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Ullrich Kohl

Ullrich Kohl

Transalp 2017 - Resumé

Ullrich:

So, die Transalp liegt nun fast 43 Stunden hinter mir und ich bin wieder zu Hause. Holger Schaarschmidt unser Guide von UlpTours, ist schon wiedermit dem Mountainbike auf dem Weg in den Süden. Dieses Mal zum Comer See. Wir, das waren Patrick, Andreas, Markus, Ralf, Frank, nochmal Patrick und ich haben die gemeinsame Woche gestern um 09:00 Uhr beendet und sind in Richtung heimat aufgebrochen. Es war eine schöne Woche. Sie war ganz besonders und sie war anstrengend. Doch was ist von den 6 Tagen täglichen Radelns durch die in meinen Augen schönste Region Europas geblieben?

Zuerst einmal Stolz. Ich war immer unsicher, ob ich genug trainiert hatte. Immerhin ist es eine GoWild Tour gewesen und damit die höchste Kategorie, die Ulp anbietet. Die letzten beiden Jahre bin ich im Medium Level gefahren. Das bereitete mir im ersten Jahr noch einiges Kopzerbrechen, im zweiten Jahr jedoch war ich wunderbar vorbereitet und genoß die Fahrt. Es ist in meinen Augen nicht zu unterschätzen, dass es doch einen Leistungsunterschied zwischen einer Medium Tour und dieser Tour gibt. Das mag sich nicht in höhenmetern oder Kilometern ausdrücken, sondern vielmehr in der Art der Belastung. Wir haben Steigungen gemeitert, die nicht so häufig auf der leichteren Variante zu finden ist. Zumindest nicht so dauerhaft. Wir sind Trails bergauf gefahren, die es in sich hatten. Und von den Downhill-Trails mal ganz abgesehen. Ich habe dieses vermutet und so habe ich mich noch intensiver vorbereitet, als die Jahre zuvor. Es hat geholfen, auch wenn ich das ein oder andere Mal innerlich geflucht habe. Aber letztlich habe ich das, was ich eigentlich ganz gut kann, gemacht: Durchbeissen, wenn ich etwas erreichen will.  Und positiv denken, dass es schon irgendwie klappen wird.

Das liest sich jetzt nicht gerade nach Genuß. Aber es war ein Genuß, diese Tour zu machen. Die vielen Eindrücke zu gewinnen, die vielen Highlights der Alpen in so kurzer Zeit zu erblicken. Es war für mich nicht immer ein Genußradeln, wie ich es mir vorgenommen hatte (und wie ich es letztes Jahr von Garmisch zum Comer See auch erlebt hatte). Aber es war ein Genuß, Regionen zu betreten, die so beeindruckend waren, dass man sich als Mensch so unendlich klein fühlt. Und es war ein Genuß, in Regionen zu sein, wo nur wenige Menschen einen Fußabdruck hinterlassen. Der Kulturschock kam dann, wenn wir wieder in Touismusregionen fuhren.

Man möge sich vorstellen, mit wenigen Naturfreunden auf der Sesvenna Hütte zu schlafen. Um 22:00 Uhr unendliche Ruhe zu genießen, die klare Luft zu riechen (wenn man denn riechen kann) und einfach nur kaputt und erledigt die schöne Natur anzuschauen (das natürlich nicht im duneln um 22:00 Uhr). Und dann innerhalb von nicht ganz 24 Stunden in das stark bevölkerte Serfaus mit tausenden Touristen einzufahren, wo Lautstärke, Hektik (warum eigentlich im Urlaub) und in den Gesichern der unzähligen Touristen ganz wenig Freude, Glück und Zufriedenheit zu sehen ist. Größere Kontraste kann es nicht geben. Welche Umgebung mir am besten gefällt? Na ja, das ist wohl schwerlich zu erraten.

Wo wir gerade bei der Hüpttenübernachtung waren. Ich war auch geschockt. Geschockt von der Häßlichkeit des Stilfser Jochs. Was sich dort die italienischen Architekten und Bauherren ausgedacht haben spottet jeder Beschreibung und ist schwer zu toppen. Nun gut, wofür auch tolle Hotelbauten hin stellen. Die Touristen kommen doch sowieso. Mit dem Motorrad, um nach erfolgreicher Fajrt auf 32 Kilometern 63 Kehren gemeister zu haben und dann noch schnell die Bratwurst auf dem Pass zu essen? Hierfür sind keine Bauten notwendig, die sich der Natur anpassen und einigermaßen schön sind. Trotzdem wäre -auch wenn die Natur hier oben auf knapp 3000 Metern recht karg ist- etwas mehr Schönheit in der Bebauung möglich. Übrigens sollte das Beispiel mit den Motorradfahrern nicht abwertend gemeint sein. Soll jeder seinen Sport, sein Hobby genießen. Doch bitte, liebe Motorradfahrer und Autolenker mit hochgezüchteten, Chipgetunten Fahrzeugen oder einfach nur Potenzverstärkern: Wenn ihr Fahrradfahrer auf der Straße seht, die sich mit Muskelkraft eine Berg hochquälen (ja, das ist nicht immer einfach!), bitte nehmt Rücksicht auf diese. Fahrt nicht so enga an ihnen vorbei, dass sie sich fast genötigt fühlen, in den Straßengraben zu fahren. Und überholt nicht im Gegenverkehr, denn auch ein Fahrradfahrer ist Gegenverkehr, den man nicht gefährden darf. Und das gilt für Euch alle. Insbesondere jdeoch 4 Motorradfahrer aus Ingolstadt, die ich leider nicht kennenlernen darf, sonst hätte ich ihnen mal erklärt, wie sich das rücksichtslose Fahren auf der anderen Seite anfühlt.

Und da ich soeben schon über Häßlichkeit von Bauten schrieb, so betrifft das sicher nicht nur das Stilfser Joch. Ischgl ist so ein weiteres Beispiel. Ein Winterskiort der Superlative. Hunderttausende Touristen, Musikacts von Sting über Peter Gabriel zu Rhiana, Tina Turner und was weis ich noch, treten hier im Winter auf. Im Sommer jedoch ist der Ort (der für meine Begriffe viel zu stark verbaut ist) und insbesondere die Bergwelt um ihn herum keine Schönheit. Doch halt: Es gibt Schönheiten auch um Ischgl herum. Nur nicht dort, wo Skigebiet ist. Klar, in der Höhe über 2000 Meter ist es recht karg. Die Baumgrenze ist schon weit unter uns. Aber die Menge an Liften, die hier auf engstem Raum stehen, Arbeiten bei denen Drainagen indie Skipisten gelegt werden, um sie besser pflegen zu können, Mahlwerke, die aus Gestein feinstes Steinpulver machen (um wahrscheinlich die Wege der Pisten zu befestigen). All das ist nicht schön! Aber es bringt wohl nachhaltig Touristen und Geld....

Ich schrieb am zweiten Tag von Grenzen. Ich habe mehrfach Grenzen gesehen: Landesgrenzen, meine physischen Grenzen und auch psychische Grenzen. Es sit gut, dass es diese Grenzen gibt. Sonst würde ich ja irgendwann überheblich und größenwahnsinnig werden. Ich bin jedoch auch stolz, die ein oder andere Grenze hinaus geschoben zu haben. Natürlich nicht die topografischen Grenzen. Das haben ja die Soldaten im 1. Weltkrieg am Bochetta di Forcola probiert. Es ist sinnlos, weil man Grenzen -wenn man heute drüber fährt gar nicht spürt. Die Menschen diesseits und jenseits der Grenzen, die wir überquert haben, sind prinzipiell gleich und sie wolen (hoffentlich) das Gleiche: Frieden, Zufreidenheit und etwas Glück. Neun, es geht mir beim Grenzen verschieben um die persönlichen Grenzen. Ich glaube schon, dass ich meine Leistungsfähigkeit trotz meines -für die Gruppe- recht hohen Alters im letzten Jahr durch intensives Training verbessert habe. So konnte ich die physischen Grenzen, sei es durch bessere Fahrtechnik (OK, hier ist noch einiges zu tun) und bessere Kondition weiter verschieben. Aber auch die phsychischen Grenzen (z.B. die meiner Höhenangst) habe ich durch festen Willen und Konzentration etwas verschieben können. Und ich freue mich hierüber und bin richtig stolz. sozusagen bin ich für mich auf dieser Tour ein kleiner Grenzgänger geworden.

Und da kommen wir auch schon zur Gruppe. Wir hatten andere Teilnehmer, die auch so ihre Grenzen hatten. Sie waren ofensichtlich und nicht so leicht zu verschieben. Aber welche Grenze auch da war, die Gruppe, der ich für die tollen Tage noch einmal danke möchte, hat unterstützt, hat Schwächen oder Grenzen akzeptiert. Es gab kein urren und Mucken - vielmehr wurde auch bei schwächerer Leistung immer wieder motiviert und positiv zugeredet. Eventuell iegt es daran, dass nur spezielle Typen solche touren mchen. Und denen scheinen wichtige soziale Kompetenzen eben ins Blut gelegt zu sein. Auch wenn ich nicht immer so schnell Kontakt aufbaue, so ist dieses in dieser Gruppe für mich relativ schnell gelungen. Das lag unter anderem wohl auch daran, dass die nach meiner wenigen Erfahrung typische erste Phase des testosteron geschwängerten Profilieren durch schnelles fahren und waghalsige Aktionen in dieser Gurppe gar nicht aufkam. Eventuell lag es auch an der Schwierigkeit des ersten Tages, der uns allen zu Schaffen gemacht hat ;-).

Ich möchte abschließend noch ein Wort zu unserem Guide sagen: Auch in Situationen, in denen es mal schwierig wurde, aht er nie seinen Humor verloren und mit seinr lockeren uns lustigen Art immer mit einem Augenzwinkern die Stimmung bei dem ein oder anderen hoch gehalten. Hut ab und danke dafür. Das habe ich so noch nicht erlebt.

Bleibt noch die typische abschließende Frage: Das nächste Mal? Wenn es ein nächstes Mal gibt (heute würde ich sagen ja, aber das kann sich ja auch noch ändern), dann nicht mehr in diesem Level. Ich stellte irgendwann die Frage, ob ich das flasche Level gebucht hatte. Ich meine schon. Auch wenn ich durchgefahren bin und die oben beschriebene Freude hatte, so war die Anforderung an mnich grenzwertig. Wäre die Gruppe nur ein wenig heftiger drauf gewesen, ich hätte es nicht mehr geschafft. Also, nächstes Mal dem Alter Tribut zollen und eine Medium Tour? Könnte sein, denn ich war ja noch nie am Gardasee. Und das sollte man doch schon einmal gemacht haben. Alternativ eine Enjoy oder light Tour nach Meran entlang des schönen Vinschgau in bester Sonne. Ob ich daran Spaß habe? Wir werden es sehen ;-)

Wer bis hierhin durchgehalten hat, dem sei gedankt. ggf. konntet ihr miterleben, was ich erlebt habe. Die vielen Rechtschreibfehler, falschen Wörter bitte ich zu entschuldigen. Das war meistens Apple, die es nicht geschafft haben, meien Tastaturanschläge anständig zu interpretieren oder uach Wörter ersetzt haben, wo sie der Software gsagt haben, dass das wohl das Wort sei, welches ich gemeint habe. Ich hoffe, die meisten Fehler sind wieder berichtigt.

 

Nun -wie Holger so schön schrieb- Kette rechts, ride on und bis (vielleicht) zum nächsten Mal

Ciao, Euer Ullrich

 

Frank:

Kampf – insbesondere immer wieder der Kampf mit mir selbst prägte die Woche. Es war sehr schön und es war eine Erfahrung, die ich nie missen möchte, weil sie mir auch wieder meine eigenen Grenzen gezeigt hat. Grenzen, die ich zu überwinden geschafft habe, auch wenn ich es nicht geglaubt hätte es schaffen zu können.
Es war ein tolles Gruppenerlebnis und die hervorragende Leistung des Guides Holger eine solche Gruppe zu führen.
Es waren landschaftliche Highlights, es waren einige der schönsten Trails der Alpen auf unserer Tour, es war ein absolut zuverlässiges und tolles Bike, es war ein ganz tolles Team und es war letztlich mein bester und längster Freund Ullrich, der mich zu einem rundum zufriedenen Resümee kommen lässt.
Danke – es war toll.

Fotos der Woche:

Am Fimbapass kam die Sonne heraus. Tiefblauer Himmel und rechtsseitig das Val Sinestra im Unterengadin

Am zweiten Tag waren wir noch recht munter. Zusammen haben wir trainiert, zusammen sind wir (meist) gefahren und zusammen haben wir die Tour erfolgreich geschafft.

Der Start zum flowigsten Trail auf der ganzen Tour: Der Trail vom PAsso di Trela hinunter nach Livigno. Das ist für mich Mountainbiken mit größtem Spaßfaktor

Gezeichnet von der Anstrengung des Aufstiegs, der Mittagssonne und der Angst auf dem Trail zum Malga Pendenolo. Das gilt natürlich nur für mich. Holger, der stets positive Guide hat noch genug Kraft für Faxen...

Diesen Schotterweg mussten sie kommen. Es führt kein anderer Weg nach Bochetta di Forcola. Rückblickend eine tolle Aussicht auf die Berninagruppe in der Ferne.

Die Schweizer haben schon eine komische Sprache: In der Uina Schlucht sollte man stoßen. Beim Fahren hätte ich mir sowieso in die Hosen gemacht.

Die Uinaschlucht ist vollbracht - und das trotz Höhenangst.

Transalp 2017 - Day 6

Ullrich:

Der vorletzte Tag auf dem Mountainbike in den Alpen begann mit einem tollen Sonnenaufgang.  Das Vinschgau, auf das wir herab sehen konnten, war von oranger/roter Farbe beleuchtet und der Ortler schien in schönem Rosa. Es war der Blick aus der Sesvenna Hütte, als ich um halb sieben aus der Tür sah, der einfach beruhigend und schön war. Frühstück sollte es bis 08:00 Uhr geben, und wir wollten uns so zum Frühstück um 07:00 Uhr treffen. Ich war früher wach und hatte unruhig geschlafen. Denn an diesem Tag wollten wir zurück ins Inntal, um nach Serfaus zu radeln. 

Zwischen der Sesvenna Hütte und dem Inntal liegt jedoch die Uina Schlucht. Ein Weg, der in den Felsen gehauen wurde, um den Weg vom Unterengadin ins Vinschgau zu ermöglichen. Die Uina Schlucht ist recht tief und auf dem Weg gibt es manchmal auch an steilen Abhängen keine Geländer. Das Fahrrad Fahren ist sowieso verboten, man darf sein Bike nur schieben oder Stoßen, wie der Schweizer sagt.

Und wir fuhren die ersten Hundert Höhenmeter kurz vor 08:00 Uhr hinauf, um die Uina Schlucht in kürzester Zeit zu erreichen. Wir schoben alsbald Fahrräder. Wer mich kennt, weiss um meine Höhenangst. Ich hatte sie schon im Sommer bei einer Wandertour auf die Zugspitze über das Gatterl ein wenig beherrschen zu versucht. Und auch auf der Alpspitze bei Garmisch. Aber einmal Höhenangst, immer Höhenangst. Und so hatte ich bannig Respekt, wenn nicht gar Angst, diese Schlucht zu durchqueren. Aber, mir war nicht mal so richtig mulmig - trotz Höhenangst. Ich konzentrierte ich auf den Weg und schöne Aussicht. Und als ich nach knapp zwanzig Inuten und zweihundertfünfzig Höhenmetern aus der Schlucht draußen war, war ich überwältigt und gleichzeitig stolz. Richtig Angst hatte ich keine und ich konnte die Ausblicke und meine Zeit in diesem Bauwerk mehr als erwartet genießen.

Holger machte noch schnell das obligatorische Tagesfoto und es folgte ein toller Trail. Rein ins Inntal mit hoher Geschwindigkeit und dem Stolz ohne große Mühen die Höhenangst in der Schlucht besiegt zu haben!

Kurze Zeit später im Inntal machten wir den ersten Anastieg über 500 Höhenmeter um den Unterengadiner Höhenweg von Ramosch nach Tschlin zu fahren. Tolle Trails brachten uns zurück ins Inntal, wo wir noch kurz zu Mittag aßen. Das mussten wir auch, da wir nun wiederum eine Steigung zu bewältigen hatten. Dieses Mal weitere 500 Höhenmeter nach Serfaus. Und das war kein Zuckerschlecken. Die ersten 30 Minuten ging es richtig steil nach oben. Ich hatt schon fast keine Kraft.  Von Luft ganz zu schweigen.  Unser Guide Holger, der wirklich top ist, sagte nur, dass es halt eine GoWild Tour ist. Und damit hat sich das Meckern und der Frust erledigt. Es ist das Schwierigste, was Ulptours im Programm hat.  Und da muss man nun durch.

Nun ich bin da auch durch und habe Serfaus dann auch sehr glücklich, wenn auch kaputt, erreicht. Doch mir stellt sich die Frage, ob GoWild das Richtige für mich war. Sicher, es hat bis zum heutigen Tag sehr viel Spaß gemacht. Aber es war mega anstrengend. Die Lockerheit, der Medium Tour im letzten Jahr ist weit entfernt. Genuss des Fahrens ist etwas anderes. Es ist halt sehr viel Kämpfen, so das zum Genuß der Natur für mich manchmal zu wenig Zeit ausserhalb der regelmäßigen Pausen bleibt. Aber ich habe das gebucht und mache das Beste draus. Auch wenn ich mehrfach am Ende meiner Kräfte war, sozusagen über meine Grenzen hinaus gegangen bin, so hat es doch sehr viel Spaß gemacht. Auch an diesem Tag! Danke nochmal Holger.

Doch mit der Ankunft in Serfaus nicht genug. Wir fuhren noch mit der Seilbahn bis zur Bergstation, um den Frommstrail zu fahren. Das ein Trail, der Spitzenklasse. ein grandioser Überblick über die Alpen. Von den lLechtalern über das Paznauntal, das Wettersteingebirge, die Miemigner Kette, das Kaunatal. Bis hin zum Inntal. Das konnten wir alles bei grandioser Weitsicht sehen. Der Trail hatte es in sich. Es war sehr anstrengend, da wir ja mittlerweile knapp siebzig Kilometer hinter uns hatten und mehrere Hundert Höhenmeter. Aber auch diesen meisterte ich. Wenn auch wieder etwas langsam als die anderen. Der Lohn: eine Brause für mich und ein Radler und Biert für die anderen Teilnehmer. So haben wir vor dem Abendessen den Tag in einer schönen Almwiese zwischen Serfaus und Fiss ausklingen lassen.

Nach dem Abendbrot noch einen Gang über das Dorffest, bei dem wahrscheinlich mehr Menschen auf den Beinen waren, als Sonnabend früh am  Stachus in München, gingen Frank und ich zurück ins Hotel um uns auszuruhen. Aber eine Beobachtung konnte ich machen, die ich mir nicht erklären kann. Die Musik auf dem Fest war schön, das Wetter war gut, nur warum haben so wenig Urlauber freudige und zufriedene Gesichtsausdrücke gehabt? Ich kann mir das einfach nicht erklären. Ich wäre dankbar und bin es auch, eine zeit meines Urlaubs in den Alpen zu verbringen. Und ich bin dankbar, dass ich eine so super Mountainbike-Tour gesund überstanden habe.

Aber auch hier ist jeder seines Glückes Schmied und mir fällt ein Satz ein, den Holger beim Frühstück in Nauders vorlas: "Die Lebensspanne ist dieselbe, ob man sie lachend oder weinend verbringt." Google sagt, das sei von Konfuzius. Von wem das auch immer ist: Recht hat derjenige, der sich diese Weisheit ausgedacht hat. Und ich genieße lieber die Lebensspanne lachend. So wie jeden Tag auf dieser Transalp. Auch trotz der Anstrengungen und Strapazen. Weil ich stolz und glücklich bin, dieses Abenteuer trotz seiner Grenzen erleben zu können.

Servus für heute,

Ullrich

 

Frank:

Die Uina Schlucht, die Engadiner Höhenwege, der Frommes Trail
Spannung, etwas Skepsis vor dem was an der Uina Schlucht kommt und das Wissen wieder einen konditionell anspruchsvollen Tag vor mir zu haben, ließen mir so einige Gedanken durch den Kopf schießen. Das Frühstück schmeckte, wenngleich ich nicht ganz so viel Appetit wie sonst hatte. So wie die Hüttenwirte war auch das Frühstück – schnörkelos, praktisch, auf das wesentliche und wichtige konzentriert – gut.

Spektakuläre Schlucht
Um 8:00 Uhr ging es wieder los – ich fands gut, dadurch war in der Uina Schlucht noch nicht soviel Verkehr zu erwarten. Zunächst wenige Meter bergauf, vorbei an einem kleinen Bergsee, an Kuhherden und über eine Hochebene kamen wir der Schlucht auf einem schön fahrbaren Trail näher. Das Tal verengte sich so stark, dass man fast vermutet, dass es endet. Ein Warnschild wies darauf hin, dass der Weg ab diesem Ort nicht mehr befahrbar, sondern nur noch schiebbar sei. Und dann tat sich die Schlucht auf – in Felsen gehauen verläuft großteils ohne Geländer (nur mit Seilsicherung im Felsen) der Pfad in teilweise über 100m Höhe durch den Fels. Das Bike fest gepackt, jeden Schritt abwiegend und hochkonzentriert gingen wir den Weg entlang. Auch wenn ich natürlich vorsichtig war und auch durchaus skeptisch ist dieser Weg ein Erlebnis, dass ich auch wiederholen würde. Es war spannend diese Höhe und diese Kulisse in Natura zu sehen.
Ca. 20 bis 30 Minuten brauchten wir zum Passieren der Schlucht. Über gutausgebaute Wanderwege und Trails ging es entlang des Bachs durch eine weitere Schlucht ins Tal nach Sur En. An einigen Stellen mussten wir große Murenabgänge passieren, die wenige Wochen zuvor den Wanderweg verschüttet hatten.

Höhenwege und die Fischerhütte
Kaum hatten wir das Tal (Inntal) erreicht ging es in Ramosch auf der anderen Seite wieder bergauf. Wasser auffüllen im Dorfbrunnen und dann über Wiesenwege auf die Unterengadiner Panoramawege. Sehr schöne Bergwiesen und ein toller Blick ins Tal – der Name der Wege passt. Leider musste sich dieser kurze und schöne Trail aber auch art erkämpft werden – 300hm die mir aufgrund der Wochenleistung schon schwer zu schaffen machten. Aber auch das wurde durchgezogen, wie auch viele weitere Meter. Die Trails – teilweise mit Kletterei verbunden waren den Abstecher wert. Nachdem wir zurück ins Tal gefahren waren ging es zunächst auf der Straße, später auf Wanderwegen und Trails entlang des Inns bis zur Finstermünzbrücke. Diese alte Zollbrücke ist ein sehenswertes altes Zollgebäude über dem Inn. Ein wenig weiter kehrten wir in der Fischerhütte ein – ein kleines aber gemütliches Blockhaus an einem Fischteich am Inn. Hirtennudeln, Spätzle, Apfelstrudel und leckere Getränke hoben die Moral bei allen.


Pünktlich zur Seilbahn
Um ca. 14:00Uhr ging es weiter mit der Ansage bis um 16:00 Uhr an der Seilbahn in Fiss sein zu müssen. Über Pfunds (wo Franziska, die Freundin Holgers mit dem Bike wartete) ging es durchs Inntal bis Tschupbach, wo wir steil den Berg in Richtung Sefaus hinauffuhren. Erneut 300 hart erkämpfte Meter gingen in die Beine und zulasten meiner Kondition. Wir schafften Serfaus knapp vor 16:00Uhr und erreichten die Seilbahn in Fiss rechtzeitig.
Warum Seilbahn? Wir wollten noch den ursprünglich für den nächsten Tag geplanten Frommestrail fahren. Ein Highlight – wie sich dann auch herausstellte. In der Seilbahn ging es dann hoch bis auf die Bergstation Schönjoch auf 2450m. Vom Schönjoch aus hat man einen fast 360° Rundumblick auf die Alpen. Von hier aus beginnt auch einer der schönsten längsten Trails der Alpen. Der Frommestrail ist ein Flowtrail mit Anfangs sanften, aber steigen Passagen, dann Anliegern und kleinen Sprüngen und später technischen Elementen im Wald. Diesen Spaß ließen wir uns nicht entgehen, auch wenn meine Bremsen irgendwann laut quietschend ihr Missfallen ausdrückten. Das Abschlussbierchen (Radler) gönnten wir uns heute in einer Wiese, nachdem wir zuvor im M-Preis einen 12 Pack eingekauft hatten.  
Das Hotel war sehr exklusiv und gastfreundlich. Das Duschbad im Hotelzimmer auch besonders willkommen nach zwei Hüttennächte. Am Abend trafen wir uns zum Besuch einer Pizzeria und des Dorffestes. Eine leckere Pizza mit Schinken, Pfifferlingen und weiteren Zutaten, sowie ein Salat vom Buffet war mein Abendgericht. Eine halbe Stunde nach dem Essen fing dann ein Grummeln im Bauch an, dass mit zahlreichen Toilettenbesuchen endete.  

 

Fotos des Tages:

Morgenstimmung an der Pforzheimer Hütte mit Blick auf das Ortler Massiv

Die Sesvenna Hochebene brachte uns zur Uina Schlucht

Anfahrt in die Uina Schlucht. Ab hier wurde geschoben...

An einigen Stellen waren Drahtseile gespannt, doch nicht überall in der Uina Schlucht ist der Weg so gesichert...

Blick zurück ins Unterengadin, welches wir auf dem Höhenweg verließen.

Genussradeln auf dem Unterengadiner Höhenweg durch satte grüne Wiesen

Transalp 2017 - Day 5

Ullrich:

Die Nacht auf der Garibaldi Hütte war stürmisch. Es zog an meinem Bett, weil 6 Personen doch Sauerstoff brauchten und wir das Fenster in Badezimmer, welches im Übrigen recht klein und niedlich war, offen ließen. Ich hatte schon die Befürchtung, dass ich durch den Zug eine Erkältung erhalte. zum Glück ist das ich passiert. (NACHTRAG: Und es ist doch passiert, einen Tag später war mein Hals dick, der Husten begann und ich fühle mich jetzt zu Hause angekommen, immer noch nicht wohl)

Ich stand recht früh auf, denn Frühstück sollte es um 7:00 Uhr geben. Und ich wollte natürlich noch Fotos vom Ortler schießen und den Sonnenaufgang fotografieren. Letzteres gelang nicht, da sich das Wetter sehr schnell änderte. Nebel und Wolken zogen auf und so war ich nicht unglücklich, gestern die Entscheidung getroffen zu haben, den Goldseetrail nicht zu fahren. Die Ausssicht war gleich Null.

So fuhren wir nach einem spartanischen Frühstück los. Die Uhr zeigte 08:00 Uhr. 100 Meter runter zum Joch, wo Frank dann noch Bremsen wechseln wollte. Gessagt, getan und weiter ging es zurück ins Val Müstair über den Umbrailpass. Wir fuhren in Tal. Dort angekommen den Radweg zurück nach Laatsch, den wir zwei Tage zuvor gekommen waren. Und es war beeindruckend, wie lange wir bergab fahren konnten. Das mussten wir ja alles hochgestrebten haben.  Und so waren Frank und ich mächtig stolz.

In Laatsch entledigte ich mich noch meiner Oberbekleidung. Der Kälte der Höhe am Stilfser Joch bei über 2900 Metern folgte jetzt eine wohlige Wärme im Tal. Und es waren Gerüche da! Genau wie letztes Jahr bei meiner Transalp. Das durch Morgentau und Regen nasse Gras und Heu produzierte wohlige Gerüche, die durch eine schemenhaften Sonneneinstrahlung noch verstärk wurden. So kann das Radeln auch nebem dem physischen Genuss (wenn es dann einer ist) und den optischen Genüssen der hochalpinen, teils einsamen Bergwelt auch olfaktorische Genüsse bieten. Einfach herrlich. Das ist es, was ich letztes Jahr schon beschrieb und dieses Jahr auch wieder genießen konnte.

Wir fuhren kurzärmlich entlang eines Radwegs bis nach Schleis. Von hier ging es wieder 1200 Höhenmeter bis zur Sesvenna Hütte. Am Anfang ging es noch über geteerte Straßen, um nach ca. 30 Minuten in Schotterwge zu übergehen. Pünktlich um 11:30 hatten wir zum Mittag Schlining erreicht. Hier gab es nichts  zu essen und der Hunger trieb Fank. So fuhren wir noch kurz zur Schlininger Alm, um bei Kaiserschmarrn noch ein Getränk zu uns zunehmen.

Die letzten 200-300 Höhenmeter zur Sesvenna Hütte waren nicht fahrbar. Zumindest nicht für mich (und wie sich später zeigte auch die überwiegenden Anzahl einer Mitstreiter) Die Steigung war viel zu hoch und das Geröll rutschte andauernd unter den Reifen weg. Zu erwähnen sei noch, dass natürlich Holger, und die beiden Patricks, die auf der Tour wahnsinnige Leistungen zeigten, die Steigung fast komplett hoch fuhren. Meinen größten Respekt hierfür.

Doch auch schiebend könnte ich die Sesvenna Hütte pünktlich um 14:00 Uhr erreichen. Frank kam etwas später. Unsere Mitstreiter trudelten teils mit Busunterstützung (von Schleis nach Schlining) über den Nachmittag ein. Wir genossen die entspannte Atmosphäre und waren auch froh, unserem Körper mal einige Ruhe geben zu können. Das brauchte mein Körper auch dringend. Die Beine waren müde, die Konzentration teils dahin und so schlief ich beim relaxen auf einer schönen Holzliege mit Blick hinab in das Vinschgau ein, bevor ich nach kurzer Zeit vom telefonierenden Frank geweckt wurde.

Ich möchte noch erwähnen, dass es gerade die Truppe, die wir waren, ausmachte, dass jeder so fahren konnte, wie er eben konnte. Die einen schwierigere Passagen lockerer, die Anderen steile Aufstiege schneller. Die Einen teils schiebend, die Anderen danne ben fahrend. Holger, dem hier noch einmal großes Lob gezollt werden soll, führte uns, wie es nötig war. Und jedes Gruppenmitglied war tolerant dem anderen gegenüber und half, wo es nötig war.

Nun noch kurz zur Sesvenna Hütte: Die Atmosphäre hier oben war toll. Ein Wirt, ein Original mit sehr angenehmer und präsenter Ausstralung. Und durch ein T-Shirt mit der Aufschrift "PEARIG" interessiert, erläuterte mit der Hüttenwirt noch die Bedeutung des für mich unbekannten Wortes. Es steht dafür, dass eine weibliche Sau paarungsbereit ist. Dazu sagt man im Südtiroler Dialekt auch ‚pearig'“. Nun gut, damit erübrigte sich der Kauf eines T-Shirts mit dem Aufdruck für meine Frau. Wer weiss, wie sie das verstanden hätte...

Nach einem netten Abendbrot und erzählen bis 22:00 und die Gruppe war in toller Stimmung. Holger wollte noch ein Geselschaftsspiel spielen, doch das verblieb angesichts der  netten und lustigen Unterhaltung. Um 10:00 Uhr ging es dann ins Bett. Wieder war ein Mehrbettzimmer unseres. So schliefen Frank und ich dieses Mal mit 4 Personen in einmaliger Dunkelheit und Stille ein. Ich denke, das könnte ich öfter so genießen. In Ruhe und in der Mitte der Natur einfach die Zeit genießen und zur Ruhe kommen. Warum mache ich das nicht öfter? Mal sehen, ob sich irgendwann noch einmal eine Möglichkeit ergibt, oder ich dies Möglichkeit schaffe. Ich denke schon!

Die Nacht war unruhig. Warum? Das lag am Programm des nächsten Tages. Doch dazu später mehr.

Liebe Grüße

Ullrich

 

Frank:

Ruhige Tour zu zweit
Der morgentliche Gang zur Toilette ist normalerweise nichts, was ich in einem Reisebericht beschreiben würde. Das tue ich natürlich auch jetzt nicht. Das Toilettenfenster ist das Besondere – bzw. der Blick direkt ins Tal auf die Passstraße. Aufsteigende Wolken, Gletscher des Ortler im Hintergrund und bestimmt 30 Kehren der Passstraße – spektakulärer geht es kaum die Morgentoilette zu verrichten. Das Frühstück war gut. Um 8:00Uhr ging es los – heute in zwei Teilgruppen (später sogar drei). Während sich der Großteil der Gruppe auf den Goldseetrail begab, der für einige steile Passagen (für mich Schiebepassagen) bekannt ist, entschlossen Ullrich und ich mich nach Rücksprache mit unserem Guide Holger für die Abfahrt über den Umbrailpass nach St. Maria und dann durch das Val Mustair bis Schleis. Das war zwar etwas weniger spektakulär, hatte aber die gleichen Eckdaten zu bieten – denn das Ziel war das Selbe und der tiefste Punkt war auch der Selbe.
Auf der Passhöhe musste ich noch eine Bremse wechseln und dann ging es über die früh am Morgen noch leere Passstraße zum Umbrailpass und dann weiter ins Val Mustair. Bei einer solchen Abfahrt (fast 30 Minuten stetig steil bergab) wird einem erstmal bewusst, was man sich für Höhen erkämpft hat. Landschaftlich schön, aber glücklicherweise ohne weitere Schwierigkeiten erreichen wir St. Maria, um auf dem Waldweg durch das Val Mustair nach Glurns und dann nach Schleis weiterzufahren. Nach anderthalb Stunden erreichen wir den Dorfbrunnen von Schleis im Vinschgau. Die Trinkblasen werden gefüllt.


Langer Aufstieg nach Schlinig
Ein langer Aufstieg über Anfangs Straße und später Waldwege beginnt. Die 900hm bis Schlinig führen durch teilweise dichte Nadelwälder, schöne Almen, an Bächen entlang, bis wir nach ca. 2 Stunden Schlinig erreichen. Nach kurzer Suche für ein Mittagessen entschließen wir uns zur Weiterfahrt, um an der Schlinigalm zum Mittag zu speisen. Die Fahrt dorthin wäre eigentlich einfach, wenn dort dann nicht plötzlich Gegenwind gewesen wäre. Aber nach 20 Minuten konnten Ullrich und ich leckeres Mittagessen (Hirtenmakaroni) bestellen und in aller Ruhe die Sonne genießen. Wir waren ja schon kurz vor dem Tagesziel. Aber auch das musste noch erarbeitet werden. Sehr steil führte ab der Schlinigalm ein kleiner Weg vorbei an einem Wasserfall zur 300m höher liegenden Hochebene. Wenige meter nach Erreichen der Hochebene kommt dann auch die Sesvenna-Hütte ins Blickfeld – das Tagesziel. Erwartungsgemäß waren wir vor den anderen da. Um 14:15Uhr legten wir uns auf ein paar Sonnenliegen und freuten uns auf einen entspannten Nachmittag.
Um 15:30 Uhr und um 17:00 Uhr folgten jeweils weitere Mitglieder unserer Gruppe. Einige hatten aus dem Tal einen Postbus genommen und hatten sich den Anstieg nach Schlinig gespart. Den legendären Apfelstrudel der Sesvenna-Hütte musste ich mir gönnen. Die Hüttenwirte – zwei charismatische Brüder – reichten uns ein tolles Abendessen um 18:30Uhr. Weitere Biker und Wanderer waren noch eingetroffen und es wurde ein schöner und unterhaltsamer Abend auf der Hütte.

 

Fotos des Tages:

Morgenstimmung von der Garibaldi Hütte in Richtung Bochetta di Forcola (wo wir gestern noch waren) aufgnommen. Das sonnige Wetter hilet jedoch nicht lange.

Schnell wurde es neblig, und zur Abfahrt um 08:00 Uhr war keine Sonne mehr zu sehen.

Die Garibaldi Hütte über dem Stilfer Joch im morgendlichen Nebel

Rückblick ins Vinschgau bei der Auffahrt nach Schlining

Hochebene bei Schlining kurz vor der Sesvenna Hütte

Die letzten Meter zur Sesvenna Hütte in der Mitte des Bildes. Rechtsseitig die Pforzheimer Hütte.