel und bedrohliche Berge. Doch die Kälte hielt nicht lange an. Gleich zu Beginn hatten wir 150 Höhenmeter zu überwinden. Und das auf kürzester Distanz. Mein Herzfrequenzzähler war bei 75 - nun gut, die Messung funktionierte nicht. Denn die Frequenz muss am Anschlag, also wieder an einer Grenze gewesen sein. Kein Wunder, denn wir waren mittlerweile auf 2900 Meter Höhe. Die Luft erschien mir recht dünn und so aus dem Stand ist das sicher nicht gesundheitsfördernd. Ggf. hätten wir uns vorher einen Tag aklimatisieren müssen. Aber trotz der Anstrengung und der so erreichten Leistungsgrenze hat die Fahrt auf dem Grenzkamm Spass gemacht. Und das Gefühl den Grenzkamm komplett zu sehen und zu befahren war schon toll.

Die erste Abfahrt ging dann auch in die Hose. Es gab ein / zwei Stürze eines Gruppenmitglieds - aber zum Glück nichts ernstes. Und so fuhren wir auf ziemlich matschigen Singletrails einige Höhenmeter wieder nach unten, um einen Gegenanstieg von 400 Metern zu überwinden. Per Pedes. An Fahren war nicht zu denken. 8 kg Rucksack auf dem Rücken, 15 kg Fahrrad oben drauf.  So ging es aus Richtung Zeblasjoch in Richtung Fuorcla da Val Gronda auf 2752 Metern Höhe. Es ging einigermaßen, war aber auch wieder eine grenzwertige Erfahrung. Einige Stücke konnten wir unter größten Anstrengungen fahren. Und dabei passierte es:  Ich blieb mit der linken Pedale unter einem Felsbrocken stecken. Tretend! Das bedeutete, dass ich meine Zehen eingeklemmt hatte. Nun gut, das tat weh, war aber so weit nicht schlimm. Schlimmer war die Tatsache, dass sich der Felsbrocken löste, ich das Gleichgewicht verlor und durch das Ausrutschen den scharfen Felsbrocken am linken Unterschenkel spürte. Der Lohn? Für diese Amateurleistung sind jetzt 20 cm Schrammen an meinem Unterschenkel verewigt. Aber die Aussicht auf die Heidelberger Hütte und das Fimbatal von oben war es allemal wert. Den Trail, der uns in Richtung Heidelberger Hütte führte verlassend, hieß es nochmal knapp 300 Höhenmeter zu schieben. Der Aufstieg zum Fimbapass, den wir gegen Mittag erreichten lässt sich ebenfalls nicht fahren. Glücklich wie die Kinder nahmen wir nun die Abfahrt ins Unterengadin in Angriff. Der Weg war gerade im oberen Bereich nach meiner Wahrnehmung sehr rutschig, verblockt und für mich am ersten Tag sicher nicht ungefährlich. So hieß es einige Male absteigen und einen Schritt zu Fuß schieben. Es ist sehr seltsam gewesen. Ich bin diesen Trail sowohl 2015 als auch 2016 schon einmal gefahren. Und er fiel mir beide Male viel leichter als heute. Ggf. liegt es am neuen Fahrrad, mit dem ich noch nicht so richtig eins bin. Oder der Trail ist wirklich ausgewaschener gewesen.  Auch hat der Schnee, der hier noch vor zwei Wochen lag, die Wege recht nass und rutschig gemacht, so dass nicht nur die körperliche Anstrengung, sordern auch die mentale Anstrengung für Kalorienverbrauch bei mir sorgte. Aber es machte Spaß und das ist die Hauptsache!

Die Kalorien, die ich so heftig bisher verbraucht hatte konnten aufgefüllt werden. Wir erwarteten Mittagessen um 14:00 Uhr in der Tanna da muntanella in Griosch. Ein uriges Bauernhaus in Unterengadin, wo de leibhaftige Alm Öhi lebt und Doris einen hervorragenden Rüblikuchen macht. Den hatte ich hier schon einmal vor zwei Jahren und somit sollte es heute Spaghetti mit selbstgemachte Pesto und Alpenrosensirjp als Getränk sein. Doch bevor es die Erfrischung und Ernährung gab, mussten wir noch richtig matschige Strecken schreibend überwinden. Verglichen mit letztem und vorletztem Jahr, war die Fahrt auch im unteren Bereich heute anspruchsvoller, da die Wege mittlerweile ausgewaschener und ausgefahrener sind. Zu viele Mountainbiker halt, die diesen Weg von Österreich in die Schweiz wählen. Oder aber zu viele Kühe, die heir weiden. Wir haben auch Kuh- und Rinderherde durchfahren müssen. Das Gefühl war schon komisch, weil ganz viele kleine Wiener Schnitzel -sprich Kälber- vor unseren Rädern liefen. In meinen Augen nicht ungefährlich (zumindest unbehaglich) und ich war froh, als wir durch waren. Denn es passiert ja in den Alpen immer weider, dass Kühe Menschen angreifen, um ihre Kälber zu schützen.

Nach der Mittagspause fuhren wir über zwei Hängebrücken im Val Sinestra, bevor es über wurzelige Trails bergab und bergauf ging. Das brachte mich wiederum an meinen Grenzen. Die Gruppe ist recht stark, und Holger als Guide unheimlich schnell. Ich musste mehrfach absteigen und schieben. An Fahren war für mich und auch Frank teils nicht zu denken. Doch damit war ich nicht der Einzige. Innerlich habe ich geflucht und ich wusste zu diesem Zeitpunkt nicht, ob ich die richtige Tour gewählt habe. Auch weiss ich es jetzt, wo ich die Zeilen schreibe, immer noch nicht. Denn die Grenze meiner Leistungsfähigkeit war mittlerweile überschritten. Doch was soll ich machen? Aufhören? Keinesfalls, dafür habe ich zu lange und mehr als letztes Jahr trainiert. Also durchbeißen - so wie ich das immer mache, wenn ich etwas unbedingt erreichen möchte !

Es ging in das Inntal hinunter und die Anstrengung für die Beine wurde etwas geringer. Wobei bergab ja im stehen gefahren wird, was ebenfalls sehr kraftraubend ist. Noch anstrengender aber war es für meine quietschenden Bremsen und meine Unterarme. Denn die Steigungen, die wir fuhren, hatten es in sich. Ich schätze mal auf ca. 30 %.  Der Lohn: Eine entspannte Fahrt entlang des Inns bis - ja bis wir wieder an die Unwetter der letzten Tage erinnert wurden. Der Inn war über die Ufer getreten, hat sich ein neuen Flussverlauf gesucht und wir sind mitten durch den kalkigen Matsch, den das Hochwasser (davon hatte ich dieses Jahr ja nun wirklich genug!) produziert hat.

Ich bin bis zur Felge eingesackt und kam auch nicht mehr weiter. Allen ging es so. Also schieben und raus aus der Matsche. Ich schätze mal, dass ich 2 kg Matsch am Rad hatte, und es brauchte einige Kilometer auf der Straße, die wir angesichts zerstörter Brücken fahren mussten, um das Fahrrad einigermaßen vom Matsch zu befreien.

Letztlich ging es dann noch einmal 600 Höhenmeter am Stück über eine rutschige Schotterstraße, bis wir unseren Zielort Nauders über die 3 Ländertrails erreicht haben. Es war mittlerweile 19:30 Uhr. Das Fahrrad heile, ich kaputt und Krämpfe in beiden Oberschenkeln 100 Meter vor dem Hotel.

So ging der erste Tag zu Ende und ich bin gespannt, was uns Morgen auf dem Weg nach Livigno über den Reschenpass, Val Mora und den Passo Trela erwartet. Der Voraussage durch Holger scheint es auf den 80 Kilometern und 2500 Höhenmeter nicht zu anstrengend zu sein, wie heute. Trotzdem muss ich jetzt Ruhen und wünsche eine gute Nacht bis morgen..

Euer Ullrich

Lieber Leser oder auch liebe Leserin, heute beginnt das gemeinsame Transalp Abenteuer von Frank und Ullrich. Wir wollen in den nächsten Tagen unsere Gedanken niederschreiben und Euch an unseren Freuden und ggf Leiden teilhaben lassen.

Typical tourist picture of the Lautersee beween Mittenwald and Schloss Elmau (thats where G7 met in 2015).